09. Juli 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit weiteren Stimmen zum NATO-Gipfel in der Türkei. Daneben geht es um die neuen gegenseitigen Angriffe der USA und des Irans. Ebenfalls Thema ist die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, russischen Sportlern unter Bedingungen wieder die Teilnahme an Wettkämpfen zu erlauben.

    Das Kampfflugzeug ist auf einem goßen Schiff auf dem Meer und fliegt von dort aus los.
    Die jüngsten gegenseitigen Militärschläge im Iran-Krieg sind ein Thema in den Kommentaren (Symbolbild). (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Us Navy / U.S. Navy)
    Zum Treffen des Verteidigungsbündnisses bemerkt die spanische Zeitung EL MUNDO: "Der NATO-Gipfel in Ankara endete mit einem überwiegend positiven Ergebnis. Zu einer Zeit, da Donald Trump wiederholt mit dem Austritt der USA aus dem transatlantischen Bündnis droht, konnte die politische Einheit zumindest vorerst gewahrt werden. Der wichtigste Vorteil für Europa besteht darin, dass es Zeit gewinnt, seine Aufrüstung fortzusetzen, ohne dass seine wichtigste Schutzmacht es im Stich lässt und es der lebensbedrohenden russischen Gefahr allein gegenübersteht", betont EL MUNDO aus Madrid.
    Die panarabische Zeitung AL-QUDS AL-ARABI beleuchtet die Strategie des US-Präsidenten. Trump wolle "den Führungsanspruch der USA gegenüber dem Westen demonstrieren. Doch auf dem NATO-Gipfel in Ankara tat er dies auf eine Weise, die diese Führungsrolle eher wie Erpressung als wie einen Teil eines Bündnisses erscheinen lässt. Der harte Angriff auf Spanien, der Druck auf Italien und die Provokation Dänemarks wegen Grönland stärken die Front gegen den Iran nicht; vielmehr erzeugen sie in Europa den Eindruck, dass die Bedrohung nicht nur von Gegnern, sondern auch von dem wichtigsten Verbündeten ausgeht, auf dessen Schutz man sich traditionell verlassen hat", vermerkt AL-QUDS AL-ARABI mit Sitz in London.
    "Mit Trump ist die NATO eigentlich kein Verteidigungsbündnis, sondern Schauplatz eines Nervenkriegs", schreibt die ungarische Zeitung NEPSZAVA: "Europas Antwort darauf ist kein offener Bruch mit Washington, sondern eher eine vorsichtige Anpassung. Die Führer des Kontinents wissen ganz genau, dass es unmöglich ist, die militärische Kraft der USA binnen eines Jahres zu ersetzen. Die amerikanischen Kapazitäten sind tief in die Funktionsweise der NATO eingebaut: Ohne Aufklärung durch Nachrichtendienste und Satelliten, Raketenabwehr, Präzisionsschläge und Befehlssysteme wäre Europa militärisch viel verwundbarer - selbst dann, wenn es auf dem Papier immer mehr Geld für Verteidigung ausgibt", argumentiert NEPSZAVA aus Budapest.
    Für die türkische Zeitung MILLIYET aus Istanbul waren vereinbarte Rüstungskooperationen ein "zentrales Thema des Gipfels. Der Schritt europäischer Rüstungs- und Sicherheitsunternehmen, untereinander Partnerschaften einzugehen und somit die Produktionskapazität der europäischen Rüstungsindustrie zu steigern, stellt einen bedeutenden Fortschritt dar. Zudem wurden die Weichen für eine neue Ära gestellt, in der auch amerikanische Unternehmen gemeinsam mit europäischen Partnern in Europa Munition fertigen werden."
    Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA aus Warschau bilanziert: "Der Bündnisgipfel in Ankara war darauf ausgelegt, den US-Präsidenten zu besänftigen. Es gab zwar Kontroversen, doch ein Eklat blieb aus. Das aber ändert nichts an der Tatsache, dass Donald Trump Recht hat und viele Mitgliedstaaten nach wie vor zu wenig für die Stärkung ihrer Sicherheit tun."
    Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio fast zusammen: "Das Worst-Case-Szenario um einen Austritt der USA wurde vermieden und die NATO konnte ihre Einigkeit zumindest inszenieren. Dennoch ändert sich nichts daran, dass sich das Bündnis auf dem Weg zur so genannten 'NATO 3.0' befindet. Die Europäer müssen weiterhin zwei Hasen jagen, indem sie einen endgültigen Bruch mit Washington verhindern und gleichzeitig ihre Verteidigungsbudgets erhöhen."
    Themenwechsel. Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO geht ein auf die neuen gegenseitigen Angriffe zwischen den USA und Iran: "Die US-Streitkräfte haben zum zweiten Mal binnen 24 Stunden zahlreiche iranische Ziele angegriffen. Als Vergeltung hat Teheran die amerikanischen Militärbasen in Bahrain und Kuwait wie auch in anderen Golfstaaten mehrfach attackiert. Droht im Konflikt zwischen USA und Iran erneut die Entscheidung zwischen Krieg und Frieden? Präsident Trump erklärte das Rahmenabkommen bereits für beendet. Iran soll die Botschaft verstehen, dass jeder Angriff auf Handelsschiffe nicht nur militärische Vergeltung nach sich ziehen würde, sondern auch den Verlust wirtschaftlicher Vorteile, die Teheran durch Verhandlungen hätte erlangen können. Die US-Regierung scheint nun zu der Strategie zurückkehren zu wollen, Iran mit Härte zu Zugeständnissen zu bewegen", vermutet JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
    Die britische Zeitung THE TELEGRAPH verweist auf die Begründung des US-Militärs, das mit den neuen Angriffen Irans Fähigkeiten zur Störung des Schiffsverkehrs eindämmen will: "Es ist für die USA - wie übrigens auch für jedes andere Land - unvorstellbar, dem Iran zu gestatten, die Straße von Hormus zu benutzen, um die Welt zu erpressen. Der Iran droht damit, den weltweiten Ölfluss lahmzulegen und den Krieg auf das Rote Meer auszuweiten, was den Schiffsverkehr in Richtung Suezkanal noch weiter behindern würde, der ohnehin schon im Visier der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen steht. Bei US-Präsident Donald Trump scheint nun der Groschen gefallen zu sein. Inzwischen bezeichnet er das Regime in Teheran als 'Abschaum' und erklärte den Waffenstillstand für beendet", notiert THE TELEGRAPH aus London.
    Die brasilianische Zeitung O GLOBO wendet ein: "Auf die Unterzeichnung der enttäuschenden Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran folgten drei Wochen voller Ungewissheit, und nun ist der Nahe Osten wieder Schauplatz offener Kampfhandlungen. Prompt stieg der Ölpreis, und die ganze Welt bekommt die Kosten jeden Tag zu spüren, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt. Donald Trump hätte jedoch vor allem innenpolitische Gründe, nach einem Ausweg aus dem Konflikt zu suchen. Im Wahlkampf hatte er versprochen, keine 'endlosen Kriege‘ mehr zu führen", lesen wir in O GLOBO aus Rio de Janeiro.
    Abschließend ein sportliches Thema. Trotz des anhaltenden Krieges in der Ukraine ändert das Internationale Olympische Komitee seinen Russland-Kurs. Athletinnen und Athleten aus dem Land wird die Teilnahme an internationalen Wettbewerben erleichtert. Die schwedische Zeitung EXPRESSEN erläutert: "Laut IOC darf jeder Verband künftig selber entscheiden, ob er die russische Flagge, die Nationalhymne und Trikots in den Landesfarben zulässt. Es ist nicht schwer zu erkennen, wohin der olympische Wind weht - und die Sache stinkt. Das IOC signalisiert klar und deutlich, dass Angriffskriege völlig okay sind, falls sie nur lange genug dauern. Der Bescheid kommt zudem zu einem grotesken Zeitpunkt. Russland hat zuletzt seine Angriffe auf Wohngebiete und zivile Infrastruktur in der Ukraine verstärkt. Regelmäßig sterben dabei Zivilisten, und das ist auch so beabsichtigt. Und da bekommt der gesuchte Kriegsverbrecher Wladimir Putin auch noch einen aufmunternden Klaps auf die Schulter. Hat das IOC überhaupt keine Prinzipien?", fragt EXPRESSEN aus Stockholm.
    Die norwegische Zeitung DAGSAVISEN beobachtet: "Im Kreml betrachtet man das als einen politischen Sieg. Sportminister Michail Degtjarew erklärte, nun könnten auch andere internationale Sportverbände wieder russische Mannschaften zulassen. Die FIFA denkt bereits darüber nach. Laut Degtjarew könnte Russland mittelfristig sogar selber wieder Wettbewerbe ausrichten. Der Druck autoritärer Regimes funktioniert also. Aber die Entscheidung muss klar verurteilt werden. Sport und Kultur werden in Russland zu Propagandazwecken genutzt, und die Einflussnahme auf den internationalen Sport genießt deshalb oberste Priorität. Von Norwegens Kultur- und Sportministerin Lubna Jaffery ist nur ohrenbetäubendes Schweigen zu vernehmen. In der Ukraine ist man zutiefst beunruhigt. Das ist eine Art von Sportpolitik, zu der sich Norwegen als eine führende olympische Nation verhalten muss", verlangt DAGSAVISEN aus Oslo zum Ende dieser internationalen Presseschau.