
"China betrachtet Russland als vorrangigen Partner beim Aufbau einer neuen multipolaren, post-westlichen Weltordnung", analysiert die spanische Zeitung LA VANGUARDIA aus Barcelona. "Mit Beginn des Ukraine-Krieges haben sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter intensiviert. Peking hat den Handel mit Moskau deutlich ausgeweitet und sich zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Rückhaltgeber des Kreml entwickelt. Vor allem im Energiesektor erreichte das bilaterale Handelsvolumen Rekordwerte. Gleichzeitig sind russisches Öl und Gas auch für Chinas Wirtschaft ein wichtiger Rettungsanker. In Peking wächst die Sorge um die Sicherheit der eigenen Energieversorgung - insbesondere nach Trumps Intervention in Venezuela und der Blockade der Straße von Hormus."
Bei AL-DSCHASIRA aus Doha heißt es: "Der russische Präsident hat die Beziehungen zwischen Moskau und Peking vor den Gesprächen mit dem chinesischen Staatschef Xi als 'stabilisierende' Kraft auf der Weltbühne gepriesen. Das zweite persönliche Treffen der beiden Staatschefs innerhalb von weniger als einem Jahr findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem Russland und China weithin als zunehmend verbündet angesehen werden, wenn es darum geht, die Stellung der Vereinigten Staaten als dominierende Macht in den Weltangelegenheiten in Frage zu stellen", meint AL-DSCHASIRA aus Katar.
"Das Verhältnis der beiden Länder wendet sich weder gegen Dritte, noch kann es von außen beeinflusst werden", so die in der chinesischen Hauptstadt Peking erscheinende HUANQIU SHIBAO. "Dieser Schulterschluss geht über herkömmliche militärisch-politische Bündnisse hinaus, denn die beiden Staatschefs haben inzwischen enge freundschaftliche Bande geknüpft. In dieser turbulenten Welt ist die Zusammenarbeit zwischen Peking und Moskau wichtiger denn je. Beide Großmächte lehnen die Einmischung in innere Angelegenheiten, einseitige Sanktionen sowie eine extraterritoriale Ausübung des Rechts entschieden ab."
Die polnische GAZETA WYBORCZA verweist auf Folgendes: "Moskau sieht sich – in seinem Bestreben, die eigene Wirtschaft zu retten – gezwungen, das Spiel genau so zu spielen, wie Peking es vorgibt. Peking ist sein wichtigster Kunde – jene Instanz, die sein Überleben sichert. Wenn wir also heute unweit der Verbotenen Stadt in Peking die Chefs von Gazprom an der Seite Putins sehen, wäre das keine Überraschung. Genauso wenig ist es eine Überraschung, dass Moskau und seine Kriege zu wirtschaftlichen Geiseln der chinesischen Diplomatie geworden sind. Geiseln werden jedoch nicht mit Salutschüssen empfangen, sondern auf die Liste der 'routinemäßigen' Treffen gesetzt. Damit sie nicht vergessen, wo ihr Platz in der Hierarchie ist", bemerkt die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT sieht Putin in einer Position der Schwäche. "China behandelt Russland wie eine Kolonie: Peking importiert Rohstoffe, meidet Investitionen und flutet den russischen Markt mit Billigprodukten. Nicht wenige russische Experten finden diese Abhängigkeit gefährlich und halten sie für einen großen Fehler Putins. Im Russland von heute darf so etwas kaum offen gesagt werden, aber das könnte schneller kommen als gedacht. Das Regime ist nicht einmal mehr in der Lage, Moskau ausreichend vor dem Krieg zu schützen, den Russland selbst begonnen hat. Putin reist zu einem Zeitpunkt nach China, zu dem er schwächer wirkt als je zuvor. Und das wissen die Chinesen, auch wenn sie es ihm nicht öffentlich aufs Brot schmieren werden", meint HELSINGIN SANOMAT aus Helsinki.
Zu den Spekulationen über ein mögliches Ende der Waffenruhe im Iran-Krieg schreibt die italienische Zeitung LA REPUBBLICA aus Rom: "US-Präsident Trump ist an einen Scheideweg gelangt. Eine Pattsituation, ein langwieriger Krieg wie in der Ukraine oder vielleicht sogar ein abgeschwächtes Abkommen mit dem Regime, das diesem faktisch die Kontrolle über die Straße von Hormus überließe, wären nur sehr schwer als Erfolge darzustellen, weil alle verkündeten Ziele verfehlt würden."
Der Gastkommentator in der iranischen Zeitung SHARGH plädiert für Diplomatie. "Israel und die USA haben einen Angriffskrieg erzwungen, ohne dabei die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Falls ein neuer Krieg ausbricht, könnten sie außer unserer Infrastruktur noch weitere Ziele ins Visier nehmen. Der Wiederaufbau der Infrastruktur könnte aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und der Sanktionen diesmal wesentlich schwieriger werden. Unsere Politiker müssen den diplomatischen Weg verantwortungsvoll bis zum Ende gehen. Eine Möglichkeit wäre, dass das iranische Regime erklärt, ohne Vorbedingungen zu Verhandlungen bereit zu sein." Sie hörten einen Gastkommentar in der Zeitung SHARGH aus Teheran.
"Weiterhin spricht wenig dafür, dass sich der Konflikt zwischen dem Iran und den USA absehbar lösen lässt", meint ELAPH aus Beirut im Libanon. "Denn das Regime in Teheran lässt angesichts seines Drangs zu Expansion und Repression keine Fähigkeit zu strategischem Rückzug erkennen. Weckt die Regierung den Eindruck, sie nehme die amerikanischen Bedingungen an, ließe sich das als Kapitulation oder Beginn seines Zerfalls deuten. So scheint es, als stünde Washington in einem Wettlauf gegen die Zeit, während sich das Regime in Teheran in einem Wettlauf gegen den inneren Zusammenbruch befindet."
Die türkische Zeitung DÜNYA warnt, dass ein langanhaltender Krieg zu einer immensen Wirtschaftskrise führen würde. "Sehr deutlich ist die Warnung der Internationalen Energieagentur IEA: Die kommerziellen Ölreserven schwinden rapide. Sollte sich der Krieg noch einige Wochen hinziehen, wird sich die Energiekrise über die Ölpreise hinaus ausweiten und direkte Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die Geldbeutel der Bürger haben. Daher sind die nächsten drei bis vier Wochen von entscheidender Bedeutung. Eine Schließung der Straße von Hormus könnte sehr schlimme Folgen haben, bis hin zu einer weltweiten Rezession. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran beträfe dann alle Länder der Erde", prophezeit DÜNYA aus Istanbul.
Und nun nach Bolivien. Dort protestieren Tausende gegen Staatschef Rodrigo Paz Pereira, der angesichts der Wirtschaftskrise unter anderem Treibstoffsubventionen gestrichen hat. Die bolivianische Zeitung EL DEBER meint: "Die Regierung wurde gewählt, um das von ihren Vorgängern über fast 20 Jahre angerichtete Desaster zu beseitigen. Dafür erhielt sie auch Stimmen von früheren Anhängern der sozialistischen MAS-Partei. Schließlich drohte Bolivien in eine Pseudo-Diktatur abzugleiten. Eine neue, nicht-sozialistische Regierung weckte deshalb große Hoffnungen bei der Bevölkerung. Die Zeit unter der MAS war so katastrophal, dass die Messlatte extrem niedrig lag. Wie konnte da die neue Regierung von Paz so unfähig agieren, dass sie nicht einmal diese Erwartungen erfüllte?", fragt EL DEBER aus Santa Cruz.
Die kolumbianische Zeitung EL ESPECTADOR schreibt dazu: "Bolivien steckt in einer tiefen Krise, und das nicht erst seit gestern. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen vom wachsenden Einfluss des Drogenhandels bis zum Personenkult um den früheren Präsidenten Evo Morales. Hinzu kommen jetzt auch noch die von Morales geschürten Unruhen gegen die Regierung von Rodrigo Paz Pereira. In einem Interview bezeichnete Morales die letzten Wahlen als 'Putsch der Gringos gegen die Indigenen', und er fordert den Rücktritt des Präsidenten oder zumindest die Rücknahme der von ihm angestoßenen Reformen. Aber Rodrigo Paz Pereira ist demokratisch gewählt worden - warum soll seine Regierung nicht ihre eigene Agenda umsetzen können?" Das war EL ESPECTADOR aus Bogotá.
