
Die türkische Zeitung HÜRRIYET stellt fest: "Die deutsche Regierung hat eine beispiellose Niederlage in der internationalen Politik erlitten. Die Mitbewerber Österreich und Portugal haben gewonnen. Deutschland, das bereits sechs Mal im UN-Sicherheitsrat vertreten war, hat zum ersten Mal in seiner Geschichte eine solche Abstimmung in der UNO verloren. Der UN-Sicherheitsrat ist wegen der fünf Länder mit Vetorecht nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Doch die zeitweilige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat war ein Prestigeobjekt in der internationalen Politik und bot die Möglichkeit, Themen auf die Tagesordnung zu setzen. Doch dieses Mal hielten die UN-Mitglieder Deutschland für ungeeignet", unterstreicht die HÜRRIYET, die in Istanbul erscheint.
Die russische Zeitung KOMMERSANT aus Moskau schreibt: "Das Scheitern bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat versetzt dem Ansehen des Kanzlers einen schmerzhaften Schlag und offenbart die Schwäche seiner Position auf internationalem Parkett. Der Kanzler räumte zwar ein, dass Deutschland seine Ziele verfehlt habe, bekräftigte jedoch, dass das Land weiterhin zu seinen UN-Zielen stehe. Seine scheinbare Gelassenheit versucht über die tatsächliche Lage hinwegzutäuschen: Mit diesem Scheitern wurde dem Kanzler eines der letzten Standbeine seiner Autorität weggerissen."
Die lettische Zeitung DIENA aus Riga meint: „In der Generalversammlung wächst die Unzufriedenheit über die Dauerkonfrontation der großen geopolitischen Blöcke, und man wird der Dominanz des Westens zunehmend überdrüssig - dabei sind die Länder des globalen Südens in der UNO in der Mehrheit. Diese Gemengelage hat nun Deutschland getroffen, aber zweifelsohne wird es künftig noch mehr solche Fälle geben.“
Bei der Abstimmung setzte sich unter anderem Österreich gegen Deutschland durch. DER STANDARD aus Wien erwartet: "Die erhöhte Sichtbarkeit der kommenden zwei Jahre kann Österreich dabei helfen, seine Stellung als Staat mit UN-Sitz und Ort internationaler Begegnungen wirksam zu verteidigen und zu stärken. Das Ergebnis der Sicherheitsratswahl ist weit mehr als ein bloßer Prestigeerfolg. Es ist ein Ereignis, das Österreich eine echte Chance gibt, sein außenpolitisches Profil und sein internationales Netzwerk zu stärken."
Nun zu einem offenen Brief des ukrainischen Präsidenten Selenskyj an Kremlchef Putin. Die ukrainische KYIV POST analysiert: "Die vielleicht eindringlichste Zeile in dem Brief ist Selenskys Appell an Putin, 'keine Angst davor zu haben, den Weg aus dem Krieg einzuschlagen'. Dies ist die ultimative psychologische Umkehrung: Selenskyj stellt den Führer eines Nuklearstaates nicht als unantastbaren Machthaber dar, sondern als einen alternden Mann, der in seinem eigenen historischen Fehler gefangen ist. Die abschließende Warnung des Briefes ist präzise. Sollte Putin diesen Ausweg ablehnen, wird die Ukraine Putin dazu zwingen, zunehmend um seine eigene Existenz zu kämpfen, indem der Krieg für den Mann, der ihn begonnen hat, noch schwerer und politisch gefährlicher wird", lesen wir in der KYIV POST.
Ein Gastkommentar in der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN betont die Rolle des US-Präsidenten: "Trump sucht stets nach außenpolitischen Bühnen, wo er im Rampenlicht eine Leistung als Friedensstifter erzielen kann. Trump will den Krieg in der Ukraine zu seiner nächsten Sternstunde machen. Angesichts der Zwischenwahlen im November könnte Trumps Interesse an der Ukraine größer werden. Daher hat der ukrainische Präsident den Zeitpunkt seines offenen Briefs an Putin sehr gut gewählt. Er hat entschieden, den Ball Putin zuzuspielen - gerade jetzt, da immer klarer wird, dass Russland militärisch in Schwierigkeiten geraten ist", erläutert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die portugiesische Zeitung DIÁRIO DE NOTÍCIAS beobachtet verschiedene Ansätze in der Aufrüstung: „Frankreich agiert weitgehend unabhängig von der NATO und baut seine nuklearen Kapazitäten aus. Deutschland setzt auf die Kooperation innerhalb der NATO und will seinen Verteidigungshaushalt deutlich aufstocken. Geplant sind unter anderem Investitionen in Drohnenabwehrsysteme, Radaranlagen und Satellitentechnik. Am stärksten rüsten aktuell die Länder entlang der russischen Grenze auf, wie Polen, Estland, Lettland und Litauen. Aber auch der Beitritt Finnlands und Schwedens zur NATO hat das Potenzial der Allianz deutlich erhöht, vor allem im Ostseeraum. Natürlich ist das alles nicht die Entwicklung, die wir uns für Europa und damit auch für Portugal wünschen“, stellt DIÁRIO DE NOTÍCIAS aus Lissabon fest.
Die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT macht sich Gedanken über die Kosten: "Der Drohnenkrieg hat die gesamte bisherige Verteidigungslogik auf den Kopf gestellt und gezeigt, dass Entwicklungen künftig nicht nur schneller, sondern auch kostengünstiger und flexibler erfolgen müssen. Ein weiterer Fokus muss auf der gemeinsamen Beschaffung in Europa liegen. Die Politik ist dafür verantwortlich, dass die Streitkräfte entlang dieser neuen Prinzipien gestärkt werden. Die Finnen sind Realisten: Das wird nicht billig. Aber das Geld darf nicht in ineffiziente überteuerte Strukturen fließen oder die Inflation anheizen - denn das können wir uns definitiv nicht leisten“, konstatiert HELSINGIN SANOMAT aus Helsinki.
Zum Abschluss schauen wir auf den Krieg im Iran. Die chinesische Tageszeitung JIEFANG RIBAO kommentiert eine Entscheidung des US-Repräsentantenhauses, die sich gegen Trumps Krieg stellt: "Die verabschiedete Resolution zeigt eine wachsende parteiübergreifende Besorgnis über eine mögliche langfristige Ausweitung des Krieges. Er wird zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für die innenpolitische Entwicklung der USA. Die Bürger spüren unmittelbar die wirtschaftlichen Folgen des Krieges, vor allem im Energie- und Agrarsektor. Dies lässt selbst innerhalb der Republikanischen Partei Zweifel an einer Fortsetzung des militärischen Kurses wachsen. Solange die Kämpfe im Nahen Osten kein Ende finden, wird der Machtkampf zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress nicht aufhören", bemerkt JIEFANG RIBAO aus Shanghai.
Der britische GUARDIAN beobachtet, dass Washington und Teheran jeweils glauben, die Auseinandersetzung gewinnen zu können - und widerspricht: "Die Wahrheit ist, dass beide Seiten verlieren. Für die USA sind die Kosten politischer, wirtschaftlicher und strategischer Natur. Ein Waffenstillstand, der immer wieder in Gewalt ausartet, wird die Energiemärkte in Unruhe versetzen, die Partner im Golf der Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen aussetzen und Washingtons Behauptung weiter untergraben, es könne für Ordnung sorgen. Für den Iran ist das reine Überleben kein Sieg. Im Inland werden eine angeschlagene Wirtschaft und eine unerfahrene Führung irgendwann erklären müssen, warum es trotz des Durchhaltevermögens keine Entlastung gegeben hat. Unterdrückung, Hinrichtungen und eine verstärkte Militärpräsenz mögen es vorerst schaffen, den Widerstand einzudämmen, doch sie können die Missstände nicht beseitigen, die die Menschen auf die Straße getrieben haben", vermutet THE GUARDIAN aus London.
Und die französische Zeitung LE MONDE aus Paris schaut auf die Lage im Iran: "Kurzfristig scheint der Krieg die Islamische Republik eher gestärkt als geschwächt zu haben. Langfristig könnte die größte Bedrohung für die iranische Regierung jedoch wirtschaftlicher Natur sein. Ohne die Aufhebung der Sanktionen im Rahmen eines möglichen Abkommens mit Washington werden eine galoppierende Inflation, der Zusammenbruch der Kaufkraft, massive Arbeitslosigkeit und soziale Erschöpfung das Regime wohl mehr schwächen als ausländische Militärschläge."
