
Dazu schreibt die österreichische Zeitung DER STANDARD: "Teheran saß bei den Verhandlungen am längeren Hebel, das war schon länger klar. Mit der Kontrolle über die Straße von Hormus hatte es das Schicksal der Weltwirtschaft in seiner Hand. Zudem stieg der Druck auf US-Präsident Trump jeden Tag, aus diesem sinnlosen Krieg auszusteigen – wirtschaftlich wie innenpolitisch. Doch dass der selbsternannte Dealmaker seine Unterschrift unter diese Absichtserklärung gesetzt hat, überrascht trotzdem. Zuletzt sprach Trump immer wieder von Fake News, als über für die USA äußerst nachteilige Details der Absichtserklärung berichtet wurde. Nun aber ist die Vereinbarung im Wortlaut bekannt, und es hat sich bewahrheitet: Der Iran bekommt nahezu alles, was er wollte. Trotz allem will sich Trump den Deal nicht schlechtreden lassen, auch wenn sogar in seiner eigenen Partei vom 'größten außenpolitischen Fehler seit Jahrzehnten' gesprochen wird", bemerkt DER STANDARD aus Wien.
"Der Iran erhält fast alles, was er wollte", titelt auch die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA und führt aus: "Dies weckt Befürchtungen sowohl beim engsten Verbündeten Israel – dessen Ministerpräsident in den letzten Tagen kritische Äußerungen von US-Präsident Trump über sich ergehen lassen musste – als auch bei den mit den USA verbundenen Ländern der Region, insbesondere bei einigen arabischen Monarchien. Diese Länder haben während des Krieges unter den Vergeltungsschlägen des Iran gelitten und mussten feststellen, dass die Präsenz amerikanischer Stützpunkte keine ausreichende Sicherheitsgarantie darstellt. Nun müssen sie – wie es einige bereits tun – eine Verständigung mit den Machthabern in Teheran suchen. Jenem Regime, das eigentlich hätte zusammenbrechen sollen, das aber stattdessen an Stärke gewonnen hat. Wird der Iran dank Amerika zur dominierenden Macht der Region aufsteigen? Schon seit seiner ersten Amtszeit träumt Trump davon, einen neuen Nahen Osten zu schaffen. Doch gewiss hat sich damals niemand einen Nahen Osten wie diesen vorgestellt“, ist sich die RZECZPOSPOLITA aus Warschau sicher.
In der israelischen Zeitung HAARETZ ist zu lesen: "In Israel reichten die Reaktionen auf das Abkommen von 'ein schlechtes' bis hin zu 'ein wirklich schlechtes Abkommen'. Und das, noch bevor irgendjemand eine Vorstellung davon hatte, was in diesem Memorandum stand – geschweige denn, was das eigentliche Abkommen beinhalten würde. Besonders eklatant ist der Kontrast zwischen dem Atomabkommen von 2015 – einem detaillierten, hunderte Seiten umfassenden Dokument - und den Tweets, öffentlichen Erklärungen, Indiskretionen sowie widersprüchlichen Botschaften, die bislang aus Washington und Teheran zu vernehmen waren. Nach wie vor ist unklar, ob und wann auf die Absichtserklärung ein dauerhaftes Abkommen folgen wird und welche Punkte darin enthalten sein oder fehlen werden. Viele entscheidende Details zur Urananreicherung und zum iranischen Raketenprogramm sind weiterhin unbekannt", gibt HAARETZ aus Tel Aviv zu bedenken.
Die saudische Zeitung AR RIYADH aus Riad merkt an: "Das Abkommen setzt den Auftakt zu einer neuen Phase von Dialog und Diplomatie, die neuen Handlungsspielraum in Aussicht stellt. Nach Monaten der Spannung und Eskalation steht die Region nun vor einer Chance, die es zu nutzen gilt. Denn allen Akteuren ist bewusst, dass Stabilität im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten liegt. Die Tür zu politischen Vereinbarungen steht offen."
Die türkische Zeitung HÜRRIYET aus Istanbul hält fest: "Obwohl das Dokument Elemente enthält, die beide Seiten als 'Errungenschaften' betrachten können, vermittelt es den Eindruck einer dominanteren iranischen Seite. Zudem verschafft die Absichtserklärung der Weltwirtschaft vorerst eine willkommene Atempause. Wird jedoch eine langfristige Einigung erzielt oder kehrt man zum Konflikt zurück? Der Welt ist ersteres zu wünschen."
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio wirft ein: "Was man als Lehre aus diesem Krieg nicht vergessen sollte, ist, dass es für das Motto der US-Außenpolitik 'Frieden durch Stärke' Grenzen gibt. Nur mit Stärke und bedrohlicher Unberechenbarkeit kann die internationale Gemeinschaft nicht beherrscht werden. Was der internationalen Gemeinschaft Frieden und Stabilität bringt, ist nichts anderes als die Rückkehr zur Rechtstaatlichkeit mit Respekt für das Völkerrecht."
Die taiwanesische Zeitung LIANHE BAO blickt auf die Rolle Pakistans, das das Abkommen vermittelt hat: "Eindrucksvoll hat Pakistan bei den Verhandlungen zur Beendigung des Krieges zwischen den USA und dem Iran die entscheidende Rolle als Vermittler übernommen. Seit mehr als vier Jahrzehnten übermittelt das Land bereits sensible Botschaften zwischen Washington und Teheran. Dadurch ist ein gewisses Maß an 'institutionalisiertem Vertrauen' entstanden. Als bedeutende sunnitisch-islamische Militärmacht gelang es Pakistan zudem, die Finanzzusagen der sogenannten 'Golf-Allianz', also der arabischen Geldgeber, an den Iran zu koordinieren. Das kleine Land hat seine strategische Fähigkeit demonstriert, zwischen Großmächten zu vermitteln." Das war LIANHE BAO aus Taipeh.
In der dänischen Zeitung POLITIKEN ist zu lesen: "US-Präsident Trump ist stolz, der Iran ist zufrieden, und Israel ist enttäuscht, während sich die Golfanrainer-Staaten fragen, auf wen sie sich noch verlassen können. Das lange erwartete Abkommen zwischen den USA und dem Iran ist ein gigantisches Zuckerbrot für die Machthaber in Teheran, die Blockade der Straße von Hormus aufzuheben. Dagegen ist das Abkommen ambitionslos in Bezug auf einen Frieden. Israel und die USA wollten das Regime in Teheran stürzen, aber stattdessen hat es sich konsolidiert - zur Enttäuschung von weiten Teilen der iranischen Bevölkerung. Auch fordert es weiterhin die Vernichtung Israels, und dort nimmt man die Bedrohung ernst. Premier Netanjahu erhält nun Kritik von allen Seiten und will nicht einmal zusagen, dass er sich an das Abkommen hält. Israel war nicht an den Verhandlungen beteiligt und muss sich jetzt mit dem Versprechen abspeisen lassen, dass der Iran auf Atomwaffen verzichtet", unterstreicht POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die US-Zeitung WASHINGTON POST urteilt: "Was haben die USA für diese mäßigen Erfolge bezahlt? 13 amerikanische Soldaten sind ums Leben gekommen und rund 400 wurden verwundet. Die US-Waffenvorräte sind aufgezehrt. Der Krieg hat zudem die Bündnisse belastet. Die Europäer, die vor Kriegsbeginn nicht konsultiert worden waren, weigerten sich, bei der Öffnung der Straße von Hormus zu helfen. Israel, das zu Beginn eng konsultiert worden war, blieb von den Verhandlungen über das Rahmenabkommen ausgeschlossen. Auch die Verbündeten am Golf wurden verunsichert."
Themenwechsel. Zehn Jahre ist es her, dass die Briten für den Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union votiert haben. Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER kommentiert: "Der frühere britische Premier David Cameron hatte einen Plan: Mit einem Referendum über die EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs wollte er das konservative Lager konsolidieren und den Populismus ersticken. Stattdessen wurde es der schlimmste Pyrrhus-Sieg aller Zeiten. Für das Vereinigte Königreich war der Brexit zweifelsohne eine Katastrophe. Das Land kehrte seinem wichtigsten Handelspartner den Rücken zu, und die Verheißung von einem 'Global Britain' erwies sich als Bluff. Vor allem aber wurde der Brexit zur Katastrophe für die britische Politik. Der Populismus brach sich freie Bahn. EU-Gegner Nigel Farage gründete eine neue Partei und entfachte einen Kulturkrieg. Die Torys äfften ihn nach und verprellten die Wähler der Mitte. In Umfragen liegt die Partei bei nur noch 18 Prozent und damit hinter Farages Reform UK."
