
Der britische INDEPENDENT lobt die Ansprache des Monarchen: "Der König verband zurückhaltenden Witz, Charme, Schmeichelei, Bewunderung, Religion und Geschichte sowie sogar einen Hauch von Satire, um sein gemischtes Publikum aus 'Make America Great Again'-Republikanern, Neokonservativen, Progressiven, Liberalen und eher gemäßigten Demokraten auf eine Weise zu vereinen, wie es in der heutigen, stark polarisierten Gesellschaft Amerikas selten vorkommt. Er verstand die Empfindlichkeiten seines Publikums in all ihren vielfältigen Nuancen von Meinungen und Überzeugungen", hebt THE INDEPENDENT aus London hervor.
Auch die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT aus Helsinki hält fest: "Die Rede vor dem US-Kongress war ein Musterbeispiel für brillante Rhetorik und den eleganten Einsatz sanfter Macht. Sie enthielt Anekdoten, aber auch Seitenhiebe, und ihre Botschaft war klar: Die britisch-amerikanischen Beziehungen basieren auf gemeinsamen Traditionen, Werten und Idealen. Das alles war nichts anderes als ein ebenso subtiler wie unmissverständlicher Appell an Washington, sich nicht zu isolieren."
Die französische Zeitung LE MONDE aus Paris betont die Bedeutung der Rede - auch für die Europäer. "Das Lob für das Gleichgewicht der Kräfte und für den 'renommierten Raum der Debatte und Beratung', den der Kongress darstellt, war bemerkenswert, da es von einem König kam. Es klang wie eine versteckte Kritik an der Machtkonzentration des US-Präsidenten. Charles' Aufruf zu 'unerschütterlicher Entschlossenheit' zur Verteidigung der Ukraine war eine zeitgemäße Zurechtweisung von Trumps Nachsicht gegenüber Moskau."
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN, die in Oslo erscheint, kommentiert: "Charles lobte die Schönheit der Natur in Amerika - erinnerte aber auch daran, dass diese bedroht sei. Die Welt braucht also eine USA, die Lösungen für den Klimaschutz beisteuert, statt die Sache noch schlimmer zu machen. Schließlich verwies der König auf die Rolle der Magna Charta für die Kontrolle des Staats. Damit spielte er auf die Debatte an, ob sich das Weiße Haus zu viel Macht auf Kosten des Kongresses anmaßt - und sich der Kontrolle durch die Justiz entzieht."
Die russische Zeitung KOMMERSANT aus Moskau beobachtet: "Dem äußeren Anschein nach war Trump erfreut über die Begegnung mit dem Monarchen, der einen beachtlichen Sinn für Humor bewies. Die Rede des britischen Königs war von vornherein als Versuch geplant, Donald Trump auf die 'besondere Beziehung' zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten hinzuweisen – und zwar auf eine so taktvolle Weise, wie es nur ein Monarch vermag. Und Charles III. hat diese Aufgabe virtuos gemeistert."
Nun zum festgefahrenen Krieg Israels und der USA gegen den Iran. Die NEW YORK TIMES aus den USA schreibt: "Das Paradoxe ist, dass Trumps anfängliche Kriegsdrohungen den Iran offenbar veranlasst hatten, im Februar ein günstiges Atomabkommen anzubieten. Doch zwei Monate nach Kriegsbeginn glauben sowohl der Iran als auch die Vereinigten Staaten, in der stärkeren Position zu sein. Bevor sie der anderen Seite Zugeständnisse machen, könnte jede Seite die Situation hinauszögern oder eskalieren – während die Weltwirtschaft als Geisel genommen wird. Was könnte da schon schiefgehen?", fragt die NEW YORK TIMES.
Die türkische Zeitung EVRENSEL ist folgender Meinung: "Ohne Zweifel sind die Vereinigten Arabischen Emirate der am stärksten von diesem Krieg betroffene Golfstaat. Ein Austritt der Emirate aus der OPEC könnte jedoch die Bemühungen von Ländern, die Öl als politisches Druckmittel einsetzen – allen voran Saudi-Arabien –, beschleunigen, neue energie- und wirtschaftsorientierte Allianzen zu schmieden. Um diese komplexen Interessenkonflikte zu verstehen, muss auch die Rolle Russlands berücksichtigt werden", analysiert EVRENSEL aus Istanbul.
Der INDIAN EXPRESS erwartet einen Paradigmenwechsel auf dem Ölmarkt: "Der Rückzug der Vereinigten Arabischen Emirate markiert den langsamen Abbau einer in den 1970er Jahren konzipierten Ölpreisarchitektur. Diese alte Welt beruhte auf einer koordinierten Angebotsdisziplin. Was an ihre Stelle tritt, ist wechselseitiger und volatiler: Hohe Preise werden schneller eintreten, länger anhalten und sich stärker auswirken. Indien sollte sich schützen - mit Terminkontrakten, geografischer Diversifizierung und gefüllten Ölreserven. Das Zeitfenster, um sich diesen Schutz zu sichern, ist nun offen. Und Neu-Delhi sollte es nicht ungenutzt verstreichen lassen", verlangt die Zeitung INDIAN EXPRESS aus Mumbai.
NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Japan überlegt, wie Bewegung in die festgefahrene Lage kommen könnte: "Zum einen darf der Krieg nicht weiter eskaliert werden. Sollten die Verhandlungen scheitern und die USA den Iran weiter attackieren, wird der Wiederaufbau des Iran noch schwieriger und das Chaos in der Region wächst. Zum anderen muss Trump Netanjahu beherrschen und nicht umgekehrt. Das ist für den Frieden entscheidend. Die Blockade der Straße von Hormus zeigt, dass die moderne, von Öl abhängige Gesellschaft auf den Persischen Golf nicht verzichten kann. Für die internationale Gemeinschaft, auch für Japan, gilt nur eines: Es braucht mehr Engagement für die Versöhnung zwischen dem Iran und den Golfstaaten", heißt es in der NIHON KEIZAI SHIMBUN, die in Tokio erscheint.
Themenwechsel. Die dänische Zeitung POLITIKEN schaut auf den Besuch des designierten Ministerpräsidenten Ungarns, Péter Magyar, in Brüssel: "Die EU hält Mittel aus dem Corona-Hilfsfonds in Höhe von rund 10 Milliarden Euro zurück, und im August endet die Frist, um die Gelder abzurufen. Aber Ungarns Wirtschaft schwächelt, und so möchte Magyar gerne schon jetzt eine Anzahlung heraushandeln. Die EU-Kommission will einerseits Magyar helfen, Ungarn auf einen demokratischen Kurs zu bringen und die massive Korruption zu bekämpfen. Aber man hat auch die Lektion von Polen gelernt: Kaum hatte Donald Tusk einen Wahlsieg errungen, bekam er mehr als 90 Milliarden Euro für seine Reformpläne. Diese wurden jedoch nie umgesetzt. Deshalb soll die Sache dieses Mal anders angepackt werden: Bevor Geld fließt, will man Ergebnisse sehen. Worte und Versprechen allein reichen nicht", konstatiert POLITIKEN aus Kopenhagen.
Mit Blick auf den Machtwechsel in Ungarn appelliert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz an die Europäische Union: "Nach dem Ausscheiden von Viktor Orban steht die EU nun in der Pflicht. Sie muss beweisen, dass sie im Zeitalter der Machtpolitik und autoritärer Führungspersönlichkeiten auch als ein Gebilde bestehen kann, das auf der Herrschaft des Rechts und auf der Kooperation demokratischer Staaten beruht. Allzu oft haben sich die EU-Regierungschefs in den letzten Jahren aus der Verantwortung gestohlen und hinter Orban versteckt, um sich nicht selber exponieren zu müssen. Nun ist die Zeit der Ausreden vorbei", folgert die NZZ.
Zum Abschluss noch eine Stimme zu den Ankündigungen Chinas, mehr als 50 afrikanischen Staaten Zollfreiheit zu gewähren. Die in Peking erscheinende Tageszeitung HUANQIU SHIBAO erläutert: "In einer Zeit, in der der Welthandel aufgrund der politischen Unsicherheit und der wachsenden Zollkonflikte unter Druck gerät, sendet Peking damit nicht nur ein Signal handelsbezogener Vergünstigungen, sondern bietet dem internationalen Markt auch eine klare, stabile und vorhersehbare institutionelle Regelung. In westlichen Medien wird China häufig vorgeworfen, in Afrika 'Neokolonialismus' zu betreiben. Die Nullzollregelung, die an keinerlei politische Bedingungen geknüpft ist und von afrikanischen Ländern keinen Marktzugang verlangt, ist eine Antwort darauf. Sie zeigt, dass Afrika und der globale Süden immer mit der Unterstützung Chinas rechnen kann."
