30. Mai 2026
Die internationale Presseschau

Kommentiert werden der Einschlag einer mutmaßlich russischen Drohne in Rumänien und die Frage, welche Schlussfolgerungen Europa daraus ziehen sollte, sowie die Ausweitung der israelischen Angriffe im Libanon. Zuerst geht es aber um die Suche nach einer Lösung im Iran-Krieg.

Start von Raketen- und Drohneneinheiten während einer militärischen Übung der Islamischen Revolutionsgarden im Persischen Golf und in der Straße von Hormus.
Start von Raketen- und Drohneneinheiten während einer militärischen Übung der iranischen Revoluitionsgarden. (Sepahnews / ZUMA Press Wire / dpa / Sepahnews)
Der "Albtraum Naher Osten" habe Donald Trump eingeholt, schreibt dazu die dänische Zeitung POLITIKEN: "Alle US-Präsidenten hatten Angst davor, im militärischen Morast und politischen Treibsand des Nahen Ostens zu versinken. Donald 'America first' Trump wird jetzt allmählich klar, was das bedeutet. Die Herausforderungen für ein Abkommen zwischen Washington und Teheran sind endlos. Am wichtigsten dürfte Trump jetzt die Straße von Hormus sein, damit die Ölpreise rechtzeitig vor den Zwischenwahlen wieder sinken. Aber auch eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage würde das Problem nur vertagen. Sowohl Israel als auch die arabischen Verbündeten sind verunsichert, was Trumps Pläne sind. Er hat versprochen, das iranische Atomprogramm zu eliminieren. Das ist nicht passiert. Die iranische Unterstützung für Milizen in arabischen Staaten sollte aufhören. Auch das ist nicht passiert. Stattdessen strebt der Iran weiterhin offiziell nach der Zerstörung Israels und will auch nicht mit Israel sprechen", stellt POLITIKEN aus Kopenhagen fest.
Die türkische Zeitung SABAH sieht den israelischen Regierungschef Netanjahu bei den Gesprächen zwischen dem Iran und den USA "auf der Verliererseite": "Trump hat Netanjahu faktisch vom Verhandlungstisch ausgeschlossen. Der Grund ist, dass die USA und Israel in ihrem Vorgehen gegenüber dem Iran nicht mehr auf einer Linie sind. Die Trump-Administration hat dem von Netanjahu angestrebten Regimewechsel eine Absage erteilt. Sie konzentriert ihre Bemühungen nun auf die Wiederöffnung der Straße von Hormus und darauf, einen Zugang zu den Energieressourcen des Landes zu erhalten. Kurz gesagt versucht Trump inzwischen, den Iran für sich zu gewinnen, trotz der Widerstände aus Teheran. Ihm ist dabei vollkommen bewusst, dass dieses Ziel nicht durch Bomben erreicht werden kann. Statt weiter auf Netanjahus Strategie von Krieg und Chaos zu setzen, verfolgen die USA nun eine ökonomische und geopolitische Annäherungsstrategie", ist SABAH aus Istanbul überzeugt.
"Eine weitere Front verläuft im Libanon", schreibt die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT zur Ausweitung der Angriffe durch die israelische Armee im Süden des Landes. Die unzähligen ineinander verwobenen Konflikte in der Region könnten nur durch einen dauerhaften Frieden gelöst werden. "Israel hat zwar einem Waffenstillstand zugestimmt, greift de facto aber weiter gnadenlos an, und auch die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz lässt die Waffen keineswegs ruhen. Israels Premier Netanjahu scheint wenig Interesse an einem Frieden zu haben. So gibt es auch keine Informationen über irgendwelche Absichten, aus dem besetzten Südlibanon abzuziehen. Es ist dies eine Krisenserie, die im Oktober 2023 mit dem brutalen Überfall der Hamas auf Israel begann und mit dem Gaza-Krieg weiterging. Auch der Iran, die Hisbollah und die Huthi im Jemen sind in den Konflikt verwickelt."
Die libanesische Zeitung AN NAHAR geht auf die derzeit unter amerikanischer Vermittlung laufenden direkten Verhandlungen zwischen dem Libanon und Israel ein und sieht dabei zwei völlig unterschiedliche Sicherheitskonzepte: "Auf der israelischen Seite dominiert die Überzeugung, man könne den Libanon nur befrieden, indem man eine indirekte, aber nahezu vollständige Kontrolle über das Land ausübe. Es liegt auf der Hand, dass die libanesische Regierung einer solchen Sicht entgegentreten muss. Denn das Ziel, künftige von ihrem Territorium ausgehende Bedrohungen durch die Hisbollah zu verhindern, kann langfristig nur der libanesische Staat selbst erreichen, und zwar durch die Armee und die legitimen Sicherheitskräfte. Es kann nicht sein, dass es auf Dauer allein durch israelische Kampfflugzeuge verwirklicht wird. Daher sind die derzeitigen Verhandlungen so bedeutsam. Denn es geht nicht allein um Waffenstillstandsvereinbarungen, sondern auch um die Autonomie des Libanons insgesamt", stellt AN NAHAR aus Beirut fest.
Und nun zum Einschlag einer mutmaßlich russischen Drohne in ein Wohnhaus in der rumänischen Stadt Galati. JURNALUL NATIONAL aus Bukarest kritisiert, dass die Bedrohung lange nicht ernst genommen wurde: "Der Einschlag bedeutet für die Rumänen, dass die geopolitische Realität ihre Wohnzimmer erreicht hat. Während der letzten Jahre sahen wir schon Rauchsäulen auf der ukrainischen Seite der Donaumündung aufsteigen wie ein makabres Schauspiel, dem wir als Publikum kostenlos beiwohnen durften. Jetzt sind wir Teil des Geschehens. Die Drohne, die Galati getroffen hat, ist mehr als nur etwas Metall mit russischer Elektronik - sie ist der Beweis für unser strategisches Versagen. Während der Feind seine Waffen verfeinert hat, wurde bei uns nur an Pressemitteilungen gefeilt, die besagten, das 'keine Bedrohung für die Bevölkerung' bestehe. Die Geopolitik kennt keine Gnade fürs Zaudern. Warum wurde diese Gefahr nicht erkannt? Moderne Drohnenabwehrsysteme sind kein Luxus, sondern von elementarer Bedeutung. Wer einen unberechenbaren Aggressor neben sich weiß, muss ihm stets einen Schritt voraus sein", fordert die rumänische Zeitung JURNALUL NATIONAL.
Die polnische Zeitung POLITYKA verweist auf eine russische Desinformationskampagne, bei der die Schuld an dem Drohnen-Vorfall der Ukraine gegeben und die rumänische Regierung kritisiert wird: "Dieser gesamte Mechanismus ist höchst charakteristisch für eine geplante Operation. Folglich lässt sich der Angriff kaum als zufälliges Eindringen abtun. Der Übergang in die Eskalationsphase des hybriden Krieges wird langsam nicht nur in Polen, sondern auch in Rumänien zur Realität, das ebenfalls eine wichtige Rolle im System der westlichen Hilfslieferungen an die Ukraine spielt. Es ist noch zu früh, um zu beurteilen, ob die Russen angesichts der Schwierigkeiten im Donbass auf einen 'Plan B' zurückgreifen. Der Fall Rumänien zeigt jedoch, dass wir wachsam bleiben und uns nicht unter dem Einfluss von Schock und Angst in falsche Narrative hineinziehen lassen dürfen", notiert die POLITYKA aus Warschau.
Die spanische Zeitung EL MUNDO sieht eine erneute gezielte Provokation aus Moskau: "Russland nutzt die Ostgrenze der EU seit geraumer Zeit als Testfeld für seine Strategie des Drucks und der Einschüchterung, ohne dabei die Schwelle zu überschreiten, die eine militärische Reaktion der NATO auslösen würde. Die Bedeutung des Vorfalls in Galati liegt in der Normalisierung des Risikos. Diese Taktik ist Teil des hybriden Krieges, den der Kreml gegen den Westen führt, um ihn durch Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation, Migrationsdruck oder Wahlbeeinflussung zu verunsichern, ohne dabei einen Casus Belli zu liefern. Drohnen fügen nun eine besonders gefährliche Dimension hinzu: Sie sind billig, schwer abzufangen und ermöglichen eine permanente Bedrohung - bei gleichzeitiger Möglichkeit, jede Verantwortung abzustreiten", gibt EL MUNDO aus Madrid zu bedenken.
Der britische INDEPENDENT fordert die europäischen NATO-Staaten dazu auf, sich besser gegen derlei Angriffe zu schützen: "Ideal wäre eine Art Raketen- und Drohnenabwehrsystem wie der 'Iron Dome', der Israel schützt und den Präsident Donald Trump auch für die USA plant. Das ist allerdings kaum realisierbar. Doch der Aufbau einer weitaus besseren Luftabwehr entlang der Ostflanke der NATO ist durchaus machbar, auch ohne US-Unterstützung. Europa verfügt nicht nur über die notwendigen industriellen Kapazitäten, sondern auch über einen Verbündeten, der inzwischen weltweit führend in der Drohnenkriegsführung und bei entsprechenden Verteidigungstechniken ist - die Ukraine. Wie bereits bei den Golfstaaten kann Kiew den europäischen NATO-Mitgliedsländern helfen, ihre Selbstverteidigungsfähigkeit wiederherzustellen", ist THE INDEPENDENT aus London überzeugt.