Doch zunächst nach Deutschland. Die spanische Zeitung EL PAIS zieht eine Bilanz zum ersten Amtsjahr der schwarz-roten Bundesregierung: "Friedrich Merz trat im Mai 2025 sein Amt als Bundeskanzler an mit dem Ziel, Europas größte Volkswirtschaft aus der Stagnation zu führen, die komplexen Beziehungen zu den USA unter Donald Trump zu stabilisieren und den Aufstieg der rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland einzudämmen. Die Bilanz bleibt hinter den Erwartungen zurück. Merz wollte die AfD besiegen, doch diese könnte bei den Landtagswahlen im September in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihre bisher deutlichsten Siege erringen. Merz wollte das Chaos und die Lähmung der Dreierkoalition seines Vorgängers Scholz beenden. Die internen Streitigkeiten seiner Koalition nehmen zu und seine Popularität sinkt von Tag zu Tag", resümiert EL PAIS aus Madrid.
Der litauische Rundfunksender LRT findet: "Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz beging am 6. Mai ihren ersten Jahrestag. Der Begriff 'feiern' kommt einem dabei nicht in den Sinn. Die flackernde Flamme der Kerze erinnert weniger an eine Geburtstagstorte als an ein Grablicht. Die Ergebnisse der jährlichen Gesundheitsprüfung dieser Koalition aus ideologisch politischen Gegnern sehen nicht gut aus. Ökonomen, Wirtschaft und Gewerkschaften geizen mit wohlwollenden Worten und sehen immer mehr Anzeichen einer Krankheit", kommentiert der Sender LRT aus Vilnius.
Nun in die USA. Ein Handelsgericht in New York hat die von Präsident Trump verhängten globalen Zölle in Höhe von zehn Prozent für rechtswidrig erklärt. Das WALL STREET JOURNAL spricht von einem weiteren juristischen Fehlschlag für den US-Präsidenten: "Auch wenn das Weiße Haus möglicherweise auf andere Gesetze zurückgreifen wird, um Unternehmen und Verbraucher unter Druck zu setzen, ist diese Entscheidung wichtig für die Rechtsstaatlichkeit und die Begrenzung der willkürlichen Ermessensfreiheit des Präsidenten. Es ist schwer, sich an einen anderen Präsidenten zu erinnern, der mit so großem Eifer wirtschaftlich derart zerstörerische und politisch so unpopuläre Maßnahmen wie Trumps Grenzzölle verfolgt hat", unterstreicht das WALL STREET JOURNAL.
Die Gastkommentatorin der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN analysiert: "Dieses Urteil spiegelt die strukturellen Probleme der USA wider, nicht nur die der Handelspolitik. Vor dem Hintergrund des gigantischen Handelsdefizits sowie der Unzufriedenheit mit der Verlagerung der Produktion ins Ausland wollte Trump die Zölle erhöhen. Die eigentliche Problematik besteht aber vor allem in der großen Verschuldung. Trotzdem erhöhen die USA den Druck auf Staaten wie etwa China, die einen Handelsüberschuss verzeichnen. Die USA können die auf den Dollar basierte Ordnung der Weltwirtschaft immer schwieriger bewahren. Die Entscheidung des US-Handelsgerichts weist den Protektionismus in die Grenzen", ist in NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio zu lesen.
Trotz der von Moskau und Kiew ausgerufenen einseitigen Waffenruhen haben sich Russland und die Ukraine erneut mit gegenseitigen Angriffen überzogen. Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT äußert sich alarmiert: "Der Ukraine-Krieg ist nicht mehr nur eine militärische Auseinandersetzung, sondern scheint in eine neue, noch gefährlichere Phase eingetreten zu sein, die von diplomatischer Manipulation, politisch-psychologischem Druck sowie geopolitischer Desintegration geprägt ist. Der Kreml verfolgt derzeit zwei Strategien parallel: 'Friedensrhetorik' und eine 'Doktrin der militärischen Eskalation'. So erklärt Russland einerseits seine 'Bereitschaft zu ergebnisorientierten Friedensverhandlungen', um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Andererseits droht der Kreml mit Angriffen auf sogenannte Entscheidungszentren der Ukraine, sollte Kiew militärische Schritte gegen die Parade am 9. Mai unternehmen", erklärt MÜSAVAT aus Baku.
In Lettland ist nahe der russischen Grenze erneut eine Drohne in den Luftraum geflogen und abgestürzt. Dazu schreibt die lettische Zeitung LATVIJAS AVIZE aus Riga: "Es wird immer gefährlicher. Wann werden endlich Maßnahmen gegen die Drohnen ergriffen? Anders als bei früheren Vorfällen, als Militärdrohnen außerhalb bewohnter Gebiete auf lettischem Territorium abstürzten, ereignete sich der Vorfall diesmal in Rezekne. Eine der Drohnen stürzte sogar in ein Öllager."
Die dänische Zeitung POLITIKEN kommentiert eine mögliche Friedensvereinbarung im Iran: "Kurzfristig brauchen alle Länder ein Ende des Krieges, die Wiederaufnahme der freien Schifffahrt durch die Straße von Hormus und günstigere Energiepreise. Auch die drei Konfliktparteien. Das von US-Präsident Trump angekündigte Abkommen soll den Streit der drei Staaten über Irans Langstreckenraketen, die iranische Beteiligung an Milizen in der arabischen Welt, seine Bereicherung an Uran sowie die lähmenden US-Sanktionen gegen die iranische Wirtschaft lösen. Ohne eine Lösung dieser Fragen, mit der alle drei Parteien leben können, ist das kein Frieden, sondern nur ein Aufschieben des nächsten Krieges", mahnt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF aus Amsterdam befasst sich mit der Position Chinas im Iran-Krieg: "Es wird zunehmend deutlich, dass Peking in seiner Außenpolitik auf klassische chinesische Tugenden setzt. Die Ausübung von Druck in aller Öffentlichkeit, Sanktionen und die Demonstration von Führungsansprüchen sind Methoden, die eher von Washington zu erwarten sind. China hingegen bevorzugt Stabilität durch stille Diplomatie: Es strebt nach Einfluss, ohne sich theatralisch in Szene zu setzen und ohne dass jemand das Gesicht verliert."
Papst Leo XIV. ist seit einem Jahr im Amt. Die Wiener Zeitung DIE PRESSE resümiert: "Seit das Oberhaupt der Katholiken in voller Klarheit indirekte Drohungen des US-Präsidenten mit einem Atomschlag gegen den Iran verurteilt hat und in einem verbalen Schlagabtausch nicht zurückgewichen ist, weiß alle Welt, Donald Trump inklusive: Papst Leo darf nicht straflos unterschätzt werden. Kein Papst hat auf offener Bühne derart prononciert, weit abseits diplomatischer Floskeln, einem Mächtigen widersprochen. Selbst der hochpolitische Johannes Paul II., der im Zusammenspiel mit Ronald Reagan und Maggie Thatcher das Sowjetimperium ins Wanken und dann zum Fallen brachte, war in seinen Formulierungen vorsichtiger", erinnert die österreichische Zeitung DIE PRESSE.
Auf Grund der internationalen Lage befinde sich der Papst in einer ungewöhnlichen Position, findet der französische FIGARO. "Die unberechenbare Politik von US-Präsident Trump und seine hetzerischen Äußerungen zwangen seinen Landsmann dazu, das Wort zu ergreifen. Der Papst stellte klar: Selbst ein Christ darf sich nicht auf Christus berufen, um Chaos und Krieg zu säen. Selbst einem Christen erlaubt Geld nicht alles. Hochmut ist immer ein schlechter Ratgeber. Diese ruhigen, aber entschlossenen Stellungnahmen haben den amerikanischen Präsidenten wütend gemacht. Trump erkannte, dass er es mit dem Mann in Weiß schwer haben würde, hinter dessen bescheidenem Lächeln sich ein entschlossenes Temperament verbirgt", unterstreicht der Pariser FIGARO.
"Was für ein Papst ist Leo XIV.?", fragt die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA. "Prevosts Wahl begeisterte die konservativen polnischen Bischöfe, die nur zu gerne den 'revolutionären' Franziskus hinter sich lassen wollten. Progressive Katholiken hingegen hatten gehofft, der neue Papst würde vor Themen rund um LGBT-Personen und Migranten nicht zurückschrecken, den Weg für die Frauenordination ebnen und die Kirche für nicht-sakramentale Partnerschaften öffnen. Sie wurden – vorerst – enttäuscht. Leo XIV. scheint sich in der Rolle des obersten Personalchefs des Vatikans wohler zu fühlen und konzentriert seine Bemühungen eher auf personelle Veränderungen“, findet die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
