12. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Das bestimmende Thema ist der bevorstehende Besuch von US-Präsident Trump in China. Viele Kommentatoren beschäftigen sich mit der Frage, welche Auswirkungen das Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi auf die Entwicklungen im Iran-Krieg haben könnte.

Donald Trump und Xi Jinping schütteln sich vor Flaggen beider Länder die Hände. Beide schauen dabei ernst.
US-Präsident Donald Trump (l) und der chinesische Staatschef Xi Jinping bei ihrem Zusammentreffen im südkoranischen Busan im Oktober 2025. (Mark Schiefelbein / AP / dpa)
DER STANDARD aus Österreich schreibt dazu: "Aus Sicht Teherans tut sich mit Trumps Besuch in Peking eine diplomatische Chance auf. Trump rechnet vielleicht damit, Xi dazu zu bringen, mehr Druck auf das iranische Regime auszuüben. Aber dieses baut seinerseits darauf, dass China keine Absicht hat, die strategische Niederlage der USA im Iran für Trump auszubügeln", hält DER STANDARD aus Wien fest.
Ähnlich sieht es die japanische ASAHI SHIMBUN. "China hat großen Einfluss auf den Iran. Auf seinem Gipfeltreffen mit Xi in Peking ist es deshalb möglich, dass Trump seine Hoffnung auf eine aktive Einflussnahme Chinas auf Teheran zum Ausdruck bringt. China wiederum könnte eine mögliche Unterstützung für die USA andeuten, um im Handelskonflikt mit den USA oder im Taiwan-Konflikt bessere Bedingungen herauszuholen. Dennoch wird Xi wahrscheinlich seine Priorität auf die Stabilisierung der Beziehungen zu Washington setzen, die für Xi im Moment am wichtigsten scheint. Offenbar will Peking die Handelskonflikte mit Washington, die sich derzeit quasi in einem Waffenstillstand befinden, nicht wieder aufflammen lassen", beobachtet ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die libanesische Zeitung AN NAHAR vermutet: "Trump dürfte versuchen, Präsident Xi Jinping dazu zu bewegen, den Iran zu einer Öffnung der Straße von Hormus zu bringen. Zugleich weiß Trump auch, dass China zu den von der Blockade stark betroffenen Ländern gehört. Zwar hat Peking den US-israelischen Krieg gegen den Iran als 'illegitim' bezeichnet, sich aber einer harten Linie gegenüber Washington enthalten. Umgekehrt werfen die USA China vor, den Export von sanktioniertem iranischem Öl zu erleichtern. So stehen sich beide Länder zwar gegenüber, haben aber auch gemeinsame Interessen. Entsprechend werden die Gespräche enormes diplomatisches Fingerspitzengefühl fordern" meint AN NAHAR aus Beirut.
Für die italienische Tageszeitung LA STAMPA ist klar: "Das Treffen zwischen Trump und Xi hat vor allem eine systemische Dimension. Die Geopolitik dreht sich heute nicht mehr nur um die Kontrolle des Territoriums, sondern um die Kontrolle von Strömen: Energie-, Technologie-, Logistik- und Finanzströme. Das verbindet den Iran, Taiwan und China innerhalb desselben strategischen Rahmens. Das eigentliche Ziel des Gipfeltreffens ist also nicht die Verbesserung der Beziehungen. Es geht vielmehr darum, einen Kurzschluss zu verhindern. Die Beziehungen zwischen den USA und China treten in eine Phase "stabilisierter Feindseligkeit" ein: ein kompetitives Nebeneinander, das von permanentem gegenseitigem Misstrauen geprägt ist", analysiert LA STAMPA aus Turin.
Die in Taipeh erscheinende Tageszeitung LIANHE RIBAO merkt an: "Gemäß seiner üblichen Praxis versucht Trump vor seinem Treffen mit Xi möglichst viel Druck auf China auszuüben, um dann am Verhandlungstisch Zugeständnisse erwirken zu können. Durch Themen wie Taiwan, Menschenrechte und Iran sollen in den eigentlichen Kernfragen wie Handel, Technologie und seltene Erden bessere Konditionen ausgehandelt werden. Seine altbekannte Taktik dürfte aber inzwischen wohl kaum zum Erfolg führen, denn gerade bei dem Thema Taiwan wird der chinesische Staats- und Parteichef sehr gereizt reagieren und dadurch womöglich auch jegliche Kompromissbereitschaft in anderen Punkten vermissen lassen", prophezeit LIANHE RIBAO aus Taiwan.
Für die chinesische Tageszeitung HUANQIU SHIBAO ist das bevorstehende Treffen von globaler Bedeutung: "Die internationale Gemeinschaft erwartet, dass die beiden größten Volkswirtschaften der Welt einen neuen Ausgleich bei ihren jeweiligen Kernanliegen finden können: Taiwan, Wirtschaft, Handel und Technologie sowie regionale Sicherheit. Daher ist eine direkte Kommunikation auf höchster Ebene umso wichtiger. Die globalen Lieferketten und Finanzmärkte geraten durch immer heftiger ausgetragene geopolitische Konflikte zunehmend unter Druck. Daher hofft die ganze Welt, dass Washington und Peking ihre konfrontative Haltung herunterfahren werden. Dies wird aber nur gelingen, wenn die USA erkennen, dass Taiwan zu China gehört", unterstreicht die in Peking erscheinende HUANQIU SHIBAO.
JIEFANG RIBAO aus Shanghai betont die innenpolitische Bedeutung der ersten China-Reise von US-Präsident Trump seit neun Jahren. "Im Tross des US-Präsidenten wird auch diesmal wieder eine hochkarätige Wirtschaftsdelegation nach China reisen, denn Trump ist in vielerlei Hinsicht auf China angewiesen. Nur durch umfangreiche chinesische Käufe von Agrar- und Energieprodukten aus den USA kann ein Umschwung bei den Zwischenwahlen zugunsten der Republikaner herbeigeführt werden. Daher könnte sich der Staatsbesuch als echte Bewährungsprobe für Trump erweisen", findet die chinesische JIEFANG RIBAO.
Nun noch zwei Kommentare zum Krieg im Iran. Die Zeitung LA RAZÓN aus Spanien blickt skeptisch auf die weiteren Entwicklungen: "Die Unfähigkeit beider Mächte, eine vernünftige Einigung zu erzielen und den Konflikt zu beenden, erhöht nicht nur das Risiko einer weiteren militärischen Eskalation, sondern verlängert auch eine Wirtschafts- und Energiekrise, die die ganze Welt trifft. Während sich der Ton verschärft und die Drohungen zunehmen, leiden Millionen Menschen unter den Folgen von Inflation, steigenden Ölpreisen und der Unsicherheit auf den internationalen Märkten", beklagt die spanische LA RAZÓN.
Das WALL STREET JOURNAL kritisiert den US-Präsidenten dafür, dass er nach seinen jüngsten Drohungen gegen den Iran trotzdem an der Waffenruhe festgehalten hat. "Damit hat Trump das falsche Signal gesendet. Das iranische Regime glaubt offenbar, es könne einen Präsidenten aussitzen, der den Kampf nicht länger will. Das Problem ist, dass er unter Druck steht, und jeder weiß das. Warum sonst spricht der Präsident jetzt davon, die Benzinsteuer auszusetzen? Trump hat Recht, was die Einschätzung des Regimes über ihn angeht, aber er muss beweisen, dass sie falsch ist", fordert das WALL STREET JOURNAL.
Und nun zu einem weiteren Thema. Bei den Kommunalwahlen in Großbritannien erlitt die Labour-Partei von Premierminister Starmer eine bittere Niederlage. Für die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA sind die Tage des britischen Regierungschefs gezählt: "Mehr als 40 Labour-Abgeordnete haben öffentlich erklärt, dass sie Starmers Absetzung als Parteivorsitzender und Premierminister unterstützen würden. Damit eine Kampagne zur Wahl eines neuen Labour-Vorsitzenden – der automatisch auch Premierminister würde – offiziell beginnen kann, muss ein Kandidat die Unterstützung von 81 Labour-Abgeordneten gewinnen. Sollte keine Wahl eines neuen Premierministerkandidaten stattfinden, stehen den parteiinternen Rebellen dennoch mehrere andere Optionen offen, beispielsweise ein massenhafter Rücktritt von Ministern seiner Partei. Genau eine solche regierungsinterne Rebellion hatte im Jahr 2022 bereits den konservativen Premierminister Boris Johnson zum Rücktritt gezwungen", erinnert die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Auch die britische Zeitung THE GUARDIAN stellt fest, dass der britische Premier Starmer immer mehr Weggefährten und Wähler verliert: "Das hat etwas Trauriges. Denn seine gestrige "Alles-oder-nichts"-Rede war eine von seinen besten. Aber Starmer kann die letzten zwei Jahre nicht ungeschehen machen. Er kann einen Führungswettstreit nicht aufhalten, der faktisch bereits begonnen hat. Keir wird immer Keir bleiben. Man kann nicht erwarten, dass er eine Persönlichkeitsveränderung durchmacht. Er wird niemals ein Visionär sein. Er wurde gerade deshalb gewählt, weil er ein bisschen langweilig war. Wir hatten genug Aufregung durch 14 Jahre Tory-Inkompetenz. Und jetzt wird er dafür bestraft, dass er in Grautönen regiert", bilanziert THE GUARDIAN aus London.