10. Juli 2026
Die internationale Presseschau

Die neuen gegenseitigen Angriffe der USA und Irans sind weiter ein großes Thema. Daneben blicken einige ausländische Zeitungen auf die Lage im Libanon und im Gazastreifen.

Ein Videoausschnitt des US-Militärzentralkommandos zeigt eine Explosion im Iran.
Einige ausländische Zeitungen beschäftigen sich weiterhin mit den jüngsten gegenseitigen Angriffen der USA und Irans. (AFP / -)
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER geht ein auf jüngste Aussagen des US-Präsidenten: "Für ihn sei die Waffenruhe vorbei, konstatierte Donald Trump, nachdem der Iran Schiffe in der Straße von Hormus beschossen und die USA Ziele im Iran angegriffen hatten. Es habe keinen Sinn, mit diesen schrecklichen Menschen zu verhandeln, auf die ohnehin kein Verlass sei, meinte Trump weiter. Damit hat er im Wesentlichen recht. Das Regime in Teheran unterdrückt die eigene Bevölkerung auf denkbar brutale Weise, und es verbreitet Terror im Nahen Osten und darüber hinaus. Aber dann könnte man sich auch fragen, warum sich der Mann im Weißen Haus in eine so miserable Verhandlungsposition begeben hat. Nur wenige Stunden nach Aufkündigung der Waffenruhe sagte Trump, er glaube nicht an die Wiederaufnahme eines umfassenden Kriegs. Der Iran ist wirtschaftlich und militärisch geschwächt. Aber das Regime hat nach wie vor die Straße von Hormus und hält seine Bevölkerung im Würgegriff. Man kann über dieses Elend nicht einmal lachen", findet DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die französische Zeitung LE FIGARO stellt fest: "Trump war an das äußerst komplexe Problem des iranischen Atomprogramms mit einer einfachen Idee herangegangen: Indem er die iranische Führung beseitigte, würde er deren Nachfolger zu einem besseren 'Deal' zwingen als das Abkommen von Barack Obama. In Wirklichkeit ist er in eine Falle getappt. Nach den Ländern Afghanistan und Irak hat sich die Straße von Hormus für die Vereinigten Staaten zu einer strategischen Sackgasse entwickelt. Trump, der versprochen hatte, Amerika nicht mehr in endlose Kriege zu verwickeln, ist in einem Konflikt ohne Ausweg verstrickt. Er lernt auf die harte Tour eine grundlegende Erkenntnis der Geopolitik: Man kann keinen Frieden erzwingen, wenn man den Krieg nicht gewonnen hat!", notiert LE FIGARO aus Paris.
Für die panarabische Zeitung AL SHARQ AL-AWSAT belegen die jüngsten bewaffneten Auseinandersetzungen die "Unfähigkeit beider Seiten, einen Ausweg aus dem Konflikt zu finden. Trump weiß, dass Teheran sich nicht einfach durch eine Intensivierung der Bombardierungen ergeben wird. Und Teheran weiß, dass der Einsatz von Raketen und Drohnen gegen seine arabischen Nachbarn Trumps Luftangriffe nicht stoppen wird. Dabei stehen die USA vor dem Problem, dass weitere Bombardierungen die Hardliner im Iran stärken und diejenigen diskreditieren, die sich für Gespräche einsetzen. Diese müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, den 'Großen Satan' zu beschwichtigen, ohne etwas dafür zu erhalten. Die USA brauchen daher einen ganz anderen Ansatz, der stärker als bislang die komplexen Machtverhältnisse in Teheran berücksichtigt", vermutet AL SHARQ AL-AWSAT mit Sitz in London.
Die niederländische Zeitung NRC aus Amsterdam ist überzeugt, weder der Iran noch die USA könnten an langen Kämpfen interessiert sein: "Das würde darauf hindeuten, dass es doch wieder zu Verhandlungen kommen wird. Allerdings mit weniger Vertrauen als zuvor. Beide Extreme des Spektrums zwischen Krieg und Diplomatie sind für Trump schwer zu bewältigen. Deshalb wird sich das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran eher dauerhaft in der Mitte einpendeln."
Die italienische Zeitung LA STAMPA sorgt sich wegen des Iran-Konflikts, insbesondere in der Straße von Hormus, um die Energiekosten und folgert: "Das bedeutet, dass sich die Welt eine weitere, langanhaltende Sperrung der wichtigsten globalen Energieader nicht leisten kann. Und hier kommt die zweite Variable ins Spiel: die strategischen Öl-Reserven. Die Vereinigten Staaten und der gesamte Westen verfügen nicht über unendliche Reserven, und wenn sich die Straße von Hormus wieder schließt, wird der Puffer zur Abfederung der Folgen sehr viel geringer ausfallen. Übersetzt bedeutet das: Diesmal könnten die Preise unkontrolliert in die Höhe schnellen", so die Befürchtung von LA STAMPA aus Turin.
Die türkische Zeitung DÜNYA verweist darauf, dass viele Reedereien für den Warentransport wieder den Suez-Kanal nutzen. Diese Route war wegen Angriffen der vom Iran-unterstützten Huthi-Miliz auf Handelsschiffe im Roten Meer gemieden worden: "Diese Entscheidung ist nicht nur eine Präferenz für die kürzere Seeroute, sondern kann auch als deutliches Zeichen dafür gewertet werden, dass der Normalisierungsprozess in der globalen Logistik begonnen haben könnte. Sofern es nicht zu einem außergewöhnlichen Anstieg der Nachfrage kommt, wird sich dies zunächst in einem allmählichen Rückgang der Frachtraten niederschlagen. Es ist jedoch noch zu früh, um allzu optimistisch zu sein. Die Sicherheitsrisiken im Roten Meer sind noch nicht vollständig verschwunden. Selbst die kleinsten geopolitischen Spannungen in der Region könnten zu neuen Preisschwankungen in der Logistikkette führen", gibt DÜNYA aus Istanbul zu bedenken.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN blickt in den Libanon: "Wie auf einem Nebengleis zum Iran-Konflikt versuchen Trumps Unterhändler, einen schwachen Libanon und ein widerwilliges Israel zu einem Friedensabkommen zu drängen. Das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Vor 43 Jahren wurde nach der Vertreibung der PLO aus dem Libanon zum letzten Mal ein Anlauf unternommen. Das Abkommen wurde von Israel erzwungen und hielt nicht lange, auch weil die israelische Besatzung selbst unter PLO-kritischen Libanesen auf Widerstand stieß. Infolge dessen erstarkte die vom Iran unterstützte schiitische Hisbollah, um die sich heute alles dreht. Sie ist ein Staat im Staat und weigert sich, ihre Waffen niederzulegen, obwohl das der UNO-Sicherheitsrat bereits seit 20 Jahren fordert. Wieder und wieder hat die Hisbollah den Libanon gegen seinen Willen in Konflikte gezogen. Auch dieses Mal tobt die Bevölkerung vor Wut. Aber Israels überzogene Reaktionen verwandeln diese Wut bei vielen Libanesen in Sympathien für die Hisbollah als Symbol für den Widerstand", glaubt AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die spanische Zeitung EL PERIODICO DE CATALUNYA beschäftigt sich mit der Entscheidung der Hamas, die Verwaltung des Gazastreifens an ein von den USA eingesetztes palästinensisches Expertengremium zu übergeben: "Die Einschätzung der Lage bleibt schwierig - nicht zuletzt wegen der unklaren Positionierung von Donald Trump. Die Hamas hat schwere Verluste erlitten und will offenbar die Reste ihrer Präsenz in Gaza bewahren. Deshalb ist sie bereit, die Kontrolle über mehr als die Hälfte des Gebiets aufzugeben, aber im Oktober wird in Israel gewählt und wegen des befürchteten Rechtsrucks steht jede Vereinbarung auf wackligen Füßen. Immerhin gibt es auch Anlass zu Optimismus. Die Hamas hat an Einfluss und an Rückhalt in der Bevölkerung verloren, und die Unterstützung durch den Iran schwindet. Das könnte der neuen Verwaltung zugute kommen - aber die Voraussetzung ist, dass Israel keine radikalen Schritte unternimmt und Donald Trump seine Position nicht schon wieder ändert", lautet die Einschätzung von EL PERIODICO DE CATALUNYA aus Barcelona.
Abschließend eine Stimme aus Japan. Dort hat das Gesetz zur Reform des Kaiserhauses die erste parlamentarische Hürde genommen. Um die Thronfolge zu sichern, sollen künftig Männer aus ehemaligen Adelsfamilien in die Kaiserfamilie adoptiert werden können. Die Zeitung ASAHI SHIMBUN konstatiert: "Die rechtskonservative Regierung hat sich mit ihrem höchst umstrittenen Plan - nämlich der Adoption männlicher Mitglieder ehemaliger Adelsfamilien - zunächst durchgesetzt, mit dem eine weibliche Thronfolge auch in Zukunft ausgeschlossen wird. Eigentlich wäre es eine gute Gelegenheit gewesen, das Kaiserhausgesetz grundlegend zu ändern. Mit ihrem Alleingang berücksichtigt die Regierung von Premierministerin Takaichi nicht den Willen des Volkes. Die Mehrheit ist dafür, Frauen für die Thronfolge zuzulassen. Die Regierung sollte ihre Haltung ändern. Und die Opposition darf nicht einfach einen Kompromiss eingehen", mahnt ASAHI SHIMBUN aus Tokio. Und mit diesem Auszug endet die internationale Presseschau.