
In der NEW YORK TIMES heißt es: "Trumps Kurzsichtigkeit spielt Xis weiterreichenden Zielen direkt in die Hände. Der chinesische Staatschef ist der Überzeugung, dass die von den USA angeführte internationale Ordnung ihrem Ende entgegengeht und dass die Nachfolgeordnung nun zur Disposition steht. Er sieht nun – womöglich erstmals – einen Weg, um zentrale Ziele zu erreichen: etwa die Zerrüttung der US-Bündnisse in Asien oder die Schwächung der Unterstützung für Taiwan und der Fähigkeit Washingtons, Chinas Aufstieg durch Technologie-Exportbeschränkungen und Wirtschaftssanktionen zu behindern", folgert die NEW YORK TIMES.
Die Tageszeitung ZHONGGUO SIBAO aus Taiwan kommentiert mit Blick auf die verzögerten Waffenlieferung der USA: "Vor seinem Chinabesuch erklärte der US-Präsident nun, dass er über diese Rüstungslieferungen mit Xi Jinping reden werde. Damit hat er sich unweigerlich von der Strategie der Abschreckung entfernt, was nicht nur in Taiwan, sondern auch im US-Kongress parteiübergreifend einen Sturm der Entrüstung zur Folge hatte. Sollte Trump tatsächlich Taiwan als Verhandlungsmasse einsetzen, könnte er am Ende einen wichtigen demokratischen und technologisch überaus wertvollen Partner verlieren. Im schlimmsten Fall wird Trump als der US-Präsident in die Geschichte eingehen, auf den Peking 50 Jahre gewartet hat", befürchtet ZHONGGUO SIBAOaus Taipeh.
Die staatlich kontrollierte chinesische Zeitung HUANQIU SHIIBAO teilt mit: "Die Ablehnung der Unabhängigkeit Taiwans liegt im gemeinsamen Interesse Chinas und der USA, denn sie ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Beziehungen zwischen Peking und Washington langfristig stabil bleiben und geopolitische Risiken vermieden werden. Für die USA ist es kein kluger Schachzug, separatistische Aktivitäten der taiwanesischen Unabhängigkeitsbefürworter stillschweigend zu dulden oder gar zu unterstützen, um damit eigene Interessen zu verfolgen", ist in HUANQIU SHIIBAO aus Peking zu lesen.
EL PAÍS aus Spanien schreibt: "Der amerikanische Präsident hat sich durch schwerwiegende Fehler in eine prekäre Lage manövriert. Fehler, die nicht durch irgendeine unvorhergesehene Krise ausgelöst, sondern selbst verschuldet wurden: seine erratische Zollpolitik, seine militärischen Abenteuer im Nahen Osten und seine Entschlossenheit, das Atlantische Bündnis zu untergraben. Die große Unbekannte ist nun, ob Taiwan das vorrangige Opfer dieses ungleichen Dialogs sein wird. Xi könnte die Gelegenheit nutzen, um von Trump Zugeständnisse zu fordern", meint EL PAÍS aus Madrid.
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA erinnert: "Alle US-Präsidenten haben sich hinter einer strategischen Doppeldeutigkeit verschanzt - jener Formel, nach der Washington anerkennt, dass es 'nur ein China' gibt, aber nicht bereit ist, Taipeh in die Hände Pekings fallen zu lassen. Deshalb versorgen die USA Taiwan weiterhin mit Defensivwaffen und halten ihren militärischen Schutzschirm bereit, der von Südkorea über Japan bis zu den Philippinen stationiert ist. Donald Trump hat das Bündnissystem der USA destabilisiert. Man fragt sich, ob er bereit wäre, die demokratische Insel auf dem Altar einer Verständigung mit Peking zu opfern", kommentiert CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
DER STANDARD aus Österreich analysiert mit Blick auf den Krieg im Iran: "Teheran ist von Pekings wirtschaftlicher und militärischer Unterstützung abhängig. Seine Trümpfe im Irankomplex hat Xi aber bisher zurückgehalten. Wenn Peking nun sein ganzes Gewicht zur Entschärfung des Konflikts in die Waagschale werfen soll, wird es sich das teuer abkaufen lassen. Und in Taipeh fragt man sich zu Recht: Wird Trump die US-Unterstützung Taiwans – aus Chinas Sicht eine abtrünnige Provinz – für einen Ausweg aus der Iran-Sackgasse opfern? Trump scheint jedenfalls bereit, diese Büchse der Pandora zu öffnen. Das strategische Abwarten könnte sich für China also bald gelohnt haben", stellt DER STANDARD aus Wien fest.
Die schweizerische Zeitung TAGES-ANZEIGER betont: "Der US-Präsident steht vor den Zwischenwahlen für den US-Kongress unter Druck. Er braucht irgendetwas, das er zu Hause als Sieg deklarieren kann. Hier liegt Pekings Vorteil. China wird Trump nicht viel geben müssen, nur etwas, das dieser zu Hause als viel verkaufen kann. Gerade Trumps Unberechenbarkeit macht ihn für Peking erschreckend berechenbar. Denn sie zeigt, dass es Trump im Grunde um nichts geht. Nicht um eine konsistente Ordnung der Weltwirtschaft, nicht um eine langfristige Industriestrategie. Stattdessen dreht sich alles um die Schlagzeile. Eben um Trump. Und Xi Jinping weiß diese Schwachstelle zu nutzen", unterstreicht der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN hebt wirtschaftliche Fragen hervor: "Was für Chinas Staatschef Xi einen äußerst schwachen Punkt darstellt, ist die seit langer Zeit stagnierende chinesische Wirtschaft. Sollte der so genannte vorüberwiegende 'Waffenstillstand' im Handelskonflikt mit Washington einmal gebrochen werden, wären die Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft groß. Trump seinerseits reist ohne nennenswerten Erfolg im Iran-Krieg nach Peking. Für beide Seiten sind deshalb stabile Beziehungen zueinander unverzichtbar. Der Waffenstillstand im Handelskonflikt dürfte zwangsläufig verlängert werden", prophezeit NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA stellt fest: "China hat ein Ass im Ärmel: den Zugang zu Seltenen Erden. Diese Karte haben die Chinesen bereits einmal wirkungsvoll ausgespielt – als Vergeltungsmaßnahme gegen die von Trump verhängten hohen Zölle. Man könnte sagen, dies sei das Äquivalent zur Straße von Hormus – jener Wasserstraße, die der Iran jederzeit 'sperren' kann, indem er lediglich mit einem Angriff auf passierende Schiffe droht. China besitzt ein Quasi-Monopol auf viele Mineralien, die für das Funktionieren einer modernen Wirtschaft unverzichtbar sind. Und dagegen lässt sich nichts ausrichten", unterstreicht GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET befindet: "Die USA und China streiten nicht nur über Zölle, Chips und seltene Elemente. Sie konkurrieren auch um eine Technologie, die darüber entscheiden wird, wie Volkswirtschaften wachsen: die Künstliche Intelligenz. Dieses Thema ist zur 'Atombombe' unserer Zeit geworden. Eine sehr leistungsfähige KI, die außer Kontrolle geraten könnte, wird sowohl von den USA als auch von China gefürchtet. Entweder handeln die beiden Pioniere der KI gemeinsam und führen die notwendigen Vorschriften und Beschränkungen ein – oder wir werden mit einer 'Rebellion der Maschinen' konfrontiert sein. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber eine reale Gefahr", mahnt HÜRRIYET aus Istanbul.
Die griechische Zeitung EKATHIMERINI erklärt: "China ist in den meisten Schlüsseltechnologien der Zukunft führend. Seine KI-Modelle sind mit US-amerikanischen vergleichbar, aber Open Source, wodurch sie sich mit größerer Wahrscheinlichkeit zu globalen Standards entwickeln werden. Und seine Vormachtstellung bei sauberer Energie, Batterien und Elektrofahrzeugen hat China nicht nur geholfen, den jüngsten Ölpreisschock zu überstehen, sondern dürfte mit der Beschleunigung der Energiewende in anderen Ländern weiter wachsen", stellt EKATHIMERINI aus Athen heraus.
Und die belgische Zeitung DE TIJD nimmt die europäische Perspektive auf das Treffen ein: "Eine Stabilisierung der Beziehungen zwischen den beiden mächtigsten Ländern wäre eine gute Nachricht für eine Welt, die etwas Ruhe gebrauchen könnte. Für die EU ist dies besonders wichtig, da sie derzeit nur zuschaut, was in Peking geschieht. Der passende politische Spruch lautet: Wer nicht mit am Tisch sitzt, läuft Gefahr, auf der Speisekarte zu landen. Oder anders ausgedrückt: Ein Scheitern des China-USA-Gipfels wäre eine schlechte Nachricht für Europa, denn wir sind nicht bereit für noch mehr Chaos."
