
Die französische Zeitung LES ÉCHOS betont: "Jedem ist bewusst, dass die Dauer des Krieges darüber entscheidet, ob es zu Versorgungsengpässen kommt. Die Internationale Energieagentur macht keinen Hehl aus ihrem Pessimismus. Frankreich sollte sich Gedanken über eine Situation machen, die sich zu Beginn des Sommers verschlechtern könnte."
Die türkische Zeitung HÜRRIYET sieht Russland als Gewinner der Situation und erklärt: "Die Welt ist derzeit auf russisches Öl angewiesen. Jede Bedrohung der Straße von Hormus treibt die Preise in die Höhe. Die Spannungen im Nahen Osten stärken die Position Russlands, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Als einer der weltweit größten Exporteure von Erdöl und Erdgas fließt jeder Preisanstieg direkt in die Kassen Moskaus. Außerdem sind die Produktionskosten in Russland niedrig. Wenn der Preis steigt, vervielfachen sich die Gewinne. Es gibt nur einen Akteur in diesem Krieg, der ohne Risiken zu gewinnen vermag - und das ist Russland", folgert die Zeitung HÜRRIYET, die in Istanbul erscheint.
Die italienische CORRIERE DELLA SERA hebt die Rolle des russischen Präsidenten nach seiner Zusammenkunft mit dem iranischen Außenminister Araghtschi hervor: "Das Treffen der beiden in St. Petersburg ist von Putin persönlich gesteuerte Diplomatie. Sie zeigt seinen offensichtlichen Willen, sich als Vermittler zu positionieren. Er will gemeinsame Geschäfte machen und er hofft, das Weiße Haus dazu zu bringen, den Druck auf den verhassten ukrainischen Präsidenten Selenskyj wieder zu erhöhen. Damit dieser den verbleibenden Teil des Donbass abtritt, ohne dessen Einnahme ein Sieg auf dem Roten Platz nicht verkündet werden kann. Der Balanceakt des Kremlchefs lässt sich in seinen Worten erkennen: Frieden und Liebe für alle, wobei er sorgfältig jeden kritischen Hinweis auf die USA und Israel vermeidet, als wäre dies ein Krieg von niemandem", bemerkt die CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
Wegen der Bedrohung durch Russland gaben zuletzt insbesondere die europäischen NATO-Staaten mehr Geld für ihr Militär aus, wie ein Bericht des Friedensforschungsinstituts Sipri zeigt. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN warnt vor einem Konflikt: "In den europäischen Ländern gibt es zunehmend Proteste der Bürger gegen die Erhöhung der Rüstungsausgaben und gegen die Kürzung der Sozialausgaben. Doch sollte einmal das Fundament namens Verteidigung ins Wanken geraten, kann sich die Politik selbstverständlich nicht mehr um Sozialleistung kümmern. Die Frage ist, wie überzeugend die Politik den Bürgern diese harte Realität erklären kann. Es gibt lediglich drei Methoden, um Rüstungsausgaben zu erhöhen: Steuererhöhung, Schulden oder Kürzung der anderen Budgets. Die Politik muss sich ehrlich damit auseinandersetzen", verlangt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Der britische König Charles hält einen seltenen, mehrtägigen Staatsbesuch in den USA ab. Die polnische RZECZPOSPOLITA spricht von der womöglich "letzten Chance, die 'besondere Beziehung' zu retten, die die beiden Länder seit 80 Jahren verbindet. Der aktuellen Krise geht eine tiefergehende Entfremdung voraus: Die gemeinsamen Werte der Demokratie, der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit wurden von der Regierung Trump aufgegeben. Auch das Bekenntnis zum Freihandel verbindet London und Washington nicht mehr. Das Vereinigte Königreich hat für die USA an Bedeutung verloren. Der Brexit hat diesen Trend radikal verschärft. Zwar ist Trump ein erklärter Gegner der Europäischen Union, doch selbst für ihn war es wertvoll, auf einen einflussreichen Verbündeten in Brüssel zählen zu können. Obwohl die beiden Nationen eine äußerst enge Zusammenarbeit pflegen, haben die Amerikaner die Briten noch nicht einmal vor dem Angriff auf den Iran gewarnt", unterstreicht die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die britische THE TIMES sieht es so: "König Charles besitzt zwar ein Zepter, aber keinen Zauberstab. Er kann die zahlreichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Keir Starmer und Donald Trump – in Bezug auf die Ukraine, die NATO, Grönland und die Chagos-Inseln –, nicht einfach verschwinden lassen. Doch als Großbritanniens erfahrenster zeremonieller Diplomat kann Seine Majestät den Gesprächston verändern. Im Laufe des vergangenen Jahres hat Großbritannien das Ohr des US-Präsidenten verloren. Es bleibt die Hoffnung, dass der König es zurückgewinnen kann", notiert THE TIMES aus London.
Die chinesische Zeitung XINMIN WANBAO ist skeptisch: "Fraglich ist, ob der Glanz des britischen Königshauses ausreicht, um die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien zu kitten. Die Staatsvisite begann mit einer Panne, als anstatt der britischen die australische Flagge gehisst wurde. Nach den jüngsten verbalen Ausfällen von US-Präsident Trump gegen den britischen Premierminister Starmer wegen dessen ablehnenden Haltung in Bezug auf den Krieg gegen den Iran ist dieses transatlantische Verhältnis inzwischen an einem Tiefpunkt angelangt. Viel wird nun von der Rede des britischen Königs abhängen, die er vor dem US-Kongress halten wird. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich Trumps Faszination für das Königshaus lediglich auf goldene Kutschen und pompöse Festessen beschränkt, weshalb sich an der harten Realität kaum etwas ändern dürfte", prognostiziert XINMIN WANBAO aus Schanghai.
Themenwechsel. In Mali eskalieren die Kämpfe zwischen den Dschihadisten und Rebellen auf der einen und den Truppen der Militärregierung auf der anderen Seite. Die lettische Zeitung DIENA schreibt: "Das westafrikanische Mali erlebt einen der heftigsten Gewaltausbrüche seit mehr als zehn Jahren. Radikale Islamisten und Tuareg-Separatisten haben eine gemeinsame Front gebildet und mehrere der wichtigsten Städte des Landes angegriffen. Daran sollen sich bis zu 12.000 Männer beteiligen, was für diese Region eine bedeutende Zahl darstellt. Der Tod des einflussreichen Verteidigungsministers Sadio Camara in einem Vorort der Hauptstadt Bamako ist ein Schlag für die herrschende Militärjunta", kommentiert DIENA aus Riga.
Die algerische Zeitung L'EXPRESSION betont die schwache Position der Militärregierung: "Schon die Blockade der Treibstoffkonvois durch die Dschihadisten vor wenigen Monaten konnte sowohl Bamako als auch andere Städte wie Gao oder Sévaré lahmlegen, ohne dass die Junta ihre angebliche 'Kontrolle über die Geschehnisse' unter Beweis stellen konnte. Die malischen Streitkräfte zeichneten sich während dieser Zusammenstöße durch ihre Unfähigkeit aus, die Angriffe einzudämmen. Mit den jüngsten Angriffen erlebt die malische Junta einen totalen Misserfolg bei der Sicherheit. Das Rebellenbündnis hat das Herz der Macht getroffen. Fünf Jahre nach ihrer Machtübernahme hat nun der Niedergang der Junta begonnen", ist L'EXPRESSION aus Algier überzeugt.
Die spanische Zeitung EL PAÍS blickt auf die Rolle Frankreichs und der Europäischen Union in dem Konflikt: "Jahrelang hatte französisches Militär in Mali den expandierenden Terrorismus bekämpft - ohne Erfolg. 2021 kam es zu einem Militärputsch, und im Jahr darauf mussten die letzten französischen Soldaten Mali verlassen. Seit dem Bruch zwischen Paris und Bamako haben sich die Dinge zum Schlechteren entwickelt. Lange konzentrierte sich die EU auf andere Krisen, und es ist nicht einfach, geeignete Gesprächspartner in einem Regime zu finden, das den Westen offen verachtet und seine Gegner unterdrückt. Je mehr das Land verarmt, desto mehr junge Menschen fliehen aus Mali, viele davon über die Kanarischen Inseln. Diese Fluchtbewegung wird sich verstärken, wenn jetzt auch noch die Gewalt zunimmt. Wir haben es hier mit einem Brennpunkt vor unserer Haustür und nicht mit irgendeiner exotischen Krise in einem fernen Land zu tun", warnt EL PAÍS aus Madrid.
