
Die österreichische Zeitung DER STANDARD spricht von einem "für die USA blamablen Abkommen". Der eigentliche Verlierer allerdings sei Israel: "Der Deal ist eine persönliche Niederlage für Israels Premier Benjamin Netanjahu, weil seine gefeierte Partnerschaft mit Trump schwer beschädigt wurde. Trump lässt keinen Zweifel daran, dass er Israel nun als lästiges Hindernis für ein Kriegsende sieht. Und es ist ein schwerer Rückschlag für Israels jahrzehntelange Bestrebungen, die Gefahr, die vom Iran für seine Existenz ausgeht, zu bannen", resümiert DER STANDARD aus Wien.
Die polnische GAZETA WYBORCZA fragt: "Gibt es in diesem Krieg überhaupt Gewinner?“ und kommt zu dem Schluss: "Es gibt mehr Ungewissheiten als Gewissheiten. Obwohl Donald Trump damit prahlte, dass 'das Öl in Strömen fließen' und der Iran 'niemals, absolut niemals eine Atombombe besitzen' werde, lassen sich kaum Gewinner finden. Dieses Abkommen bewirkt nichts. Es bedeutet eine Rückkehr zum Status quo der Vorkriegszeit", so die pessimistische Einschätzung der in Warschau erscheinenden GAZETA WYBORCZA.
"Die Situation ist für den Iran jetzt vorteilhafter als vor Beginn des Kriegs", urteilt die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN. Und weiter: "Nicht die USA, sondern der Iran scheint das erreicht zu haben, das er wollte. Trump wollte am Anfang einen Regimewechsel in Teheran. Im Abkommen steht dagegen nun 'keine Einmischung in innere Angelegenheiten'. Auch für die Straße von Hormus soll langfristig zwischen dem Iran und den Staaten wie Oman eine neue Regelung geschaffen werden. Auch das ist wohl ein Erfolg für Teheran. Und auch für Israel ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend. Es ist zu befürchten, dass Israel dies wieder als Vorwand nutzt, um erneut den Iran zu attackieren", kommentiert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die in London erscheinende panarabische Tageszeitung AL QUDS AL-ARABY wirft einen Blick auf die jeweiligen Verbündeten des Iran und der USA: "Die USA werden Israel im Zaum halten müssen. Und umgekehrt wird Teheran seinen Einfluss auf die Hisbollah geltend machen müssen. Genau diese beiden Punkte bilden die größte Schwachstelle des Abkommens. Denn die Ereignisse der letzten Monate haben gezeigt, dass der Konflikt zwischen Israel und Iran nicht nur eine Konfrontation zwischen zwei Staaten ist. Vielmehr sind auch der Libanon, Gaza, Syrien und das Rote Meer zu Fronten in diesem Krieg geworden. So gesehen beginnt heute zwar eine neue Ära. Offen ist allerdings, ob diese friedlich bleibt", fragt sich die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT aus Baku sieht trotz des Rahmenabkommens weiter die Gefahr, dass die Krise Auswirkungen auf die weltweite Wirtschaftsentwicklung haben wird: "Entscheidend ist, dass jede gravierende Veränderung auf den globalen Energiemärkten direkte negative Folgen für die gesamte Weltwirtschaft hat – nicht nur für ölimportierende Länder. Die Krise im Nahen Osten könnte eine der schwersten Krisen der letzten Jahrzehnte auslösen. Arbeitslosigkeit und eine zunehmende Instabilität an den Finanzmärkten wären dann unvermeidlich", vermutet MÜSAVAT aus Baku.
Die Zeitung DÜNYA aus Istanbul fragt sich, was aus dem erklärten Ziel von US-Präsident Trump geworden ist, einen Regimewechsel im Iran voranzutreiben und kommt zu dem Schluss: "Die grundlegende Frage ist: Wollen die USA und Israel, dass das iranische Regime fällt? Die Antwort lautet: Nein! Israel braucht einen Feind, um in der Region zu überleben. Dies liegt auch im Interesse der USA. Wenn das Regime im Iran zusammenbricht und eine neue Regierung gebildet wird, wird es für Israel sehr viel schwieriger werden, in der Region frei zu agieren und seine Politik durchzusetzen. Diese Strategie Israels gilt auch für den Iran. Damit das Regime Zustimmung in der Bevölkerung findet, braucht es einen Gegner – und das ist Israel", glaubt der Kommentator der türkischen Zeitung DÜNYA.
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA zieht ein Fazit des G7-Gipfels und kommt zu dem Schluss, dass die Europäer vor allem darauf bedacht waren, US-Präsident Trump nicht zu verärgern: "Was die Europäer zum Iran-Abkommen beitragen, ist - wie so oft - die Rhetorik über Trumps Verdienste. 'Es ist eine ausgezeichnete Vereinbarung', sagte Macron, 'und wir danken Präsident Trump dafür, dass er sie erreicht hat.' Nach Ansicht vieler handelt es sich um eine Art amerikanische Kapitulation, doch das spielt keine Rolle. In diesem Fall gilt: Wenn Trump zufrieden ist, sind alle zufrieden", notiert der CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
Ähnlich sieht es die australische Zeitung THE AGE. Sie blickt vor allem auf das Zusammentreffen von US-Präsident Trump mit dem Gastgeber, dem französischen Präsidenten Macron. Die beiden kamen im prunkvoll eingerichteten Schloss Versailles zusammen: "Hinter all dem Prunk steckte ein Zweck – zu einer Zeit, in der Macron und andere europäische Staats- und Regierungschefs mit Trump in so vielen Fragen über Kreuz liegen. Da die Fußball-Weltmeisterschaft derzeit weltweit mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als der G7-Gipfel, griff der französische Präsident zu einer Fußballmetapher. Er verglich sein Vorgehen mit dem der französischen Nationalmannschaft und sagte, auch sein Ziel sei es, 'Tore zu erzielen'", fasst THE AGE aus Melbourne zusammen.
Und die britische Tageszeitung THE GUARDIAN urteilt: "Die G7-Staaten treten nicht mehr geschlossen auf; es spielt keine Rolle, ob die Mehrheit von ihnen noch zusammenhält – eine regelbasierte Ordnung kann nicht in ihrer ganzen Pracht funktionieren, wenn sich nur ein Teil der Beteiligten an die Regeln hält. Die Staats- und Regierungschefs wirken persönlich verunsichert. Die einzige Gemeinsamkeit all dieser Führungskräfte ist ihr entschlossenes Bemühen, so zu tun, als sei ihre Einheit gewahrt geblieben", so THE GUARDIAN aus London.
Themenwechsel. Die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT beschäftigt sich mit den EU-Beitrittsverhandlungen der Ukraine, die in dieser Woche begonnen haben. Die Zeitung sieht darin vor allem einen weiteren Versuch der Ukraine, dem Einfluss Moskaus zu entkommen: "Schon Finnland stellte seinerzeit den Antrag auf EU-Aufnahme aus dem Wunsch heraus, sich aus der engen Bindung an Russland zu befreien. Ebenso ging es den Staaten Mittel- und Osteuropas. Wir sollten das Bestreben der Ukraine unterstützen, sich so weit wie möglich aus der russischen Einflusssphäre zu entfernen. Ukrainer sterben im Kampf gegen Russlands terroristischen Imperialismus, und das muss mehr wiegen als Bedenken wegen der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Landwirte", fordert HELSINGIN SANOMAT aus Helsinki.
Die EU hat auch offiziell mit der Republik Moldau Verhandlungen über einen Beitritt aufgenommen. Dazu schreibt die moldauische Zeitung JURNALUL aus Chişinău: "Es liegt an uns, wie schnell es jetzt weitergeht. Mit viel Engagement und Ehrlichkeit können wir es schaffen und damit zu Montenegro und Albanien aufschließen. Dass diese beiden Länder noch keine EU-Mitglieder sind, liegt vor allem an den Bereichen Justiz und Sicherheit. Da gibt es auch in Moldau ernste Probleme, die unsere Chancen auf einen Beitritt erheblich schmälern. Wir sollten uns freuen, dass die Verhandlungen begonnen haben, aber wir müssen realistisch bleiben: Wenn wir den Beitrittsvertrag bis 2030 unterzeichnen wollen, müssen wir echte Reformen im Justizwesen anpacken." Mit diesem Kommentar der Zeitung JURNALUL aus der moldawischen Hauptstadt Chişinău endet diese Internationale Presseschau.
