
Die dänische Zeitung POLITIKEN sieht den Gipfel als Erfolg. "Europa ist stärker als viele vielleicht glauben", beschwört die Kopenhagener Zeitung und glaubt, das von dem Gipfel ein wichtiges Signal ausgeht: "Was den Zusammenhalt betrifft, geht es hurtig voran. Die EU soll gar keine aggressive Supermacht wie die USA sein. Wir stehen für eine regelbasierte Weltordnung, in der nicht einfach das Recht des Stärkeren gilt. Aber wir müssen uns und unsere Werte auch verteidigen können. Alle Mitglieder müssen weniger egoistisch werden und sich stärker auf das Beste für alle konzentrieren. Die EU entstand aus den Ruinen des Zweiten Weltkriegs. Donald Trump hat die alte Weltordnung zerstört, aber wenn sich der Staub legt, steht die EU mit etwas Optimismus noch immer da", hofft POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die spanische Zeitung EL PAíS thematisiert die Bemühungen der EU in der Energiepolitik und verweist dabei auf die Fortschritte in Spanien: "Auch wenn dies spät geschieht, ist es ein richtiger Schritt. Brüssel legt den Schwerpunkt erneut darauf, fossile Brennstoffe wo immer möglich zu ersetzen. Die Tatsache, dass in Ländern wie Spanien der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix den Endpreis senkt, hat die EU dazu veranlasst, das Engagement für eine ökologische Wende wieder aufzunehmen", lobt EL PAÍS aus Madrid.
Die schwedische Zeitung EXPRESSEN beschäftigt sich mit dem Auftreten des ukrainischen Präsidenten Selenskyj auf dem EU-Gipfel und stellt fest: "Selenskyj trat entschlossener auf als sonst. Er bittet nicht mehr um Hilfe, er bietet Hilfe an. Europa hat das Geld und den Wohlstand, ist aber noch nicht bereit für einen Krieg. Dagegen ist die Ukraine im Kampf gegen Europas größte Armee gestählt und Weltmeister in der modernen Kriegsführung mit Drohnen. Selenskyjs Angebot: eine militärische Partnerschaft, und die ist mehr als willkommen. Aber als Gegenleistung will er eine EU-Mitgliedschaft", konstatiert EXPRESSEN aus Stockholm.
Die US-Zeitung WASHINGTON POST nimmt den EU-Gipfel zum Anlass und verweist darauf, dass Europa sein Schicksal zunehmend selbst in die Hand nehme: "In Europa hat die Häufung der Beschimpfungen durch US-Präsident Trump einen kritischen Punkt erreicht. Europäische Staats- und Regierungschefs haben kein Interesse mehr daran, vor Trump auf die Knie zu fallen und vor ihm zu kriechen, um sich seine Gunst zu sichern. Der Plan der Europäischen Union bei der Rüstung sieht Investitionen von rund 800 Milliarden Euro vor. Die Europäer wollen mehr Geld im eigenen Land investieren, europäische Unternehmen und Lieferketten aufbauen und so strategische Autonomie von Washington erlangen", fasst die WASHINGTON POST zusammen.
Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA befürchtet, dass durch die Veränderungen auch auf EU-Ebene die NATO gespalten werden könnte. Vorangetrieben werde das vor allem von US-Präsident Trump: "Es könnte sein, dass Trump den Zerfall des Bündnisses einleitet. Polen sollte sich daher nicht darüber freuen, dass es auf die Liste der 'guten Länder' gesetzt wird. Und polnische Politiker, die in Washington Gehör finden, sollten die Amerikaner davon überzeugen, ihre Pläne zur Spaltung der NATO fallen zu lassen“, notiert die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die in Shanghai erscheinende Zeitung JIEFANG RIBAO blickt auf die anstehende Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran in Islamabad und unterstreicht: "Die USA und Israel zeigen im Vorfeld der Verhandlungen ihre Härte und drohen gegenseitig mit Angriffen. Die iranische Seite sieht sich für alle Szenarien ebenfalls gut gewappnet. Alle Zeichen signalisieren, dass man sich zwar zu Verhandlungen trifft, doch es können jederzeit wieder Schüsse fallen. Das Grundproblem ist, dass keine der Konfliktparteien bereit ist, auf die Forderungen des Gegenüber einzugehen. Es gibt kaum Raum für einen Kompromiss", befürchtet die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO.
Die Zeitung STAR aus Istanbul macht sich Gedanken über die Zukunft des Iran und sieht drei Wege, die dem Land jetzt offen stehen: "Die erste Option besteht darin, den aktuellen Kurs beizubehalten, innerhalb der 'Achse des Widerstands' zu verharren und die Beziehungen zu Akteuren wie China und Russland zu vertiefen. Der zweite wäre es, die Verhandlungskanäle mit dem Westen zu stärken. Hier besteht die Gefahr, dass dies ideologischen Widerstand innerhalb des Regimes auslöst und die innenpolitischen Spannungen verschärft. Die dritte und vielleicht komplexeste Option besteht darin, eine ausgewogenere und vielschichtigere Außenpolitik zwischen Ost und West zu entwickeln. Dieser Ansatz könnte auch die historische Rolle des Iran als 'Brücke zwischen den Zivilisationen' wiederbeleben", lautet die Perspektive, die die türkische Zeitung STAR für den Iran sieht.
Der TAGESANZEIGER aus Zürich nimmt die weiter geltende Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz in den Fokus - glaubt aber, Israel selbst stehe zu wenig hinter der Vereinbarung: "Und wieder ist es US-Präsident Donald Trump, von dem die Israelis erfahren, dass die Waffenruhe im Libanon weiterläuft. In den israelischen Medien werden schon die ersten Witze gerissen, man werde eigentlich aus Washington regiert. Sowohl von der Waffenruhe mit dem Iran als auch von derjenigen mit dem Libanon wirkte der israelische Premier Benjamin Netanyahu überrumpelt. Es ist kein Geheimnis: Er hätte gern weitergekämpft", so der TAGESANZEIGER aus der Schweiz
Die Zeitung AN NAHAR aus Beirut hat dagegen Hoffnung, dass die Gespräche den Libanon dauerhaft stabilisieren werden. Grund sei, dass sich die Hisbollah und der Blick der Menschen auf die Miliz verändert hätten: "Der Krieg hat nicht nur die politische und militärische Struktur der Hisbollah beeinträchtigt, sondern auch ihre Unterstützung durch die libanesische Gesellschaft. Es scheint, als neige sich die Zeit dem Ende zu, dass mit der Hisbollah neben dem Staat eine zweite entscheidende Instanz stand. Immer deutlicher zeigt sich nun, dass dauerhafte Stabilität nur dann möglich ist, wenn einzig der Staat über Krieg und Frieden entscheidet. Das es tatsächlich dazu kommen könnte, ist denkbarer denn je", schätzt die libanesische Zeitung AN NAHAR.
Themenwechsel. Die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT erinnert an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor fast genau 40 Jahren und beschreibt, was das damals in Europa ausgelöst hat: "Die Nachricht schlug in Europa ein wie eine Bombe. Eine radioaktive Wolke zog vom havarierten Reaktor gen Westen und löste auf dem ganzen Kontinent Panik aus. Schon bald nach der Havarie wurden bei uns erhöhte Strahlungswerte registriert, aber die Bevölkerung wurde erst später darüber informiert. Das war ein Skandal. Neue Risiken gibt es heute durch den russischen Angriff auf die Ukraine. Rund um das Kraftwerk wurde gekämpft, und im vergangenen Jahr riss sogar eine russische Drohne ein Loch in die Stahlkonstruktion über dem zerstörten Reaktorblock. Bislang wurden zum Glück keine gefährlichen Strahlungswerte gemessen, aber in Kriegszeiten gibt es keine Sicherheit", stellt ILTA-SANOMAT aus Helsinki heraus.
Der Kommentator der IRISH TIMES aus Dublin erinnert daran, dass die Folgen des Reaktorunfalls noch immer sichtbar sind: "Tschernobyl ist nicht Vergangenheit – Tschernobyl ist unvergessen. Die Folgen dieses einen nuklearen Unfalls sind unumkehrbar; seine radioaktive Belastung wirkt sich noch immer auf unzählige Millionen Menschen aus. Es ist unmöglich zu sagen, ob wir den Höhepunkt der Folgen der radioaktiven Verseuchung bereits überschritten haben oder ob wir uns erst am Anfang befinden. Die Latenzzeit für einige Krebsarten wird auf bis zu 60 Jahre geschätzt – das Schlimmste könnte also noch bevorstehen", lautet die düstere Prognose der IRISH TIMES.
