
DER STANDARD aus Wien warnt angesichts der Hitzewelle vor Klimaanlagen als einfacher Lösung und fragt: "Was tun? Gebäude sind dann Hitzefallen, wenn sie schlecht gedämmt sind. Es rächt sich jetzt, dass in Sachen Gebäudesanierung in Österreich seit Jahren sehr wenig weitergeht. Denn am klügsten wäre es, die Hitze gar nicht erst ins Haus zu lassen: mit guter Dämmung, Fensterläden, begrünten Fassaden. Diese Klimawandelanpassung muss viel schneller gehen. Und es müssen auch die Städte rascher umgebaut werden", heißt es im österreichischen STANDARD.
Die japanische Zeitung CHUNICHI SHIMBUN sieht genau das anders: "In Europa sind Klimaanlagen in den privaten Haushalten nicht verbreitet. Dafür soll es verschiedene Gründe geben, wie bauliche Bedingungen oder innere Widerstände der Menschen wegen der negativen Folge für die Umwelt. Allerdings: Die diesjährigen Hitzewellen zeigen, dass man das bislang als normal geltende Wissen überdenken muss." Das war die Zeitung CHUNICHI SHIMBUN aus Nagoya.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG schaut vor dem Hintergrund des Kampfs gegen den Klimawandels auf die CO2-Bepreisung in Europa und stellt fest: "Ursprünglich bestand die Philosophie darin, dass die Einwohner dieses Geld als 'Klimabonus' zurückbekommen; nun behalten es immer mehr Regierungen zumindest teilweise für sich. Die Steuer war keine fiskalische Massnahme, sondern eine Lenkungsabgabe. Doch die finanzielle Lage vieler Staaten ist dramatisch schlecht. Um das Problem zu lösen, gehen Regierungen den einfachen Weg. Anstatt gewisse Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen, schnappen sie sich Geld, das dem Umweltschutz dienen sollte", kommentiert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz.
Erneut geht es in den Kommentaren auch um den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT ist der Ansicht, dass dieser eine neue Phase erreicht hat: "Diese erstreckt sich auf die finanz- und wirtschaftspolitische, politisch-diplomatische, militärtechnologische und geopolitische Ebene. So hat der Westen seine Strategie des systematischen Drucks auf Russland zuletzt weiter verschärft. Der Ausbau des militärischen Potenzials der Ukraine, die neuen wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Russlands Energieeinnahmen sowie die Eskalation der Konfrontation im Cyberspace verdeutlichen den raschen Wandel der geopolitischen Lage." So weit MÜSAVAT aus Baku.
Die in Taiwan erscheinende Zeitung ZHONGGUO SHIBAO zieht aus der Situation in der Ukraine Lehren für das eigene Land: "Die Ukraine führt seit fünf Jahren erstaunlich erfolgreich einen Krieg mit dem scheinbar militärisch weit überlegenen Gegner Russland. Das digitale Lagebild- und Gefechtsmanagementsystem Delta sowie das Drohnen- und Raketenabwehrsystem haben dabei den wesentlichen Beitrag zum Erfolg geleistet. Dies muss das ebenfalls von einem asymmetrischen Krieg bedrohte Taiwan ermutigen, eine wirksame Abschreckungsarchitektur gegenüber einer möglichen chinesischen Invasion aufzubauen. Ein Staat, der überleben will, muss bereit sein, die Fähigkeit zur Selbstverteidigung eigenständig zu entwickeln", heißt es in der Zeitung ZHONGGUO SHIBAO aus Taipeh.
Auch die dänische Zeitung BERLINGSKE greift die Kriegsführung und Verteidigungsstrategie der Ukraine auf und schlägt damit einen Bogen zum Irankrieg: "In diesen Wochen hat die Ukraine gezeigt, wie sehr der moderne Drohnenkrieg einer überlegenen Militärmacht das Leben schwermachen kann, wenn sie ihre Infrastruktur und die Schifffahrt schützen will. Es ist daher unklar, wie die USA den Verkehr in der Straße von Hormus gegen Drohnenschwärme hätten schützen wollen. Am wenigsten Eindruck auf Trump hat wohl leider das langweilige Argument gemacht, dass seine Zölle gegen internationales Recht verstoßen. Es ist nur allzu bekannt, wie wenig ihn das kümmert. Mit anderen Worten: Trumps Kehrtwende ist kein Zeichen, dass er zur Vernunft gekommen ist, sondern dass für ihn die Kosten seiner Politik zu hoch geworden sind", schreibt die Zeitung BERLINGSKE aus Kopenhagen.
Die panarabische Tageszeitung SHARQ AL-AWSAT kommentiert zum Iran: "Anstatt Vertrauen aufzubauen und tragfähige Partnerschaften zu entwickeln, versuchte das Regime, seinen regionalen Einfluss auszuweiten, auch durch Angriffe auf die Nachbarstaaten. Teheran betrachtet diese nicht als souveräne Partner, sondern als Einflusssphären. Da die grundlegenden Ursachen des Konflikts unverändert fortbestehen, kamen auch die erneuten amerikanischen Angriffe nicht überraschend", heißt es in der in London erscheinenden SHARQ AL-AWSAT.
THE OMAN DAILY OBSERVER aus Maskat eruiert aufgrund dessen die Position des Staats, der sich in unmittelbarer Nähe zum Kriegsgeschehen befindet, und fordert Leserinnen und Leser auf: "Schauen Sie auf die Karte. Omans eigene Geschichte erinnert uns, dass Geografie sowohl Gefahr, als auch Möglichkeit sein kann. Die Drohnenattacken auf Musandam und Al Wusta und die Entscheidung Omans, den iranischen Botschafter zu formellem Protest einzubestellen, verdeutlichen, welche Disziplin ein kleiner Staat in gefährlicher Nachbarschaft braucht: Entschlossenheit ohne Hysterie, Protest ohne Leichtsinn. Karten zeigen uns, wo Staaten liegen. Sie zeigen uns nicht, was aus ihnen werden muss." Das war THE OMAN DAILY OBSERVER.
Themenwechsel. In Israel haben die Obersten Richter ein Gesetz gestoppt, das streng religiöse Männer von einer Gefängnisstrafe befreit hätte, wenn sie sich dem Militärdienst verweigern. Das Gesetz war von Regierungschef Netanjahu vorangetrieben worden. Die israelische Zeitung THE JERUSALEM POST merkt an: "Diese Gesetzgebung ist im besten Fall der unverantwortliche Versuch, eines von Israels spaltendsten Problemen zu lösen. Im schlimmsten Fall ist es ein kurzsichtiges politisches Manöver, allein dafür gemacht, die Beteiligung der ultraorthodoxen Juden im rechten Block für den nächsten Wahlzyklus zu sichern. Das Gericht hat zurecht zügig gehandelt, um die Gleichbehandlung zu schützen", kommentiert die JERUSALEM POST.
Auch die liberaler eingestellte Zeitung HAARETZ aus Tel Aviv stellt fest: "Netanjahu ist derjenige, der zugelassen hat, dass die Ultra-Orthodoxen mehr und mehr fordern, bis zu dem Punkt, an dem er einem Gesetz zugestimmt hat, dass die meisten Koalitionswähler nicht gutheißen. Er ignoriert die Proteste der Armee zum akuten Mangel an Einsatzkräften, so wie er auch ihre Warnungen vor dem 7. Oktober ignoriert hat. Netanjahu denkt nur an sein Vermächtnis, nicht an die Zukunft des Landes. Nach ihm die Sintflut, wenn man ihn fragt." So weit die israelische HAARETZ.
Zuletzt ein Blick auf Gibraltar: Dort gibt es keine Grenzkontrollen mehr zu Spanien. Großbritannien und die EU haben nach dem Brexit dazu eine neue Einigung unterzeichnet. Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA aus Barcelona berichtet: „Der Fall der letzten Mauer Westeuropas - so drückte es Premierminister Pedro Sánchez bei seinem Besuch in Gibraltar aus. Rechtskonservative Kreise in Spanien kritisieren bis heute jede Lösung, die keine Rückgabe Gibraltars an Spanien vorsieht, aber dessen Bewohner sprachen sich erst 2002 zu 98 Prozent für ihren britischen Status aus. Allerdings stimmten sie 2016 auch zu 96 Prozent für einen Verbleib in der EU, und es mag paradox wirken, dass nun ausgerechnet der Brexit Gibraltars Beziehungen zu Spanien so deutlich erleichtert,“ konstatiert LA VANGUARDIA.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA hat einen anderen Zugang zum Thema: „Das Vereinigte Königreich, das vor zehn Jahren aus der EU austrat, ist damit wieder ein Stück näher an die EU herangerückt. Was Russland betrifft, so hat sich Großbritannien zum Ziel gesetzt, die russische ‚Schattenflotte‘ zu bekämpfen. Und Gibraltar, das die Einfahrt vom Atlantik ins Mittelmeer kontrolliert, kann ebenfalls als Stützpunkt für solche Operationen Großbritanniens dienen", notiert die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau, mit der diese Presseschau endet.
