
Mit den gegenseitigen Angriffen von Israel und dem Iran befasst sich die spanische Zeitung LA VANGUARDIA aus Barcelona: "Die Aussicht auf eine Verlängerung der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA scheint in weite Ferne zu rücken. Damit schwindet auch die Hoffnung auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormuz. Nicht nur die schwierigen Verhandlungen zwischen Washington und Teheran sind zum Problem für US-Präsident Trump geworden, sondern vor allem auch der Krieg Israels im Libanon. Ein Angriff auf den Sitz der Hisbollah in Beirut hat eine Reaktion des Iran in Form von Raketenangriffen auf Israel nach sich gezogen. Der israelische Regierungschef Netanjahu ist vom vermeintlich engsten Verbündeten zum größten Hindernis für Trump geworden, und die Kluft zwischen den beiden vertieft sich immer weiter. Hundert Tage dauert der Konflikt mit dem Iran nun schon an, aber selbst mit einem Abkommen würde Trump allenfalls wieder am Anfang stehen", gibt LA VANGUARDIA aus Barcelona zu bedenken.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA schreibt: "Die aktuelle Konfrontation stellt eine Herausforderung für die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran dar, in die Trump weiterhin seine Hoffnungen setzt. Die gegenwärtige Lage hat sich zudem als Belastungsprobe für die Beziehungen zwischen den USA und Israel erwiesen. Offenbar hatte Israel Trump nicht über seine Absicht informiert, Beirut zu bombardieren – obwohl Washington seinen Verbündeten im Nahen Osten wiederholt dazu gedrängt hatte, von derartigen Angriffen abzusehen", ist in der Moskauer NESAWISSIMAJA GASETA zu lesen.
Der britische GUARDIAN findet: "Netanjahus beste Chance auf ein politisches Überleben besteht darin, dass die Friedensgespräche scheitern und die USA wieder in den Krieg gegen den Iran hineingezogen werden. Sowohl Trump als auch Netanjahu stehen an der Spitze zerrütteter politischer Apparate und sehen sich ernsthaften juristischen Gefahren ausgesetzt, sobald sie ihre Machtposition verlieren", unterstreicht der Londoner GUARDIAN.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY aus London geht auf die Haltung der USA ein: "Washington besteht weiterhin darauf, dass das iranische Atomprogramm beendet wird. Auch muss der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wieder ungehindert fließen. Diese Bedingungen kann Trump nicht aufgeben, denn dies käme einer Niederlage der Vereinigten Staaten gleich. Auch dies würde bedeuten, dass er seine Verbündeten am Arabischen Golf verraten hätte. Zudem würde es Amerikas Ansehen als globale Supermacht schädigen."
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG vermutet: "Die jüngsten Raketenangriffe markieren nicht das Ende der Diplomatie im Iran-Krieg. Vielmehr scheint das geschwächte iranische Regime mit einem riskanten Manöver Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen zu wollen. Auch wenn es stets behauptet, die Zeit auf seiner Seite zu haben, ist klar, dass die derzeitige Situation auch für Teheran nicht langfristig tragbar ist. Doch die Gefahr besteht, dass solche Angriffe eine unkontrollierbare Eskalationsspirale auslösen, die sich nicht so schnell wieder stoppen lässt", warnt die Schweizer NZZ.
Nun nach Armenien. Dort hat der prowestliche Regierungschef Paschinjan die Parlamentswahl gewonnen. Dazu heißt es in der niederländischen Zeitung DE TELEGRAAF: "Das Verhältnis zwischen Armenien und Russland ist seit Jahren schwierig. Moskau kam Eriwan während des jüngsten Konflikts mit dem Nachbarland Aserbaidschan nicht zu Hilfe. Dadurch verloren die Armenier die Kontrolle über die umstrittene Enklave Bergkarabach. Optimistische Analysten im Westen hatten daher erklärt, dass sich Armenien und Russland sogar völlig auseinanderentwickeln könnten, insbesondere im Falle eines überwältigenden Wahlsiegs von Paschinjan. Doch angesichts der gegenseitigen wirtschaftlichen Verflechtungen ist dies eher unwahrscheinlich. Russland ist der Motor, der die armenische Wirtschaft antreibt", hebt DE TELEGRAAF aus Amsterdam hervor.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET schreibt: "Der letzte verlorene Krieg gegen Aserbaidschan hat im Südkaukasus alles verändert. Die Regierung in Eriwan war wütend auf Moskau, da sie die erhoffte Unterstützung nicht erhielt. Paschinjan änderte daraufhin seine Politik und erklärte, das Interesse seines Landes liege darin, gute Beziehungen zu Aserbaidschan und der Türkei zu pflegen und die Beziehungen zum Westen zu verbessern, statt an alten Feindschaften festzuhalten. In diesem Sinne waren die Wahlen somit auch eine Entscheidung des armenischen Volkes zwischen dem Westen und Russland", analysiert HÜRRIYET aus Istanbul.
Der Kreml versuche um jeden Preis, die Kontrolle über Armenien zu wahren, um zu verhindern, dass die USA und die EU im Südkaukasus Fuß fassen, ist in der aserbaidschanischen Zeitung MÜSAVAT zu lesen. "Der wirtschaftliche Druck des Kremls auf die armenische Regierung führte jedoch zu einem Bumerang-Effekt und steigerte die Unterstützung für Paschinjan. Damit eröffnet sich für Paschinjan die Möglichkeit, seinen Kurs der Distanzierung von Russland und der Annäherung an den Westen konsequent fortzusetzen. Höchstwahrscheinlich wird die Regierung in den kommenden Monaten auch eine geplante Verfassungsänderung in die Tat umsetzen. Damit dürfte es kaum Probleme bei der Unterzeichnung eines endgültigen Friedensabkommens mit Aserbaidschan sowie bei der Normalisierung der Beziehungen zur Türkei geben", erwartet MÜSAVAT aus Baku.
Hören Sie nun Kommentare zum Treffen zwischen dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Die in Hongkong erscheinende Zeitung MINGPAO meint: "Der erste Besuch des chinesischen Staats- und Parteichefs in Nordkorea seit sieben Jahren soll das Signal aussenden, dass die traditionelle Freundschaft zwischen beiden Ländern unerschütterlich ist. Die ehemaligen Waffenbrüder im Kampf gegen Japan und später gegen die USA verbindet eine besonders enge historische und emotionale Beziehung. Gerade angesichts der derzeit zu beobachtenden fortschreitenden Militarisierung Japans ist der Staatsbesuch auch als Warnung an Tokio zu verstehen. Nordkorea kann seine Wirtschaft nicht ohne Chinas Hilfe entwickeln, und Peking wird im Sinne der Stabilität und des Friedens in Ostasien weiterhin gute Beziehungen zu beiden koreanischen Staaten anstreben", betont MINGPAO aus Hongkong.
Eine Gastkommentatorin der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN sieht in dem Treffen einen historischen Wendepunkt. "China und Nordkorea sind auf dem Papier zwar schon seit langem Bündnispartner. Nun aber will Peking die strategische Partnerschaft mit Pjöngjang stärken. Manche Beobachter meinen, dass Xi Jinping mit seinem Nordkorea-Besuch ein Signal senden will, sich gegen Russland behaupten zu wollen, weil Russland angeblich mehr Einfluss auf Nordkorea ausüben will: Es geht aber gar nicht um Russland. Vielmehr richtet sich Xi mit seiner Botschaft an die USA, die sich gerne als Hegemonialmacht sehen, aber auch an die 'Kleinmacht' dieser Region, Japan", erläutert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Nun nach Albanien. Dort protestieren seit Tagen tausende Menschen gegen ein Immobilienprojekt des Schwiegersohns von US-Präsident Trump, Kushner, in einem Naturschutzgebiet an der Adria-Küste. Die norwegische Zeitung DAGSAVISEN hat Verständnis für die Demonstranten. "Die Albaner haben sich zu einer Flamingo-Revolution erhoben, denn sie sind wütend. Zu Recht. Sie werfen der Regierung vor, ohne Anhörung oder Bieterverfahren ein Stück Nationalpark verkauft zu haben. Während die Trump-Familie Stacheldrahtzäune errichten lässt und schweres Gerät die Landschaft für authentische Erlebnisse planiert, laufen Ermittlungen wegen Korruption. Ministerpräsident Rama sieht Verschwörungsmythen in sozialen Medien als Ursache für die Massenproteste und bleibt stur."
