25. Juni 2026
Die internationale Presseschau

Kommentiert werden unter anderem die Hitzewelle in Europa, der Iran-Krieg und der anstehende NATO-Gipfel in Ankara.

Der polnische Ministerpräsident Tusk, der französische Präsident Macron, Bundeskanzler Merz, die italienische Ministerpräsidentin Meloni und der britische Premierminister Starmer geben im Bundeskanzleramt in Berlin eine Pressekonferenz zum Abschluss ihres E5-Gipfels.
E5-Gipfel in Berlin (picture alliance/Anadolu/Halil Sagirkaya)
In Berlin hat sich die sogenannte E5-Gruppe getroffen. Dabei haben sich Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Deutschland für eine Stärkung der NATO ausgesprochen. Dazu schreibt die italienische Zeitung LA REPUBBLICA: "Nach dem Treffen der fünf Staats- und Regierungschefs in Berlin ist klar, dass es Bundeskanzler Merz gelungen ist, alle Anstrengungen auf die Geschlossenheit der Europäer vor dem NATO-Gipfel in Ankara zu konzentrieren. Die Botschaft des Kanzlers, die gemeinsam mit Giorgia Meloni, Emmanuel Macron, Keir Starmer und Donald Tusk formuliert wurde, spricht von einer festen Entschlossenheit, ein stärkeres Europa innerhalb einer stärkeren NATO aufzubauen. Doch Russland und die Ukraine können unmöglich ausgeklammert werden. Starmer betonte, dies sei ein wirklich wichtiger Moment, um den Druck auf Russland zu erhöhen", erinnert LA REPUBBLICA aus Rom.
Die russische Zeitung KOMMERSANT befasst sich näher mit NATO-Generalsekretär Rutte. Dieser war dem Treffen der E5-Gruppe in Berlin per Video zugeschaltet, weil er in Washington mit US-Präsident Trump zusammenkam. "Hauptziel ist es, transatlantische Differenzen im Vorfeld des NATO-Gipfels in Ankara auszuräumen. Vor dem Hintergrund von Trumps kritischer Haltung gegenüber der NATO wird Rutte versuchen, ihn davon zu überzeugen, die amerikanische Führungsrolle im Bündnis nicht aufzugeben und sich den europäischen Verbündeten bei der Unterstützung der Ukraine anzuschließen, indem er die Vereinbarungen von Anchorage endgültig aufgibt. Jüngste kritische Äußerungen Trumps über die Bündnispartner kurz vor Ruttes Ankunft erinnerten daran, dass die tiefsitzenden Spannungen in den transatlantischen Beziehungen fortbestehen", notiert der Moskauer KOMMERSANT.
Der Gastkommentator der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN geht näher auf die Gespräche zwischen Trump und Rutte ein: "Trump soll bei dem gestrigen Treffen gesagt haben: 'Ich will nur die Loyalität der Europäer'. Diese Aussage von ihm zeigt zum einen seine exklusive Ansicht, dass die Bündnispartner loyal zu den USA sein sollten. Zum anderen zeigt es seine äußerst starke Unzufriedenheit mit fehlender Unterstützung der Europäer beim Iran-Krieg. Allerdings: Aus europäischer Sicht hätte er vor Kriegsbeginn eine Absprache mit Europa treffen sollen, wenn er später Unterstützung einfordert", notiert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Hören Sie nun Kommentare zu den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Die französische Zeitung LE FIGARO schreibt: "Tatsache ist, dass Trump keine Lust mehr hat zu kämpfen – einen Kampf, der zu ungewiss und vor allem zu kostspielig ist, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Ihm bleibt also nichts anderes übrig, als sein Gesicht zu wahren – mit einem Atomabkommen, das im Vergleich zu dem, das er 2018 gekündigt hatte, nicht allzu lächerlich wirkt. Es sieht nicht gut aus, ganz gleich, wie viel Druck auf seinen Vizepräsidenten JD Vance ausgeübt wird, der mit dieser fast unmöglichen Mission betraut ist. Denn Trump hat seine Versprechen gebrochen und eine Clique von Machthabern ins Amt gehoben, die er als sympathisch bezeichnet, die aber genauso brutal sind wie ihre Vorgänger – nur ohne den religiösen Anstrich", analysiert der Pariser FIGARO.
In einem Gastkommentar der österreichischen Zeitung DIE PRESSE heißt es: "Was derzeit als 'Deal' bezeichnet wird, ist in Wahrheit kein umfassender Friedensvertrag, sondern bestenfalls ein Zwischenabkommen. Die USA wollen die Wiederherstellung der freien Schifffahrt durch die Straße von Hormus sicherstellen und damit einen zentralen Nerv der Weltwirtschaft schützen. Der Iran erhält im Gegenzug, durch das Ende der Blockade seiner Häfen, eine begrenzte wirtschaftliche Atempause. Von der Überweisung gewaltiger Summen ist vorerst einmal keine Rede", ist in der Wiener Zeitung DIE PRESSE zu lesen.
Trump sei mit dem Iran-Krieg gescheitert, meint die taiwanesische Zeitung ZHONGGUO SHIBAO und verweist auf die Verhandlungen der beiden Konfliktparteien in der Schweiz: "Unablässig betont US-Vizepräsident Vance, dass der Iran keine bedingungslosen Vorteile erhalte, Sanktionserleichterungen nur unter Auflagen gewährt würden und die Straße von Hormus langfristig offenbleibe. Man gewinnt den Eindruck, dass das Ergebnis des Rahmenabkommens inszeniert und gerechtfertigt werden müsse. Teheran weiß den empfindlichen Punkt Amerikas zu treffen: Washington fürchtet sich vor einem langwierigen Zermürbungskrieg und seinen verheerenden wirtschaftlichen Folgen. Trump hat den Konflikt mit dem Iran letztlich nicht auf dem Schlachtfeld, sondern am Verhandlungstisch verloren", unterstreicht die Zeitung ZHONGGUO SHIBAO aus Taipeh.
Die Lage rund um die strategisch wichtige Handelsroute, der Straße von Hormus, sei immer noch ungeklärt, hebt die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT hervor: "Welche Weltmacht wird diesen Wirtschafts- und Handelsweg in naher Zukunft kontrollieren und auf welchen völkerrechtlichen Mechanismen wird diese Kontrolle beruhen? Die USA, der Iran, die Golfstaaten, die EU, China und sogar Russland verfolgen höchst unterschiedliche, teils gegensätzliche Interessen. Sollten die Konfliktparteien keine ernsthaften Kompromisse erzielen, wären weitere Preissprünge an den globalen Energiemärkten, eine weltweite Inflationswelle sowie eine Neuordnung der internationalen Handelswege die Folge", prognostiziert MÜSAVAT aus Baku.
Themenwechsel. Die extreme Hitze hat Südwesteuropa fest im Griff, ist in der schwedischen Zeitung DAGENS NYHETER zu lesen. "In Westfrankreich könnte das Thermometer auf bis zu 44 Grad steigen. Auch mehrere Orte in Spanien, Deutschland und der Schweiz haben neue Hitzerekorde zu verzeichnen. Ende der Woche erreicht die Hitzewelle nun auch Schweden. Die Ratschläge der Gesundheitsämter sind einfach: auf Innentemperaturen achten und Wasser trinken, auch wenn man keinen Durst hat. Aber sie wenden sich eben vor allem an Menschen, die für sich selber sorgen können. Gefährdet sind alte Menschen, die nicht genug Flüssigkeit zu sich nehmen, aber auch Kleinkinder, Kranke und Obdachlose", warnt DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die Pariser Zeitung LIBERATION sieht dringenden Handlungsbedarf: "Diese anstrengende Woche hat zumindest den Vorteil, die konkreten Auswirkungen dessen aufzuzeigen, was zahlreiche Wissenschaftler und Umweltschützer seit Jahrzehnten vergeblich verkünden. Die Politiker wollten das nicht wahrhaben. Es gibt viel zu tun, insbesondere in den Städten, die das Ausmaß der bevorstehenden Veränderungen nicht realisiert haben."
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN aus Oslo schreibt: "Auch in Norwegen gibt es mehr und längere Hitzewellen, und es wird vermutlich noch schlimmer werden. Auf Kälte sind wir gut vorbereitet, nicht aber auf Wärme. Es gibt keinen übergeordneten Plan. In den Berichten der Katastrophenbereitschaft taucht Hitze nicht einmal auf. Dafür warnt die Forschung. Benötigt werden Alarmsysteme und Pläne zum Schutz der Bevölkerung vor extremer Hitze."
Abschließend noch mal ins Inland. Dort hat eine IT-Panne die Deutsche Bahn für mehrere Stunden lahmgelegt. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG äußert sich besorgt: "Die Störung zeigt exemplarisch, wie verletzlich kritische Infrastruktur ist. Wenn schon ein einfacher Fehler bei einem Update ausreicht, um fast alle Züge in ganz Deutschland zu stoppen, wie sieht es dann erst bei gezielten Attacken aus? Sie wirft aber auch ein Schlaglicht auf die Versäumnisse bei der Bahn. Ein technisches Update sollte nie dazu führen können, dass alles zum Erliegen kommt. Die Deutsche Bahn und andere Betreiber kritischer Infrastruktur müssen dafür Vorkehrungen treffen. Sie müssen beispielsweise dafür Sorge tragen, dass es Ausfallsysteme gibt oder dass Updates nach und nach durchgeführt werden. Sonst haben Hacker oder Saboteure ein leichtes Spiel", warnt die Schweizer NZZ, mit der die internationale Presseschau endet.