13. Juli 2026
Die internationale Presseschau

Die Zeitungen beschäftigen sich heute unter anderem mit dem überraschenden Tod des US-Senators Graham und mit der Situation in der Ukraine. Im Mittelpunkt steht aber das Wiederaufflammen des Kriegs zwischen den USA und dem Iran und die erneute Schließung der Straße von Hormus.

Mehrere Schiffe hintereinander in der Straße von Hormus
Der Ölpreis ist durch die erneute Angriffswelle der USA auf den Iran in die Höhe gegangen (imago/ Anadolu Agency / Hassan Ghaedi)
"Die USA und der Iran müssen zur Vernunft gebracht werden", fordert THE GUARDIAN aus London: "US-Präsident Donald Trump will einen Triumph verbuchen, keinen Kompromiss. Doch offenbar kann keine der beiden Seiten einen entscheidenden Sieg erringen. Aber weder die USA noch der Iran wollen einen endlosen Krieg, auch wenn sie nicht bereit sind, die notwendigen Zugeständnisse für eine Lösung zu machen. Der Rest der Welt muss daher versuchen, beide Seiten zur Vernunft zu bringen - oder mit den Folgen leben", heißt es im Londoner GUARDIAN.
DER STANDARD aus Wien befürchtet jetzt eine "völlige Eskalation" und blickt dabei vor allem auf die Situation des Iran: "Das Land ist insofern schwach, als seine Wirtschaft und seine Infrastruktur ohnehin bereits am Rande des Abgrunds stehen. Aber an der grundsätzlichen Resilienz des Regimes wird kaum mehr jemand zweifeln. Und Teheran hat mit den jemenitischen Huthis, die am Eingang zum Roten Meer sitzen und dort die Meerenge Bab al-Mandab sperren könnten, ein Ass im Ärmel. Auch die Huthis sind nicht unbesiegbar. Aber bis es so weit ist, wird vieles in Trümmern liegen", lautet die pessimistische Perspektive des Wiener STANDARD.
Die libanesische Zeitung AN NAHAR führt aus: "Für die Partei von US-Präsident Trump, die Republikaner, ist die Situation höchst unerfreulich. Sie müssen befürchten, dass die Inflation - angetrieben durch die steigenden Ölpreise - zum Verlust ihrer Kongressmehrheit bei den Zwischenwahlen im Herbst führt. Die Lage zwingt Trump, entweder einen umfassenderen Krieg zu führen oder zum 'Memorandum of Understanding' mit iranischen Vorgaben zurückzukehren. In beiden Fällen tut sich eine höchst riskante Situation auf, aus der es für ihn absehbar kaum einen Ausweg gibt", glaubt die in Beirut erscheinende Zeitung AN NAHAR.
Auch die türkische Zeitung EKONOMI blickt auf die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen in den USA und sieht derzeit kaum eine Möglichkeit für US-Präsident Trump, unbeschadet aus der Situation herauszukommen: "Das Worst-Case-Szenario für Trump wäre, dass der Krieg weitergeht, ohne dass ein Sieger feststeht. In diesem Szenario würde die Energieinfrastruktur wahrscheinlich beschädigt und die Ölpreise würden wieder in den Bereich von 80 bis 100 US-Dollar je Barrel steigen. So würden die Republikaner die Zwischenwahlen verlieren und Trump würde zur 'Lame Duck'. Die Gewinner wären die iranischen Revolutionsgarden", prognostiziert EKONOMI aus Istanbul.
Und die estnische Zeitung POSTIMEES ist der Meinung, dass der Krieg zwei Schwächen der USA offengelegt hat: "Die eine ist, dass Washington keine konsequente Linie fährt und widersprüchliche Botschaften verbreitet. Das sorgt für Verwirrung unter den Verbündeten, nicht zuletzt in der arabischen Welt und bei der iranischen Bevölkerung. Zudem ist deutlich geworden, dass die USA keinen brauchbaren Plan B haben. Es ist unklar, was sie jenseits von Luftangriffen unternehmen wollen. Washington sollte sich das alles eine Lehre sein lassen. Außenpolitik muss konsequent sein, und man muss gute Beziehungen zu seinen Verbündeten unterhalten. Und nach Möglichkeit sollte man einen Krieg erst gar nicht beginnen", mahnt POSTIMEES aus Tallinn.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO zieht Parallelen zur Krise um den Suezkanal vor 70 Jahren, im Oktober 1956: "Die Situation in der Straße von Hormus zeigt vor allem die Ratlosigkeit der US-Nahost-Politik. Diese steckt in einem Dilemma. Einerseits wollte Washington den Krieg nicht ausweiten, andererseits wollen die USA ungern die geopolitische Macht über diese Region abgeben. An der Straße von Hormus hängt in gewisser Weise die hegemoniale Herrschaft Amerikas über den Nahen Osten. Die Situation erinnert an die Krise um den Suezkanal zwischen Großbritannien und Ägypten vor 70 Jahren. Diese besiegelte damals das Ende des britischen Imperiums", erläutert die in Shanghai erscheinende JIEFANG RIBAO.
EL PAIS schaut auf den Krieg in der Ukraine. Die spanische Zeitung ermahnt die Europäer, dem Land weiter und enschlossen zur Seite zu stehen: "Es ist der Ukraine zwar gelungen, den russischen Vormarsch zu stoppen, aber sie ist nicht in der Lage, verlorenes Territorium zurückzugewinnen. Und der russische Präsident Putin zeigt nicht die geringste Bereitschaft, den Krieg zu beenden, obwohl er für Russland schon länger dauert als der Zweite Weltkrieg und hunderttausende Tote gefordert hat. Aber das macht ihn nur umso gefährlicher. Was ist, wenn er die Beistandsgarantie der NATO-Länder gemäß Artikel 5 testet? Würden die USA einem Land wie Estland zur Hilfe kommen? Angesichts Trumps Äußerungen zur Solidarität mit seinen Verbündeten oder seiner Forderungen nach einer Übernahme Grönlands sind Zweifel angebracht. Die USA sind kein verlässlicher Partner mehr, und darum sind Truppenstationierungen der Europäer an der Ostflanke und jede Hilfe für die Ukraine umso wichtiger - jetzt in Kriegszeiten, aber auch, wenn endlich Frieden einkehrt", wirft EL PAIS aus Madrid ein.
Die französische Tageszeitung LE FIGARO schaut vor allem auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim und sieht die Ukraine dort derzeit im Vorteil: "Die Krim diente Russland als Aufmarschgebiet für die Invasion der Südukraine. Kiew zerschlägt nun diesen logistischen Korridor, und es kursieren Gerüchte über eine Bodenoffensive – Szenarien, die bis vor Kurzem noch undenkbar waren. Für den russischen Präsidenten Putin wiegt dieses Scheitern besonders schwer. Es trifft ihn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, denn Putin ist zunehmend offener Kritik an seiner Unfähigkeit ausgesetzt, den Krieg zu gewinnen", gibt LE FIGARO aus Paris zu bedenken.
Themenwechsel. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG trauert um den überraschend verstorbenen US-Senator Lindsey Graham. Der Tod des republikanischen Politikers könne auch Auswirkungen auf die Außenpolitik der USA haben, heißt es in der Zeitung: "Mit Graham verlieren die USA einen einflussreichen Falken, der eine interventionistische Außenpolitik propagierte und die traditionellen Allianzen Amerikas hochhielt. Graham hatte zwar auch wiederholt Kritik an den NATO-Partnern geübt. Doch sein Bekenntnis zur transatlantischen Allianz hat nie in Zweifel gestanden. Die Entwicklungen der letzten Monate könnten den isolationistischen Flügel innerhalb der Republikaner rund um Vizepräsident Vance stärken. Die NATO wirkt fragil. Die Unzufriedenheit über den Krieg gegen Iran ist groß. Die Unterstützung für Israel schwindet bei den Demokraten, aber auch bei der republikanischen Basis. Mit dem Tod von Lindsey Graham verliert das Lager der traditionellen Falken, Transatlantiker und Israel-Freunde nun auch noch eine seiner einflussreichsten Stimmen", bilanziert die NZZ.
Und die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN nimmt den Tod von Graham zum Anlass und fragt sich, warum er sich zuletzt der Position von US-Präsident Trump so sehr angenähert hat: "Von 2002 bis 2016 hat Graham gemeinsam mit seinem Freund John McCain die Außen- und Sicherheitspolitik der Republikaner im Senat angeführt. Auch mit Joe Biden, der damals für diesen Bereich der demokratischen Partei zuständig war, soll er gute Beziehungen gehabt haben. Gerne hätte man erfahren, warum sich Graham von einem der schärfsten Kritiker zum Unterstützer Trumps verwandelt hatte. Einige Beobachter meinen, Grund sei der Tod von McCain im Jahre 2018 gewesen. Aber für Graham wäre es auch eine Option gewesen, McCains Nachfolger zu werden, und so Gegenpol zu Trump zu bleiben. Dann würde beispielsweise die Lage im Nahen Osten heute anders aussehen." Mit dieser Einschätzung der NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio endet diese Internationale Presseschau.