29. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Die USA und der Iran stehen nach Angaben von US-Vizepräsident Vance kurz vor einem Abkommen. Weiteres Thema in den Kommentaren ist die Rolle Europas bei möglichen Verhandlungen mit Russland über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Doch zunächst nach Rumänien.

Ukrainische und EU-Flaggen am Generalkonsulat in Düsseldorf am 4.11.2022.
Ein Thema: Die Rolle Europas bei möglichen Verhandlungen mit Russland über ein Ende des Ukraine-Kriegs (Symbolbild). (IMAGO / Michael Gstettenbauer / IMAGO / Michael Gstettenbauer)
Eine russische Drohne ist in den Luftraum des NATO- und EU-Landes eingedrungen und in der Stadt Galaţi in einen Wohnblock gestürzt. Die rumänische Zeitung EVENIMENTUL ZILEI stellt fest, dies habe "Panik ausgelöst. Es gab Verletzte, und dutzende Bürger mussten ihre Wohnungen verlassen. Die Verantwortlichen sitzen vermutlich im Kreml, auch wenn der jetzt mit Sicherheit versuchen wird, davon abzulenken. Die russische Propaganda folgt dabei bestimmten Mustern. Man relativiert die Glaubwürdigkeit der Quellen, zersetzt das Vertrauen in die Institutionen und betreibt eine Täter-Opfer-Umkehr. Dazu werden technische Details bemüht, beispielsweise das Verhältnis zwischen der Größe russischer Drohnen und dem Ausmaß der Schäden. Schließlich werden Verschwörungsmythen aufgebaut. Oder aber es wird behauptet, der Vorfall sei inszeniert, um die Bevölkerung zu verunsichern. Die Wahrheit ist, dass der Absturz eines ausländischen, potenziell gefährlichen Geräts auf dem eigenen Staatsgebiet die nationale Sicherheit betrifft und potenziell Terror oder eine Aggression darstellt", urteilt EVENIMENTUL ZILEI aus Bukarest.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT beschäftigt sich mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine: "Die Entwicklungen zeigen, dass die Konfliktparteien versuchen, die strategische Stabilität der jeweils anderen Seite zu schwächen. Die Äußerungen Moskaus, auch ukrainische 'Entscheidungszentren' sowie Führungs- und Kontrollpunkte ins Visier zu nehmen, sind aus Sicht von Beobachtern aggressiver als bisher. Aber auch die jüngsten Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zeigen, dass Kiew sich nicht länger mit einer rein defensiven Haltung begnügen will. Es ist kein Zufall, dass Kiew sein Hauptaugenmerk auf den russischen Energiesektor richtet. Ein Schlag gegen diesen Bereich könnte Russlands militärische Fähigkeiten empfindlich schwächen. All dies deutet darauf hin, dass sich die Konfliktparteien langsam in einem 'strategischen Zermürbungskrieg' befinden", notiert MÜSAVAT aus Baku.
Die polnische Zeitung POLITYKA merkt mit Blick auf Russlands Präsidenten an: "Es ist offensichtlich, dass Putin im Propagandakrieg die Oberhand verloren hat. Und dies ist eine Kriegsfront, die keinesfalls unterschätzt werden darf. Der Glaube an den Sieg ist hier von höchster Bedeutung. Wenn die europäischen Gesellschaften – und damit auch ihre politischen Eliten – nicht daran glauben, dass Russland diesen Krieg verlieren kann: Welchen Sinn hätte dann überhaupt die Unterstützung der Ukraine?", fragt POLITYKA aus Warschau.
"Bald werden im ukrainischen Luftraum Kampfflugzeuge aus schwedischer Produktion patrouillieren", bemerkt EXPRESSEN aus Stockholm: "Das Abkommen wurde auf einer Basis bei Uppsala von Premier Kristersson und Präsident Selenskyj präsentiert und sieht vor, dass Schweden der Ukraine 16 Maschinen vom Typ 'Jas 39 Gripen C' schenkt. Ab 2030 liefert dann Saab die ersten 20 neu produzierten 'Gripen E'. Insgesamt will die Ukraine bis zu 150 Flugzeuge kaufen. Schon jetzt werden ukrainische Piloten in Schweden ausgebildet, und die ersten Flugzeuge werden hoffentlich Anfang nächsten Jahres ihren Dienst aufnehmen. Der 'Gripen' ist für einen Angriffskrieg gebaut, wie ihn die Ukraine ausficht. Er braucht nur kurze Start- und Landebahnen, kann bei Schnee und Regen eingesetzt werden und ist relativ einfach zu bedienen. Besteht er jetzt auch noch den Härtetest in der Ukraine gegen Russland, könnten weitere Länder zugreifen", vermutet die schwedische Zeitung EXPRESSEN.
Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN beleuchtet die Rolle Europas bei möglichen Verhandlungen mit Russland: "Die europäischen Politiker, die meinen, dass wir jetzt aktiv werden sollten, da Washington versagt hat, haben recht. Eine solche Initiative hat jedoch nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie auf vier vernünftigen Grundsätzen basiert. Erstens sollte Europa selbst seine Verhandlungsführer bestimmen. Zweitens müssen die Verhandlungen als Fortsetzung der Unterstützung für Kiew verstanden werden und keinesfalls als Ersatz dafür. Drittens müssen die Verhandlungen mit einem stärkeren Druck auf Moskau einhergehen. Effektivere Sanktionen und bessere Langstreckenwaffen für Kiew werden weitaus mehr Menschenleben retten als jede pazifistische Rhetorik. Schließlich braucht es einen grundlegenden Realitätssinn, wenn man sich auf einen solchen Prozess einlassen will. Wir müssen es beim Namen nennen: Es wird sehr schwierig, Russland zur Vernunft und die Waffen zum Schweigen zu bringen, aber Europa sollte es versuchen", empfiehlt JYLLANDS-POSTEN aus Århus.
Vor dem Hintergrund der Debatte über die Einsetzung eines Vermittlers kritisiert das LUXEMBURGER WORT die Haltung des Außenministers Bettel. Dieser bringt seinen Landsmann, den früheren EU-Kommissionspräsidenten Juncker, ins Spiel. "Implizit ließ Bettel mitschwingen, dass Esten oder Letten ihm wohl zu einseitig seien. Nur weil sie genau wissen, wie der Kreml tickt und deshalb keine Lust auf faule Kompromisse haben? Mit seinen leichtsinnigen Aussagen lässt Bettel genau das Wirklichkeit werden, was Putin mit der Debatte rund um einen EU-Unterhändler lostreten wollte: Einen eitlen innereuropäischen Streit, der vor laufenden Kameras ausgetragen wird."
Nun in den Nahen Osten. Nach den Worten von US-Vizepräsident Vance steht ein Abkommen mit dem Iran kurz bevor. Die taiwanesische Zeitung ZHONGGUO SHIBAO ist überzeugt: "Ein nachhaltiger Frieden muss vom Iran und der arabischen Welt sowie Israel selbst geschaffen werden. Ganz aussichtslos ist das nicht. 2023 haben Saudi-Arabien und der Iran beispielsweise ihre diplomatischen Beziehungen normalisiert. Leider haben die amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran und die darauffolgenden Attacken aus Teheran auf die arabischen Länder die Feindschaft zwischen ihnen wieder verschärft. Ohne den Iran können die arabischen Staaten die dringenden Probleme wie die Stabilisierung der Energiemärkte, die Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus und im regionalen Handel nicht bewältigen. Wer den Knoten knüpft, muss ihn auch lösen", findet ZHONGGUO SHIBAO aus Taipeh.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio hält es für unwarscheinlich, dass US-Präsident Trump im Ringen um eine Einigung mit Iran auf "Israels Premier Rücksicht nehmen könnte. Denn es war gerade Netanjahu, der Trump in den Iran-Krieg einbezogen und ihn schließlich in politische Bedrängnis gebracht hat."
Die panarabische Zeitung SHARQ AL-AWSAT wendet ein: "Ungeachtet aller Verhandlungen scheint das iranische Regime weiterhin entschlossen, den arabischen Nachbarländern mit seinem Revolutionsprojekt und seinem Verhalten Schaden zuzufügen. Es setzt alles daran, dem auf die Zukunft ausgerichteten Gesellschaftsmodell der Golfstaaten durch Angriffe, Erpressung und Verschwörung zu schaden. Dahinter steckt kein anderes Motiv als der Anspruch auf Überlegenheit. Dadurch hat das Regime ein neues Wettrüsten ausgelöst und sich Feinde in allen Nachbarländern geschafft", bilanziert SHARQ AL-AWSAT mit Sitz in London.
Die israelische Zeitung HAARETZ verlangt eine Lösung für den Konflikt im Nachbarland Libanon: "Der Krieg ist sinnlos. Niemand weiß, worin seine Ziele bestehen. Die Soldaten, die sterben, sterben umsonst. Anstatt die Kampfzone auszuweiten, sollten wir sie verkleinern; anstatt die Truppenstärke aufzustocken, sollten wir damit beginnen, die Soldaten aus dem libanesischen Sumpf abzuziehen. Und wir müssen uns mit der libanesischen Regierung an einen Tisch setzen, die mehr als einmal den Wunsch nach direkten Verhandlungen mit Israel geäußert hat", mahnt HAARETZ aus Tel Aviv, mit der diese internationale Presseschau endet.