
Die G7-Staaten wollen mit zusätzlichem Druck auf Russland die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges intensivieren. Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA spricht von zwei Karten, die die G7 nach ihrer Ansicht aufdecken können: "Die erste Karte ist die militärische: die Ukraine weiterhin zu unterstützen und ihr die Waffen zu liefern, die die USA inzwischen immer zögerlicher bereitstellen. Es geht nicht darum, die Ukraine zu unterstützen, damit sie den Krieg gewinnt. Es geht darum, ihr die Mittel zu geben, sich weiterhin gegen Putins zynische Hartnäckigkeit zu wehren, die Ziele zu erreichen, die er sich 2022 gesetzt hatte - bis er gezwungen ist, einen Kompromiss zu akzeptieren und sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Das neue EU-Sanktionspaket, das gezielt den russischen militärisch-industriellen Komplex trifft, ist ein guter Schritt in diese Richtung. Die zweite Karte ist die politisch-diplomatische, die mit der Eröffnung der ersten Verhandlungsrunde über den EU-Beitritt der Ukraine aufgedeckt wurde", notiert LA REPUBBLICA aus Rom.
Die russische Zeitung KOMMERSANT stellt fest: "Die europäischen Verbündeten der USA sind alarmiert mit Blick auf Trumps Rückkehr in den Verhandlungsprozess zur Ukraine. Offenbar löste ein fast einstündiges Telefongespräch zwischen den Präsidenten Trump und Putin vom vergangenen Sonntag Besorgnis bei den europäischen Staats- und Regierungschefs aus. Sie befürchten nun, dass der US-Präsident Verhandlungen mit Russland ohne Beteiligung der europäischen Verbündeten führen könnte", schreibt der KOMMERSANT aus Moskau.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA beobachtet: "Während Politik und internationale Diplomatie weiterhin nach Wegen suchen, den Krieg zu beenden, verschärfen sich die Kämpfe an der Front zusehends. Die Lage hat sich inzwischen verändert: Ukrainische Drohnen greifen Ziele immer tiefer im russischen Staatsgebiet an, um Nachschublinien zu stören und Energieinfrastruktur zu beschädigen. Russland antwortet mit massiven Luftangriffen auf ukrainische Städte, insbesondere auf Kiew. Der Konflikt ist in eine Dynamik von Aktion und Reaktion eingetreten, während die Frontlinien weitgehend stabil bleiben", lautet das Fazit von LA VANGUARDIA aus Madrid.
Die taiwanesische Teitung ZHONGGUO SHIBAO aus Taipeh spricht von einem stetigen Niedergang Russlands: "Der Krieg gegen die Ukraine hat dem Land zudem schwer zugesetzt. So ist der einzige Flugzeugträger der russischen Flotte nicht mehr einsatzfähig und wird wohl verschrottet oder verkauft. Im Vergleich zu der Machtposition, die die UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise auf Augenhöhe mit den USA innehatte, befindet sich Russland heute in einem jämmerlichen Zustand."
Die kroatische Zeitung VEČERNI LIST beschäftigt sich mit einem anderen Aspekt: "Auch wenn es kaum jemand gemerkt hat: Wladimir Putin hat gestern den Startschuss für die am 20. September angesetzten Wahlen in Russland abgegeben. Damit hätten die russischen Parteien nun drei Monate Zeit, den Wählern ihr Programm vorzustellen. Aber das wird natürlich nicht passieren, denn das Ganze ist eine einzige Farce. Russische wie internationale Medien wissen, dass jede Entscheidung des Präsidenten ungleich mehr zählt als der Wille von über 100 Millionen Wählern. Sie werden sich nur zwischen der Regierung und den von ihr oder von der Justiz zugelassenen Parteien entscheiden können, und Putins 'Geeintes Russland' wird die Wahlen gewinnen", erwartet VEČERNI LIST aus Zagreb.
Themenwechsel. Die libanesische Zeitung L'ORIENT-LE JOUR beschäftigt sich mit der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran, die am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden soll. Das Blatt gibt zu bedenken, es handele sich um nichts weiteres als "die gemeinsame Absicht, innerhalb von sechzig Tagen eine endgültige Einigung zu erzielen – wobei die entscheidende Atomfrage, die eigentliche Ursache des Konflikts, kurioserweise erst für die letzte Verhandlungsrunde vorgesehen ist. Vor allem aber bleibt das Teheraner Regime an der Macht. Allein die Tatsache, eine direkte Konfrontation mit der führenden Weltmacht überstanden zu haben, liefert der Islamischen Republik im eigenen Land Grund zum Feiern. Zudem verleiht die Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens mit dem amerikanischen 'Großen Satan' einem Land, das lange als 'Schurkenstaat' gebrandmarkt war, faktisch internationale Legitimität", wendet L'ORIENT-LE JOUR aus Beirut ein.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN ist überzeugt: "Ein endgültiges Abkommen müsste konkrete Zusagen zu einer Beendigung des Atomprogramms enthalten. Der Iran müsste sein angereichertes Uran abtreten, und internationale Inspekteure bräuchten uneingeschränkten Zugang zu den Anlagen. Außerdem müsste der Iran seine Produktion von Langstreckenwaffen begrenzen und aufhören, Stellvertreterkriege in der Region zu unterstützen. Schließlich muss das Regime die Unterdrückung seiner Bevölkerung beenden und Menschenrechte respektieren. So wie es jetzt aussieht, ist der Iran nicht bereit, in diese Forderungen einzuwilligen. Man kann natürlich hoffen, dass beide Seiten ein gutes Abkommen erzielen, das die Region sicherer macht. Aber ein übereilter und unvollständiger Prozess kann auch das Gegenteil bewirken", mahnt AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die panarabische Zeitung SHARQ AL-AWSAT vertritt diese Ansicht: "Beide Seiten sind sich bewusst, dass der vor ihnen liegende Weg lang, komplex und von gegenseitigem Misstrauen und latenten Ressentiments geprägt ist. Zugleich betonen sie aber, dass das Abkommen nichts anderes als eine unumgängliche Notwendigkeit und keineswegs Ausdruck eines versöhnlichen Miteinanders sei. Trump will seine Wahl gewinnen, und Teheran strebt nach der Festigung seines Regimes." Wir zitierten SHARQ AL-AWSAT mit Sitz in London.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET bilanziert mit Blick auf US-Präsident Trump: "Nichts von dem, was er erreichen wollte, hat er erreicht. Nach 108 Tagen gibt es noch kein klares Bild. Alles, was wir haben, sind die Angriffe auf den Libanon, die der israelische Premier Netanjahu unter dem Vorwand der Hisbollah gestartet hat und die voraussichtlich bis zu den israelischen Wahlen andauern werden. Während Trump die bittere Medizin schluckt und sich der Innenpolitik zuwendet, um den Schaden bei den Zwischenwahlen zu minimieren, besteht die reale Möglichkeit, dass Netanjahu das entstandene Vakuum nutzen wird, um die Lage im Libanon und in Palästina weiter zu verkomplizieren", so die Einschätzung von HÜRRIYET aus Istanbul.
Abschließend blicken wir nach Japan, wo die Zentralbank entschieden hat, den Leitzins auf einen Prozent anzuheben. Das sei der höchste Stand seit 31 Jahren, betont die Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN und führt aus: "Auch wenn sich die USA und der Iran über das Kriegsende einigen, kann der Druck auf die Inflation nicht sofort eingedämmt werden. Es ist daher die richtige Entscheidung der japanischen Zentralbank, mit der Zinserhöhung auf die aktuelle Gefahr zu reagieren, dass die Teuerungsrate über das Ziel von 2 Prozent steigt. Auch weitere Zinserhöhungen sollte die Bank nicht scheuen. Denn stabile Verbraucherpreise sind eine Voraussetzung für ein langfristiges Wirtschaftswachstum. Der japanische Aktien-Leitindex Nikkei stellte zeitweise eine neue historische Bestmarke auf. Eine Sorge am Devisenmarkt bleibt aber der sehr schwache Yen gegenüber dem US-Dollar. Negative Folgen könnte eine mögliche Einmischung durch die Politik haben. Die Regierung von Premierministerin Takaichi sollte das Signal senden, dass sie die Unabhängigkeit der Zentralbank respektiert", empfiehlt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio, mit der diese internationale Presseschau endet.
