15. Juli 2026
Die internationale Presseschau

Die Kommentare befassen sich heute mit den wechselnden Ankündigungen von US-Präsident Trump zur Straße von Hormus und mit der Unterstützung für die Ukraine im Krieg gegen Russland.

Mehrere Schiffe hintereinander in der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus beschäftigt weiter die internationale Politik. (imago/ Anadolu Agency / Hassan Ghaedi)
Die australische Zeitung THE AGE ordnet die Entwicklungen in Nahost folgendermaßen ein: "Donald Trumps absurder Vorschlag, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu übernehmen und für eine sichere Durchfahrt eine Maut von 20 Prozent zu verlangen, hielt gerade einmal 24 Stunden. Der Vorschlag war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Analysten zufolge hätte dies den Ölpreis praktisch über Nacht um etwa 16 US-Dollar pro Barrel erhöht. Trump sagt nun, die USA würden die Straße von Hormus schützen. Im Gegenzug sollen die Golfstaaten ihre Investitionen in den USA erhöhen, um die Kosten dieses Schutzes zu decken. Ob es tatsächlich so kommt, bleibt abzuwarten", befindet THE AGE aus Melbourne.
Die WASHINGTON POST hat einen Ratschlag an Präsident Donald Trump, der versuche, sich aus dem Schlamassel des Iran-Kriegs zu befreien: "Hören Sie einfach auf zu reden. An einem Tag erklärt er den Sieg, am nächsten nimmt er den Krieg wieder auf. Er lobt die iranischen Führer, um sie kurz darauf als 'Abschaum' zu bezeichnen. Er kündigt törichterweise eine Gebühr von 20 Prozent für den Schutz der Straße von Hormus an und zieht diesen unüberlegten Vorschlag am nächsten Tag wieder zurück. Trump muss sich wohl einbilden, dass dieses unaufhörliche Großmaul ihm Verhandlungsmacht verschafft. Da irrt er sich. Es lässt ihn in den Augen des Irans und der Welt schwach erscheinen", ist die WASHINGTON POST überzeugt.
Die britische Zeitung THE INDEPENDENT zieht eine ernüchternde Bilanz: "Der oberste Führer des Iran wurde ermordet, die veraltete Marine und die Luftwaffe des Landes sind weitestgehend zerstört, und die Bevölkerung ist extremen Sanktionen ausgesetzt. Dennoch bleibt die Straße von Hormus unter iranischer Kontrolle - in einer Weise, wie es vor Beginn der US-Operation nicht der Fall war. Überdies funktioniert das Regime weiterhin. Die Islamische Republik hat Amerika getrotzt und eine Art Sieg errungen. Anscheinend gibt es nichts, was US-Präsident Donald Trump tun könnte, um das zu ändern", schlussfolgert THE INDEPENDENT aus London.
Die spanische Zeitung EL MUNDO hält fest: "Gegenüber dem blutrünstigen Regime der Ajatollahs hat die Regierung von Trump wiederholt gezeigt, dass ihr klar definierte Ziele fehlen. Stattdessen scheint sie sich von den Impulsen und persönlichen Interessen ihres Präsidenten leiten zu lassen. Wie immer mehr Experten warnen, droht die anhaltende Eskalation ohne eine erkennbare strategische Perspektive für das Weiße Haus zum Selbstzweck zu werden. Die Weltwirtschaft gerät dadurch erneut in Gefahr", warnt EL MUNDO aus Madrid.
In einem Gastkommentar in der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN heißt es: "Die Aktionen zeigen, dass sich die USA gerade zu einem Zerstörer der Ordnung verwandeln. Damit gerät die internationale maritime Ordnung, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut wurde, von Grund auf ins Wanken. Japan, das der weltweit größte Profiteur dieser Ordnung ist, sollte die nächste Entgleisung der USA weder tolerieren noch unterstützen", fordert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die panarabische Tageszeitung AL ARABY AL-JADEED gibt zu Bedenken: "Die entscheidende Frage lautet nicht nur, welche Schritte Trump als Nächstes unternehmen wird. Ebenso wichtig ist es zu hinterfragen, ob die internationale Gemeinschaft über genügend Mechanismen der Kontrolle, Abschreckung und politischen Einflussnahme verfügt, um zu verhindern, dass ein einzelner Staatschef die Welt an den Rand einer Konfrontation führt, die niemand will." Das war AL ARABY AL-JADEED, die in London erscheint.
Die finnische Zeitung KARJALAINEN blickt auf das Treffen der westlichen Unterstützerländer der Ukraine: "Der Verteidigungskampf der Ukrainer muss noch schneller und entschlossener unterstützt werden. Bei einem Treffen in Paris gründeten die Ukraine und neun weitere Staaten ein Bündnis zum Schutz vor ballistischen Raketen, außerdem erhielt die Ukraine von Frankreich die Lizenz zur Produktion unterschiedlicher Waffensysteme. Auch US-Patriot-Raketen darf die Ukraine künftig in Lizenz herstellen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Produktion sofort anlaufen wird, doch die Zusagen sind bereits ein Signal an Russland", betont KARJALAINEN aus Joensuu.
"Es sind gute Ideen, aber sie kommen viel zu spät", kritisiert die Schweizer NEUE ZÜRCHER ZEITUNG und führt weiter aus: "Auf Wunder braucht niemand zu hoffen, wenn Regierungen es versäumen, die Weichen frühzeitig zu stellen. So erfreulich es ist, dass die Ukraine nun in einen gesamteuropäischen Industrieverbund integriert wird und damit zum De-facto-Mitglied der NATO avanciert: Für den fehlenden westlichen Weitblick wird die Ukraine noch eine ganze Weile die Zeche bezahlen - in Form von vielen Todesopfern und zerstörter Infrastruktur."
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER bemerkt: "Es ist schwer zu sagen, was die Russen wirklich von ihrem Krieg und ihrem Präsidenten halten. Es ist riskant, in Putins Reich Kritik zu äußern. Aber Umfragen signalisieren schwindenden Rückhalt für Putin. Selbst Trump ist mittlerweile von Putin abgerückt - und vielleicht setzt sich auch in Russland noch die Erkenntnis durch, dass Putin nicht zwangsläufig als Sieger aus diesem Krieg hervorgehen wird", hofft DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Neben dem Treffen der sogenannten "Koalition der Willigen" leitete die Ukraine am gleichen Tag eine weitere Verhandlungsrunde in ihren EU-Beitrittsverhandlungen ein. Dazu ist in der dänischen Zeitung POLITIKEN zu lesen: "In Brüssel war gar von einem 'Super-Tuesday' die Rede. Und tatsächlich: Das war nicht nur ein guter Tag für die Ukraine, sondern auch für Moldau, Albanien und Montenegro, die ihrer Mitgliedschaft in der Europäischen Union einen guten Schritt nähergekommen sind. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass Ungarn unter seinem neuen Premier Péter Magyar den Fuß von der Bremse genommen hat. Immerhin herrscht in der EU Einigkeit darüber, dass man größer und stärker werden will. Aber hinter den feierlichen Phrasen lauern bereits die Auseinandersetzungen über die nächsten Schritte", befürchtet POLITIKEN aus Kopenhagen.
Nun zum Rücktritt der ukrainischen Ministerpräsidentin Swyrydenko, mit dem sich die chinesische Tageszeitung JIEFANG RIBAO befasst: "Es ist die vierte Kabinettsumbildung in der Ukraine seit 2022. Zu den Kandidaten für das Amt des neuen Ministerpräsidenten zählt unter anderem Sergii Koretskyi, der Chef der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Naftogaz, der sich bereits als Krisenmanager bewährt hat. Die scheidende Ministerpräsidentin könnte neue Botschafterin in Washington werden. Hinter den Kulissen könnten sich die Machtverhältnisse neu verteilt haben. Möglicherweise will Selenskyi der Bevölkerung auch das Gefühl vermitteln, dass frische Kräfte ans Ruder kommen. Denn Parlamentswahlen sind aktuell nicht möglich." Soweit JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Zuletzt blicken wir in die Türkei, wo sich in der Nacht der gescheiterte Putschversuch zum zehnten Mal jährt. Für die regierungskritische Zeitung EVRENSEL sind noch immer viele Fragen offen: "Die wichtigste Frage von allen ist: Wer war die politische Stütze des Putschversuchs? Bisher wurden alle von den Oppositionsparteien eingereichten Anträge zur Untersuchung vom regierenden Block abgelehnt. Die Verschleierungspolitik wurde zu einem nützlichen Instrument, um alle oppositionellen Gruppen mit den 'Gülenisten' in Verbindung zu bringen oder sie als terroristische Organisationen einzustufen. Aus diesem Grund wurden nach der Verhängung des Ausnahmezustands Tausende kurdische Politiker, Abgeordnete und Bürgermeister verhaftet und in Gemeinden Zwangsverwalter eingesetzt. Tausende Oppositionelle, insbesondere aus den Medien, wurden zum Schweigen gebracht und demokratische Rechte und Freiheiten, einschließlich des Wahlrechts, ausgesetzt", bedauert EVRENSEL aus Istanbul. Und damit endet die internationale Presseschau.