
Zunächst aber zu den Beziehungen zwischen den USA und China. Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT geht auf die Erklärung Trumps ein, die Entscheidung über weitere Waffenlieferungen an Taiwan vorerst offenzulassen: "Die USA wollen verhindern, dass sie militärisch, wirtschaftlich und technologisch von China überholt werden. In ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie wird die Verteidigung Taiwans aufgrund der strategischen Lage der Insel und ihrer Bedeutung für die globale Chipindustrie als Priorität genannt. Trumps ambivalente Haltung könnte China letztlich zu einer militärischen Aktion gegen Taiwan ermutigen – das wäre ein Akt der Aggression mit weitreichenden Folgen für die Sicherheit in Asien und die Weltwirtschaft. Deshalb sollte Trump jetzt ein Zeichen setzen und die geplanten Waffenlieferungen der USA an Taiwan so schnell wie möglich genehmigen", fordert DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
"China hat Taiwan zu seiner obersten Priorität erklärt", stellt POLITYKA aus Warschau fest. "Xi behauptet, die Taiwan-Frage sei das wichtigste Element für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen. Er schließt eine baldige Militäraktion nicht aus und ist unzufrieden darüber, dass Amerika Taiwan bewaffnet. Taiwan ist zwar nicht durch ein formelles Bündnis und Verpflichtungen im Stil der NATO an die USA gebunden. Es wird jedoch durch Gesetze geschützt, die die Regierung in Washington verpflichten, die Selbstverteidigungsfähigkeit des Landes zu unterstützen", erklärt die polnische Zeitung POLITYKA.
Taiwan sei schon immer ein wichtiges Thema bei Gipfeltreffen zwischen den USA und China gewesen, betont die taiwanische Zeitung JINGJI RIBAO. "Diesmal fiel aber auf: Trump schien eher an kurzfristigen Wirtschaftszielen interessiert. Xi hingegen ging es um die längerfristigen bilateralen Beziehungen. In diesem Zusammenhang formulierte er Chinas Position in der Taiwan-Frage klar und deutlich. Im Vergleich dazu war Trumps Antwort schwammig. Man kann also keinesfalls von einem Konsens sprechen. Trotzdem ist die Deal-Maker-Mentalität des Herrn im Weißen Haus beunruhigend", warnt JINGJI RIBAO aus Taipeh.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN beobachtet: "Trump war plötzlich nur noch im Verteidigungsmodus, weil Xi mit der Taiwan-Frage Zugeständnisse von den USA verlangte. Nachdem die Zoll-Kriege, die Handelskonflikte mit China, aber auch der Iran-Krieg nicht zugunsten der USA verlaufen sind, hat Trump für die Verhandlungen mit Peking immer weniger Druckmittel. Um die Karten für die Verhandlungen mit China zurückzugewinnen, gibt es für die USA nur einen Weg: Die Zusammenarbeit mit Japan und Europa", ist NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio überzeugt.
"Trump und Xi versuchen es mit Dialog, meiden aber feste Abkommen", fasst die brasilianische Zeitung FOLHA DE SÃO PAULO den Besuch zusammen. "Tatsächlich verabschiedete sich der US-Präsident vom chinesischen Staatschef mit dem Bekenntnis zu einer konstruktiven und dauerhaften strategischen Stabilität. Aber diese Stabilität dürfte schon bald auf die Probe gestellt werden, wenn es um den Krieg im Iran oder um Waffenlieferungen an Taiwan geht. Trump wird versuchen, aus seinem Besuch irgendeinen Nutzen zu ziehen, und vielleicht sogar einen Gegenbesuch vorzubereiten. Aber Trump und Xi in einer diplomatischen Beziehung mit einem offenen Dialog - eine solche Vorstellung bleibt unrealistisch", glaubt FOLHA DE SÃO PAULO.
Auch die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT sieht Trump und Xi weit entfernt von einem offenen Dialog - formuliert es aber drastischer: "Die Rivalität zwischen den USA und China hat den Rahmen des klassischen geopolitischen Machtkampfs gesprengt. Die beiden Länder stehen nicht mehr nur im Wettbewerb, sondern kämpfen offen um eine neue Weltordnung. Dies ist keine verhaltene Konfrontation, die sich hinter diplomatischen Erklärungen verbirgt. Es ist ein Zusammenprall der Systeme. Auf der einen Seite stehen die USA, die Regeln festlegen und für alle verbindlich machen. Auf der anderen Seite steht China, das diese Regeln nicht akzeptiert und sie ändern will. Das ist nicht nur ein Wirtschaftskrieg. Es ist auch kein technologisches Wettrennen. Es geht um die Frage, wer die Macht innehaben wird", urteilt MÜSAVAT aus Baku.
"China sieht sich heute als gleichrangige Weltmacht und langfristig sogar als erste Führungsmacht in der Welt", erläutert DER STANDARD aus Wien. "Dazu hat Trump mit seiner an Unterwürfigkeit grenzenden Höflichkeit beigetragen, die sich so auffällig von seinem Umgang mit den traditionellen Verbündeten der USA unterscheidet. Nach unten treten und nach oben buckeln – das ist ganz der Stil des Präsidenten. Und Xi, um dessen diktatorische Macht ihn Trump so offensichtlich beneidet, steht in der geistigen Hierarchie des US-Präsidenten sehr weit oben", betont DER STANDARD.
Themenwechsel. Die kenianische Zeitung DAILY NATION blickt auf den zurückliegenden "Afrika-Frankreich-Gipfel", für den Frankreichs Präsident Macron Anfang der Woche nach Kenia gereist war: "Macron stand in Nairobi an der Seite des kenianischen Präsidenten Ruto und erklärte mit unfassbarer Dreistigkeit, Frankreich und dessen Freunde seien 'die wahren Panafrikanisten'. Eine Aussage, die nur ein Imperium treffen kann, das nicht an der eigenen Geschichte erstickt ist. Der Panafrikanismus wurde nicht in den Salons von Paris geboren. Er wurde nicht von europäischen Präsidenten, Entwicklungsbanken, Verteidigungspakten oder Investitionsgipfeln ins Leben gerufen, auf denen afrikanische Staatschefs als dankbare Juniorpartner für die Zukunft ihres eigenen Kontinents vorgeführt werden. Der Panafrikanismus entstand im Widerstand - im Kampf gegen den Kolonialismus", unterstreicht DAILY NATION aus Nairobi.
In der panafrikanischen Wochenzeitung THE CONTINENT fragt eine Gastkommentatorin: "Warum finden im Jahr 2026 überhaupt noch 'Frankreich-Afrika'-Gipfel statt? Frankreich ist ein einzelner Staat, Afrika ein riesiger Kontinent mit 54 Ländern. Die Vorstellung, dass eine einzelne westliche Macht - insbesondere eine mit einer gewalttätigen Geschichte des Kolonialismus und einem anhaltenden Imperialismus - einen ganzen Kontinent einberuft, ist veraltet und paternalistisch. Wahre souveräne Gleichberechtigung würde bedeuten, dass die Afrikanische Union mit der Europäischen Union auf der Ebene zweier Kontinente zusammenarbeitet", heißt es in THE CONTINENT.
Zum Schluss noch zwei Kommentare zum Eurovision Song Contest, der am Abend in Wien stattfindet. Fünf Länder boykottieren den Wettbewerb, weil Israel daran teilnehmen darf. Die finnische Zeitung KARJALAINEN kommentiert: "Der ESC gehört in Finnland zu den am meisten gesehenen Fernsehsendungen und hat sogar die Eishockey-WM abgehängt - nur die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag erzielen höhere Einschaltquoten. Der ESC ist somit zur Tradition und ein Teil der finnischen Kultur geworden. Aber er ist in Gefahr. Aktuell geht die Bedrohung von der Politik aus: Die Teilnahme Israels stößt seit Jahren auf heftigen Protest, und in diesem Jahr wurden deshalb sogar die Abstimmungsregeln geändert. Es wäre eine Katastrophe für den ESC, wenn Israel gewinnen würde, denn dann würde sofort Betrugsverdacht laut - und wie sollte Israel dann den nächsten Wettbewerb ausrichten?", fragt KARJALAINEN aus Helsinki.
THE GUARDIAN aus London führt an: "Der ESC hatte schon immer einen gewissen politischen Unterton – das war Teil seiner Anziehungskraft. Doch die Rundfunkunion hat mit dem Ausschluss Russlands im Jahr 2022 einen unumkehrbaren Schritt gemacht. Einmal geöffnet, lässt sich die Büchse der Pandora nur sehr schwer wieder schließen, wie die Kontroverse um Israel zeigt. Die Organisatoren sind völlig hilflos in dieser neuen Ära. Das Ergebnis: Die Zukunft des Eurovision Song Contests ist in Gefahr", glaubt THE GUARDIAN. Und damit endet die Presseschau.
