28. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Die ausländischen Zeitungen beschäftigen sich unter anderem mit der Lage im Nahen Osten. Doch zunächst geht es um Norwegen, das als Reaktion auf die russische Bedrohung Teil des atomaren Schutzschirms von Frankreich wird.

Frankreich, Paris: Emmanuel Macron (r), Präsident von Frankreich, und Jonas Gahr Støre, Ministerpräsident von Norwegen, geben sich während einer gemeinsamen Pressekonferenz im Elysee-Palast die Hand.
Frankreich und Norwegen verstärken ihre Verteidigung: Neben einem Beistandsabkommen erhält Norwegen Zugang zu Frankreichs nuklearem Schutzschirm. (Christophe Petit Tesson/Pool EPA)
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN erläutert: "In Frankreich sind 45 Plätze, Straßen und Brücken nach dem norwegischen Narvik benannt worden, um an den Einsatz der französischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg zu erinnern, und nun haben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Premier Jonas Gahr Støre auch ein Narvik-Abkommen geschlossen. Im März hielt Macron eine Aufsehen erregende Rede: Er präsentierte die größte Veränderung in der französischen Atomwaffenstrategie seit Jahrzehnten. Die Franzosen haben sich nie auf den Schutzschirm der USA verlassen. Würde ein US-Präsident tatsächlich Chicago für Paris opfern? Also setzte man auf seine eigene Schlagkraft. Diese französischen Waffen gehören nicht zur gemeinsamen Planung der NATO. Das will Macron immer noch nicht. Aber er hat enge europäische Verbündete eingeladen, einen kleinen Schritt näherzutreten. Mehrere Länder haben bereits angenommen, darunter die Niederlande, Schweden, Dänemark, Deutschland und Griechenland", bilanziert AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die ebenfalls in Oslo erscheinende Zeitung DAGSAVISEN gibt zu bedenken: "Selbst wenn die Beteiligung an dem französischen Programm uns mehr Sicherheit beschert, drohen mehr Spannungen mit Russland. Auch liegt die gesamte Entscheidungsbefugnis über den Einsatz der Atomwaffen in Paris. Jetzt regiert dort Macron, doch deuten Meinungsumfragen auf einen möglichen Sieg der Ultrarechten bei der nächsten Wahl hin. Aber wir müssen uns zu der neuen Situation verhalten. Der brutale Ukraine-Krieg, ein bedrohliches russisches Regime und ein vollkommen unberechenbarer US-Präsident: Das ist der Hintergrund, vor dem die norwegische Regierung diese Entscheidung getroffen hat", betont DAGSAVISEN aus Norwegen.
Die dänische Zeitung POLITIKEN fragt: "Will Wladimir Putin den Ukraine-Krieg auf andere Teile Europas ausdehnen? Gerade blinken wieder die Alarmlampen. Das mag paradox wirken, weil Russland in der Ukraine feststeckt und immer mehr Schwierigkeiten hat, sich gegen ukrainische Drohnen zu verteidigen. Aber tatsächlich ist Putin dabei, für die Russen ein neues Bedrohungsbild aufzubauen. Am Montag unterzeichnete er ein Gesetz, das russischem Militär den 'Schutz' von Bürgern erlaubt, die festgenommen wurden oder vor ausländischen Gerichten stehen, die von Moskau nicht anerkannt werden. Zuletzt hat Russland außerdem seinen Desinformationskrieg gegen die baltischen Staaten verstärkt, indem es sie beschuldigt, dort lebende Russen zu diskriminieren", hält POLITIKEN aus Kopenhagen fest.
Themenwechsel. "Drei Monate nach dem Ausbruch des Krieges herrscht immer noch kein Frieden im Iran", bilanziert die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO: "Präsident Trump behauptete kürzlich, dass Washington und Teheran kurz vor einem Rahmenabkommen zur Beendigung des Konflikts stehen. Dann hat Amerika Iran doch wieder angegriffen. Israel verschärft gleichzeitig sein Bombardement im Libanon. Wie nah oder fern ist der Frieden in der Region? Bei drei Kernfragen liegen die Positionen beider Seiten noch weit auseinander: der Blockade der Straße von Hormus, dem iranischen Atom-Programm sowie Reparationen und Freigabe von iranischem Vermögen im Ausland. Solange Washington und Teheran keine Lösungen für diese Fragen finden, wird es keinen nachhaltigen Frieden geben", lautet die Einschätzung von JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Die japanische Zeitung MAINICHI SHIMBUN aus Tokio empfiehlt mit Blick auf den US-Präsidenten: "Trump sollte endlich anerkennen, dass dieser von ihm einseitig begonnene Krieg sehr schwer zu beenden ist; und er sollte mit seinen fruchtlosen 'Deals' aufhören. Besorgniserregend ist, dass Irans Blockade der Straße von Hormus in Teilen der Welt Schule machen könnte. Indonesiens Finanzminister regte an, über den strategischen Wert der Straße von Malakka nachzudenken."
Die polnische GAZETA WYBORCZA aus Warschau glaubt: "Der Iran benötigt ein Abkommen, um eine Aufhebung der US-Blockade zu erreichen. Andernfalls wäre das Land gezwungen, seine Ölquellen stillzulegen, da seine Speicherkapazitäten bereits ausgeschöpft sind. Die iranische Führung ist jedoch der Ansicht, dass Trump ein Abkommen noch dringender benötigt als sie selbst, und ist daher wenig geneigt, weitere Zugeständnisse zu machen."
Angesichts neuer isarelischer Angriffe glaubt die libanesische Zeitung L'ORIENT-LE JOUR, dass die Konflikte "Iran und Libanon nun getrennt voneinander behandelt werden. Darauf deuten die militärischen Entwicklungen hin - ebenso wie die Entscheidung des libanesischen Staates, direkt mit Israel zu verhandeln. Es wäre jedoch illusorisch zu glauben, dass unser Land völlig vor zweifelhaften Absprachen zwischen den Mächten geschützt ist. Das Schicksal der Hisbollah bleibt eng und untrennbar mit den iranischen Forderungen und Zugeständnissen verbunden", urteilt L'ORIENT-LE JOUR aus Beirut.
Die panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED ist überzeugt: "Zu den direkten Gesprächen, die Israel und der Libanon führen, gibt es keine Alternative. Denn nur so lässt sich das für die Bevölkerung höchst belastende israelische Vorgehen im Libanon langfristig stoppen. Der heikelste Punkt dürfte die künftige Rolle der libanesischen Armee sein - vor allem mit Blick auf die Hisbollah, die ja entwaffnet werden soll. Das dürfte schwierig werden. Und doch stellt die libanesische Armee die letzte Chance für das Überleben des Staates dar. Genau darauf arbeitet die libanesische Präsidentschaft nun hin." Das war AL ARABY AL-JADEED mit Sitz in London.
US-Präsident Trump hat mehrere Länder der muslimischen Welt aufgerufen, im Zuge einer möglichen Friedensvereinbarung mit dem Iran den sogenannten Abraham-Abkommen über eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel beizutreten. Die türkische Zeitung STAR schreibt: "Es geht hierbei weniger um ein einfaches Abkommen als vielmehr um den Aufbau einer geopolitischen Pufferzone. Diese Pufferzone soll nicht nur dem Iran entgegenwirken. Das eigentliche Problem ist weitreichender. Die aktuelle Krise in der Straße von Hormus hat die Energieflüsse so stark eingeschränkt, dass auch China unmittelbar betroffen ist. Angesichts der Abhängigkeit Chinas vom Golf wird die Kontrolle über diese Region nicht nur für das Machtgleichgewicht im Nahen Osten, sondern auch für das globale Machtgleichgewicht entscheidend sein. Daher wäre es unvollständig, Trumps Beharren auf den Abraham-Abkommen allein mit der Sicherheit Israels zu erklären. Anders ausgedrückt ist das Ziel die Etablierung einer regionalen Architektur, die Energieströme kontrolliert, Handelsrouten lenkt und von den USA abhängig ist", analysiert STAR aus Istanbul.
Abschließend blicken wir nach Südafrika. Nach teils gewaltsamen Protesten gegen illegale Einwanderung hat Ghana mit einer Rückholaktion für in Südafrika lebende Staatsbürger begonnen. Die Zeitung SOWETAN bemerkt: "Südafrika hat sich seit langem als Verfechter der Menschenrechte und der afrikanischen Solidarität positioniert. Dieses Ansehen gerät nun in Gefahr. Die Entscheidung der ghanaischen Regierung, ihre Bürger zurückzuführen, folgt auf wochenlange Anti-Einwanderungsproteste - angeführt von Interessengruppen, die Maßnahmen gegen illegale Einwanderung fordern. Besorgniserregend sind auch die Vorwürfe der abreisenden Ghanaer, die südafrikanische Regierung habe ihre Anträge auf Verlängerung des Aufenthalts nicht bearbeitet. Die Frustration vieler Südafrikaner sollte aber nicht einfach als Fremdenfeindlichkeit abgetan werden. Das Land sieht sich mit einer alarmierend hohen Kriminalitätsrate und wachsender Arbeitslosigkeit konfrontiert. Die Wahrnehmung, dass die Grenzen schlecht verwaltet und Einwanderungsgesetze nur schwach durchgesetzt werden, hat die öffentliche Wut verstärkt." Und mit diesem Kommentar von SOWETAN aus Johannesburg endet die internationale Presseschau.