26. Juni 2026
Die internationale Presseschau

Die Hitze in Europa, das Erdbeben in Venezuela und die Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine in Danzig werden kommentiert.

In einem Brunnen sitzen viele Menschen im Wasser. Einige tragen noch ihre Kleidung.
In Frankreich gibt es Temperaturen über 40 Grad. (picture alliance / SIPA / Xavier Francolon)
Der britische INDEPENDENT nimmt das Wetter in den Blick: "Temperaturen von fast 40 Celsius im Juni sind nicht normal. Doch sie kommen immer häufiger vor. Das Gleiche gilt für außergewöhnlich nasse Winter. Die Realität des Klimawandels mit seinen Folgen sollten mit der Dringlichkeit behandelt werden, die die aktuelle Lage erfordert. Wegen steigender Lebenshaltungskosten, angespannter öffentlicher Finanzen und des - offen gesagt - bösartigen Einflusses der Lobby für fossile Brennstoffe auf die britische Politik haben aber sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politiker dringendere Probleme gefunden, über die sie sich Sorgen machen. Diese Herangehensweise ist vollkommen verständlich, aber falsch. Der Klimawandel mit seinen kostspieligen Folgen für jede Nation und jeden Menschen ist eine unbequeme Wahrheit und ein Thema, das wichtiger ist als jedes andere", mahnt der INDEPENDENT aus London.
Auch die französische Wochenzeitung LA SEMAINE kritisiert: "Viel zu lange haben wir die Hitzewelle als einmaliges Ereignis betrachtet: ein paar schwierige Tage, die es zu überstehen galt, bevor wieder Normalität einkehrte. Der Sommer hat gerade erst begonnen, und diese erste große Hitzewelle wirkt bereits wie eine Warnung. Nicht für die kommenden Wochen, sondern für die Jahre, die vor uns liegen. Der Bürgermeister von Nancy traf den Nagel auf den Kopf, als er zu Beginn der letzten Stadtratssitzung erklärt: 'Es wäre bedauerlich und unverständlich, wenn das Klima weiterhin nur als Smalltalk-Thema betrachtet würde.'" Soweit LA SEMAINE aus Metz.
Die französische Zeitung OUEST-FRANCE aus Rennes erwartet auch aufgrund der Hitze tiefgreifende politische Folgen für das eigene Land: "Frankreich ist zu einem Backofen geworden. Der klimatische Schock gehört zu einer Reihe von Umbrüchen. In der Summe dürften sie die Franzosen dazu zwingen, die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen mit anderen Augen zu betrachten. Diese Wahl wird nicht wie die anderen sein. Und das nicht nur, weil sie vor dem Hintergrund einer zersplitterten politischen Landschaft stattfinden wird."
Die pakistanische Zeitung THE NATION befasst sich mit den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels für die Wirtschaft im eigenen Land: "Pakistan ist nach wie vor einer der weltweit bedeutendsten Exporteure von Textilien und Stoffen, doch die Grundlage dieser Exportstärke ist besorgniserregend schwach. Baumwolle ist eine schwierige Kulturpflanze für ein Land, das ohnehin schon unter Wassermangel leidet. Doch die Bedeutung des Textilsektors lässt wenig Spielraum für einfache Entscheidungen. Baumwolle kann nicht einfach aufgegeben werden, solange sie untrennbar mit Exporten, Beschäftigung, Einkommen im ländlichen Raum und industrieller Produktion verbunden ist. Es bedarf ernsthafter nationaler Anstrengungen, um den Anbau mit Blick auf Klimawandel und Wasserknappheit zu modernisieren", fordert THE NATION aus Lahore.
Zum nächsten Thema - dem Erdbeben in Venezuela. Tausende Menschen werden noch vermisst. Die Zeitung EL NACIONAL aus Caracas schreibt: "Die große Frage, die wir uns in diesen entscheidenden Stunden voller Angst stellen, ist, ob die Entscheider auf diese Tragödie vorbereitet sind. Eigentlich müsste Venezuela über die wirtschaftlichen und personellen Ressourcen verfügen, um auf eine solche Tragödie effektiv und zügig zu reagieren. Aber zu lange wurden Behörden zur politischen Machtausübung missbraucht. Rettungsteams sind unterbesetzt und nur mangelhaft ausgestattet. Sie werden von Idealismus und Solidarität angetrieben, aber das allein reicht nicht. Das ist jetzt nicht die Zeit für kleinliches Aufrechnen und für hohle Phrasen, sondern für echte politische Verantwortung. Es ist der Moment der Wahrheit", betont die venezolanische Zeitung EL NACIONAL.
Die Zeitung EL NUEVO SIGLO aus Kolumbien erläutert: "In solchen Fällen braucht es ein System zur Koordination der Hilfe, um doppelte Einsätze oder Verluste zu verhindern. Umso wichtiger wäre, dass die Übergangsregierung von Delcy Rodríguez die Führung des gesamten Katastrophenmanagements übernimmt. Aber sie steht unter Aufsicht der US-Regierung. Das Ausmaß der Schäden hat bereits eine Debatte über die Einhaltung der Bauvorschriften in unserem Nachbarland ausgelöst. Die Kraft von Beben der Stärke 7,2 und 7,5 ist unbestreitbar, aber die Modernisierung und Wartung der Infrastruktur und der Notfallsysteme hatte unter der chavistischen Herrschaft keine Priorität. Der internationalen Gemeinschaft und der UNO könnte jetzt eine Schlüsselrolle zukommen: Es ist Zeit für konkrete Solidarität mit Venezuela", unterstreicht EL NUEVO SIGLO aus Bogotá.
"Humanitäre Hilfe ist selten nur Beistand", überlegt das DAGBLADET aus Oslo: "Sie kann durch Staaten, Organisationen oder freiwillige Akteure kanalisiert werden, und jeder Kanal kann auf unterschiedliche Weise Einfluss nehmen. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Naturkatastrophe zu einer Verschiebung politischer Machtverhältnisse führt. Von der Not betroffen sind wie immer zuerst die Ärmsten der Armen. Aber in Venezuela ist genau das die Gruppe, die jahrelang loyal zum chavistischen System war. Die Geschichte zeigt, dass Katastrophen zu einem starken Rückhalt für die Behörden führen können. Aber solche Perioden halten selten lange an. Das Erdbeben ist ein politischer Stresstest - für das Regime in Caracas, aber auch für die USA und für Lateinamerika. Vielleicht fällt das Nachbeben mindestens genauso heftig aus." Das war das DAGBLADET aus Norwegen.
Der TRINIDAD AND TOBAGO GUARDIAN sieht in der Katastrophe im nahe gelegenen Venezuela einen Weckruf für das eigene Land: "Unsere Behörden müssen sicherstellen, dass die nationalen Katastrophenschutzpläne aktuell, wirksam und klar kommuniziert sind. Die Bürger müssen die Evakuierungswege, Notfallmaßnahmen und das richtige Verhalten kennen, falls sich hier ein ähnliches Ereignis ereignen sollte. Was sich in Venezuela abgespielt hat, ist eine Erinnerung an unsere Verwundbarkeit, aber auch an unsere gemeinsame Verantwortung. Solidarität muss mehr als nur symbolisch sein. In diesem Moment hat Trinidad und Tobago die Gelegenheit, nicht nur einem Nachbarn in Not zu helfen, sondern auch eine Beziehung zu stärken, die für die eigene Zukunft von entscheidender Bedeutung ist", bemerkt der TRINIDAD AND TOBAGO GUARDIAN aus Port of Spain.
Gestern hat in Danzig eine Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine begonnen - ohne Präsident Selenskyj, der wegen diplomatischer Konflikte mit Polen fernblieb. Die Zeitung RZECZPOSPOLITA schätzt die Streitigkeiten als nicht so wichtig ein: "Ausschlaggebend für den Erfolg des ukrainischen Wiederaufbaus werden Wirtschaftskalkulationen sein, nicht Politiker. Nicht zu unterschätzen sind auch die Tausenden ukrainischen Unternehmen in Polen und die Hunderttausenden Ukrainer, die sich an der Weichsel niedergelassen haben und eine entscheidende Rolle bei der Zusammenarbeit beider Volkswirtschaften spielen können. Das ist die Realität. Was wir brauchen, ist Geduld und gesunder Menschenverstand. In diesen Fragen wird Selenskyj nicht viel bewirken können. Aber – und das ist wichtig – die Ukraine hat noch einen langen Weg vor sich, bis sie staatlichen und wirtschaftlichen Erfolg erreicht. Es wäre gut, wenn man das in Kiew verstehen würde", erklärt die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA.
Auch die slowakische Zeitung SME verlangt mehr Zurückhaltung: "Auch die ukrainischen Politiker werden wohl lernen müssen, mit ihren Nachbarn und Partnern feinfühliger umzugehen. Der sowjetische Stil, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, muss sich nicht immer auszahlen. Vor allem dann, wenn in Europa bei Wahlen kritische Stimmen wie Polens Präsident Nawrocki erstarken könnten."