
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN schreibt dazu: "Der Börsengang von SpaceX und der Firmenwert von nun mehr als zwei Billionen Dollar bedeuten, dass die Zeit gekommen ist, die Raumfahrtindustrie als einen der Kernbereiche der Weltwirtschaft anzuerkennen. Die Märkte hoffen nicht nur auf die künftigen Gewinne des Unternehmens, sondern auch auf den künftigen Wirtschaftsraum im All. Elon Musk hat die einst hauptsächlich nur von Regierungen angeführte Raumfahrt-Entwicklung zu einer von Privatunternehmen geführten, riesigen Industrie revolutioniert: Das ist eine große Leistung von ihm", heißt es in der NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
"Musk, der dank seiner Stimmrechtsaktien bei SpaceX das alleinige Sagen hat, ist auch ein menschliches Pulverfass", warnt hingegen die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz. "Diesem nicht immer zurechnungsfähigen Unternehmer vertrauen sich die Investoren jetzt bedingungslos an. Niemand kann Musk bei SpaceX entlassen, niemand seine Entscheidungen infrage stellen. Investoren, die sich in dieses unwägbare Abenteuer stürzen, müssten von Musk eigentlich hohe Risikoprämien einfordern. Sie haben exakt das Gegenteil getan", unterstreicht die NZZ aus Zürich.
Die US-Ausgabe der Zeitung THE GUARDIAN zeigt sich ebenfalls skeptisch: "Elon Musk ist nun der weltweit erste Billionär, nachdem sein Raumfahrt- und Satellitenunternehmen SpaceX an die Börse gegangen ist. Was sagt das über den Kapitalismus in der heutigen Zeit aus? Dass er nicht mehr auf wirtschaftlichen Grundsätzen basiert, wie sie in der Schule gelehrt werden – also auf Preisen, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Kapitalismus basiert nun auf Hype, auf Beziehungen und auf absoluter, willkürlicher Kontrolle", bemerkt THE GUARDIAN aus New York.
Die polnische GAZETA WYBORCZA betrachtet einen weiteren Aspekt des Börsengangs: "Käufer der SpaceX-Aktie werden nicht nur Miteigentümer des Raumfahrtunternehmens, sondern auch der verlustreichen und hoch verschuldeten Social-Media-Plattform X. Zu SpaceX gehört außerdem xAI, das Unternehmen, das für die Entwicklung der KI 'Grok' und den Bau riesiger Rechenzentren verantwortlich ist. Auch xAI schreibt derzeit rote Zahlen. Diese Warnungen konnten aber die Scharen von Elon-Musk-Fans nicht davon abhalten, sich um den Kauf von SpaceX-Aktien zu bemühen. Die Bewertung des Unternehmens ist extrem hoch. SpaceX wird jedoch auf der Grundlage künftiger Gewinne und Umsätze bewertet und nicht anhand aktueller Ereignisse. Viele Investoren neigen dazu, dies zu ignorieren", mahnt die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
LA VANGUARDIA aus Spanien konstatiert: "Musks Schattenseite ist, dass er einen Teil seiner scheinbar unerschöpflichen Energie nutzt, um über das ihm gehörende soziale Netzwerk X die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Nach den Vorfällen in Belfast geriet X erneut in die Schlagzeilen, da es auf seiner Plattform fremdenfeindliche Hetze in Nordirland verbreitete und verstärkte. Mit Falschinformationen und Hassbotschaften gegen ausländische Minderheiten trug es zu den zunehmenden Spannungen bei. Und das nicht zum ersten Mal. Der Algorithmus des früheren Twitter priorisiert rechtsextreme Ideen und trägt so zum Wachstum dieser Gruppen in ganz Europa bei", kritisiert LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Im Krieg zwischen den USA und dem Iran hat US-Präsident Trump ein Grundsatzabkommen in Aussicht gestellt. DER STANDARD aus Österreich traut diesem Frieden nicht: "Mit 'Nun geht der Krieg am Golf wieder so richtig los' stehen wir in der Früh auf. Mit 'Ein Deal ist fertig' und sinkenden Ölpreisen und steigenden Börsen gehen wir am Abend schlafen. Das ist, seit US-Präsident Donald Trump am 8. April eine Waffenruhe mit dem Iran verkündet hat, fast schon Routine. Vom Abgrund wieder zurück und wieder heran. Ein Waffenstillstand, gefolgt von einer Grundsatzeinigung, die zu einem Friedensabkommen führt, das nachhaltige Sicherheit am Persischen Golf und darüber hinaus schafft, wäre das gewünschte Zukunftsszenario: Aber um daran zu glauben, muss man schon sehr optimistisch sein", meint DER STANDARD aus Wien.
Auch die türkische Zeitung CUMHURIYET gibt zu bedenken: "Wenn eine der Parteien die USA sind – und erst recht, wenn es sich um Trump handelt –, kann man natürlich nicht von einer Einigung sprechen, bevor die Vereinbarung unterzeichnet ist. Dass die Supermacht USA die Notwendigkeit, sich mit dem von ihr als 'Schurkenstaat' bezeichneten Iran zu versöhnen, als 'großen Kompromiss' bezeichnet, weist vor allem auf den Sieger des Krieges hin. Laut den vereinbarten Punkten können die USA weder Irans friedliche Nuklearaktivitäten verhindern noch sein angereichertes Uran beschlagnahmen. Die von den USA als Erfolg angepriesene 'Verpflichtung Irans, keine Atomwaffen zu bauen', ist ohnehin schon seit Jahren das Versprechen, das Teheran der Region und der Welt gegeben hat. Das große Ziel, das Mullah-Regime zu stürzen, wurde nicht erreicht", hält CUMHURIYET aus Istanbul fest.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY hält eine Friedensvereinbarung ebenfalls für fraglich: "Beide Seiten verfolgen weiterhin eine starre politische Strategie, so dass es höchst schwierig werden dürfte, tatsächlich einen Kompromiss zu erzielen. Denn letztlich geht es nun nicht mehr um die Straße von Hormus oder um das Atomprogramm, im Zentrum steht letztlich die Frage, ob der Iran künftig zu einem mehr oder minder normalen Staat wird oder ob er weiterhin sein revolutionäres theokratisches Projekt vorantreibt mit Hilfe der Revolutionsgarden und seiner nichtstaatlichen Verbündeten. Es ist schwer vorstellbar, dass das Regime diesen Anspruch aufgibt. Insofern ist zweifelhaft, dass die Annäherung beider Seiten lange hält." Das war AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Die WASHINGTON POST zieht einen Vergleich zwischen US-Präsident Trump und dem russischen Präsidenten Putin: "Schauen Sie sich unsere ramponierte Welt an, und Sie sehen zwei Präsidenten, Donald Trump und Wladimir Putin, die in Kriege verwickelt sind, die sie nur schwer beenden können. Beide Führer dachten, ihre Feinde würden innerhalb von Wochen kapitulieren. Beide glauben immer noch, dass sie die Friedensbedingungen diktieren können, auch wenn ihre Chancen auf einen vollen Erfolg schwinden. Führer, die in dieser Machtfalle gefangen sind, sind gefährlich. Sie können es nicht ertragen, ihre früheren Fehler zuzugeben und sie zu korrigieren, also machen sie weiter. Putin und Trump können kein Versagen in der Ukraine oder im Iran zugeben, aber sie können auch keinen Weg zum Sieg finden", unterstreicht die WASHINGTON POST.
Zum Schluss noch eine Stimme zu Protesten in Albanien. Die albanische Regierung will eine unter Naturschutz stehende Insel an Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner verpachten. Kushner will dort, wo bislang viele Flamingos leben, luxuriöse Ferienunterkünfte bauen. "Die Flamingo-Proteste könnten ein neues Albanien einläuten", glaubt die türkische Onlinezeitung T24: "Albanien wird seit zwei Wochen von Massenprotesten erschüttert. Nachdem bekannt geworden war, dass Ministerpräsident Rama seinem Volk einerseits die EU-Mitgliedschaft versprochen hat, andererseits aber trotz der Kritik der EU die schönsten Orte des Landes an Trumps Schwiegersohn verschenkt hat, strömten die Albaner, die für ihre Hartnäckigkeit und ihren Zorn bekannt sind, auf die Straße. Obwohl die Regierung nicht gestürzt ist, bezeichnen einige die Demonstrationen als 'Flamingo-Revolution'. Wenn die Demonstranten die Regierung stürzen können, wäre ein rascher Beitritt des Landes zur Europäischen Union möglich. Bislang gibt es noch keine konkreten Ergebnisse, doch die Hoffnungen sind groß", so T24 aus Istanbul zum Ende der Internationalen Presseschau.
