18. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Neben dem Machtkampf in der britischen Regierungspartei Labour wird weiterhin der China-Besuch von US-Präsident Trump kommentiert. Doch zunächst geht es um den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und im benachbarten Uganda mit schon mehr als 80 Todesopfern.

Das Foto zeigt einen Pfleger und Patienten, die an Ebola erkrankt sind, in einem Krankenhaus
Ein Thema in den Kommentaren: Der Ausbruch einer Variante des Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda. (IMAGO / Xinhua / IMAGO / Xinhua)
Die französische Zeitung LIBÉRATION erläutert: "Berichte aus der Ituri-Region – dem Epizentrum des Ausbruchs an der Grenze zu Uganda – sind beunruhigend. Vor allem ist dieses Wiederaufflammen des Ebola-Virus umso alarmierender, als es eine Region trifft, die bereits durch bewaffnete Konflikte destabilisiert ist und in der es zu massiven Bevölkerungsvertreibungen kommt. Obwohl die lokalen Gesundheitsbehörden offensichtlich aus früheren Ebola-Ausbrüchen gelernt haben, bleibt die medizinische Infrastruktur unzureichend", urteilt LIBÉRATION aus Paris.
Die Zeitung THE NEW TIMES aus Ruanda mahnt: "Ebola kennt keine Grenzen. Oberste Priorität muss eine verstärkte Überwachung haben – insbesondere an Einreisepunkten und in grenznahen Gemeinden. Ruanda, Uganda und die Demokratische Republik Kongo teilen sich Handelsrouten. Die Antwort kann nicht in der Isolation liegen, sondern erfordert eine koordinierte Überwachung, den Austausch von Informationen sowie gemeinsame Reaktionsmechanismen. Die Sicherheit im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist dann am stärksten, wenn Nachbarn zusammenarbeiten", so die Empfehlung von THE NEW TIMES aus Kigali.
Nun blicken wir nach Großbritannien. "Das politische Überleben des Premiers Keir Starmer hängt an einem seidenen Faden", schreibt die schwedische Zeitung DAGENS INDUSTRI und stellt fest: "Die Wähler sind die gebrochenen Wahlversprechen leid, ebenso die wirtschaftliche Stagnation. Das ist kürzlich bei den Lokal- und Regionalwahlen deutlich geworden. In den Reihen von Labour mehren sich daher die Rücktrittsforderungen an Starmer. Gleichzeitig hat sich die politische Landschaft verändert. Wie in anderen europäischen Staaten ist das Parteiensystem stärker fragmentiert, und die größten Erfolge kann die rechtsnationalistische Reform UK feiern. Auf jeden Fall ist es für Europa wichtig, dass Großbritannien wieder auf die Beine kommt, denn trotz Brexit ist das Land ein wichtiger handels- und sicherheitspolitischer Partner", betont DAGENS INDUSTRI aus Stockholm.
Neben dem früheren Gesundheitsminister Streeting gilt auch der Labour-Politiker Burnham als möglicher Nachfolger Starmers. Die österreichische Zeitung DER STANDARD blickt zurück: "2024 wäre ihm ein Mandat im Unterhaus sicher gewesen – doch Burnham musste den Posten des Bürgermeisters von Greater Manchester absichern. Die Folge: Das Land und die Partei müssen jetzt wochenlang warten, ob Starmers Herausforderer das Vabanquespiel einer Nachwahl gewinnt. Im besten Fall erhält Burnham Mitte Juni das Parlamentsmandat und löst den Premier reibungslos ab. Oder Labour macht es den Konservativen nach und gibt sich einem monatelangen Machtkampf hin, ehe der neue Chef feststeht. Oder Burnham verliert, ausgerechnet am Jahrestag der Schlacht von Waterloo, und Starmer regiert als lahme Ente weiter. Burnham und Labour können nur hoffen, letztlich auf der Siegerseite zu stehen. Verloren haben, das steht fest: die Briten", urteilt DER STANDARD aus Wien.
Die britische Wochenzeitung BIRMINGHAM POST empfiehlt: "Um der Unbeliebtheit sowohl seiner Person als auch seiner Regierung entgegenzuwirken, muss Starmer nun einige sehr drastische Maßnahmen ergreifen. Den Anfang könnte eine umfassende Kabinettsumbildung machen: Gescheiterte Minister sollten durch Abgeordnete mit nachweislicher Erfahrung in der Wirtschaft ersetzt werden – verbunden mit dem klaren Auftrag, die Wirtschaft im Allgemeinen und kleine Unternehmen im Besonderen zu fördern. Dies könnte das Pendel womöglich wieder in die andere Richtung ausschlagen lassen. Des Weiteren muss sich der Premierminister dem Widerstand seiner Hinterbänkler stellen und unverzüglich eine Reform des Sozialstaats einleiten. Sollten diese lautstark protestieren – nun, dann haben sie eben Pech gehabt", hält die BIRMINGHAM POST fest.
Die estnische Zeitung POSTIMEES beschäftigt sich mit dem Treffen von US-Präsident Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking: "Der Besuch fand vor dem Hintergrund von Trumps Zollkrieg und Chinas territorialen Forderungen statt. Diese betreffen vor allem Taiwan, das die Volksrepublik für sich beansprucht, aber auch Gebiete im Südchinesischen Meer, was für Spannungen mit Vietnam und den Philippinen sorgt. Die Ergebnisse des Treffens der beiden Präsidenten sind jedoch eher bescheiden ausgefallen - und in Taiwan haben die Sorgen sogar weiter zugenommen. Trump rief zwar Peking und Taipeh zur Zurückhaltung auf, aber seine Wortwahl ließ nicht eben erkennen, dass er die Frage für ein größeres Problem hält", wendet POSTIMEES aus Tallinn ein.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN bilanziert: "Anders als die USA, für die die Wirtschaft im Vordergrund stand, hat China bei dem Treffen auf die Stabilisierung der Beziehungen beider Staaten gesetzt. Der Schlüsselbegriff heißt 'konstruktive strategische Stabilität'. Für die Führung in Peking war das besonders wichtig zu betonen. Chinas Ziel, die Berechenbarkeit von Trump einigermaßen zu erhöhen, ist im Großen und Ganzen wohl erreicht worden." Das war NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die spanische Zeitung EL PAIS aus Madrid ist überzeugt: "Beide Seiten wollten mit diesem Gipfel nun eine Art Tauwetter einleiten, auch wenn in den strittigen Fragen keine Einigungen erzielt werden konnten. Xi konnte sich als ebenbürtiger Partner Trumps präsentieren, während der US-Präsident gerade versucht, seine heftigen außenpolitischen Misserfolge herunterzuspielen. Dafür brauchte er eine Inszenierung, die ihm nur China bieten konnte."
Die türkische Zeitung YENI BIRLIK verweist auf die Strategie der taiwanischen Führung: "Der liberal-nationalistische Premierminister entschied sich im Vertrauen auf die Vereinigten Staaten, die Ressourcen des Landes in US-Waffensysteme zu investieren, anstatt in strategische Autonomie. Daraufhin genehmigte der Kongress zwei Waffenpakete im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Doch bereits auf dem Rückflug ließ Trump durchblicken, dass man diese Waffen womöglich doch nicht an Taiwan verkaufen werde – in der Kalkulation, dass auch die Flugzeuge und Sojabohnen, die er an China zu verkaufen beabsichtigt, einen Wert von mehreren Milliarden Dollar erreichen würden. Ein strategisches Prinzip ist hier nicht zu erkennen", findet YENI BIRLIK aus Istanbul.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA wendet ein: "Durch Trumps Äußerungen gegen eine formelle Unabhängigkeitserklärung Taiwans hat der US-Präsident eines der kritischsten Probleme der gegenwärtigen turbulenten Weltordnung – oder vielmehr: Unordnung – angesprochen: Da globale Institutionen und Kontrollmechanismen nicht mehr funktionieren, wollen ehrgeizige Akteure – sowohl Supermächte als auch regionale Mächte – aufgeschobene Fragen, darunter auch territoriale Streitigkeiten, mit Gewalt lösen. Früher oder später werden neue Institutionen entstehen oder alte wieder funktionieren, doch dies wird bereits in einem neuen Koordinatensystem geschehen", erwartet NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO aus Peking verlangt: "Die Beziehungen zwischen den Großmächten müssen neu gestaltet werden. Andere Mechanismen sind notwendig, um Krisen und Konflikte in Zukunft besser zu bewältigen. Kooperation statt Kräftemessen, Stabilität statt Unberechenbarkeit oder gar Krieg. Der Kurs der USA, China als Bedrohung, Gegner oder Systemrivalen zu behandeln, hat sich bereits als falsch erwiesen. Diesen Staatsbesuch kann man deshalb als historisch und wegweisend bezeichnen, weil er den Anfang einer neuen Umgangsform zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt zeichnet", findet HUANQIU SHIBAO, die die Linie der kommunistischen Partei vertritt. Und mit diesem Kommentar endet die internationale Presseschau.