01. Juli 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zum Ausgang der Präsidentschaftswahl in Peru, zur Versorgungssituation in Russland und zur Fußball-Weltmeisterschaft.

Die Präsidentin Perus, Keiko Sofia Fujimori, kommt aus ihrem Haus in Lima und winkt freundlich.
Die designierte Präsidentin Perus, Keiko Sofia Fujimori. (picture alliance/Anadolu/Klebher Vasquez)
Die Zeitung EL ESPECTADOR aus Kolumbien äußert sich zum hauchdünnen Sieg von Keiko Fujimori bei der Präsidentschaftswahl in Peru gegen ihren Kontrahenten Sánchez folgendermaßen: "Sánchez will das Ergebnis nicht anerkennen und hat zu Protesten aufgerufen. Die politische Instabilität in unserem Nachbarland dürfte also nicht so schnell zu Ende gehen. Ein weiterer Grund ist, dass sich das Präsidentenamt ständig in Konflikt mit dem Parlament befindet. Das erklärt die wiederholten Amtsenthebungsverfahren und die vielen Übergangsregierungen und ist keine gute Voraussetzung für eine gelungene Regierungsführung", bemerkt EL ESPECTADOR aus Bogotá.
Die in Shanghai erscheinende Tageszeitung JIEFANG RIBAO sieht die Aussichten für Fujimori ebenfalls skeptisch: "Angesichts eines zutiefst gespaltenen und seit Jahren von Unruhen geprägten Landes ist ungewiss, ob Fujimori den politischen Fluch 'kurzlebiger Staatspräsidenten' brechen kann. Wie schon vergangene Woche in Kolumbien setzt sich der allgemeine Trend in Lateinamerika fort, wonach linke Parteien an Anziehungskraft verlieren und konservative Parteien im Aufwind sind. Dennoch verfügt Fujimori bislang über keine Mehrheit im Parlament, sodass die Opposition ihre Reformvorhaben leicht blockieren kann", gibt JIEFANG RIBAO aus China zu bedenken.
Für NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Japan steht Fujimori vor einer Reihe großer Herausforderungen: "Die Konfrontation zwischen dem Präsidialamt und dem Parlament wird auch weiterhin die Regierungsarbeiten erschweren. In der Bevölkerung hat der Unmut darüber, dass nicht alle vom Wirtschaftswachstum des Landes von fast drei Prozent profitierten, zur Unterstützung für Fujimoris knapp unterlegenen linken Konkurrenten Sánchez geführt. Mit dieser Unzufriedenheit der Menschen muss sie sich auseinandersetzen. Auch außenpolitisch wird sie im Spannungsfeld zwischen den USA und China gefordert sein. Während die anderen südamerikanischen Staaten keine einfache Beziehung zu Washington haben, ist es Peru bislang gelungen, großen Konflikten mit den USA aus dem Weg zu gehen. In der Wirtschaft wird währenddessen die Abhängigkeit Perus von Peking immer stärker", beobachtet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die peruanische Zeitung EL COMERCIO macht sich Gedanken über die Regierungsmannschaft der designierten Präsidentin: "Die Bildung ihrer Regierung wird ein Fingerzeig sein, wohin Fujimori steuern will. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage brauchen wir einen erfahrenen Innenminister. Das Ministerium für Energie und Bergbau muss Reformen angehen, die immer wieder aufgeschoben wurden. Die Präsidentin entscheidet, wen sie dafür ernennt, und sie hat die Chance zu beweisen, dass sie die Botschaft der Wähler verstanden hat. Dafür müssen ihre Minister die notwendigen ethischen Voraussetzungen mitbringen. Kein Ministerium darf von einer Person geleitet werden, die juristisch verfolgt wird oder verurteilt ist", fordert die in Lima erscheinende Zeitung EL COMERCIO.
Zum nächsten Thema. In Russland haben ukrainische Angriffe die Infrastruktur stark beeinträchtigt. Die schwedische Zeitung SVENSKA DAGBLADET meint dazu: "Putin hat lange versucht, den Krieg vor dem urbanen Russland zu verbergen. Aber kilometerlange Schlangen vor den Tankstellen haben den Krieg in den russischen Alltag gebracht. Putin kann das nicht übergehen, auch wenn er die Folgen herunterspielt. Es zeichnet sich ab, dass eine Mehrheit der Russen ein Ende des Krieges will. Dass Putin die NATO zum wahren Feind erklärt und behauptet, das Überleben des Landes stehe auf dem Spiel, bedeutet in Wahrheit, dass er nicht aufgeben will und erst zufrieden ist, wenn seine Kriegsziele erreicht sind. Das bedeutet wiederum für uns, dass wir von einer langfristigen Bedrohung durch Russland ausgehen müssen. Einen solchen aggressionsbereiten Nachbarn muss Europa isolieren und besiegen können - ob nun mit oder ohne die USA. Und dazu braucht Europa eine freie demokratische Ukraine, die vollwertiges EU-Mitglied ist", betont SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT beschäftigt sich mit einem möglichen Auseinanderbrechen Russlands. "Der Zerfall der Russischen Föderation würde kaum dem friedlichen Verlauf von 1991 gleichen, als die Sowjetunion auseinanderfiel. Damals vollzogen sich die Zerfallsprozesse entlang der klar definierten Verwaltungsgrenzen der Sowjetrepubliken. Unter den heutigen Gegebenheiten wird hingegen ein Zerfall entlang der Linien von Gebieten prognostiziert, die über wirtschaftlich autarke Ressourcen verfügen wie etwa Tatarstan, Jakutien, die Region Krasnojarsk und die westsibirischen Gebiete. Die Entwicklung im Kaukasus birgt hingegen die Gefahr einer Abfolge lokaler, interethnischer Konflikte, die mit der Neuordnung interner Grenzen einhergehen. In einem solchen Szenario könnte Russland auf die traditionellen Grenzen des europäischen Landesteils und des Urals schrumpfen und dabei die Kontrolle über die nationalen Republiken sowie die östlichen Randgebiete verlieren. Für Washington, Brüssel und Peking wäre das Szenario eines 'unkontrollierten Atomwaffenarsenals', bei dem Tausende strategischer und taktischer Sprengköpfe unter die Kontrolle unvorhersehbarer regionaler Machthaber, Warlords oder radikaler Gruppierungen geraten könnten, der größte Albtraum", schreibt MÜSAVAT aus Baku.
Zum Schluss blicken wir noch auf Kommentare rund um die Fußball-Weltmeisterschaft. In der chinesischen Sportzeitung DONGFANG TIYU RIBAO heißt es zum Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft: "Zwar konnte diesmal die Hürde der Gruppenphase überwunden werden, aber im Grunde ist alles wie gehabt. So setzt sich der jähe Absturz seit dem letzten Titelgewinn 2014 in Brasilien unvermindert fort. Das Team hatte sich bereits damit beschäftigt, wie es in der nächsten Runde gegen Frankreich auftreten soll, und wurde nun sehr schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt."
Nach dem Ausscheiden der Niederlande bei der Fußball-WM kam es bei Feiern von Anhängern Marokkos in niederländischen Städten zu Ausschreitungen. DE TELEGRAAF aus Amsterdam ist überzeugt: "Damit machen die Fans Marokkos alles andere als gute Werbung für sich selbst. Sie erweisen der marokkanischen Gemeinschaft in unserem Land, die sich oft unter Beobachtung fühlt, keinen Gefallen. Derweil bereitet sich die Polizei auf weitere Ausschreitungen am Samstag vor, wenn Marokko gegen Kanada spielt. Es würde den Marokko-Anhängern gut zu Gesicht stehen, wenn sie dann zeigen würden, dass sie sich benehmen können. Fußball soll Menschen verbinden. Er darf nicht dazu dienen, vorhandene Gräben und Gegensätze noch weiter zu vertiefen", mahnt DE TELEGRAAF aus den Niederlanden.
Für die türkische Zeitung KARAR ist das Ausscheiden Deutschlands gegen Paraguay oder der Niederlande gegen Marokko bei der Fußball-WM ein Sinnbild dafür, dass sich die Rolle Europas in der Welt verändert. "Es wäre zu kurz gegriffen, dieses Bild als den Zusammenbruch Europas zu deuten. Das eigentliche Problem ist nicht die Schwächung Europas, sondern die abnehmende Abhängigkeit der Welt von Europa. Macht verschwindet nicht, sie wird neu verteilt. Die vielleicht wichtigste Wahrheit, an die uns die Fußballweltmeisterschaft erinnert, ist, dass das, was wir als Zentrum bezeichnen, oft eine Frage der Gewohnheit und nicht der Geschichte ist. Lange Zeit haben diejenigen, die den Rest der Welt als 'Peripherie' bezeichneten, ihre Position als die natürliche Richtung der Geschichte dargestellt. Doch kein Zentrum ist ewig. Die Geschichte erzählt eher vom Entstehen neuer Zentren als vom Zusammenbruch alter. Paraguays Elfmeter oder Marokkos Widerstandskraft bedeuten nicht das Ende für Europa. Sie sind jedoch eine eindringliche Erinnerung daran, dass sich die Welt nicht mehr um ein einziges Zentrum dreht", findet die in Istanbul erscheinende Zeitung KARAR.