21. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Kommentiert werden das Treffen der NATO-Außenminister heute und morgen in Schweden sowie die US-Anklage gegen den früheren kubanischen Staatschef Raúl Castro. Das beherrschende Thema ist aber Chinas zunehmende Dominanz auf der internationalen Bühne nach den Besuchen von US-Präsident Trump und Russlands Staatschef Putin in Peking.

Der chinesische Präsident Xi steht in einem fahrenden Auto mit Mikrofonen. Er fährt an sehr vielen Soldaten und großen Waffen vorbei.
Der chinesische Präsident Xi Jinping bei der großen Militär-Parade in Peking. (picture alliance / Xinhua News Agency / Li Gang)
Die polnische RZECZPOSPOLITA schreibt: "Das bedeutendste Ergebnis von Putins Besuch in China war die Verlängerung des zu Beginn seiner Amtszeit geschlossenen ‚Vertrags über gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit‘. Alles Übrige – jene Themen, die für Putin von Bedeutung sind – scheint für die Chinesen von nachrangiger Wichtigkeit zu sein. China bleibt zwar der bedeutendste Abnehmer von russischem Rohöl, zeigt jedoch keinerlei Eile, sich auf langfristige Gaslieferverträge mit Russland festzulegen. Andererseits ist China jedoch der größte Nutznießer des russischen Krieges gegen die Ukraine. Dabei geht es nicht nur um billige russische Energieressourcen, sondern auch um den Export von chinesischen Komponenten für Drohnen mit doppeltem Verwendungszweck, sogenannten Dual-Use-Artikeln, sowohl nach Russland als auch in die Ukraine", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
DER STANDARD aus Österreich warnt die Europäer davor, bei der Vermittlung eines möglichen Friedens in der Ukraine zu sehr auf China zu setzen: "Den Bock zum Gärtner machen – auf kaum jemanden trifft das Sprichwort besser zu als auf Xi Jinping beim Thema Ukraine. Geht es nach dem deutschen Kanzler Friedrich Merz, sollte nämlich ausgerechnet Chinas Machthaber seinem russischen Kollegen Wladimir Putin bei dessen Besuch in Peking ein Ende des Kriegs schmackhaft machen. Hoffentlich ist Merz nicht so naiv, wie sein Wunsch vermuten lässt. Was Xi nämlich nicht will, ist ein rascher Frieden in Europa, aus dem Moskau geschwächt hervorginge und der zur Folge hätte, dass die USA sich anderen Schauplätzen zuwenden könnten, etwa Taiwan. Je länger der Krieg dauert und Amerika beschäftigt ist, desto besser für Peking", analysiert DER STANDARD aus Wien.
Die türkische Zeitung CUMHURIYET sieht nach den Besuchen von Trump und Putin in Peking eine Verschiebung in den internationalen Machtverhältnissen: "Wenn man den China-Russland-Gipfel im Kontext des globalen Machtkampfs betrachtet, zeigt sich: Die Hegemonie der USA nimmt ab und der Aufbau einer neuen, multipolaren Weltordnung wird immer deutlicher. Der Einfluss des Globalen Südens in den internationalen Beziehungen wächst. Die Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa wird schwächer, während die Zusammenarbeit zwischen China und Russland zunimmt. In Europa gibt es sogar eine wachsende Tendenz, unabhängig von den USA mit China zu kooperieren", stellt CUMHURIYET aus Istanbul fest.
Ähnlich beschreibt es die spanische Zeitung EL PAIS: "Das Bündnis zwischen Russland und China sendet eine klare Botschaft an die Welt: Die USA nehmen keine herausragende Stellung mehr ein, und das ist das Gegenteil dessen, was Trump unermüdlich wiederholt. Gleichzeitig wollen Russland und China ihren Anspruch auf Effizienz, internationale Vorhersehbarkeit und Zusammenarbeit demonstrieren. Dies kommt deutlich in der Forderung nach einer konstruktiven strategischen Stabilität zum Ausdruck, die Xi an den US-Präsidenten richtete – im Gegensatz zum Chaos in der mächtigsten Demokratie der Welt, die sich derzeit in einer militaristischen, autoritären und illiberalen Abwärtsspirale befindet", konstatiert EL PAIS aus Madrid.
Für die französiche Zeitung LE FIGARO ist der chinesische Staatschef Xi Jinping seinem Anspruch deutlich näher gekommen, China zur führenden Weltmacht zu machen: "Auch wenn dies bislang nicht durch das Machtgefälle zwischen ihren beiden Ländern gerechtfertigt ist, hat sich das Kräfteverhältnis zwischen Trump und Xi umgekehrt. Die zweitgrößte Wirtschafts- und Militärmacht etabliert sich bereits als der Stern, um den die Planeten kreisen. Doch es ist eine kalte Sonne, die keine Feinde will und keine Verbündeten anerkennt. Xi gibt auf der internationalen Bühne den Ton an, weil er 'die Karten in der Hand hat', wie Trump sagen würde. Dennoch versucht er nicht, die USA als Weltpolizist zu entthronen, sondern vielmehr, den Niedergang des Westens zu nutzen, um die Hindernisse für seinen Machtanstieg aus dem Weg zu räumen. In seiner neuen Vorherrschaft bietet China kein Vorbild, darin liegt seine Grenze", ist LE FIGARO aus Paris überzeugt.
Die USA haben den 94-jährigen früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro wegen Mordes angeklagt. Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO sieht darin auch einen Versuch Washingtons, von seinem schwindenden internationalen Einfluss abzulenken: "Dieses Vorgehen erinnert an die Anklage gegen den früheren venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro wegen Drogenhandels. Braucht das Weiße Haus etwa eine Rechtfertigung für einen Militäreinsatz in Havanna? Hofft Präsident Trump, das venezolanische Modell auf Kuba zu übertragen und mit einem weiteren 'Sieg im eigenen Hinterhof' den Verlust an Ansehen in der Iran-Frage und anderswo auszugleichen sowie zusätzliches politisches Kapital für die anstehenden Zwischenwahlen zu gewinnen? Seit Anfang des Jahres herrscht eine folgenschwere Energieblockade gegen den Inselstaat. Letzte Woche verhängte Amerika zusätzliche Sanktionen gegen kubanische Spitzenbeamte und Geheimdienstorgane. Kommt als Nächstes der Militärschlag? Dies wäre fatal für das kubanische Volk. Allein die Energiesanktionen haben bereits zu einer humanitären Krise geführt. Die internationale Gemeinschaft darf diesmal nicht wegschauen", fordert JIEFANG RIBAO aus Shanghai.
Und nun noch der Blick aus den neuen NATO-Mitgliedern Finnland und Schweden auf das zweitägige Treffen der NATO-Außenminister im schwedischen Helsingborg. Dazu schreibt die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT: „Zum ersten Mal seit seinem Beitritt ist Schweden Gastgeber eines Treffens der Allianz. In Helsingborg wird sich zeigen, wie gut die USA und ihre europäischen Partner noch kooperieren. Zunächst einmal ist es positiv, dass Außenminister Marco Rubio anwesend ist, denn die Teilnahme der USA an solchen Gipfeln kann nicht mehr als selbstverständlich gelten. Auch wird Rubio besser als Donald Trump erläutern können, welche Erwartungen die USA an die NATO richten und warum. Die Sorge der Europäer gilt vor allem der Ukraine, zumal die Aufmerksamkeit der USA auf die Lage im Persischen Golf und auf China gerichtet ist und das Land in innenpolitische Grabenkämpfe verwickelt ist. Die Mehrheit der Finnen ist nach wie vor der Ansicht, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen muss, selbst wenn dies höhere Rüstungsausgaben bedeutet. Aber die Finnen sind auch kritischer geworden und fragen sich, ob die Gelder sinnvoll eingesetzt werden - gerade vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Drohnenkriegs. Treffen wir die richtigen Vorkehrungen? Und wie sehr können wir uns noch auf die USA verlassen? Diese Fragen sind durchaus berechtigt“, betont HELSINGIN SANOMAT aus Helsinki.
Die schwedische Zeitung HELSINGBORGS DAGBLAD, die am Tagungsort erscheint, hat überwiegend positive Erwartungen an das Treffen: „32 Außenminister und NATO-Chef Mark Rutte kommen am Öresund zusammen, einer der meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt, am Übergang zur Ostsee und an der Schnittstelle zwischen Skandinavien und Europa. Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das unsere Sicherheit stärkt - in Schweden und in anderen friedlichen Demokratien. Die Sonne hat ihre Flecken, und auch die NATO ist nicht perfekt. Aber gerade deshalb ist Helsingborg ein so geeigneter Ort für diesen Gipfel: Hier können wir auf die Bedrohung durch Russland im Öresund hinweisen - und an die freiheitlichen Prinzipien erinnern, die uns verbinden“, meint das HELSINGBORGS DAGBLAD aus Helsingborg.