
Der britische TELEGRAPH lobt: "Der Präsident ging mit bewundernswerter Standhaftigkeit, Mut und Humor mit der Bedrohung um. Nur wenige Stunden nach dem Vorfall hielt er eine Pressekonferenz ab, in der er dafür plädierte, einen Flügel des Weißen Hauses in einen gigantischen Ballsaal umzuwandeln. Was auch immer man von der Politik des Präsidenten halten mag, sein Umgang mit dieser Bedrohung war vorbildlich. Jeder wird seine eigene Meinung über Präsident Trump haben, aber wir sollten alle seine Entschlossenheit bewundern, seinen potenziellen Mördern die Stirn zu bieten und zu zeigen, dass Gewalt im politischen Leben keinen Platz hat." Das war THE TELEGRAPH aus London.
Die US-Zeitung WASHINGTON POST schreibt: "Politische Gewalt ist nicht akzeptabel. Nach einem Moment des Schreckens ist es immer verlockend, wegen der Sicherheit mehr Distanz zwischen Politikern und den Menschen, die sie wählen, zu schaffen. Doch Zugänglichkeit ist eines der Geheimnisse des amerikanischen Erfolgs. Und es ist unerlässlich, das richtige Gleichgewicht zu finden. Chinas Präsident Xi Jinping und der russische Staatschef Wladimir Putin würden nicht daran denken, an einem Abendessen mit unabhängigen Journalisten teilzunehmen. Wahnsinnige wie der 31-jährige verdächtige Angreifer aus Kalifornien versuchen, an den Nähten einer freien Gesellschaft zu zerren. Aber es steht zu viel auf dem Spiel, um sie Erfolg haben zu lassen", warnt die WASHINGTON POST.
Besondere Beachtung findet in den Kommentaren in diesem Zusammenhang die politische Kommunikation. Dazu heißt es im britischen GUARDIAN aus London: "Ein Präsident sollte mit gutem Beispiel vorangehen und einen respektvollen Umgangston pflegen. Stattdessen hat Donald Trump die Polarisierung gefördert, entmenschlichende Rhetorik verwendet und es versäumt, Gewalt seitens der Rechten zu verurteilen."
Auch die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN kritisiert die scharfe Rhetorik: "Besorgniserregend ist die weltweit zunehmende Haltung, Andersdenkende nicht als Diskussionspartner zu betrachten, sondern als Feinde. Auch Trump bezeichnete einst die Medien als 'Feinde des Volkes' und drohte oft seinen politischen Rivalen mit Rache. Solch eine Wortwahl fördert die Polarisierung und rechtfertigt Gewalt. Es ist an der Zeit, von der polarisierenden Politik zu der mit Gesprächen zurückzukehren", mahnt ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Das WALL STREET JOURNAL sieht das Problem, argumentiert aber anders: "Dies ist offenbar bereits der dritte Attentatsversuch auf Trump. Es ist etwas dran an seiner Behauptung, dass er ins Visier genommen wird, weil er etwas bewirkt hat. Er versucht, einen Großteil des Status quo in Washington zu verändern. Seine oft scheußliche Rhetorik hat dazu geführt, dass viele seiner Gegner jegliches Urteilsvermögen und jedes Augenmaß verloren haben. Politiker und Medienvertreter müssen aufhören, in apokalyptischen Tönen zu sprechen und zu schreiben, und die Vernunft in die politischen Debatten zurückbringen. Wir müssen die traditionelle moralische Grundhaltung wiederbeleben, dass Gewalt inakzeptabel ist", fordert das WALL STREET JOURNAL.
Die türkische Zeitung THE STAR befasst sich mit den Bemühungen um eine diplomatische Lösung im Krieg der beiden Verbündeten USA und Israel mit dem Iran und fragt: "Wird es eine zweite Gesprächsrunde in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad geben, oder wird die Waffenruhe faktisch scheitern? Die Gespräche wurden zwar nicht offiziell abgesagt, aber de facto auf Eis gelegt. In Islamabad geht es nicht nur um Atomwaffen, sondern auch um die Straße von Hormus und die Seeblockade. Die USA haben in den letzten Tagen durch die Beschlagnahmung iranischer Schiffe den Druck erhöht. Teheran bezeichnet dies offen als Piraterie. Laut dem Iran sind Verhandlungen während der andauernden Blockade keine echten Verhandlungen. Der Iran steht nicht allein da. Indirekte Unterstützung aus China und Russland ist Realität", bemerkt THE STAR aus Istanbul.
Die anhaltende Blockade der wichtigen Seehandelsroute in der Golfregion könnte weitreichende Folgen für die Leitwährung US-Dollar haben, überlegt die taiwanesische Zeitung JINGJI RIBAO, denn: "Wenn der Iran die vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus erlangt, wird er über zwei Drittel der weltweiten Ölgeschäfte bestimmen. Der Iran könnte sich dann aus der Abhängigkeit der Wall Street befreien. Dies würde den chinesischen, russischen und europäischen Währungen oder gar dem Edelmetall Gold neue Chancen bieten. Der Iran-Krieg könnte der Anfang des Endes des Dollar-Zeitalters sein. Es sei denn, die US-Armee schafft es, den Krieg innerhalb des nächsten halben Jahres für sich zu entscheiden, - was momentan jedoch nicht danach aussieht", kommentiert JINGJI RIBAO aus Taipeh.
Die panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED analysiert: "Angesichts des Drucks, den der Krieg in der Region auslöst, proben die arabischen und islamischen Staaten nun einen komplexen Absatz. Darin fungiert die Türkei aufgrund ihrer NATO-Mitgliedschaft und ihrer geografischen Lage als flexible politische Brücke Richtung Westen. Ägypten bietet diplomatische Unterstützung durch seine Kontakte zu den Golfstaaten und dem Iran sowie zu Washington und der Europäischen Union. Saudi-Arabien hingegen setzt auf sein politisches und wirtschaftliches Gewicht und stimmt sich eng mit Pakistan ab. Zudem vertritt es die Interessen der Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats und genießt darum breite arabische Akzeptanz. Ziel dieses Modells ist es, eine Vielzahl von Akteuren einzubeziehen und ganz unterschiedliche Ressourcen in einem komplexen Konflikt zu mobilisieren, dessen Auswirkungen über die Region hinaus bis auf die internationale Ebene reichen. Hinter der Initiative steht das Bewusstsein, dass jede Eskalation des Konflikts immer desaströsere Auswirkungen hat." Das war AL ARABY AL-JADEED aus London.
Vor 40 Jahren gab es in Tschernobyl den bislang schwersten Reaktorunfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomkraft. Zu den Folgen schreibt die schwedische Zeitung AFTONBLADET: "Radioaktive Substanzen wurden mehrere Kilometer in die Luft geschleudert und verteilten sich über weite Teile Europas. Schweden war besonders stark betroffen. Das Land stand durch den Mord an Premierminister Olof Palme ohnehin bereits unter Schock, und plötzlich war auch noch alles ringsherum vergiftet: Beeren, Elchfleisch, Pilze. Seit der Katastrophe sind nun 40 Jahre vergangen, und das Unglück ist seither zunehmend verdrängt worden und beinahe in Vergessenheit geraten. Regierungen in Europa setzen wieder auf Atomkraft. Inzwischen haben wir wieder begonnen, Beeren und Pilze zu suchen. Aber als die Strahlensicherheitsbehörde die Radioaktivität in bestimmten Regionen maß, lag das Niveau noch immer deutlich über dem Grenzwert - 40 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl", gibt das AFTONBLADET aus Stockholm zu bedenken.
Die estnische Zeitung POSTIMEES erinnert daran, dass auch Menschen aus der damaligen sowjetischen Teilrepublik als sogenannte Liquidatoren im zerstörten Atomkraftwerk Tschernobyl eingesetzt wurden: "Radioaktiver Niederschlag ging über uns nieder, und unter einem Vorwand wurden rund 5.000 Esten nach Tschernobyl geschickt und dort einer enormen Strahlenbelastung ausgesetzt. Aber die Auswirkungen reichten über die rein physischen Folgen hinaus. Die Havarie von Tschernobyl enthüllte, welches Chaos in der Sowjetunion herrschte und dass die Unfähigkeit bis in die höchsten Ränge reichte. Das trug dazu bei, dass fünf Jahre später die Sowjetunion kollabierte. Auch die Unabhängigkeitsbestrebungen in den baltischen Staaten nahmen zu."
