
"Der Weg zur WM war von geopolitischen Spannungen überschattet. Einem afrikanischen Schiedsrichter und mehreren Offiziellen aus dem Iran wurde die Einreise in die USA verweigert. Viele anreisende Fußballfans müssen Schikanen durch US-Einwanderungsbeamte fürchten. Aber wir sollten nicht zulassen, dass diese Politik das größte Sportereignis der Welt überschattet. Der Fußball wird von Milliarden Menschen auf der ganzen Welt geliebt. Es wäre eine Schande, wenn das Turnier eher wegen Trump als wegen des Geschehens auf dem Spielfeld in Erinnerung bliebe. Es ist daher wichtig, dass Südafrika und Mexiko im Eröffnungsspiel ihr Bestes geben und damit einen hohen Maßstab setzen", unterstreicht THE HERALD aus Südafrika.
LA NOUVELLE TRIBUNE aus Marokko hält in ihrer Online-Ausgabe fest: "Die senegalesische Delegation wurde direkt auf dem Rollfeld am Flughafen kontrolliert. Die Usbeken wurden mit Spürhunden empfangen; ein irakischer Assistent wurde sieben Stunden lang in Chicago festgehalten. Viele Fußball-Fans aus Marokko haben die bittere Erfahrung gemacht, dass ihnen das Visum verweigert wurde. Das erinnert daran, dass die Weltmeisterschaft zwar geografisch offen, politisch jedoch unzugänglich sein kann. Man hat der Welt ein globales Fest verkauft, aber gleichzeitig die Gäste sorgfältig ausgewählt. In Wirklichkeit hat das Gastgeberland USA seine Außenpolitik nicht vorübergehend ausgesetzt. Trumps Amerika hat sich dafür entschieden, schon in der Ankunftshalle am Flughafen daran zu erinnern, wer das Sagen hat. Der rote Teppich ist denjenigen vorbehalten, deren Unterschrift unter ein Abkommen geschätzt wird; die anderen müssen durch die Kontrolle. Das ist brutal, das ist kalkuliert, und es funktioniert: denn wir sprechen darüber", konstatiert LA NOUVELLE TRIBUNE aus Casablanca.
Die staatliche Zeitung THE HERALD aus dem autoritär regierten Simbabwe wirft den USA und der FIFA Verrat an der Idee des Fußballs vor. "Wenn Menschen aus dem Nahen Osten aufgrund ihres Aussehens verdächtigt werden, wenn Iraner ausgeschlossen werden, hört das Spiel auf, universell zu sein. Es wird zum Spiegel globaler Ungerechtigkeit. Die FIFA hat keine klaren Richtlinien herausgegeben, um Besucher aus Afrika, dem Nahen Osten und dem Iran vor Diskriminierung bei der Einreise am Flughafen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Begegnungen mit der Polizei zu schützen. Dies sind keine vereinzelten Unannehmlichkeiten, sondern systemische Barrieren, die die Menschenwürde verletzen", moniert THE HERALD aus Harare.
THE NEW TIMES aus Ruanda schreibt zu Afrika: "Zum ersten Mal wird der Kontinent mit zehn Mannschaften bei dem Turnier vertreten sein – eine historische Erweiterung, die mit ebenso historischen Ambitionen einhergehen muss. Afrikas Mannschaften sollten nicht nach Nordamerika reisen, nur um Trikots zu tauschen. Sie müssen dorthin gehen in dem Bewusstsein, dass sie die Hoffnungen aller 55 afrikanischen Länder tragen. Afrika hat lange genug darauf gewartet, dass andere die Weltmeisterschaft gewinnen. Dieses Mal muss der Kontinent es wagen zu glauben, dass der Pokal nach Hause kommen kann." Das war THE NEW TIMES aus Kigali.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA erläutert: "Die Teilnahme des Iran an der WM ist ein Erfolg für FIFA-Chef Infantino. Nach dem Beginn der US-Militäraktion gegen das 'Ayatollah-Regime' gingen viele davon aus, dass sich die Iraner zurückziehen würden. Was die russische Nationalmannschaft betrifft, so hat die FIFA die 2022 verhängte Sperre nie aufgehoben. Die Aufstockung des Turniers auf 48 Mannschaften ist ein Zugeständnis an Afrika, Asien und Mittelamerika. Einst war es undenkbar, dass Mannschaften aus Haiti, Curaçao, Kap Verde, Jordanien, dem Irak, Usbekistan und Panama an einer Weltmeisterschaft teilnehmen würden", notiert die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die italienische LA REPUBBLICA aus Rom schreibt zum Iran und den USA: "Zum ersten Mal in der Geschichte empfängt ein Gastgeberland ein Land, mit dem es im Krieg steht, sowie andere, die es zu Feinden erklärt hat. Geben wir es zu: Zu bombardieren und dann die Türen der eigenen Stadien zu öffnen, sorgt für einige Verlegenheit. Um General Carl von Clausewitz zu paraphrasieren: Sport ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln."
Ein Gastkommentator von CHINA DAILY beobachtet: "Die dominierenden Fußballnationen sind durch ein Netzwerk miteinander verbunden. In Europa grenzen diese Länder alle aneinander, und Ideen bewegen sich frei über nationale Grenzen hinweg. Innovationen, die in einem Teil Europas entstehen, verbreiten sich schnell im Rest des Kontinents. Brasilien und Argentinien verfügen über ein ähnliches Netzwerk und sind zudem durch historische Verbindungen zu Portugal, Spanien und Italien mit Europa verflochten. Es ist auffällig, dass sowohl die USA als auch China, die mittlerweile in fast allen anderen Bereichen um die Rolle als weltweit wichtige Akteure wetteifern, die Vorherrschaft der alten Fußballnationen nicht erschüttern konnten. Für diese Länder gibt es zwei Wege, um im Fußball auf höchstem Niveau mitzuspielen. Der eine besteht darin, sich dem bestehenden Netzwerk anzuschließen – was geografisch gesehen eine Belastung darstellt. Der andere besteht darin, eigene Netzwerke aufzubauen. Dies ist zwar der wahrscheinlichste Weg, hat sich jedoch bislang als eine zu hohe Hürde erwiesen", konstatiert CHINA DAILY aus Peking.
Nun nach Peru, wo sich nach der Stichwahl um das Präsidentenamt ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichnet. Die kolumbianische Zeitung EL TIEMPO befürchtet, dass die Auszählung der Stimmen Wochen dauert: "Bei der Stichwahl traten der linke Kandidat Roberto Sánchez und die rechte Kandidatin Keiko Fujimori gegeneinander an, Tochter des verstorbenen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori. Derzeit führt Sánchez knapp mit 20.000 Stimmen an. In jedem Fall wird eine sehr geringe Zahl Stimmen den Ausschlag geben, und damit wird der Wahlausgang für eine Kontroverse sorgen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Kandidaten und ihre Anhänger das Ergebnis mit Gelassenheit hinnehmen. Sollte es Anlass geben, das Ergebnis anzufechten, muss das auf friedlichem Weg und über die Institutionen erfolgen, ohne dass zu Gewalt aufgerufen wird. Peru muss endlich auf demokratischem Weg zu politischer Stabilität finden", mahnt EL TIEMPO aus Bogota.
Die peruanische Zeitung CORREO erinnert: "Vor fünf Jahren gewann der linke Kandidat Pedro Castillo die Präsidentschaftswahl mit einem hauchdünnen Vorsprung. Die Erinnerung an die Regierungszeit von Castillo ist bitter: Sie war von Korruption und Inkompetenz geprägt und endete mit einem Putsch. Trotzdem gab es gerade in den wohlhabenderen Vierteln von Lima auch dieses Mal ein hohes Maß an Wahlenthaltung. Es ist nachvollziehbar, dass manche Leute nicht wählen gingen etwa aus gesundheitlichen Gründen. Aber vermutlich überwog in vielen Fällen die Gleichgültigkeit gegenüber der Zukunft des Landes. Deshalb droht Peru jetzt in die Hände einer Regierung zu fallen, die Verfassungsreformen, Enteignungen und Verstaatlichungen verspricht - und sie wäre überdies die Neuauflage von etwas, das wir schon einmal erlebt haben", warnt CORREO aus Lima.
Die mexikanische Zeitung LA RAZON resümiert: "Sicher ist, dass nach der Auszählung der Stimmen ein politischer Kampf zwischen dem Präsidenten und dem Parlament entbrennen wird. Dabei wäre Fujimori im Vorteil, da ihre Fraktion geschlossener ist und sie eine breitere Basis hat. Aber Perus Parlament ist es gewohnt, über das Schicksal der Präsidenten zu entscheiden, und deshalb ist mit politischen Turbulenzen zu rechnen - und mit überraschenden filmreifen Wendungen." Das war LA RAZON aus Mexiko-Stadt.
