
Dazu schreibt die britische TIMES: "Präsident Trump scheint weiter zu glauben, er könne den Iran durch massive Bombardierungen in die Knie zwingen. Als Vergeltung für iranische Angriffe auf die Handelsschifffahrt haben die USA in dieser Woche mehr als 170 Ziele im Iran attackiert. Allerdings haben die amerikanischen Luftangriffe die Entschlossenheit der schiitischen Geistlichen, die die Macht im Iran haben, nur noch weiter gestärkt. Viele Beobachter sind skeptisch, ob eine Fortsetzung der US-Strategie funktioniert. Der Konflikt steckt in einer Endlosschleife fest", analysiert THE TIMES aus London.
"Es fällt immer schwerer, Trumps Worte und Handlungen überhaupt noch ernst zu nehmen", moniert die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY: "Trump verhält sich wie ein Bandenchef, nicht wie der Präsident der mächtigsten Militärmacht der Welt. Zahlreiche Male hat Trump einen angeblich überwältigenden Sieg im Iran-Konflikt verkündet. Ähnlich verhält es sich mit der Absichtserklärung mit dem Iran. Wiederholt hat er sie gepriesen, um sich kurz darauf wieder davon zu distanzieren", erinnert die in London erscheinende AL QUDS AL-ARABY.
Die kolumbianische Zeitung EL TIEMPO aus Bogotá richtet das Augenmerk auf die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs: "Höhere Rohölpreise können zwar Produzenten wie Kolumbien kurzfristig nutzen, aber dieser Effekt hält nicht lange an. Letztlich sorgt teureres Öl für Inflation. Auch die Preise für Düngemittel steigen, was Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit hat. Manche afrikanische Länder sind bereits von Hunger bedroht. Es müssen deshalb alle diplomatischen Mittel ausgeschöpft werden, um eine weitere Eskalation zu verhindern."
US-Präsident Trump hat dem Iran vorgeworfen, ein Attentat auf ihn zu planen. Darauf geht die Zeitung MÜSAVAT aus dem autoritär regierten Aserbaidschan ein: "Die Behauptung, Teheran habe beim NATO-Gipfel in Ankara die Gelegenheit gehabt, Trump zu töten, dies aber unterlassen, ist lediglich ein Gerücht. Dabei handelt es sich um einen Versuch, sich bei der Türkei einzuschmeicheln. Hätte der Iran tatsächlich eine solche Gelegenheit gehabt, hätte das Regime sie auch genutzt", spekuliert MÜSAVAT aus Baku.
Nun zur NATO. Nach Ansicht des LUXEMBURGER WORTS stellt das transatlantische Bündnis für Europa mittlerweile eine Bürde dar: "Sollten die USA ihre NATO-Beistandsverpflichtungen gegenüber den Alliierten in Europa aufkündigen, brennt deren Verteidigungsstrategie lichterloh. Dass Europa in so einer misslichen Lage ist, ist selbst verschuldet. Viel zu lange haben die europäischen Regierungen ihr Geld auf eine Sicherheitsarchitektur gesetzt, die stark abhängig vom transatlantischen Bündnispartner ist. Umso wichtiger wäre es, dass die EU die gemeinsame Verteidigung vorantreibt und sich traut, sich auch nach außen von Washington zu emanzipieren", konstatiert das LUXEMBURGER WORT.
Nach Einschätzung eines Gastkommentators der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO könnte der NATO-Gipfel in Ankara den Beginn eines neuen Zeitalters des Militärbündnisses markiert haben. "Allerdings hat jeder eigene Vorstellungen, wie die neuen Beziehungen aussehen werden. Angesichts der jahrzehntelangen Abhängigkeit von Washington in Sicherheitsfragen sind die Europäer weder bereit noch in der Lage, geopolitische Risiken komplett selbst zu schultern. Für Spannungen im Bündnis sorgen die Kriege in der Ukraine und im Iran. Andererseits ist es unwahrscheinlich, dass die NATO sich in absehbarer Zeit auflöst. Als wichtigster Sicherheitsgarant des europäischen Kontinents - und um Moskau wirkungsvoll abschrecken zu können, ist die NATO noch für lange Zeit unentbehrlich", zeigt sich HUANQIU SHIBAO aus Peking überzeugt.
US-Präsident Trump hat einen noch größeren Truppenabzug aus Europa in Aussicht gestellt und das von einer Vereinbarung zur Zukunft Grönlands abhängig gemacht. Die dänische Zeitung POLITIKEN aus Kopenhagen zeigt sich empört: "Wie kann Trump glauben, dass ihn die NATO-Alliierten dabei unterstützen, wenn er die Souveränität eines anderen Mitglieds militärisch bedroht? Dänemark hält daran fest, dass die USA neue Basen in Grönland errichten dürfen."
Und die finnische Zeitung HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki ergänzt: "Trump setzt auf die bekannte Taktik, etwas so oft zu wiederholen, bis es als legitim aufgefasst wird. Im Fall von Grönland darf das nicht passieren. Die Lage ist absolut ernst, denn hier geht es um die Bedrohung der Souveränität eines anderen Staates. Ein Angriff auf Grönland wäre ein Angriff auf die gesamte NATO - und gleichzeitig ihr Ende."
Thema im FIGARO ist die prekäre Lage der europäischen Automobilindustrie. Die französische Zeitung sieht eine Analogie zum bekanntesten Radrennen der Welt: "Die europäische Automobilindustrie gleicht einem Team der Tour de France, das beim Anstieg zum Tourmalet oder zum Galibier ins Straucheln geraten ist. Vorne setzt sich das chinesische Peloton ab. Weit mehr als nur eine vorübergehende Schwächephase: Unsere Hersteller stehen vor der schwersten Prüfung ihrer Geschichte. Volkswagen bereitet eine Umstrukturierung von beispiellosem Ausmaß vor. VW hat eine drastische Reduzierung der Modellpalette angekündigt. Nun muss Volkswagen gemeinsam mit den Gewerkschaften entscheiden, in welchem Umfang Personal abgebaut und Werke geschlossen werden sollen. Bei Stellantis und seinen Marken Peugeot, Citroën, Fiat oder Opel hat der Führungswechsel bereits gezeigt, dass selbst die Solidesten ihren Hut nehmen müssen. Auf der anderen Seite stürzen sich die chinesischen Hersteller mit einem Heißhunger auf die Elektromobilität. Muss man daraus schließen, dass das Rennen verloren ist? Das wäre voreilig. Die europäische Automobilindustrie hat noch nicht aufgegeben. Sie hat die Ärmel hochgekrempelt. Die neuesten Elektro-Modelle sind zwar noch vergleichsweise teuer, stehen ihren Konkurrenten in Sachen Reichweite, Zuverlässigkeit oder Technologie aber kaum noch nach", vermerkt LE FIGARO aus Paris.
Der österreichische STANDARD schreibt zu Volkswagen: "Das Land Niedersachsen ist Miteigentümer bei VW und sperrt sich seit langem gegen nötige Einschnitte. Ebenso die Gewerkschaften, die zu Recht dafür sorgten, dass auch die Beschäftigten profitieren - solange es gut läuft. Nur sind diese Zeiten schon länger vorbei. Heute ist Deutschland weltweit einer der teuersten Produktionsstandorte der hoch globalisierten Autobranche", notiert DER STANDARD aus Wien.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN bemerkt: "Der Personalüberhang ist ein klares Problem für VW. Der Umsatz pro Mitarbeiter beträgt lediglich 550.000 Dollar. Bei Toyota beträgt er 860.000 Dollar, bei Stellantis immerhin 670.000 Dollar. Zudem hat der Volkswagen-Konzern zu viele Fahrzeugmarken wie Škoda, Seat oder Porsche. Die Verhandlungen dürften schwierig werden" erwartet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Zum Schluss nach Polen. Dort wird heute der Zehntausenden Opfer des Massakers von Wolhynien gedacht. Am 11. Juli 1943 griffen ukrainische Partisanen mehr als 100 polnische Dörfer an. Dazu schreibt die GAZETA WYBORCZA aus Warschau: "Der Jahrestag sollte für Polen und die Ukraine eine Mahnung sein – und nicht Anlass, Emotionen zu schüren. Auf beiden Seiten waren die Opfer vorwiegend unschuldige Menschen. Wir müssen ihrer gedenken und sicherstellen, dass sie eine würdige Bestattung erhalten, da viele Opfer noch immer in Massengräbern liegen. Die Entscheidung der ukrainischen Behörden, das Verbot von Exhumierungen in Wolhynien aufzuheben, war ein Schritt in die richtige Richtung. Leider haben sich Politiker erneut dazu entschlossen, dieses tragische Datum für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Nichts davon wird zu einem guten Ergebnis führen. Wir alle müssen zur Vernunft kommen – Politiker wie auch ganz normale Bürger." Das war die polnische GAZETA WYBORCZA. Damit endet die internationale Presseschau.
