01. Juni 2026
Die internationale Presseschau

Mit Stimmen zum Irankrieg, Israels Vorrücken im Libanon sowie zu den Korruptionsvorwürfen gegen die spanische Regierungspartei. Zunächst aber nach Singapur, wo am Wochenende die wichtigste Sicherheitskonferenz Asiens, der Shangri-La-Dialog, stattgefunden hat.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht bei der Sicherheitskonferenz Shangri-La-Dialog in Singapur.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei der Sicherheitskonferenz Shangri-La-Dialog in Singapur - das Forum ist eins der Themen in den Kommentaren aus dem Ausland. (AFP / MOHD RASFAN)
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN kommentiert die Rede von US-Verteidigungsminister Hegseth bei dem Forum: "Hegseth zeigte sich angesichts der Aufrüstung Chinas zwar alarmiert und betonte, die Indo-Pazifik-Region habe für die Sicherheit der USA eine äußerst wichtige Bedeutung. Da dürften sich allerdings zahlreiche Teilnehmer aus anderen Staaten gefragt haben: Lassen die USA den Worten wirklich Taten folgen? Das eindeutigste Beispiel ist der Iran-Krieg, für den die USA den Großteil ihrer militärischen Ressourcen aufgebracht haben. Das schwächt die Abschreckungsfähigkeit in Asien gegenüber China. Die Trump-Regierung sollte die Kämpfe in der Golf-Region so bald wie möglich beenden und ihren Kurs Richtung Indo-Pazifik ändern. Denn Peking treibt Aufrüstung und militärische Expansion immer weiter voran: Washington sollte keine Zeit verlieren", verlangt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO verweist auf wichtige bilaterale Treffen im Vorfeld des Shangri-La-Dialogs: "Den Grundton dieses Sicherheitsforums haben die Staatsoberhäupter Chinas und der USA bereits bei ihrem Gipfel Mitte Mai in Peking festgelegt. Sie setzen auf Entspannung. Auch das Treffen zwischen den chinesischen und russischen Präsidenten kurz danach war wichtig. Stabile Beziehungen zwischen Großmächten können der Welt nur gut tun. Dass der US-Verteidigungsminister in seiner Rede die Taiwan-Frage ausgelassen hat, sendet dabei ein wichtiges Signal. Zudem zeigte sich ein verändertes Kräfteverhältnis bei dem diesjährigen Forum: Während die Schwellen- und Entwicklungsländer Asiens gerade einen Aufschwung erleben, verläuft durch das Lager des Westens ein immer größerer Riss. Eine Politik der Ausgrenzung ist auch deshalb nicht mehr zeitgemäß", stellt HUANQIU SHIBAO aus Peking klar.
"Während der Konferenz prangerte Japans Verteidigungsminister Chinas Verteidigungsausgaben an", schreibt die portugiesische Zeitung DIARIO DE NOTICIAS: "Damit signalisierte er, dass sich Tokio nicht von Pekings entsprechender Kritik einschüchtern lasse, Japan betreibe Neomilitarismus. In Wirklichkeit haben beide Länder in den letzten Jahren massiv in Rüstung investiert. China und Japan haben aber auch ein gemeinsames Interesse, nämlich die Wahrung der Stabilität in Ostasien. Zudem sind ihre Wirtschaften eng miteinander verflochten. Dennoch scheinen die Regierungen fest entschlossen, ihren Kurs fortzusetzen und ihre Streitkräfte zu modernisieren. Wenn sie dann auch noch mit gegenseitigen Vorwürfen um sich werfen, schüren sie Ängste und Spannungen, und das könnte gefährlich werden", warnt DIARIO DE NOTICIAS aus Lissabon.
Nun nach Nahost. Die italienische Zeitung LA STAMPA kommentiert das jüngste Vorrücken der israelischen Armee im Libanon: "Für den Vormarsch nutzt Israels Regierungschef Netanjahu ein Zeitfenster, das wertvoller ist als jedes diplomatische Abkommen: die Möglichkeit, Israels Nordgrenze neu zu definieren, solange die iranische Abschreckung geschwächt ist - und zwar bevor die Verhandlungen mit Teheran abgeschlossen werden und bevor die internationale Gemeinschaft ihre Aufmerksamkeit wieder auf diese Front richtet. Kontrolle über das Vorgehen Israels gibt es aktuell nicht, denn die Regierung von US-Präsident Trump ist mit Verhandlungen mit Teheran beschäftigt und benötigt Netanjahu als funktionalen Verbündeten", hält LA STAMPA aus Turin fest.
Ähnlich sieht es die libanesische Zeitung AN NAHAR: "Alles deutet darauf hin, dass Israel seinen Krieg ausweitet, um Tatsachen zu schaffen. Diese will es dann als Druckmittel in den Verhandlungen mit dem Libanon nutzen, um seine politischen und Sicherheitsforderungen gegenüber dem Libanon durchzusetzen. Der Libanon hingegen weigert sich, über konkrete Themen zu verhandeln, solange kein Waffenstillstand erreicht ist. Angesichts der widersprüchlichen Forderungen beider Seiten dürfte ein Durchbruch in den Verhandlungen in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sein", prognostiziert AN NAHAR aus Beirut.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA greift die stockenden Verhandlungen über ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran auf: "US-Präsident Trump hat seine Forderungen an den Iran verschärft. Es geht um die Verbringung von hochangereichertem Uran ins Ausland, den Zeitplan für die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und um Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte. Trump scheint seine Bedingungen bewusst verschärft zu haben, um den Verhandlungsprozess zu beschleunigen. Irans Unterhändler nehmen sich dagegen viel Zeit, um über die von den USA vorgeschlagenen neuen Bedingungen zu beraten. Der Prozess könnte mehrere Tage in Anspruch nehmen. In Teheran sieht man es so: Die Amerikaner halten die Seeblockade aufrecht und stellen während der Verhandlungen überzogene Forderungen – damit beweisen sie aus Sicht der Iraner erneut, dass sie letztlich nicht an einer Beilegung des Konflikts interessiert sind", heißt es in NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Auch die türkische Wirtschaftszeitung EKONOMI befasst sich mit den Verhandlungen: "Kernstück des Entwurfs für ein Abkommen ist die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Besonders erwähnenswert ist überdies die Diskussion über einen 300-Milliarden-Dollar-Investitionsfonds für den Iran, der zu den Versprechen der USA gehört. Während der Iran dies gegenüber der iranischen Öffentlichkeit als einen Mechanismus darstellt, der mit Kriegsreparationen vergleichbar ist, ziehen die USA den Begriff 'internationaler Investitionsfonds' vor. Offenbar sucht Washington nach Wegen, den Iran kontrolliert in die Weltwirtschaft zu re-integrieren, anstatt ihn vollständig auszuschließen. Trump vergisst selbst als Präsident der Vereinigten Staaten offenbar nicht, dass er ein Geschäftsmann ist. Er dürfte versuchen, amerikanischen Unternehmern den Weg zu ebnen, um von diesem 'Investitionsfonds' zu profitieren", vermutet EKONOMI mit Sitz in Istanbul.
Zum letzten Thema. In Spanien setzen Korruptionsvorwürfe die Regierungspartei PSOE unter Druck. Die venezolanische Zeitung EL NACIONAL führt aus: "Unter anderem geht es um Vorwürfe der Einflussnahme gegen den früheren sozialistischen Regierungschef Zapatero. Zudem soll die PSOE versucht haben, Gerichtsverfahren zu beeinflussen, die gegen sie liefen. Wegen möglicher Schmiergeldzahlungen kam es auch zu Durchsuchungen der PSOE-Zentrale und in mehreren Wohnungen früherer sozialistischer Politiker. Der Fall wurde bereits mit dem berüchtigten Watergate-Skandal verglichen, der 1974 zum Rücktritt von US-Präsident Nixon führte. Die Demokratie befindet sich auf dem Rückzug, und die freie Presse steht unter Druck, wenn sie solche Vorgänge enthüllt. Gewiss, es ist keine gute Nachricht, wenn Spaniens große Parteien in Skandale verstrickt sind. Aber es wäre noch schlimmer, wenn man versuchen würde, sie zu vertuschen", unterstreicht EL NACIONAL aus Caracas.
Die spanische Zeitung DIARIO DE SEVILLA aus Sevilla beobachtet: "Gleich mehrere Mitglieder der spanischen Regierung haben in den letzten Tagen Verschwörungsmythen verbreitet. Demnach seien die Korruptionsvorwürfe gegen die sozialistische PSOE Teil einer politischen Kampagne, um Premierminister Sánchez zu stürzen. Es untergräbt den Rechtsstaat und rüttelt an den Grundfesten der Demokratie, wenn man Richtern die Beteiligung an einer Verschwörung zum Sturz der Regierung unterstellt und somit die Unabhängigkeit der Justiz in Frage stellt - erst recht, wenn dies aus den Reihen der Regierung selbst heraus passiert. In einer Demokratie darf so etwas auf keinen Fall geduldet werden, weil sonst der Staat in seiner Gesamtheit Schaden nimmt", moniert DIARIO DE SEVILLA aus Sevilla, und damit endet die Internationale Presseschau.