
Im WALL STREET JOURNAL aus New York heißt es: "Wie Sie vielleicht gelesen haben, sollen die Amerikaner anlässlich der Feierlichkeiten in gedrückter Stimmung sein. Präsident Trump ist unbeliebt, die Reallöhne stagnieren. Aber das Bemerkenswerte an diesem Jubiläum ist doch, dass unsere freie Republik bereits ein Vierteljahrtausend besteht und nach wie vor floriert. Die Nation hat im Laufe der Jahrzehnte viele Härtetests durchlaufen, vor allem in den letzten zehn Jahren. Dennoch haben die Leitlinien der Verfassung weitgehend Bestand gehabt, und die Grundsätze der Unabhängigkeitserklärung gelten. Vor allem aber ermöglicht die in der Erklärung verankerte Freiheit kreativen Amerikanern nach wie vor, ihre Familien zu gründen, ihren Glauben frei auszuüben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, ihre Träume zu verwirklichen und eine prosperierende Nation aufzubauen. All dies ist es wert, gefeiert zu werden. Außerdem haben die USA immer wieder Führungspersönlichkeiten hervorgebracht, die das Land durch Krisen geführt haben. Dass wir solche Persönlichkeiten derzeit nicht sehen, bedeutet nicht, dass wir sie nicht wieder finden werden." So weit das WALL STREET JOURNAL aus den USA.
"Zum 250. Geburtstag ihres Landes ist vielen Amerikanern nicht zum Feiern zumute", lesen wir auch in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG. "Die Umfragewerte des Präsidenten sind tief, die Benzinpreise hoch. In weiten Teilen der Welt ist der Ruf ramponiert. Doch die USA haben in ihrer Geschichte schon viele Härtetests durchlaufen. Noch jedes Mal haben sie sich behauptet. Bei allen Unkenrufen ist auch heute evident, was schon die Briten 1776 auf die harte Tour lernen mussten: Es ist unmöglich, die Amerikaner zu ignorieren. Ganz zu schweigen davon, sie zu unterschätzen. Ob es einem trägen Europäer gefällt oder nicht: Die wesentlichen Impulse in der Politik, aber auch in Wissenschaft und Kultur, gehen von den USA aus. Die Vereinigten Staaten sind und bleiben eine Erfolgsgeschichte", meint die NZZ aus der Schweiz.
Die finnische Zeitung HUFVUDSTADSBLADET gibt Folgendes zu bedenken: "Trotz der Spannungen in den transatlantischen Beziehungen und der Skepsis der Europäer: Wir brauchen einander. Mehrere Generationen lang haben wir Europäer uns zutiefst abhängig von den USA gemacht. Geopolitisch fehlt es an einer Alternative. China und Russland stehen für eine Machtstruktur und ein Menschenbild, die unserem Liberalismus diametral entgegenstehen. Europa ist ein alternder, überschuldeter Kontinent. Unsere Innovationskraft und unser Wohlstand bröckeln. Natürlich besteht auch kein Anlass, Trumps MAGA-Philosophie oder Mafia-Methoden schönzureden. Das Land befindet sich heute auf einem Irrweg, aber sein liberaler vorwärtsstrebender Geist besteht weiter", wägt HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki ab.
Die brasilianische Zeitung O ESTADO DE SÃO PAULO blickt wie folgt auf den heutigen Tag. "Es mutet seltsam an, dass die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit ausgerechnet unter einem so korrupten und rücksichtslosen Präsidenten wie Trump feiern, der die Institutionen offen infrage stellt. Aber vielleicht ist gerade das der Beweis für die Stärke des amerikanischen Experiments: Es überlebt trotz und nicht wegen seiner Präsidenten."
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio fragt: "Wie sehr wären die Gründungsväter erstaunt, wenn sie ihr Land nach 250 Jahren sähen? Denn der amtierende Präsident verhält sich wie ein König und seine Exekutive ist aufgebläht. Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung werden mit Füßen getreten. Gleichwohl: Trump ist nicht durch einen Putsch, sondern durch Wahlen ins Amt gelangt."
Die polnische RZECZPOSPOLITA kommentiert: "Es waren die Vereinigten Staaten, die die liberal-demokratische Ordnung schufen – eine Ordnung, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Teilen des Westens auszubreiten begann und erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch der Sowjetunion wirklich Fuß fasste. Doch nach dreieinhalb Jahrzehnten sagen uns die Amerikaner: ‚Danke, es reicht.‘ Natürlich lässt sich darüber streiten, ob es wirklich Trump ist, der diese Ordnung mit seinen Entscheidungen demontiert, oder ob er lediglich verkündet, dass die Welt, an die wir glaubten, nicht mehr existiert."
"Auf dem Papier ist die US-Verfassung ein Meisterwerk. Doch der Möchtegern-Kaiser in Washington hat ihre große Schwäche offenbart", lautet die Feststellung im britischen GUARDIAN. "Die Richter des Obersten Gerichtshofs haben sich Trump zwar hier und da widersetzt, ihm aber weitaus mehr gewährt, als sie ihm vorenthalten haben. Dies ist also der fatale Fehler der US-Verfassung. Wie Franklin erkannte, würde sich die Republik nicht von selbst erhalten; nur Menschen, die sich den Grundsätzen der liberalen Demokratie verpflichtet fühlen, könnten dies tun. Und im Zeitalter von Trump haben sich diejenigen, denen diese Aufgabe übertragen wurde, davor gedrückt. Kaum jemand würde dagegen wetten, dass sich die USA nach Trumps Abgang wieder erholen werden; sie haben sich schon früher erholt und wieder aufgebaut. Doch Trump hat eine Schwäche des Landes offenbart. Nun, da wir sie erblickt haben, dürfen wir sie nicht mehr übersehen." Das war der GUARDIAN, der in London erscheint.
Optimistisch zeigt sich der Kommentator in der spanischen EL MUNO aus Madrid. "Die jüngste Geschichte der USA - von Watergate bis heute - zeigt, dass die Kontrollinstanzen, auch wenn sie manchmal langsam reagieren, letztendlich doch eingreifen. Und das ist – trotz der politischen, sozialen und ethnischen Spaltungen, die der Trumpismus noch verstärkt hat – eine gute Nachricht für die US-amerikanische Demokratie."
Auch die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT blickt auf die Präsidentschaft. "Trump ist der am stärksten polarisierende Präsident der modernen Geschichte. Keiner seiner Vorgänger sei von den Republikanern derart unerschütterlich unterstützt und zugleich von den Demokraten derart stark abgelehnt worden wie er, stellte das Meinungsforschungsinstitut Gallup fest. Derweil zieht Trump immer mehr Macht an sich. Erst letzte Woche hat ihm der Oberste Gerichtshof die Befugnis erteilt, Leiter von eigentlich unabhängigen Aufsichtsbehörden zu entlassen und die amerikanische Asylpolitik eigenmächtig zu demontieren. Die amerikanische Präsidentschaft ist autoritärer denn je", betont DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Der Gastkommentator in der JERUSALEM POST erklärt: "Amerika sei hoffnungslos polarisiert, heißt es. Diese Beobachtung enthält zwar ein Körnchen Wahrheit, lässt jedoch etwas Grundlegendes außer Acht: Nicht jeder ist Teil dieser Polarisierung. Das tiefer liegende Problem besteht darin, dass das amerikanische politische System versucht, drei große Wählergruppen durch nur zwei Parteien zu vertreten. Die größte dieser Wählergruppen ist weder progressiv noch MAGA-populistisch. Es handelt sich um eine breite, pragmatische Mitte, die stetig an bedeutender politischer Vertretung verloren hat – die jedoch, wenn man den Begriff weit genug fasst, etwa die Hälfte der Bevölkerung ausmacht. Bei den meisten entscheidenden Themen liegen die Ansichten der Amerikaner weitaus näher an der Mitte, als die politische Debatte vermuten lässt. Doch die Struktur des Zweiparteiensystems belohnt zunehmend ideologische Radikalität statt breiter öffentlicher Akzeptanz." Das war ein Gastkommentar in der JERUSALEM POST aus Israel.
JINGJI RIBAO aus Taipeh moniert: "Amerika feiert. Trotz des Konflikts mit dem Iran, des Inflationsdrucks, des Umfragetiefs für die Regierung. Aber die Welt feiert nicht mehr mit. Die Trump-Administration mit dem aggressiven MAGA-Kurs ist gerade dabei, das von den USA eingerichtete freie Weltwirtschafts- und Handelssystem an die Wand zu fahren. Die kleinkarierte Denkweise hat das Land immer mehr von der Weltgemeinschaft entfernt."
