27. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Neben Russlands Drohungen mit schweren Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew geht es um die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Doch zunächst zu einigen ausländischen Zeitungen, die sich mit der Lage in Kuba beschäftigen.

Ein Mann geht an einer Kubanischen Nationalflagge in Havanna vorbei.
Ein Thema in den Kommentaren: Der Konflikt zwischen den USA und Kuba (Archivbild). (imago / Joaquin Hernandez)
Die spanische Zeitung EL MUNDO glaubt, die Diktatur des Inselstaates sei sich ihres eigenen "Niedergangs bewusst und versucht, irgendwie zu überleben. Dazu aber müsste sie sich wandeln, bevor sie vom wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch erfasst wird. Kuba leidet unter Stromausfällen, Versorgungsengpässen und Massenauswanderung, und der zunehmende Druck der USA mit einer Kombination aus Wirtschaftsblockaden und Militäraktionen beschleunigt den Zerfall. Präsident Trump wiederum will trotz seiner aggressiven Rhetorik vermutlich kein politisches Vakuum in Kuba, das zu Chaos und neuen Migrationsströmen führen könnte. Daher sucht er Gesprächspartner innerhalb des Apparats mit Verbindungen zum militärisch-wirtschaftlichen Komplex. Ein Sturz des kubanischen Regimes durch eine US-Militärintervention wirkt im Augenblick also weniger wahrscheinlich. Dafür könnte es zu einem kontrollierten Machtwechsel und einer gewissen wirtschaftlichen Öffnung kommen", spekuliert EL MUNDO aus Madrid.
"Der US-Präsident hat gezeigt, dass er seine Drohungen in die Tat umsetzen kann", betont die schwedische Zeitung AFTONBLADET: "Er hat den venezolanischen Präsidenten Maduro entführen lassen, einen Krieg gegen den Iran vom Zaun gebrochen und die Sanktionen gegen Kuba verschärft. Jetzt droht er auch noch mit einer Übernahme. Die Blockade der USA gegen Kuba dauert schon mehr als 60 Jahre und wirkt sich auf das ganze Land aus. Trotzdem hat es Kuba geschafft, Ärzte auszubilden und sein Gesundheitssystem auszubauen. Die Schulbildung ist für alle Kinder kostenlos. Es herrscht also kein Mangel an Wissen, sondern an Lebensmitteln, Medikamenten und Ausrüstung. Das Problem für Kuba ist, dass es Donald Trump nicht um die Bevölkerung geht. Seine Aggressionen deuten darauf hin, dass er mehr will als nur härtere Sanktionen und ein Abwürgen der Energieversorgung, sondern dass er einen Schlag vorhat wie in Venezuela - oder sogar Schlimmeres." Das war AFTONBLADET aus Stockholm.
Themenwechsel. Die norwegische Zeitung VERDENS GANG geht auf die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran ein: "In mehreren Hauptstädten der Welt war es ein hektisches Wochenende. US-Präsident Donald Trump ist in Kontakt mit mehreren Golfstaaten - also mit Ländern, die nicht nur besorgt sind, sondern de facto in der Schusslinie zwischen dem Iran, Israel und den USA gelandet sind. Aus Washington heißt es, ein Abkommen mit dem Iran stehe unmittelbar bevor. Teheran bestätigt eine Annäherung in mehreren Punkten - unterstreicht aber auch, dass es sich allenfalls um einen Rahmen für weitere Verhandlungen handelt, nicht um ein endgültiges Abkommen. Der Kern des Problems ist nach wie vor die große Menge an angereichertem Uran. Teheran hat wiederholt die Forderung zurückgewiesen, das Material abzutreten, während die USA das iranische Atomprogramm immer mehr in den Mittelpunkt ihrer Verhandlungen rücken. Der Weg zu einem Frieden führt nach wie vor durch ein Minenfeld - das haben wir in den letzten Monaten gelernt", notiert VERDENS GANG aus Oslo.
Die türkische Zeitung YENI ŞAFAK erwartet, US-Präsident Trump bleibe "zwischen dem Druck der innen- und außenpolitischen Hardliner und dem politischen Pragmatismus, den die Wahlen im November gebieten, gefangen. In den letzten Tagen waren sowohl Nachrichten, die eine Einigung signalisieren, als auch welche, die eine Rückkehr zum Krieg signalisieren, das konkreteste Beispiel dafür. Mit seinen widersprüchlichen Botschaften am selben Tag bringt Trump zum Ausdruck, dass er einerseits zu einer Einigung bereit ist - andererseits aber auch, dass er zu einem Konflikt zurückkehren könnte", hält YENI ŞAFAK aus Istanbul fest.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio beleuchtet ebenfalls die Strategie des US-Präsidenten. In einem Gastkommentar heißt es: "Angesichts der Zwischenwahlen im November will Trump einerseits, dass die Benzinpreise so schnell wie möglich sinken. Andererseits will er aber auch die Unterstützung seiner israel-freundlichen, treuen Wähler nicht verlieren. Um diesen Leuten seine außenpolitische Leistung zu zeigen und Israels Wunsch zu erfüllen, muss er verhindern, dass der Iran über die Fähigkeiten zur Produktion von Atomwaffen verfügt."
Die libanesische Zeitung AN-NAHAR aus Beirut beobachtet: "Es scheint, als ob Trump aufgrund der innenpolitischen Situation und der enormen Kriegskosten zunehmend unter Zeitdruck gerät. Der Iran hingegen will offenbar Zeit gewinnen, um seine militärischen, sicherheitspolitischen und politischen Kapazitäten durch die Zusammenarbeit mit einigen Verbündeten zu stärken, insbesondere mit Russland und China. So wirken die derzeitigen Gespräche eher wie eine Verschiebung bestehender Probleme als deren Lösung", bilanziert AN-NAHAR.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO betont, das Regime in Teheran habe die monatelange Internetsperre gelockert: "Die Blockade des digitalen Raums war bereits Anfang Januar nach landesweiten Protesten verhängt und nach den Militärschlägen der USA und Israels Ende Februar weiter verschärft worden. Die wirtschaftlichen Kosten dieser Isolierung sind mittlerweile so hoch geworden, dass sich die iranische Führung zu einer Kehrtwende gezwungen sah. Schätzungsweise hängen etwa zehn Millionen Arbeitsplätze von einer funktionsfähigen digitalen Wirtschaft ab, und inzwischen ist die Produktivität der gesamten Wirtschaft nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Dennoch kam von den konservativen Kreisen der iranischen Führung heftiger Widerstand gegen diesen Kurswechsel, da der Schritt auch mit hohen Sicherheitsrisiken verbunden ist", vermerkt JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Die israelische Zeitung THE JERUSALEM POST ist überzeugt: "Der gefährlichste Moment für die Islamische Republik könnte nicht während des Krieges, sondern erst danach kommen. Ein Waffenstillstand - wenn er hält - wird dem Regime die patriotische Deckung nehmen, die ein ausländischer Angriff vorübergehend geliefert hat. Er wird zudem die Aufmerksamkeit wieder auf die Toten bei den Protesten im Januar lenken – auf die Familien, die Kinder verloren haben, auf die unbeantworteten Forderungen nach Rechenschaft. Und natürlich auf eine Regierung, die zwar ihre eigenen Bürger tötet, aber unfähig ist, das Land vor verheerenden Angriffen von außen zu schützen", so die Einschätzung von THE JERUSALEM POST.
Nun zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF stellt fest: "Unter Androhung eines neuen Raketenterrors hat die Kriegsclique im Kreml alle ausländischen Diplomaten und Bürger aufgefordert, die ukrainische Hauptstadt Kiew zu verlassen. Ähnlich wie andere europäische Staaten geben auch die Niederlande dieser russischen Erpressung nicht nach, die darauf abzielt, die Ukraine zu isolieren. Bei den Angriffen vom vergangenen Wochenende wurden rund 600 Drohnen und 90 Raketen eingesetzt. Zudem entschieden sich die Russen, als Zeichen einer weiteren Eskalation ihre Hyperschall-Oreschnik abzufeuern, eine laut Moskau 'nicht abfangbare' ballistische Interkontinentalrakete. Alles deutet auf eine Flucht nach vorn aus Frust über die festgefahrene Lage an der Front hin. Die Aufforderung, Kiew zu verlassen, ist psychologischer Terror", urteilt DE TELEGRAAF aus Amsterdam.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA aus Warschau wendet ein: "Heute sucht die Welt erneut nach einer Antwort auf eine grundlegende Frage: Könnte Russland Kiew mit taktischen Atomwaffen angreifen? Denn mit Drohnen, ballistischen Raketen oder Marschflugkörpern kann es die Ukrainer nicht mehr überraschen. Kiews Partner im Ausland sollten ihre Reaktion auf einen möglichen Einsatz solcher Waffen durch Russland bereits jetzt klar definieren. Es könnte dafür sonst bald zu spät sein", empfiehlt RZECZPOSPOLITA - am Ende der internationalen Presseschau.