23. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind am heutigen Samstag noch einmal das Gipfeltreffen der NATO-Außenminister, der Besuch des russischen Präsidenten Putin in Peking und das zwischen der EU und Mexiko vereinbarte Handelsabkommen.

US-Außenminister Marco Rubio schaut zu NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der beim NATO-Treffen im schwedischen Helsingborg spricht.
US-Außenminister Rubio widersprach beim NATO-Treffen Kritik an der US-Regierung, die Stationierung von Truppen als Druckmittel einzusetzen (imago / TT / Johan Nilsson)
Doch zunächst zum NATO-Treffen in Schweden. Dazu schreibt die Zeitung HELSINGBORGS DAGBLAD: "Plötzlich stand Helsingborg als Gastgeber eines Gipfels der NATO-Außenminister im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Und Helsingborg hat geliefert: Die NATO-Familie bewahrte Einigkeit. US-Außenminister Rubio kam. Die übrige Welt bekam den Öresund zu sehen, den Zugang zur Ostsee und strategisch wichtig wie die Straße von Hormus. Umso wichtiger ist, dass die NATO-Mitglieder im südlichen Europa unsere Realität anerkennen: die Nähe zu Russland und die Bedeutung einer Unterstützung der Ukraine. Am wichtigsten waren nicht die Hochglanzbilder, sondern die Gemeinschaft. Es gab keine großen Beschlüsse. Vielmehr war dies die Vorbereitung des Gipfels im Juli in Ankara. Aber allein die aufmüpfige NATO-Familien zusammen- und den Onkel aus Amerika bei Laune zu halten ist eine Leistung: Er, der Grönland beansprucht, Krieg im Iran führt und die Ukraine vor den Kopf stößt", unterstreicht die schwedische Zeitung HELSINGBORGS DAGBLAD.
Der britische INDEPENDENT plädiert für höhere Verteidigungsausgaben:  "Eine Verteidigung, die so stark ist, dass ein Gegner das Risiko eines Angriffs scheut, bewahrt Menschenleben und kostet weit weniger als selbst einen kurzen 'heißen' Konflikt ausfechten zu müssen. Vor fast vier Jahrzehnten endete der Kalte Krieg. Russland schien bereit zu sein, sich wieder in die Weltgemeinschaft zu integrieren, und China konzentrierte sich auf seine inneren Angelegenheiten und seine wirtschaftliche Zukunft. Damals war es richtig, dass westliche Regierungen öffentliche Gelder von der Rüstung in den Binnenkonsum und die Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen umleiteten. Angesichts des russischen Revanchismus ist dies keine Option mehr. Höhere Verteidigungsausgaben sind zu einer Notwendigkeit geworden, der sich keine Regierung mehr entziehen kann", hebt der Londoner INDEPENDENT hervor.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG befasst sich mit der von den USA angekündigten Truppenverlegung: "Der angekündigte Abzug aus Deutschland und die Spekulation um Spanien und Italien erzeugen den Eindruck einer Bestrafung. Gleichzeitig wirkt Trumps Kehrtwende in Polen wie eine politische Belohnung für Präsident Nawrocki. Allerdings sind der amerikanischen Regierung bei den Truppenverschiebungen in Europa aber auch Grenzen gesetzt. Der Kongress hat im Dezember festgelegt, dass die USA in Europa mindestens 76.000 Soldaten stationiert haben müssen. Momentan liegt diese Zahl bei 80.000 Truppen. Ein weitergehender Abzug muss in Konsultation mit den NATO-Partnern und nachweislich im Interesse der USA erfolgen", notiert die Schweizer NZZ.
"Für Polen ist Trumps Kurswechsel eine gute Nachricht", schreibt die Warschauer GAZETA WYBORCZA. "Wir brauchen amerikanische Soldaten, damit sie durch ihre Präsenz in Polen Russland abschrecken. Ihr Abzug war für Russland ein Signal, dass es sich in der Region mehr erlauben könne. Die Frage ist jedoch, welche Truppen konkret die Amerikaner entsenden. Werden es Soldaten der 2. Panzerbrigade-Kampfgruppe der 1. Kavalleriedivision sein, die nach bisherigen Plänen eine sechsmonatige Rotation in Polen beginnen sollten? Werden es aus anderen NATO-Staaten versetzte Soldaten sein, die Trump für ihre Kritik am Krieg im Iran bestrafen will? Sollte Letzteres der Fall sein, würde das bedeuten, dass Trump beschlossen hat, die NATO-Länder in bessere und schlechtere zu spalten. Das wäre eine erhebliche Schwächung des Bündnisses", meint die GAZETA WYBORCZA.
Hören Sie nun Kommentare zum Staatsbesuch des russischen Präsidenten Putin bei dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN hält die von China und Russland angestrebte Weltordnung für inakzeptabel: "Xi und Putin haben in ihrer gemeinsamen Erklärung gemahnt, der Welt drohe Gefahr der Spaltung der internationalen Gemeinschaft sowie der Rückkehr ins Gesetz des Dschungels. Da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Denn: Wer die Tür für die Welt für das Recht des Stärkeren geöffnet hat, sind die beiden Männer selbst: Putin, der vor vier Jahren seinen Invasionskrieg begann, und Xi, der sich nie dagegen positioniert hat. Xi hat auch die USA indirekt kritisiert. Natürlich sollten die USA den Iran-Krieg so früh wie möglich beenden, wie Xi beim Treffen mit Putin meinte. Allerdings hätte Chinas Staatschef zuerst seinen Freund aus Moskau vom Beenden des Ukraine-Kriegs überzeugen sollen", findet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
In der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO heißt es: "Bei dem Gipfeltreffen wurden die Nachbarschaftsabkommen ein weiteres Mal verlängert. Das Treffen in Peking ist nicht aus der Not heraus geboren, sondern war längerfristig angelegt. Die Erfolge des Staatsbesuches sind Beweis der Jahrzehnte langen strategischen Partnerschaft und spiegeln das hohe gegenseitige Vertrauen beider Regierungen wider. Für die Welt ist das ein Sicherheitsanker. Beide Staaten kennen die Autorität der Vereinten Nationen an. Wir setzen uns gegen Hegemonie und Militarismus, für eine multipolare Weltordnung ein. Gerade angesichts der turbulenten Weltlage sind solche wahren Freunde, die in guten und schlechten Zeiten zueinanderstehen, besonders wertvoll", hebt HUANQIU SHIBAO aus Peking hervor.
Zum nächsten Thema: Nach zehn Jahren Verhandlungen haben die EU und Mexiko ein neues Abkommen zur Regelung der bilateralen Beziehungen geschlossen. Dazu notiert die spanische Zeitung EL PAIS aus Madrid: "Das Abkommen ist ein Manifest für den freien Handel. Es dient dazu, Risiken zu minimieren, die durch unilateral getroffene Entscheidungen unberechenbarer Hegemonialmächte wie die USA und China entstehen. Schon unter dem 2000 geschlossenen Abkommen war die EU der drittgrößte Handelspartner Mexikos nach den USA und China und der zweitgrößte internationale Investor, während Mexiko der elftgrößte Partner der EU ist. Der Warenaustausch lag 2025 bei geschätzt 86 Milliarden Euro, bei den Dienstleistungen waren es rund 26 Milliarden Euro. Das nun geschlossene Abkommen dient zur Modernisierung dieser Vereinbarung und zielt darauf ab, diese Zahlen weiter zu erhöhen. Mexiko und die EU wollen die Welt mitgestalten, die auf Vertrauen, klaren Regeln und beidseitigem Nutzen basiert", analysiert EL PAIS aus Madrid.
Die mexikanische Zeitung EL FINANCIERO lobt: "Ein wichtiger Punkt des Abkommens ist ein neuer Mechanismus zur Schlichtung von Streitfällen zwischen Investoren und Staaten, die bislang von einer Institution der Weltbank gelöst werden mussten. Das neue System ersetzt keine unabhängige Justiz, bietet aber ein externes, berechenbares und verbindliches Forum zur Ausräumung von Differenzen. Das sorgt für mehr Verlässlichkeit der Investoren. Auf jeden Fall ist es eine positive Entwicklung und ein pragmatisches Signal an die europäischen Märkte in einer Zeit, in der das Handelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada durch den Protektionismus von Donald Trump zunehmend unter Druck gerät", ist in EL FINANCIERO aus Mexiko-Stadt zu lesen.
Abschließend ein Blick in die türkische Zeitung KARAR, die sich mit der Absetzung des Vorsitzenden der größten türkischen Oppositionspartei CHP befasst: "Eine Spaltung der CHP ist nun unvermeidlich. Die derzeitige Parteispitze wird den Kampf wohl mit einer neuen Partei fortsetzen müssen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass der vom Gericht wieder eingesetzte alte Parteichef die Wählerbasis halten kann. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass eine neue Partei, die nicht unter der historischen Last der CHP steht, breitere Massen erreichen und größere Erfolge erzielen könnte. Durch die Absetzung des Vorsitzenden der wichtigsten Oppositionspartei können auch die Massen motiviert werden und möglicherweise wird die oppositionelle Energie in der Gesellschaft verstärkt", schreibt KARAR aus Istanbul.