
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT konstatiert: "Der offensichtliche Mangel an Kontrolle über den Zustrom und die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten hat bei vielen Bürgern ein Gefühl der Unsicherheit ausgelöst. Nun liegt also ein fragwürdiges Abkommen vor, das die Kontrolle der europäischen Außengrenzen sowie Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten bei der Verteilung der Aufnahme von Asylsuchenden verspricht. Die Frage ist, ob sich der Geist noch zurück in die Flasche stecken lässt. Im derzeitigen populistischen Klima gelten Migranten nicht als Gewinn, sondern als Problem", notiert DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Die ungarische NEPSZAVA bemerkt in ihrer Online-Ausgabe: "Europa muss seine äußeren Grenzen schützen, den Wesenskern des Asylrechts bewahren, Nicht-Schutzberechtigte schneller zurückschicken und gesetzeskonforme Zugangswege für jene schaffen, die es für seine Wirtschaft benötigt. Das ist außerordentlich schwierig in einer Staatengemeinschaft, in der die geografische Lage, die historischen Erfahrungen, die Haltung der öffentlichen Meinung und die innenpolitischen Interessen von Land zu Land unterschiedlich sind", so die Einschätzung von NEPSZAVA aus Budapest.
Die französische Zeitung LES DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE verweist auf ein Problem: "Europa hat einen Arbeitskräftemangel. Die Geburtenrate sinkt, die Lebenserwartung steigt, kurzum: der alte Kontinent altert. Europa braucht Zuwanderung – das ist eine Tatsache, ob es denen gefällt oder nicht, deren Geschäftsmodell auf Angst und Fremdenfeindlichkeit beruht. Das bedeutet nicht, dass keine Regulierung notwendig wäre. Und die europäischen Länder scheuen sich nicht davor. Gesetz für Gesetz, Richtlinie für Richtlinie erlassen sie fortlaufend neue Regelungen zu diesem Thema – unter dem zunehmend stärkeren Druck rechtsextremer Parteien", unterstreicht LES DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE aus Straßburg.
Themenwechsel. Die spanische Zeitung EL PAIS geht ein auf die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in der nordirischen Hauptstadt Belfast: "Ein feindseliger Mob, der Gebäude und Autos in Brand setzt, Menschen, die nur mit ihren Kleidern auf dem Leib aus ihren brennenden Häusern fliehen. Anders als während des Nordirland-Konflikts sind aber nun Einwanderer das Ziel des Mobs. Zuletzt gab es solche Ereignisse in Southampton nach dem tödlichen Messerangriff auf einen Studenten durch einen Sikh, in Belfast war der Auslöser die Tat eines Sudanesen. Wie in anderen Fällen wurde ein Video der Tat über soziale Medien verbreitet und von rechtsextremen Gruppen genutzt, um zu Ausschreitungen anzustacheln. Und hier kommt Elon Musk ins Spiel. Der reichste Mann der Welt vertritt seit Jahren immer radikalere Meinungen und nutzt seine Plattform X zur Verbreitung dieser Ansichten", hält EL PAIS aus Madrid fest.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT merkt an, dass in vielen "europäischen Ländern das Herkunftsland, der Wohnort und der Name von Mördern und Vergewaltigern nicht genannt werden. Man weiß, dass solche Informationen Massenunruhen auslösen würden. Die nordirische Polizei gab jedoch den Aufenthaltsort des Täters bekannt, was den Hass gegen die in Belfast lebenden Einwanderer weiter anheizte. Häuser von Migranten sowie ihre Geschäfte und andere Besitztümer wurden massiv angegriffen. Wäre der Täter ein Einheimischer, ein Ire, gewesen, dann wären wohl keine Protestierenden auf die Straße gegangen und es hätte keine Ausschreitungen gegeben", vermutet MÜSAVAT aus Baku.
Die irische Zeitung BELFAST TELEGRAPH fragt: "Wie viele Wellen von Brandstiftung und Gewalt müssen die Minderheiten in Belfast noch über sich ergehen lassen, bis die politischen Vertreter der Sicherheit mehr Bedeutung beimessen als der Sorge, rechtsextreme Aktivisten in den sozialen Medien zu verärgern? Es gibt viel zu tun, um Rassismus und die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen in Belfast zu bekämpfen."
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN beschäftigt sich mit dem Rücktritt des britischen Verteidigungsministers John Healey: "Healey protestierte gegen den Entwurf des 10-Jahres-Investitionsplans der Regierung für die Verteidigung, der aus seiner Sicht weit hinter dem zurück bleibe, was in dieser gefährlichen Zeit erforderlich sei. Healey war ein starker Befürworter der britischen Beteiligung an der Sicherheit von Japan und den Partnerstaaten der indopazifischen Region. Für Premier Keir Starmer, der nach der heftigen Niederlage bei den Kommunalwahlen im Mai ohnehin unter Druck steht, bedeutet der Rücktritt seines Verteidigungsministers einen weiteren Schlag", folgert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die britische Zeitung THE TIMES blickt zurück: "Monatelang kämpfte John Healey hinter den Kulissen darum, angesichts der Bedrohung durch Russland und der längerfristigen Herausforderung durch China eine angemessene Finanzierung für die Streitkräfte sicherzustellen. Ein treuer Labour-Politiker, loyaler Kabinettsminister und Teamplayer, der darauf verzichtete, seiner Frustration in informellen Gesprächen Luft zu machen, wurde durch die Schwäche des Premierministers und die Unnachgiebigkeit der Finanzministerin zum Rücktritt getrieben", glaubt THE TIMES aus London.
Die Weltraumfirma SpaceX des US-Tech-Milliardärs Elon Musk geht heute an die Börse. THE WASHINGTON POST ist überzeugt: "Das größte Risiko beim Kauf von SpaceX-Aktien ist zugleich der Grund, warum so viele Investoren Schlange stehen, um zu investieren: Alles hängt von einem einzigen Mann ab. Das gilt zwar für alle gründergeführten Unternehmen, doch wie bei allem anderen auch treibt Elon Musk dies auf die Spitze. Er steht kurz davor, im Rahmen des größten Börsengangs aller Zeiten 75 Milliarden US-Dollar einzunehmen – und das, obwohl das Unternehmen nicht profitabel ist. Bei Börsengängen wird der Aktienkurs üblicherweise in einer Preisspanne festgelegt; SpaceX hingegen verlangte einen Festpreis von 135 Dollar pro Aktie – nach dem Prinzip 'Friss oder stirb' – für einen Deal, der Musk ein ungewöhnlich hohes Maß an Kontrolle über das börsennotierte Unternehmen sichert", analysiert THE WASHINGTON POST.
Die dänische Zeitung POLITIKEN wendet ein: "Eine Billion. Tausend Milliarden, eine Zahl mit zwölf Nullen, die in die Welt der Fantasie gehören sollte. Aber schon bald könnte sie ökonomische Realität werden. Wenn das Raumfahrt- und Satellitenunternehmen an der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq notiert wird, könnte dies nach Ansicht von Beobachtern der größte Börsengang aller Zeiten werden, und Elon Musk würde der erste Mensch der Geschichte mit einem Vermögen von einer Billion Dollar. Für ihn ist das nur ein weiterer Schritt in einer Rangliste, die längst jede Bodenhaftung verloren hat", schreibt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Abschließend ein Kommentar zum Österreichischen Rundfunk (ORF). Der Stiftungsrat des öffentlich-rechtlichen Senders hat Clemens Pig zum Generaldirektor gewählt. DER STANDARD erläutert in seiner Online-Ausgabe: "Der neue General übernimmt den ORF am Tiefpunkt. Ein Haus, geprägt von Monopolisten-Gehabe aus der Vergangenheit, einer Führungskultur aus der Hölle und Angst vor der FPÖ. Für einen Manager wie Pig allerdings eine gute Startbasis, um einen klaren Unterschied durch sein Handeln sichtbar zu machen. Seine Aufgabe ist nicht kleiner, als dem ORF unabhängig und unbeeinflusst eine Zukunft zu ermöglichen. Es ist die letzte Chance: der ORF muss die politische Krake loswerden und sich als dominantes Unternehmen endlich dafür einsetzen, insgesamt den Medienmarkt in einem kleinen Land wie Österreich in all den technischen Umbrüchen zu erhalten, zu ermöglichen", verlangt DER STANDARD aus Wien zum Ende der internationalen Presseschau.
