04. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Einige ausländische Zeitungen beschäftigen sich in ihren Kommentaren mit dem Iran-Krieg. Im Mittelpunkt steht jedoch der von US-Präsident Trump angekündigte Teilabzug von Truppen aus Deutschland.

Ein US-amerikanischer Paladin-Panzer steht hinter zwei Fahnen der USA und Deutschland bei einer multinationalen Artillerie-Feuerübung der US-Armee mit knapp 2400 Soldaten aus 19 Nationen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern.
Der von US-Präsident Trump angekündigte Teilabzug von Soldaten aus Deutschland ist ein großes Thema (Archivbild). (picture alliance/dpa/Daniel Löb)
Die spanische Zeitung EL PAIS stellt fest, Trump wolle "die Zahl der in Deutschland stationierten Truppen um 5.000 Soldaten reduzieren. Die Zahl als solche ist erst einmal nicht bedeutsam. Aber die US-Stützpunkte waren im Kalten Krieg wichtig angesichts der Bedrohung durch Moskau. Wenn sie jetzt abgezogen werden, bevor geeigneter Ersatz zur Abschreckung aufgebaut ist, wäre das ein gefährliches Signal der Verwundbarkeit an Putin. Dieser Schritt der USA verdeutlicht außerdem, vor welchem Dilemma Europa steht. Man hat bei uns erkannt, dass man sich bei der Verteidigung des Kontinents nicht mehr auf die USA verlassen kann. Seit dem Amtsantritt Trumps ist man sich zunehmend einig darin geworden, dass man dringend die eigenen Verteidigungskapazitäten ausbauen muss. Doch dieser Konsens hat keine weiteren Schritte nach sich gezogen", kritisiert EL PAIS aus Madrid.
Die türkische Zeitung MILLIYET verweist auf eine Aussage des deutschen Bundeskanzlers: "Friedrich Merz sagte, die Iraner hätten die Vereinigten Staaten 'gedemütigt'. Nicht nur Trump, sondern das gesamte amerikanische Volk sei von den iranischen Revolutionsgarden gedemütigt worden. Trump, der dafür bekannt ist, auf solche Dinge 'überempfindlich' zu reagieren, brachte seine Wut zunächst auf seiner eigenen Social-Media-Plattform zum Ausdruck. Er sagte, Merz wisse nicht, wovon er rede. Er könne Soldaten aus Deutschland abziehen. Trumps Entscheidung wird als 'reflexartig' bezeichnet, obwohl unklar ist, ob sie von den Befehlshabern im Pentagon erwogen wurde", notiert MILLIYET aus Istanbul.
"Jetzt sieht sich Merz gezwungen, die Spannungen wieder abzubauen", schreibt die portugiesische Zeitung DIARIO DE NOTICIAS: "Dabei verfügt er aber nicht über einen Trumpf wie der britische Premier Keir Starmer, der einen König nach Washington schicken konnte. Es wird interessant sein zu beobachten, wie unser Premier Luís Montenegro solche Spannungen verhindern will. Und bei ihrem nächsten Gipfel in Ankara wird die NATO unter Beweis stellen müssen, dass sie noch immer kollektive wie nationale Interessen in Einklang bringen kann", so die Einschätzung von DIARIO DE NOTICIAS aus Lissabon.
Die tschechische Zeitung MLADÁ FRONTA DNES aus Prag wendet ein: "Weitaus größere Besorgnis als der nun angekündigte Truppenabzug löst die Meldung aus, dass die USA beschlossen haben, in Deutschland keine Einheit für den Einsatz von Tomahawk-Lenkflugkörpern und Dark-Eagle-Hyperschallraketen zu stationieren. Die von Trumps Amtsvorgänger Joe Biden beschlossene Stationierung sollte die Europäer mit Blick auf einen möglichen russischen Angriff auf den Westen beruhigen."
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT findet: "Wie bei den meisten impulsiven Handlungen und Drohungen des US-Präsidenten ist auch hinter der Entscheidung, Truppen aus Europa abzuziehen, kaum ein rationaler Grund zu erkennen. Die Stützpunkte in Deutschland sind zwar ein Überbleibsel des Kalten Krieges und Teil des europäischen Sicherheitsschildes – über den Trump seit Jahren schimpft, dass die Europäer selbst mehr dazu beitragen müssten. Sie dienen aber auch dazu, US-Militäroperationen in anderen Teilen der Welt zu ermöglichen", gibt DE VOLKSKRANT aus Amsterdam zu bedenken.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA stellt fest: "Die Vorsitzenden gleich zweier Kongressausschüsse für die Streitkräfte – des Senats und des Repräsentantenhauses – haben Donald Trumps Entscheidung, die Zahl der US-Truppen in Deutschland um 5.000 Soldaten zu reduzieren, öffentlich kritisiert. Das ist für den US-Präsidenten äußerst gefährlich. Beide Kritiker sind Republikaner, also Parteigenossen. Und sie haben sich zudem dazu entschlossen, gegen Trumps Linie vorzugehen, während die Gesetzgeber gerade mit der Beratung des Pentagon-Haushalts für das Jahr 2027 beginnen. Nun muss sich der US-Präsident neben den Demokraten auch noch mit seinen Parteikollegen im Kongress auseinandersetzen. Und die Zustimmung beider Ausschüsse ist für zusätzliche Verteidigungsausgaben unerlässlich", betont NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die englische Zeitung THE INDEPENDENT aus London vermutet: "Ein Abzug der US-Streitkräfte aus Europa – falls Präsident Trump dies tatsächlich ins Spiel bringt – würde nichts Geringeres bedeuten als das Ende eines zentralen Bestandteils der seit 1945 bestehenden Nachkriegsordnung. Vertreter sowohl Deutschlands als auch der NATO betonen, sie bemühten sich um 'Klärung'. In der Zwischenzeit ist es für die Europäer wahrscheinlich das Beste, Ruhe zu bewahren und ihre Pläne für ein Verteidigungssystem, das weniger von den Vereinigten Staaten abhängig ist, weiterzuverfolgen", empfiehlt THE INDEPENDENT.
Themenwechsel. In einem Gastkommentar geht die chinesische Zeitung XINJING BAO auf den neuen 14-Punkte-Friedensvorschlag des Irans ein, der über Pakistan an die US-Regierung übermittelt worden ist: "Nach den erfolglosen Gesprächsrunden verlieren beide Seite zusehends ihre Geduld. Der Plan strebt eine endgültige Waffenruhe im Iran und an allen Fronten im Nahen Osten an. Neben der Aufhebung aller wirtschaftlichen Einschränkungen gegenüber dem Iran wird von Washington verlangt, verträglich zu garantieren, das Land nie wieder militärisch anzugreifen. Die Sicherheit der Straße von Hormus soll unter die Obhut Teherans fallen. Washington wird jedenfalls in allen Linien zurückgedrängt. Kein Wunder, dass Präsident Trump seine Verärgerung darüber kundmacht. Hat der Iran seinen Verstand verloren? Natürlich nicht. Verhandlung ist immer noch eine Option. Nur, für das Land gibt es nichts mehr zu verlieren", vermerkt XINJING BAO aus Peking.
Die libanesische Zeitung AN NAHAR ist überzeugt: "US-Präsident Donald Trump muss bei jeder Reaktion auf einen neuen iranischen Vorschlag für eine friedliche Beilegung des Konflikts die Auswirkungen auf die Energie- und Aktienmärkte berücksichtigen. Daher vermeidet er ein klares 'Nein' und lässt die Tür für diplomatische Bemühungen einen Spalt offen. Gleichzeitig hält er die Drohung mit erneuten Militäraktionen aufrecht. Dies gilt auch für den überarbeiteten 14-Punkte-Vorschlag des Irans. Trumps erste Reaktionen deuten darauf hin, dass er unter dem Druck der seit dem 13. April bestehenden US-Seeblockade iranischer Häfen weitere Zugeständnisse vom Iran erreichen will", schreibt AN NAHAR aus Beirut.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN beleuchtet die Rolle Chinas: "Die USA haben Sanktionen gegen mehrere chinesische Unternehmen verhängt, weil diese Öl aus dem Iran importieren. Aber China betrachtet diese Sanktionen als ungesetzlich, und Staatschef Xi hat nun einen drastischen Schritt unternommen: Am Samstag verkündeten die Behörden in Peking, dass man die Sanktionen ignorieren werde. Es ist ungewöhnlich, dass Xi so aggressiv und provokant gegenüber Trump auftritt - und das zu einem heiklen Zeitpunkt. Am 14. und 15. Mai sollte Trump eigentlich zu einem Staatsbesuch in Peking eintreffen. Das Treffen war im März geplant, wurde aber wegen des Iran-Kriegs verschoben. Das könnte noch einmal passieren, denn der Iran-Krieg wirkt sich unmittelbar auf die Beziehungen zwischen Washington und Peking aus", analysiert AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die italienische Tageszeitung LA STAMPA aus Turin bilanziert: "Der Krieg ist nicht wieder ausgebrochen. Aber der Frieden ist noch nicht eingekehrt. Dazwischen hat sich ein zunehmend instabiler Raum aufgetan. Jede Erklärung ist ein Schachzug, hinter jedem Abwarten steckt eine Strategie. Es könnte sich um einfache Scharmützel handeln. Wäre da nicht die Tatsache, dass man sich auf einem äußerst gefährlichen Grat bewegt, geprägt von einer globalen Energiekrise, einer Neuordnung der regionalen Gleichgewichte und einem wachsenden Druck auf Volkswirtschaften und Bevölkerungen." Das war zum Ende der internationalen Presseschau ein Auszug aus LA STAMPA.