
DER STANDARD aus Wien schreibt: "Die israelische Armee dringt trotz eines Waffenstillstands und Verhandlungen mit der libanesischen Regierung weit nach Norden vor. Diesmal werde man die Hisbollah, gegen die Israel seit fast drei Jahren kämpft, endgültig zerschlagen, verspricht Israels Regierungschef Netanjahu vollmundig. Was immer sein Kalkül ist: Israel bringt es keinen Frieden, und dem Libanon unermessliches Leid."
Die libanesische Zeitung AN NAHAR aus Beirut befürchtet eine Situation, in der, "die Diplomatie immer weniger Raum einnimmt und die Waffen das letzte Wort haben. Es wächst die Sorge, dass Israels Premier Netanjahu im Libanon einen Sieg auf Kosten der Einheit und Souveränität des Landes erringen möchte. International kann der Libanon dabei kaum auf Unterstützung zählen."
Die israelische Zeitung JERUSALEM POST wendet ein: "Seit Wochen leben die Bürger im Norden Israels im Schatten einer Waffenruhe, die hauptsächlich in Washingtons diplomatischen Depeschen und in der hoffnungsvollen Rhetorik internationaler Beobachter existiert. Vor Ort sieht die Realität ganz anders aus. Die Hisbollah hat die diplomatische Pause als taktische Gelegenheit genutzt und Hunderte von Geschossen auf israelische Städte und Militärstellungen abgefeuert. Eine weitere Verlängerung der Waffenruhe käme daher aktiver Fahrlässigkeit gleich. Leider befindet sich Israel, ein souveränes Land unter ständigem Beschuss, in der demütigenden Lage, die Zustimmung der USA einholen zu müssen, um seine eigenen Bürger im Norden zu verteidigen", kritisiert die JERUSALEM POST.
Eine Gastkommentatorin in der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN unterstreicht: "US-Präsident Trump scheint über die israelischen Angriffe auf den Libanon sehr verärgert zu sein. Berichten zufolge soll er bei einem Telefonat mit Israels Premier Netanjahu ausgerastet sein und dessen Pläne zur Ausweitung der Bodenoffensive als verrückt bezeichnet haben. Es ist wichtig, dass Trump offenbar endlich erkannt hat, dass das Problem nicht die Hisbollah, sondern Israel ist. Wenn Trump Netanjahu unter Kontrolle bringt, könnte die Lage im Nahen Osten einen großen Durchbruch erleben", ist in der NIHON KEIZAI SHIMBUN zu lesen, die in Tokio erscheint.
Das WALL STREET JOURNAL kommt zu einer anderen Einschätzung: "Iran könnte der Hisbollah jederzeit befehlen, das Feuer einzustellen und den Krieg zu beenden – einen Krieg, den Israel gar nicht führen möchte. Stattdessen hat der Iran die Angriffe der Hisbollah noch gefördert, um die Gespräche mit den USA abbrechen zu können, sobald Israel – wie unweigerlich zu erwarten war – mit aller Härte zurückschlagen würde. Solange Präsident Trump nur Signale der Deeskalation sendet, dürfte es jedenfalls schwierig werden, das Regime in Teheran zur Einhaltung eines Abkommens zu bewegen – ganz gleich, was es aktuell verspricht", glaubt das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Die Zeitung ADALET aus Aserbaidschan betont: "Ein umfassendes Friedensabkommen zwischen Washington und Teheran ist unwahrscheinlich. Denn weder die USA noch der Iran sind bereit, in fundamentalen Fragen – dem Atomprogramm, dem Status der Straße von Hormus oder den eingefrorenen iranischen Vermögenswerten – Zugeständnisse zu machen."
Die australische Zeitung SYDNEY MORNING HERALD zieht einen Vergleich zwischen den Kriegen in der Ukraine und im Iran: "Die Kriege sind in ihrem Wesen miteinander verbunden. Nicht nur, weil beide völkerrechtswidrig sind. Sondern, weil es beide Kriege der Selbstüberschätzung sind. Wladimir Putin und später Donald Trump haben ihre Invasionen nicht begonnen, weil von den betreffenden Ländern tatsächlich eine Bedrohung für ihre Nationen ausging. Sie begannen sie berauscht von Hybris – jenem übersteigerten Stolz und jener Arroganz, die die alten Griechen als Vorboten des Unheils fürchteten. "
Die Zeitung LA RAZON aus Mexiko kommentiert den Einschlag einer russischen Drohne in einem Wohngebäude in Rumänien vor wenigen Tagen. "Der Vorfall auf NATO-Gebiet hat in ganz Europa die Alarmglocken schrillen lassen. Die Drohne könnte versehentlich die Grenze überflogen haben, aber denkbar ist auch eine vorsätzliche Handlung, um die NATO zu provozieren und psychologischen Druck auf die Mitglieder auszuüben. Russland führt Krieg gegen die Ukraine, will aber gleichzeitig auch den Zusammenhalt Europas untergraben - und zum Einsatz kommen nicht nur Drohnen, sondern auch massive Cyberangriffe, Desinformationskampagnen, gelenkte Migrationsströme und Sabotageakte“, führt LA RAZON aus, die in Mexiko-Stadt erscheint.
Die lettische Zeitung DIENA befasst sich vor diesem Hintergrund mit der Parlamentswahl in Armenien und hält fest: "Die Wahl am Sonntag ist richtungsweisend für den künftigen außenpolitischen Kurs des Landes. Armeniens Premierminister Paschinjan hat in den letzten Jahren die Beziehungen zu den USA und zu Europa vertieft und steuert einen EU-Beitritt an. Nach wie vor ist Russland allerdings der wichtigste Handelspartner. Außerdem leben und arbeiten schätzungsweise eine halbe Million Armenier in Russland, deren Überweisungen bis zu zehn Prozent zu Armeniens BIP beitragen. Solche und andere Vorteile würde Armenien automatisch verlieren, wenn es sich für Europa entscheidet. Die Wahl fällt schwer, und das zeigen auch die Umfragen. Rund 30 Prozent scheinen bereit, Paschinjan weiterhin zu unterstützen, ebenso viele würden für die prorussische Opposition stimmen. Alle anderen sind noch unentschlossen", erläutert die Zeitung DIENA aus Riga.
Nun nach Deutschland. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kommentiert die Diskussion um einen möglichen Kanzlertausch: "Es ist bemerkenswert, dass sich Spekulationen über eine mögliche Ablösung des Bundeskanzlers tagelang halten konnten, obwohl es bis heute keinen Hinweis darauf gibt, dass Hendrik Wüst, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, irgendein Interesse an einem solchen Szenario hätte. Der Bundeskanzler und Parteivorsitzende trägt dafür selbst die Verantwortung. Erst die scharfe Reaktion machte aus dem Berliner Geraune überhaupt eine Geschichte. Eine Kanzlerschaft aber, die sich permanent selbst versichern muss, verliert ihre narrative Autorität", folgert die Schweizer NZZ.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA aus Warschau urteilt: "Merz scheint viel von seiner Ausstrahlung eingebüßt zu haben. Ein neues Gesicht im Kanzleramt könnte nicht nur den Abwärtstrend der Umfragewerte der Partei umkehren, sondern auch die Umsetzung unpopulärer, aber notwendiger Reformen erleichtern."
In einem Gastbeitrag der NEW YORK TIMES ist zu lesen: "Ein Jahr nach Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz sind seine Zustimmungswerte niedrig, und die von ihm geführte Koalitionsregierung ist äußerst unbeliebt. All die Merkmale, die Deutschlands jüngste Vergangenheit geprägt haben – politische Stabilität, sozialer Zusammenhalt und eine transatlantisch orientierte Außenpolitik – sind bedroht. Doch hinter all diesen Problemen verbirgt sich ein noch tieferes: die deutsche Wirtschaft. In den ersten beiden Jahrzehnten dieses Jahrhunderts hielten eine Kombination aus billigem russischem Gas, ein boomender chinesischer Markt und die von den Vereinigten Staaten angeführte multilaterale Freihandelsordnung die Gewinne am Laufen. Diese Ordnung ist nun verschwunden. Um sich anzupassen, braucht die deutsche Wirtschaft – immer noch die drittgrößte der Welt – jetzt kluge Investitionen, öffentliche Unterstützung und eine gesunde Portion Selbstvertrauen", heißt es in der NEW YORK TIMES.
