
In der dänischen Zeitung POLITIKEN heißt es dazu: "Wieder einmal haben Äußerungen von US-Präsident Trump in Europa für Aufregung gesorgt. Aktuell droht er mit dem Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland und hat die Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern abgesagt. Damit wird die Botschaft an den Kreml gesendet, dass sich die USA definitiv aus ihrer Rolle als zentraler Sicherheitsgarant für Europa zurückziehen. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen ging gar nicht erst direkt auf Trumps Drohungen ein, sondern erinnerte die Europäer erneut an die Notwendigkeit, sich selber verteidigen zu können", notiert POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die portugiesische Zeitung JORNAL DE NEGOCIOS beschreibt die Rolle Europas angesichts der aktuellen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten so: "Die Europäer haben nicht die Macht, die Präsidenten Russlands und der USA zu stürzen oder zu ersetzen. Also bleibt ihnen nur die Möglichkeit, den Schaden zu minimieren. Dafür wurden bereits erste Schritte unternommen. Die EU hat neue Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten und mit Indien geschlossen, und Großbritannien nähert sich wieder der EU an und will sich an dem Kredit über 90 Milliarden Euro an die Ukraine beteiligen. Das alles zeigt, dass sich in den internationalen Beziehungen eine neue Architektur herausbildet. Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass US-Präsident Trump mit seinem autoritären Kurs und seinen Provokationen die europäischen Demokratien nicht schwächt, sondern zusätzlich legitimiert und stärkt", betont die in Lissabon erscheinende JORNAL DE NEGOCIOS.
Viele Kommentare beschäftigen sich auch heute mit der Lage im Nahen Osten. Die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT zieht folgende Zwischenbilanz des von Israel und den USA begonnenen Kriegs gegen den Iran: "Die ursprünglich ausgerufenen Ziele wurden nicht erreicht: Weder gab es einen Regime-Wechsel noch hat sich die Bevölkerung erhoben. Der Iran verfügt weiterhin über angereichertes Uran und er hat seine militärische Macht nicht völlig eingebüßt, sondern greift weiterhin mit Drohnen und Raketen an. Stattdessen schwindet die Abschreckungsfähigkeit des US-Militärs in der Golf-Region. Die Straße von Hormus ist weiterhin blockiert, was zu höheren Preisen für Energie und Düngemittel und infolgedessen auch für Lebensmittel führt. Wie sagte doch gleich Winston Churchill? Der Staatsmann, der dem Kriegsfieber nachgibt, ist bald nicht länger der Herr der Politik, sondern der Sklave unvorhersehbarer und unkontrollierbarer Ereignisse." Das war ein Auszug aus HELSINGIN SANOMAT aus Helsinki.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY aus London stellt fest: "US-Präsident Trump dürfte inzwischen begriffen haben, warum seine Vorgänger Obama und Biden es vorzogen, mit Sanktionen statt Gewalt gegen den Iran vorzugehen. Denn nun hat sich gezeigt, dass selbst eine militärische Supermacht einen asymmetrisch geführten Krieg nicht zwangsläufig gewinnt. Washington hat zwar weiterhin die Oberhand und könnte die militärischen Operationen im Zweifel wieder aufnehmen. Allerdings ist auch der Iran weiterhin stark. Israels Handlungsspielraum scheint begrenzt, da es ohne direkte amerikanische Beteiligung keinen Krieg gegen eine Regionalmacht im Nahen Osten führen kann. Insofern ist derzeit völlig offen, wie sich die Lage am Golf entwickeln wird", meint die in London erscheindende AL QUDS AL-ARABY.
US-Präsident Trump will Schiffe aus nicht am Krieg beteiligten Ländern durch die Straße von Hormus "eskortieren". Die russische NESAWISSIMAJA GASETA warnt: "Das 'Projekt Freiheit' ist brandgefährlich. Der US-Präsident will der Situation offenbar nicht tatenlos zusehen – daher schafft er jetzt Fakten. Sollten die Iraner nun Schritte unternehmen, wären sie die Bösewichte. Die iranische Führung betrachtet das 'Projekt Freiheit' als Vorwand für einen Bruch der Waffenruhe. Aus Teheran kommen Signale, dass man auf jedes Szenario vorbereitet sei und sich nicht einschüchtern lasse", bemerkt die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die in Istanbul erscheinende Zeitung AKŞAM befürchtet eine weitere Eskalation: "Die aggressiven Äußerungen Trumps haben nur erreicht, die Einheit des iranischen Volkes weiter zu festigen. Indem Trump die Zerstörung der iranischen Zivilisation ins Spiel brachte, hat er faktisch genau jenen Kern des Problems ins Visier genommen, das er bislang nicht bewältigen konnte: die Tatsache, dass das iranische Volk nicht so leicht zu spalten ist und der erwartete Aufstand gegen das Regime schlichtweg ausgeblieben ist. Seine Drohungen, die darauf abzielen, die Zivilbevölkerung ins Elend zu stürzen, müssen als das letzte Mittel eines Trump betrachtet werden, der mit seinem Latein am Ende ist", konstatiert die türkische AKŞAM.
Ähnlich sieht es die italienische Tageszeitung LA REPUBBLICA. "Auf dem Tisch des Weißen Hauses liegt nach wie vor der Plan, 'den Iran in die Steinzeit zurückzuversetzen'. Für die Bomber würden 48 Stunden genügen, um Ölförderanlagen, Kraftwerke und Brücken dem Erdboden gleichzumachen. Es wäre ein verheerender Angriff mit schrecklichen Folgen für die Bevölkerung. Ein unverhältnismäßiger Schritt, der schwerwiegende internationale Auswirkungen haben und die Vereinigten Staaten weiter isolieren könnte."
Für die in Peking erscheinende Tageszeitung HUANQIU SHIBAO lässt der Konflikt um die Straße von Hormus einen Ausblick auf künftige Auseinandersetzungen zu: "Er weist immer deutlicher die Merkmale eines hybriden Wirtschaftskriegs auf. Das strategische Ziel besteht in erster Linie nicht in der Eroberung von Territorium, sondern vielmehr darin, durch Blockaden, Abfangmaßnahmen auf See, die Schaffung von Risiken und die Manipulation von Erwartungen bestimmte wirtschaftliche Ziele zu verfolgen und globale Verkehrsnetze direkt zu treffen. Wer besser darin ist, Abhängigkeiten in der Lieferkette, Engpässe in der Infrastruktur, Risse in der öffentlichen Meinung und wunde Punkte im Finanzsystem des Gegners aufzudecken und auszunutzen, hat größere Chancen, strategische Vorteile zu erlangen, ohne die Schwelle zu einem Krieg überschreiten zu müssen", ist die chinesische HUANQIU SHIBAO überzeugt.
Zum letzten Thema: Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN blickt auf den Antrittsbesuch von Premierministerin Takaichi in Australien: "Es ist an der Zeit, dass sich die Beziehungen zwischen Japan und Australien - sowohl in der Staatssicherheit als auch in der Wirtschaft - in eine strategische Partnerschaft verwandeln. Für die australische Regierung ist Japan der wichtigste Partner in Asien. Die jüngste Entscheidung der japanischen Regierung, die Regeln für Waffenexporte zu lockern, wurde in Australien überwiegend positiv bewertet. Japans Premierministerin Takaichi muss allerdings noch mehr Überzeugungsarbeit leisten, dass der Waffenexport aus Japan für die Stabilität der indo-pazifischen Region erforderlich ist", empfiehlt die japanische ASAHI SHIMBUN.
Das in Sydney erscheinende Blatt THE AUSTRALIAN kritisiert die eigene Regierung von Premier Albanese dafür, dass sie dem Gast aus Japan keinen Auftritt vor dem Parlament gewährt hat. "Der Besuch ist gut und nützlich. Kein internationaler Gast könnte heute wichtiger sein. Doch dies sollte für uns eine sehr große Sache sein, nicht nur eine unbedeutende Routineangelegenheit in Canberra. Besuche japanischer Premiers in Australien sind selten. Abe war 2014 der einzige japanische Premierminister, der jemals vor dem australischen Parlament gesprochen hat. Tony Abbott war damals Regierungschef und dies war der Höhepunkt der australisch-japanischen Beziehungen. Das Parlament tagt diese Woche nicht. Die Regierung hätte es für einen Tag einberufen sollen, um Japans erste weibliche Regierungschefin anzuhören", findet THE AUSTRALIAN aus Sydney.
