
Die polnische RZECZPOSPOLITA fasst zusammen: "Die Iraner haben keine Unterhändler nach Islamabad entsandt. Donald Trump wiederum hat keinen Großangriff auf den Iran angekündigt und stattdessen sein Ultimatum erneut verlängert. Keine der beiden Seiten ist an einer Wiederaufnahme des Krieges interessiert. Dennoch stehen die Chancen auf ein Friedensabkommen derzeit schlecht. Der Iran reagierte weitgehend negativ auf Trumps einseitige Entscheidung, die Waffenruhe zu verlängern. Aus Teheran hieß es, Trumps Beschluss sei irrelevant – die unterlegene Seite könne keine Bedingungen stellen. Es bleibt zu hoffen, dass eine Einigung über die Fortsetzung des Waffenstillstands erzielt wird und die schwierigen Verhandlungen Experten wie Diplomaten und Nuklearspezialisten überlassen werden", notiert RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die dänische Zeitung POLITIKEN meint: "Man wird schnell missmutig, wenn man die unversöhnlichen Meldungen aus Washington und Teheran liest, während gleichzeitig klar ist, dass beide Seiten zu irgendeiner Lösung kommen müssen. Die ohnehin durch Sanktionen gebeutelte iranische Wirtschaft leidet zusätzlich unter der Blockade der Häfen. Schon vor dem Krieg führte die Unzufriedenheit der Menschen über ihre wirtschaftliche Lage zu Massenprotesten. Und in den USA steht Donald Trump unter Druck wegen wachsender Unzufriedenheit mit dem Krieg. Das hängt auch damit zusammen, dass er im Wahlkampf versprochen hat, keine Kriege mit unklaren Zielen mehr zu führen. Die steigenden Ölpreise führen zudem in den USA dazu, dass neben Benzin noch diverse andere Produkte teurer werden. Das könnte noch lange so bleiben, denn Ölpreise schießen zwar schnell in die Höhe, fallen aber nur langsam wieder", bemerkt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz lobt Pakistans Vermittlerrolle in dem Konflikt: "Die Regierung und das allmächtige Militär Pakistans haben still und geduldig immer wieder Botschaften für die Kriegsparteien ausgetauscht, haben Bedingungen ausgelotet, rote Linien sondiert. Sie haben sich als zentraler Mediator selbst eine diplomatische Statur verschafft: Das ist eine neue Erfahrung für ein ansonsten recht gebeuteltes Land. Pakistan ist von diesem Krieg auch selbst hart getroffen: Die Spritpreise in der wirtschaftlich angeschlagenen islamischen Nation sind um etwa 50 Prozent gestiegen. Durch die Grenze zum Iran befürchtet Islamabad, die Folgen des Konflikts könnten noch massiver herüberschwappen, wenn nicht bald ein Friedensschluss erreicht wird. Aber Pakistan hat es bisher geschickt geschafft, sich unersetzlich zu machen", hält der TAGES-ANZEIGER aus Zürich fest.
Die WASHINGTON POST aus den USA findet die Verhandlungen außergewöhnlich: "Beide Seiten verhalten sich so, als ob der einzige Weg zu einem 'Ja' darin bestände, immer wieder 'Nein' zu sagen. Trump und die Iraner scheinen einen Deal zu wollen, bestehen aber darauf, dass sie ihn nicht brauchen – und dass die andere Seite ihn mehr will. Beide leiden wirtschaftlich, prahlen aber damit, dass sie bereit sind, auf unbestimmte Zeit weiterzukämpfen. Eine Erklärung für die großspurigen Äußerungen könnte das Bedürfnis sein, schmerzhafte Kompromisse zu verschleiern. Der Iran wird wahrscheinlich zustimmen, seine Bestände an hochangereichertem Uran abzubauen. Andererseits wird ein Abkommen wahrscheinlich auch die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte beinhalten. Trump wird auf zumindest nominellen Beschränkungen für iranische Atomraketen bestehen. Doch dies wird weit entfernt sein von der 'bedingungslosen Kapitulation', die er zu Beginn des Konflikts gefordert hat", stellt die WASHINGTON POST fest.
Die türkische Zeitung MUHALIF beobachtet eine wachsende Isolation der USA: "Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs inszenieren sich die USA als Hegemonialmacht und versuchen, als Weltpolizist aufzutreten. Doch seit der unberechenbare Donald Trump vor anderthalb Jahren zum Präsidenten gewählt wurde, sind die USA zunehmend isoliert; selbst enge Verbündete wenden sich von Washington ab. Das deutlichste Beispiel dafür war Trumps Vorhaben, die Straße von Hormus zu blockieren – ohne jegliche Unterstützung seiner NATO-Verbündeten. Die USA und Israel versinken im Iran-Konflikt sichtlich in einem Sumpf. Vielleicht werden sie den Krieg nicht gänzlich verlieren, aber als Sieger werden sie auch nicht daraus hervorgehen", ist sich MUHALIF aus Istanbul sicher.
AFTENPOSTEN aus Norwegen moniert mit Blick auf die Straße von Hormus: "Es ist inakzeptabel, dass sowohl die USA als auch der Iran nun offenbar zivile Schiffe als Spielfiguren in einem Machtspiel einsetzen. Beide Länder haben in den letzten Tagen Schiffe angegriffen, die versucht haben, die Meerenge zu passieren. Rund 800 Schiffe befinden sich im Persischen Golf. Nur wenige haben es gewagt, hinauszufahren. Das ist nicht verwunderlich: Es stehen Menschenleben und wertvolle Fracht auf dem Spiel. Angriffe auf zivile Schiffe verstoßen gegen das Völkerrecht. Der Konflikt um Hormus schafft einen gefährlichen Präzedenzfall. Die freie Durchfahrt auf den Weltmeeren und auf internationalen Wasserstraßen ist ein hohes Gut, das es zu bewahren gilt", unterstreicht AFTENPOSTEN aus Oslo.
Nun nach Japan, wo die Regierung das bislang bestehende Exportverbot für tödliche Waffen weitgehend aufgehoben hat. NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio erläutert: "Hinter dieser Entscheidung stecken die zunehmende Bedeutung des Rechts des Stärkeren sowie erhöhte geopolitische Gefahren: Seit Beginn des russischen Invasionskriegs in der Ukraine häufen sich weltweit militärische Zusammenstöße, und die Nachfrage für Rüstungsgüter ist entsprechend drastisch gestiegen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Export tödlicher Waffen hierzulande umstritten, was zu einer ernsthaften Schwächung der Rüstungsindustrie geführt hat. Mit dem aufgehobenen Exportverbot kann die Regierung nun die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Wirtschaft und die Verteidigung stärken. Das schließt auch Partnerländer mit ein", betont die japanische NIHON KEIZAI SHIMBUN.
"Damit hat Japan eine rote Linie überschritten", stellt die chinesische XINMIN WANBAO klar. "Wobei dieser gefährliche Schritt das Land nicht sicherer machen wird. Der Export tödlicher Waffen war noch nie eine rein kommerzielle Angelegenheit, sondern schon immer ein Instrument der Geopolitik. Dies stellt eine ernsthafte Bedrohung für die internationale Nachkriegsordnung sowie den Frieden und die Stabilität in der Region dar. Dadurch wird die japanische Verfassung mit ihrer pazifistischen Ausrichtung immer weiter ausgehöhlt", kritisiert XINMIN WANBAO aus Schanghai.
Die Mitgliedstaaten der EU haben einen neuen Vorstoß für Sanktionen gegen Israel abgelehnt. Dazu ist in der spanischen Zeitung LA VANGUARDIA zu lesen: "Spanien, Slowenien und Irland standen mit ihrer Forderung, das Assoziierungsabkommen der EU mit Israel auszusetzen, auf verlorenem Posten. Die übrigen 24 Mitgliedstaaten verweigerten ihre Unterstützung - allen voran Deutschland und Italien. Die EU-Außenbeauftragte Kallas hatte wahrscheinlich recht, als sie die Bedeutung dieses Abkommens relativierte und fragte, ob dessen Aussetzung die israelische Expansion im Westjordanland tatsächlich gebremst hätte. Doch Politik lebt auch von Gesten. Kritik an Israels Premier Netanjahu ist keineswegs mit einer Verurteilung des jüdischen Volkes gleichzusetzen. Die Ereignisse in Gaza und im Westjordanland, ebenso wie die Bombardierungen im Libanon, dürfen nicht als Ausdruck einer Logik des totalen Krieges hingenommen werden. Israel beschädigt damit sein internationales Ansehen. Und auch die EU nimmt Schaden, wenn sie keine klare Haltung zeigt", findet LA VANGUARDIA aus Madrid, und damit endet die Internationale Presseschau.
