16. Juni 2026
Die internationale Presseschau

Die Kommentare beschäftigen sich auch heute vor allem mit der Einigung zwischen den USA und dem Iran. Ebenfalls kommentiert wird das Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche in Großbritannien und aktuelle Entwicklungen bei der KI-Firma Anthropic.

Eine Frau steht in den Straßen Teherans, hält die iranische Flagge in die Luft und ruft.
Durchbruch oder verfrühte Hoffnung? (picture alliance / AP Photo / Vahid Salemi )
Am Freitag soll das Abkommen zwischen USA und Iran unterzeichnet werden. Die österreichische Zeitung DER STANDARD schaut deshalb schon auf ein mögliches Danach: "Auch wenn die Unterzeichnung stattfindet und sogar wenn weitere Verhandlungen erfolgreich sein sollten, ist nicht mehr als ein Stopp der Feindseligkeiten zu erwarten. Die Probleme aus westlicher Sicht werden uns auch danach beschäftigen: Das iranische Atomprogramm, die ballistischen Raketen, Irans Einflusspolitik in der Region, die Menschenrechtsverletzungen. Eine neue Sicherheitsarchitektur - nach dem Rückzug der Supermacht USA aus der Region - zeichnet sich nicht ab", bemerkt DER STANDARD aus Wien.
"Wird Israel das Abkommen mit dem Iran torpedieren?" fragt die polnische Zeitung POLITYKA und fährt fort: "Angesichts der bereits vorliegenden Informationen steht Netanjahu vor zwei massiven Problemen. Erstens sieht der Plan einen dauerhaften Waffenstillstand an allen Fronten vor, einschließlich des Libanon. Netanjahu hatte gehofft, Trump würde ihm dort freie Hand lassen. Das zweite Problem ist das iranische Atomprogramm. Netanjahu hat seit Jahren versprochen, dass Teheran unter seiner Führung keine Atombombe besitzen werde. Für Trump wäre eine dritte Konfliktrunde mit dem Iran ein Albtraum – er wird alles daransetzen, eine Wiederholung zu verhindern. Netanjahu hingegen kalkuliert anders. Er weiß, dass die Mehrheit der Israelis eine Fortsetzung des Krieges befürwortet", überlegt POLITYKA aus Warschau.
Die Zeitung SHARGH aus Teheran spiegelt das Geschehen aus iranischer Sicht: "Die Verhandlungen in den kommenden Monaten werden nur dann als historischer Erfolg für den Iran gelten, wenn sie nicht nur die Fragen des Atomprogramms und der Sanktionen lösen, sondern auch die bestehenden Hindernisse für eine nachhaltige Entwicklung des Landes beseitigen. Dazu müssen die Verhandlungen so gestaltet werden, dass sie zu einer umfassenden Beilegung der Differenzen mit den USA und Europa führen und es dem Land ermöglichen, seine Ressourcen auf innenpolitische Aufgaben zu konzentrieren." Das war die iranische Zeitung SHARGH.
Die libanesische Zeitung AN NAHAR wirft einen Blick die Situation in den Golfstaaten: "So ist man in den dortigen Hauptstädten der Auffassung, dass man die Hauptlast der iranischen Angriffe getragen hat. Der Krieg hat den Gesellschaften am Golf auch gezeigt, dass die Vereinigten Staaten kein verlässlicher Verbündeter mehr für die Wahrung ihrer Sicherheit sind. Ebenso ist ihnen klar geworden, dass sie ihre Rüstungs- und Verteidigungspolitik dringend überprüfen und neu bewerten müssen", bilanziert AN NAHAR aus Beirut.
Einen eher nationalen Blick auf die Situation durch den Irankrieg liefert die indische HINDUSTAN TIMES: "Seit der Iran die Straße von Hormus im Februar blockiert hat, hat Indien mit voller Breitseite die Kosten seiner Abhängigkeit von importierter Energie zu spüren bekommen. Indien importiert ungefähr 85 bis 90 Prozent seines Rohöls. Wenn man sich dieser Realität stellt, ist es Zeit, Indiens Energiewende nicht mehr lediglich als Klimaverpflichtung, sondern als Sicherheitsstrategie zu behandeln. Dieses Ziel würde den Märkten ein klares Signal senden, ebenso den Investoren. Fehlt dieser Ehrgeiz, wäre es für Indien unmöglich, den Bau von Rechenzentren voranzutreiben und eine Vorreiterrolle bei der nächsten Welle der künstlichen Intelligenz einzunehmen", heißt es in der HINDUSTAN TIMES aus Mumbai.
Mit künstlicher Intelligenz beschäftigen sich einige Zeitungen noch aus einem anderen Grund: Die US-Regierung hatte den KI-Entwickler Anthropic angewiesen, seine neueste Software für Ausländer zu blockieren. Anthropic deaktivierte daraufhin den Zugang zunächst für alle Nutzer weltweit. Die brasilianische Zeitung O GLOBO schreibt dazu: "Damit hat die US-Regierung de facto die Entwicklung der KI gestoppt. Das wird nicht so bleiben: Dies war eine spontane und undurchdachte Entscheidung. Aber es geht um viel mehr. KI birgt in sich ein großes Gefahrenpotenzial. Schließlich stellen Modelle wie Claude Fable eine Bedrohung für die Cybersicherheit in so gut wie allen Bereichen dar. Wie lassen sich Gefahren begrenzen und gleichzeitig die Entwicklung positiver Technologien fördern? Genau dafür braucht es Regulierungen, und die gibt es in den USA nicht", heißt es in der Zeitung O GLOBO aus Rio de Janeiro.
THE STRAITS TIMES aus Singapur sieht das ähnlich und erinnert: "Anthropic hat die Idee eines Rahmens ins Spiel gebracht, in dem jeder Entwickler den Code der anderen überprüfen und man gemeinsam die Notbremse ziehen kann, bevor die Technologie außer Kontrolle gerät. Der goldene Standard ist der AI-Act der Europäischen Union, das weltweit erste umfassende Regelwerk zur Bewältigung von KI-Risiken. Aber während es ein solides Stück Gesetzwerk ist, bietet der AI Act nur wenig Trost für die simple Tatsache, dass Europa wohl kaum eine Schlüsselfigur im KI-Wettrennen ist. Also müssen sämtliche effektiven Schutzmechanismen wohl von den USA oder China kommen, weil sie die führenden Nationen in der KI-Forschung sind", stellt THE STRAITS TIMES aus Singapur fest.
Themenwechsel: Großbritannien hat sich für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren entschieden. Der BELFAST TELEGRAPH aus Nordirland gibt einer Schülerin aus der 13. Klasse die Gelegenheit, in einem Gastkommentar Stellung zu beziehen. Sie schreibt: "Die Realität ist: Kinder spielen mit ihren Freundin nicht mehr draußen. Sie haben heute dank Online-Communities sogar mehr Freunde als früher. Ein Verbot für Apps wie Discord oder Snapchat wird dafür sorgen, dass diese teils weltweiten Gemeinschaften kollabieren. Die Sozialen Medien verändern auch, wie sich Menschen informieren. Einige Apps sind extra so entworfen, dass sie mit kurzen Inhalten die Aufmerksamkeit der Zuschauer nicht verlieren, wie beispielsweise TikTok. Sie sind eben dazu gemacht, dass Kinder dranbleiben. Man findet auf diesen Portalen wichtige Informationen, und das sollte keinesfalls komplett verboten werden." Das war der Gastkommentar aus dem BELFAST TELEGRAPH.
Die Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio beobachtet zum Verbot Sozialer Medien: "Die Staaten weltweit scheinen sich derzeit in zwei Gruppen zu teilen. Die strenge Gruppe will ein vollständiges Verbot und die andere Gruppe weniger strenge Regulierungen und etwa ein Sicherungssystem, mit dem die Eltern die Nutzung ihrer Kinder einschränken können. Auch die japanische Regierung tendiert derzeit dazu. Auf jeden Fall sind die Zeiten langsam aber sicher vorbei, in denen die Plattformen durch Werbung für Kinder und Jugendliche nach Belieben gigantischen Gewinn erzielen konnten", konstatiert die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN.
Zuletzt noch ein Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Die ukrainische Armee hat ihre Angriffe zuletzt auf die besetzte Halbinsel Krim konzentriert. Die schwedische Zeitung SYDSVENSKAN merkt dazu an: "Die Krim ist der Schlüssel zum Sieg - so hieß es schon zu Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine Anfang 2022. Der ukrainischen Armee ist es gelungen, effektiv die russischen Transporte entlang der Verbindungsstraße im besetzten Süden zu stören. Über vielem liegt der Nebel des Kriegs, aber es besteht kein Zweifel daran, dass die ukrainischen Operationen gegen die russischen Versorgungslinien Wirkung zeigen. Die Ukraine muss die Wege nicht einmal vollständig blockieren - es reicht, den Verkehr zu drosseln. Gelingt das, wird die Krim für Russland immer schwerer zu halten, und die gesamte russische Kriegsführung wird aus logistischen Gründen behindert. Noch nie seit dem Herbst 2022 war die Situation für die Ukraine so günstig", notiert die Zeitung SYDSVENSKAN aus Malmö zum Ende dieser Presseschau.