23. April 2026
Die internationale Presseschau

Ein Thema ist Ungarn, das seine monatelange Blockade des geplanten EU-Unterstützungspakets für die Ukraine aufgegeben hat. Sehr viele Zeitungen blicken außerdem auf die Verlängerung der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran durch US-Präsident Trump.

Donald Trump steht auf dem Rasen hinter dem Weißen Haus und gestikuliert.
US-Präsident Donald Trump (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Manuel Balce Ceneta)
Die türkische Zeitung SABAH schreibt dazu: "Einige Analysten vermuten, dass Trump auf Verzögerungstaktiken setzt, während andere glauben, die USA hätten diesen Krieg bereits verloren. Die ganze Welt hält diesen Krieg für unnötig. Außerdem hat der radikale Flügel der iranischen Revolutionsgarden durch den Krieg an Stärke gewonnen. Der größte Fehler der USA war es, Teherans Strategiewechsel nicht erkannt zu haben. Die Vergeltungsfähigkeit des Regimes wurde unterschätzt. Und: Geheimdiensterkenntnisse über das Raketenarsenal des Iran haben sich als falsch erwiesen", stellt SABAH aus Istanbul fest.
Die in Shanghai erscheinende Zeitung JIEFANG RIBAO fasst zusammen: "Der US-Präsident begründete seine Entscheidung zur Verlängerung der Waffenruhe mit der Spaltung der iranischen Regierung. Überzeugend klingt das nicht. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass Donald Trump nach einem Ausweg sucht, um den Krieg nicht weiter führen zu müssen. Teheran erklärt, man habe kein Vertrauen zum Weißen Haus. In der Tat wurde das Land immer dann am heftigsten angegriffen, wenn beide Seiten Gespräche führten. Ohnehin sind die überzogenen Forderungen beider Seiten das größte Hindernis. Es fehlt einem schlicht die Phantasie, wie sich Amerika und der Iran einigen könnten", bemerkt JIEFANG RIBAO.
Auch in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz lautet die Beobachtung: "Vermutlich ist man im Weißen Haus zur Einsicht gelangt, dass die iranischen Unterhändler um den Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf gar nicht über die nötige Verhandlungsmacht verfügten. Vielmehr scheinen die iranischen Revolutionswächter eine diplomatische Lösung zu sabotieren. Statt neue Angriffe zu befehlen, will Trump nun also das inneriranische Gerangel beobachten: Hofft er auf einen Coup d’État?"
Die brasilianische Zeitung FOLHA DE SÃO PAULO aus São Paulo sieht die USA in einer Position der Schwäche. "Die erfolgreiche Gefangennahme von Venezuelas Diktator Maduro Anfang des Jahres ist dem US-Präsidenten offenbar so zu Kopf gestiegen, dass er meinte, diesen Erfolg im Iran wiederholen zu können. Aber das Regime ist weiter an der Macht. In dem Krieg geht es inzwischen darum, wer länger durchhält, und da sitzt das iranische Regime am längeren Hebel. Es ist mitnichten so, dass der Iran keine Schäden erlitten hätte. Aber im Gegensatz zu Trump muss sich das Regime nicht der öffentlichen Meinung im eigenen Land stellen."
"Trump und sein Team können kaum noch ernst genommen werden", meint der niederländische VOLKSKRANT aus Amsterdam. "Zu unerfahren. Zu amateurhaft. Zu unberechenbar. Es ist höchste Zeit, dass andere Länder das diplomatische Vakuum füllen, das Trump geschaffen hat. Die britisch-französische Initiative zur Straße von Hormus kann eine Grundlage für umfassendere Verhandlungen bilden, die auf Fachwissen und diplomatischem Geschick beruhen."
Die panarabische AL QUDS AL-ARABY analysiert: "Dass der Iran die Verhandlungen mit den USA hinauszögert, deutet vor allem auf eines hin: Die Führung in Teheran ist überzeugt, den Krieg noch nicht verloren zu haben. Darum will sie weder auf Trumps Forderungen eingehen noch sich seinen Drohungen beugen. Das heißt nicht, dass sie nicht zu Zugeständnissen bereit wäre. Wohl aber erwartet sie Gegenleistungen. Sie ist bereit, die Straße von Hormus zu öffnen, wenn sie im Gegenzug Transitgebühren erheben kann. Sie ist bereit, ein neues Atomabkommen zu akzeptieren, fordert im Gegenzug aber die Aufhebung der Sanktionen und die Freigabe von Milliarden Dollar an eingefrorenen Vermögenswerten. Es scheint, als stünden die USA angesichts steigender Treibstoffpreise, einer drohenden Inflationskrise und der enormen Kosten des Krieges unter sehr viel höherem Druck, diesen zu beenden, als der Iran", meint AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Optimistisch ist der Ausblick im britischen INDEPENDENT. "Der Punkt, an dem der Iran und die USA durch eine Fortsetzung des Konflikts mehr zu verlieren haben als durch dessen Beendigung, rückt immer näher."
Anders sieht es die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER aus Stockholm. "Vielleicht wird hinter den Kulissen irgendeine Vereinbarung erreicht, und Trump kann sich zum Sieger erklären und zurückziehen. Aber viel wahrscheinlicher ist, dass das alles erst der Anfang ist. Uns droht eine Energiekrise, die schlimmer als die Krisen von 1973 und 2022 wird - zusammengenommen. Trotzdem begnügt sich unsere Regierung bislang damit, die Benzinsteuer zu senken, damit auch wirklich alle weiterhin aufs Gaspedal drücken können. Das reicht nicht als Vorbereitung auf das, was uns bevorsteht - bei Weitem nicht", mahnt DAGENS NYHETER aus Stockholm.
In Ungarn hat die Regierung des scheidenden Ministerpräsidenten Orban nach langem Widerspruch ihre Zustimmung für die Ukraine-Hilfe gegeben. Die norwegische AFTENPOSTEN aus Oslo kommentiert dies folgendermaßen: "Es wäre unerträglich, wenn Russland mit seinem Angriffskrieg Erfolg hätte. Auf dem Spiel steht das Recht der Ukraine und anderer Länder, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden. Nicht weniger als das. Nun wird ein günstiges Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro für einen Verteidigungskampf freigegeben, der ganz wörtlich auf Leben und Tod geführt wird. Kein ungarischer Ministerpräsident blockiert diese Hilfe mehr. Das ist lebenswichtig für die Ukraine und eine kalte Dusche für den Krieger im Kreml."
NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Japan kommentiert: "Der Ukraine drohte im Juni eine leere Kriegskasse, aber mit der nun erfolgten Zustimmung Ungarns kann das vermieden werden. Trotzdem ändert sich nichts daran, dass sich Kiew in einer schwierigen finanziellen Situation befindet. Das Geld von der EU wird für die Waffen gebraucht, aber die Erhöhung der Soldaten-Gehälter muss durch den Staatshaushalt bewältigt werden. Laut Finanzminister Marchenko droht im kommenden Jahr ein großes Haushaltsloch. Und ins Stocken geraten sind die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds. Der IWF verlangt von Kiew Reformen. Diese werden der ukrainischen Bevölkerung weh tun, wie zum Beispiel eine Steuererhöhung für kleine Unternehmen. Falls aber die Verhandlungen mit dem IWF nicht erfolgreich laufen, könnten neben dem IWF auch EU- und andere Partnerstaaten ihre finanzielle Hilfe auf Eis legen." Das war die Tokioter Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN.
Abschließend ein Gastkommentar aus der Kairoer DAILY NEWS EGYPT, der einen Blick auf Deutschland wirft. "Eine aktuelle Studie der Hertie School zeichnet ein beunruhigendes Bild der jüngeren Generation in Deutschland: 29 Prozent geben an, psychologische Unterstützung zu benötigen, 23 Prozent sehen sich schon mit finanziellen Belastungen konfrontiert, und jeder Fünfte erwägt, das Land zu verlassen. Das Problem ist nicht, dass junge Menschen erschöpft sind, sondern dass sie nicht mehr verstehen, warum sie so hart arbeiten. Deutschland spiegelt ein strukturelles Problem wider: eine Krise der Sinnstiftung innerhalb des modernen Staates. Das Vertrauen in eine gerechte Zukunft schwindet. Gleichzeitig fühlen sich viele davon ausgeschlossen, die Entscheidungen mitzugestalten, die diese Zukunft bestimmen. Die Krise ist daher nicht rein wirtschaftlicher oder sozialer Natur, sondern zunehmend politischer. Und die Migration verschärft diese Spannung. Wenn die Bürger politische Maßnahmen als nachvollziehbar empfinden, sind sie eher bereit, Belastungen zu ertragen. Wenn ein institutionell so starkes Land wie Deutschland vor solchen Herausforderungen steht, sind die Implikationen für andere Staaten umso dringlicher. Effizienz allein reicht nicht. Ein Staat muss seine Bürger davon überzeugen, dass sein Handeln Sinn hat und dass dieser Sinn nachvollziehbar und gerecht ist."