
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA kommentiert: "Die Amerikaner und die Iraner sind entschlossen, den Krieg endgültig zu beenden. Das ist für den Moment ein großer Erfolg. Das Schwierigste steht der Welt jedoch noch bevor: die Details zum Aufbau eines neuen Nahen Ostens und die Frage, ob der Iran in dieser Region eine Schlüsselrolle spielen darf. Dabei rücken zwei Punkte des von beiden Seiten akzeptierten Abkommens in den Vordergrund. Erstens die Freigabe der Straße von Hormus. Zweitens die Beendigung des Krieges im gesamten Nahen Osten einschließlich des Libanons", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die Zeitung SYDNEY MORNING HERALD äußert sich irritiert über die Zugeständnisse der USA: "Nachdem Präsident Trump den Krieg begonnen und einen Regimewechsel, die Beschlagnahmung von Irans Vorräten an angereichertem Uran, die Zerschlagung seiner Raketen- und Drohnenkapazitäten sowie das Ende der Unterstützung regionaler Stellvertretergruppen versprochen hatte, preist er nun die Wiederöffnung einer Meerenge an, die zuvor nie geschlossen oder mit Gebühren belegt gewesen war. Zugleich feiert er die Fortsetzung der ohnehin schon langwierigen Verhandlungen über eine Begrenzung der Urananreicherung. Dabei war Uran im Iran erst zu waffenfähigem Material angereichert worden, nachdem Trump das von Obama ausgehandelte Abkommen platzen ließ", erinnert der australische SYDNEY MORNING HERALD.
Auch aus Sicht der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN gehen die USA und Präsident Trump geschwächt aus dem Konflikt hervor: "Es war eindeutig, dass vor allem Trump diese Einigung wollte. Den USA ist es nicht gelungen, ihre anfängliche militärische Überlegenheit in eine bessere Position in den diplomatischen Verhandlungen zu verwandeln. Sie haben in diesem Krieg kaum etwas gewonnen und stattdessen die Weltwirtschaft ins Chaos gestürzt. Die Entscheidungen von US-Präsident Trump, der keine Strategie hat, müssen erneut infrage gestellt werden", urteilt ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Eine Gastkommentatorin der israelischen Zeitung JERUSALEM POST kritisiert: "US-Präsident Trump scheint davon überzeugt zu sein, dass es besser sei, mit iranischen Mullahs, militärischen Hardlinern und Hisbollah-Terroristen zu verhandeln, anstatt sie ein für alle Mal zu besiegen. Diese werden die auf einem wertlosen Stück Papier festgehaltenen Verpflichtungen aber nicht einhalten. Sie werden auch ihre Bestrebungen nicht aufgeben, Israel zu vernichten."
Der DAILY TELEGRAPH aus London hält fest: "Selbst wenn Teheran sich dazu verpflichten würde, sein Atomprogramm zu beenden, ist es unwahrscheinlich, dass dieses Versprechen eingehalten würde. Israel wird Teheran niemals die Entwicklung einer Atombombe gestatten. Der Nahe Osten wird ein Pulverfass bleiben, das jederzeit explodieren könnte."
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY, die ebenfalls in London erscheint, ist optimistischer: "Sowohl für die USA als auch für den Iran ist eine dauerhafte Friedenslösung zwingend. Denn der Konflikt hat die Ressourcen beider Seiten erschöpft, ohne zu irgendeinem nennenswerten Ergebnis zu führen. Auch die Wirtschaft in den Ländern ist zunehmend unter Druck geraten."
Die Lage im Nahen und Mittleren Osten ist auch eines der zentralen Themen beim G7-Gipfel führender Industrienationen, der heute im französischen Evian beginnt. Dazu bemerkt die spanische Zeitung LA VANGUARDIA: "Die Welt blickt erneut auf Donald Trump, der einen Tag nach seinem 80. Geburtstag in Frankreich eintreffen soll. Dafür war der Beginn des Gipfels sogar um einen Tag verschoben worden, und auch sonst hat der Gastgeber alles getan, um den US-Präsidenten nicht zu verärgern. Dessen Stimmung wird sich auf den Gipfel auswirken. Mit einer gemeinsamen Erklärung ist nicht zu rechnen, aber vielleicht können Vereinbarungen zu einigen Themen erzielt werden - und alle hoffen, dass es keinen Streit mit Trump gibt", ist LA VANGUARDIA aus Barcelona überzeugt.
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA befindet: "Die multilaterale Grundidee der G7 besteht darin, die US-Supermacht und jene Staaten, die Donald Trump bestenfalls als Untergebene betrachtet, zumindest für einige Stunden als gleichberechtigte Partner an einen Tisch zu bringen. Das kann jemandem, der den Multilateralismus systematisch demontiert, kaum gefallen. Veraltet, anachronistisch und durch seinen wichtigsten Anteilseigner delegitimiert, sind die G7 dennoch nicht dazu bestimmt, zu verschwinden. Vor allem deshalb, weil derzeit nichts in der Lage zu sein scheint, an ihre Stelle zu treten", betont der CORRIERE DELLA SERA aus Mailand
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO ist anderer Meinung: "Der einstige Club der Reichen ist bereits vom Untergang gezeichnet. Fast alle G7-Staaten sind von einer Rezession der Wirtschaft, hohen Staatsschulden, sinkenden Produktionskräften, gesellschaftlicher Spaltung und Überalterung betroffen. Statt geschlossen für all diese Probleme Auswege zu finden, ist man ständig zerstritten. Jeder besinnt sich auf seine eigenen Vorteile. Kurioserweise geben die Länder China die Schuld für ihre Probleme. Sie sollten stattdessen lieber die Illusion aufgeben, Anführer der Welt zu sein", meint HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Die Europäische Union beginnt nach dem Ende der Blockade durch Ungarn heute offiziell die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau. Dazu schreibt POLITIKEN aus Kopenhagen: "Natürlich lässt sich einwenden, dass die Ukraine Probleme bei der Rechtsstaatlichkeit und der Bekämpfung von Korruption hat. Das stimmt, aber es wäre falsch, in einer so entscheidenden Etappe der europäischen Geschichte darin ein Hindernis zu sehen. Normalerweise reden wir davon, dass die Ukraine die EU braucht. Aber ebenso braucht die EU in steigendem Maße die Ukraine, wenn wir so stark wie möglich gegenüber unseren gemeinsamen Feinden und unseren früheren Freunden dastehen wollen. Die ukrainische Luftabwehr erzielt immer mehr Erfolge beim Schutz ihrer kriegsgeplagten Bevölkerung vor Raketen und Drohnen. Gleichzeitig führt das Land ständig neue Drohnenangriffe auf Russland durch", argumentiert die dänische Zeitung POLITIKEN.
Themenwechsel. Bei einer Volksabstimmung in der Schweiz hat eine Mehrheit die Begrenzung der Einwohnerzahl auf 10 Millionen abgelehnt. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz analysiert: "Die Initiative der SVP erwies sich aufgrund des geforderten starren Bevölkerungsdeckels als zu radikal. Den Gegnern gelang es insbesondere, das urbane Umfeld zu mobilisieren. Die Stimmberechtigten haben damit zum wiederholten Mal ein klares Bekenntnis zur Personenfreizügigkeit und zum bilateralen Weg abgelegt. Inmitten einer fragilen geopolitischen Lage war die Mehrheit nicht bereit, einen absehbaren Bruch mit der EU zu riskieren."
"Das politische Erdbeben ist ausgeblieben!", ist im TAGES-ANZEIGER aus Zürich zu lesen: "Den Gegnern der Initiative ist es nach anfangs schlechten Umfragewerten doch noch gelungen, ihr eigenes Lager zu mobilisieren und von den Gefahren der Initiative für die Wirtschaft und die bilateralen Verträge mit der EU zu überzeugen. Das ist ein respektabler Erfolg angesichts einer stark polarisierten Debatte. Doch zurücklehnen können sich die Gegner jetzt nicht. Breite Teile unserer Gesellschaft haben genug. Das ungebremste Wachstum ist für sie längst keine abstrakte Größe mehr, sondern eine alltägliche Erfahrung. Explodierende Mieten, Wohnungsnot, überfüllte Züge, Staus auf den Straßen und schlecht integrierte Zuzügler sind die Folgen einer starken Zuwanderung. Um fast 2 Millionen Einwohner ist die Schweiz in den vergangenen 25 Jahren gewachsen – und ihr Sog ist ungebrochen." Wir zitierten den TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz. Mit dieser Stimme endet die Presseschau.
