29. April 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus dem OPEC-Verbund und die umkämpfte Lage in Mali. Zunächst aber zum Staatsbesuch des britischen Königs Charles in Washington.

König Charles steht am Redepult im US-Kongress und hält eine Rede. Hinter ihm applaudieren Speaker Mike Johnson und Vize-Präsident Vance. Königin Camilla sitzt daneben.
König Charles bei seiner Rede vor dem US-Kongress (IMAGO / UPI Photo / IMAGO / BONNIE CASH)
Die britische Tageszeitung THE GUARDIAN analysiert die Rede des Monarchen vor dem US-Kongress: "Ein Hauch von Oscar Wilde hier, eine Anspielung auf Henry Kissinger dort, noch eine Prise Charles Dickens, ein Klecks Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt. Fertig! König Charles mobilisierte eine Elite-Truppe toter weißer Männer, gewürzt mit Humor und unterschwelliger Politik, in einer Charmeoffensive, die über Donald Trumps Kopf hinweg direkt auf den US-Kongress abzielte. Dem Jubel und dem Applaus am Ende nach zu urteilen, hat diese Demonstration von Soft Power gewirkt. Die besondere Beziehung hat einen weiteren Tag überlebt", schreibt THE GUARDIAN aus London.
Die polnische Zeitung POLITYKA betont die Unterschiede zwischen Donald Trump auf der einen und Charles auf der anderen Seite: "Der US-Präsident ist ein narzisstischer Größenwahnsinniger mit autoritären Neigungen, jemand, der ausschließlich in Schwarz-Weiß-Mustern oder an seinen Vorteil denkt und dem jegliche intellektuelle Neugier fehlt. Charles hingegen erscheint als ein nachdenklicher Melancholiker mit dem Temperament eines Intellektuellen und Ansichten, die – für einen Monarchen – eher ins linke Spektrum tendieren. Seine Leidenschaft gilt dem Umweltschutz, und er hält den Kampf gegen die Klimaerwärmung für äußerst wichtig. Trump vertritt in dieser Frage diametral entgegengesetzte Ansichten und leugnet den durch menschliches Handeln verursachten Klimawandel. Wird Charles' Besuch also das Klima in den Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien verändern?", fragt die POLITYKA aus Warschau.
Der SYDNEY MORNING HERALD aus Australien glaubt nicht, dass der Staatsbesuch das Verhältnis beider Länder verbessern kann: "Oberflächlich betrachtet wirkte das britisch-amerikanische Verhältnis stabil und – mit Blick auf die Ankunft der Royals in der US-Hauptstadt – fast ein wenig glamourös. Beim genauen Hinschauen zeigen sich aber große Unterschiede in der Frage, wie beide Länder die Welt sehen. König Charles kann daran nichts ändern. Diese Aufgabe ist selbst für einen Monarchen zu groß, solange Trump im Weißen Haus sitzt", konstatiert der SYDNEY MORNING HERALD.
Auch die schwedische Zeitung SYDSVENSKAN hält die Bemühungen des britischen Monarchen für wenig erfolgversprechend: "Trump mag König Charles bewundern oder vielmehr um seinen königlichen Glanz beneiden. Und der König wird sicher sein Bestes tun, um das Band zwischen beiden Ländern wiederherzustellen. Aber Trumps Emotionen sind vollkommen unberechenbar. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis er sich das nächste Mal gekränkt fühlt und Posts in Großbuchstaben von sich gibt. Statt ihm zu schmeicheln, sollte man ihn lieber in seinem zunehmend vergoldeten Weißen Haus sich selber überlassen", empfiehlt SYDSVENSKAN aus Malmö.
Themenwechsel. Die in Hongkong erscheinende Tageszeitung TAKUNGPAO kommentiert die Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate, aus der Organisation Erdöl exportierender Länder, OPEC, auszutreten: "Während der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran der Welt einen historischen Energie-Schock beschert und die Weltwirtschaft erschüttert hat, versetzt dieser Schritt der Vereinigten Arabischen Emirate den Ölproduzenten auf der ganzen Welt einen schweren Schlag. Das Land war mit einem Anteil von 10 bis 15 Prozent bislang der drittgrößte Ölproduzent der OPEC. Der Austritt der Emirate könnte einen Dominoeffekt auslösen", mutmaßt TAKUNGPAO aus Hongkong.
EL MUNDO aus Madrid bewertet den Schritt der Emirate als "schwersten Schlag für die Organisation seit ihrer Gründung": "Durch den Austritt wird ein Strukturwandel beschleunigt, dessen Folgen noch nicht absehbar sind. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben eine stärker diversifizierte Wirtschaft als Saudi-Arabien, und deshalb sind sie weniger auf einen hohen Ölpreis angewiesen, um auf einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu kommen. Aber sie brauchen höhere Einnahmen, um in andere Sektoren investieren zu können."
Für THE NATION aus Pakistan war der Bruch in der OPEC nur "eine Frage der Zeit": "Die Emirate haben sich zunehmend als israelischer Vorposten im Nahen Osten positioniert und arbeiten eng daran, die Ziele Tel Avivs voranzutreiben. Gleichzeitig führen sie militärische Operationen und Stellvertreterkriege im Sudan, im Jemen und darüber hinaus in einer Weise, die mit Israels destruktiver Haltung in der Region im Einklang steht. Es war daher nicht überraschend, dass die Emirate während des Iran-Konflikts, als andere Golfmonarchien nach einer Art Mittelweg suchten, den Iran scharf kritisierten und sich auf die Seite Israels und der Vereinigten Staaten stellten. Diese Differenzen entstanden nicht über Nacht", fasst THE NATION aus Pakistan zusammen.
Die japanische NIHON KEIZAI SHIMBUN erwägt mögliche Auswirkungen auf den Weltmarkt: "Die OPEC ist ein Paradebeispiel für ein Kartell. Durch den Fokus der Ölproduzenten jeweils auf das eigene Land verliert die OPEC ihre Preiskontrolle. Für die ölimportierenden Staaten wäre es begrüßenswert, wenn das Rohöl nicht mehr so stark politisch instrumentalisiert wird, sondern zu einem 'normalen Produkt' wird. Kurzfristig müssen sich die Länder allerdings auf mehr Chaos nach dem Zusammenbruch der bisherigen Öl-Ordnung vorbereiten. Für die Staaten, die Öl importieren, wird es wichtiger, ihre Beziehungen zu einzelnen Ölproduzenten zu stärken", folgert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Und nun zur Lage in Mali: Die dänische Zeitung POLITIKEN blickt auf die Tötung des Verteidigungsministers der Militärjunta, Sadio Camara: "Der Mord war keine isolierte Tat, sondern Teil einer zunehmenden Spirale der Gewalt, die nicht nur Mali, sondern die gesamte Sahel-Region erfasst hat. Auf der einen Seite stehen Putschisten, die in Mali, Burkina Faso und Niger die Macht an sich gerissen haben und in unterschiedlichem Grad von dem russischen Afrika-Korps unterstützt werden, das an die Stelle der Gruppe Wagner getreten ist. Auf der anderen Seite stehen militante Islamisten, die am Wochenende gemeinsam mit Tuareg-Rebellen die Stadt Kidal im nördlichen Mali eroberten. Hunderte russische Soldaten wurden in die Flucht geschlagen, und es ist unsicher, was aus der russischen Präsenz in Mali wird. Diese Truppen sollten den Machthabern Stabilität bringen und Russland den Zugang zu wertvollen Rohstoffen sichern, aber dieses Engagement steckt nun in der Krise", stellt POLITIKEN aus Kopenhagen fest.
Auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz hebt den Einfluss Russlands hervor: "Die Offensive der Jihadisten und der Tuareg-Rebellen bedeutet vor allem eine bittere Niederlage für die Russen und das moskaufreundliche Allianzensystem AES in Westafrika. In den vergangenen Jahren kämpften diese mit antiwestlicher Ideologie und Propaganda um die Herzen der Afrikaner. Ihnen fehlt jedoch die Kompetenz, um längerfristig in Westafrika für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Mali zeigt: Russlands Weltmachtpolitik ist vermessen – und die Hoffnungen der afrikanischen Freunde Russlands waren naiv", bemerkt die NZZ aus Zürich.
Die Zeitung EL MOUDJAHID aus Algier befasst sich mit der Rolle Algeriens für die Sicherheit auf dem afrikanischen Kontinent: "Algerien hat sich als unverzichtbarer Akteur der regionalen Sicherheit etabliert. Das Land begnügt sich nicht mehr damit, ein Sicherheitspuffer in seiner unmittelbaren Umgebung zu sein. Unter der Führung von Präsident Tebboune will Algerien eine Führungsrolle einnehmen. Es geht um die Fähigkeit Afrikas, seine eigene Sicherheit zu gewährleisten – mit seinen eigenen Instrumenten, Prioritäten und seiner eigenen Vision."