17. Juli 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind die Rede an die Nation von US-Präsident Trump, der bevorstehende Wechsel an der Spitze der britischen Regierung und die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Fedorow.

Donald Trump steht an einem Rednerpult.
US-Präsident Trump spricht in seiner Rede an die Nation über ausländische Wahlbeeinflussung. (picture alliance / AdMedia)
Donald Trump hat in seiner Rede erneut Zweifel an zurückliegenden Wahlen geäußert. Dazu schreibt die britische FINANCIAL TIMES: "Trump bemüht sich, das Wahlsystem als 'kaputt und anfällig' darzustellen und holt dabei Behauptungen über Ausländer in den Wählerverzeichnissen und anfällige Wahlautomaten wieder aus der Versenkung. Die Äußerungen kommen wenige Monate vor den Zwischenwahlen, bei denen die Partei des jeweiligen Präsidenten erfahrungsgemäß starke Verluste erleidet. Angesichts des sich hinziehenden Irankriegs, der die Verbraucherpreise in die Höhe treibt, deuten Meinungsumfragen auf ein gutes Ergebnis für die Demokraten hin", so die Einordnung der FINANCIAL TIMES aus London.
Die Zeitung USA TODAY erläutert: "Jede Einmischung in unsere Wahlen – sei sie aus dem Ausland oder aus dem Inland – sollte als echte Bedrohung angesehen und entsprechend behandelt werden. Das Vertrauen der Amerikaner in die Wahlen ist für unsere Demokratie von entscheidender Bedeutung. Doch Trumps Besessenheit von einer 'gestohlenen' Wahl im Jahr 2020 lenkt von dem ab, was die Bürger derzeit tatsächlich beschäftigt. Die Amerikaner verdienen eine ehrliche Antwort darauf, wie lange der Krieg mit dem Iran noch andauern wird – und wie das Ergebnis am Ende aussehen wird. Wir brauchen keine weiteren Versprechungen Trumps, dass der Konflikt 'fast vorbei' sei", betont USA TODAY, die in Arlington erscheint.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN ergänzt: "Die großen Fernsehsender ABC, NBC und CNN haben die Rede nicht einmal übertragen, und die anderen Medien, auch die konservativen FOX oder Wallstreet Journal, behandeln sie nicht als Top-Meldung. Mit der erneuten Wiederholung seiner Behauptung über die Manipulation bei der Wahl 2020 oder seiner neuen, aber wenig überzeugenden Kritik an China war die Rede in der Tat so inhaltsleer, dass die Entscheidung der Medien völlig nachvollziehbar ist. Wahrscheinlich wollte Trump zumindest seine republikanischen Anhänger erreichen - ob das erfolgreich war, darf bezweifelt werden. Auffällig ist außerdem, dass sich seine ohnehin leichtsinnigen Entscheidungen in letzter Zeit besonders häufen, wie die Idee mit der 20-Prozent-Gebühr für die Hormus-Durchfahrt zeigt", hebt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio hervor.
In Großbritannien soll der Labour-Politiker Andy Burnham heute Parteichef und am Montag Premierminister werden. "Die spinnen, die Briten", meint die finnische Zeitung HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki. "Ein Premier verliert das Vertrauen und tritt zurück. Kein Minister oder Parlamentarier hat genug Unterstützung, um ihm nachzufolgen. Stattdessen wird ein Bürgermeister gewählt, der hinter den Kulissen die Parteispitze davon überzeugt, dass er nicht nur das Handwerk des Parteichefs und Premiers beherrscht, sondern auch noch die Partei erneuern kann. Bei uns wäre das ein Gedankenspiel. In Großbritannien ist es Realität. Niemand wollte Burnham herausfordern. Das zeigt, wie groß die Verzweiflung bei Labour ist. Aber das ist selten eine gute Voraussetzung für eine gründliche Erneuerung", warnt HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki.
"Andy Burnham ist zum Erfolg verdammt", glaubt das norwegische DAGBLADET. "Die Partei erträgt keine Experimente mehr. Burnham hat eine breite Basis, aber es wird schwierig sein, den Auftrag der Wähler umzusetzen: die Einwanderung unter Kontrolle und die Wirtschaft in Gang zu bringen. Eine harte Nuss wird die Position des Landes außerhalb der EU, denn eine Mehrheit der Briten bereut inzwischen den Brexit. Das aber wird ein anderer Prozess als die Reparatur einer havarierten Partei. Burnham hat dafür jetzt erst einmal drei Jahre, und in der Politik ist das ein langer Zeitraum. Die Torys verschlissen am Ende einen Premier pro Jahr", erinnert DAGBLADET aus Oslo.
Auch der britische INDEPENDENT verweist auf die Herausforderungen in der Außenpolitik: "Einer der wenigen Ratschläge, die Starmer Burnham gegeben hat, lautet, dass Außenpolitik und innenpolitische Agenda so eng miteinander verknüpft sind wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Man muss kein geopolitisches Genie sein, um zu erkennen, wie sich die Ereignisse in der Straße von Hormus entscheidend auf die Lebenshaltungskosten in jeder Volkswirtschaft auswirken können – insbesondere in einer, die so stark vom Handel abhängig ist wie Großbritannien. Wenn es Burnham gelingt, seine politischen Talente - die Starmer größtenteils fehlten - mit den Fähigkeiten zu verbinden, die für eine globale Rolle erforderlich sind, könnte er sogar die Leistungen des Mannes übertreffen, den er bald ablösen wird", erklärt THE INDEPENDENT aus London.
Thema in der polnischen Zeitung RZECZPOSPOLITA ist die Absetzung des ukrainischen Verteidigungsministers Fedorow: "Fedorow war zweifellos der fähigste Minister in der jüngeren Geschichte der Ukraine. Während seiner sechsmonatigen Amtszeit trieb er den Aufbau einer riesigen Drohnenarmee voran, die die besetzte Krim lahmlegte und in Russland eine beispiellose Treibstoffkrise auslöste. Warum verliert er seinen Posten ausgerechnet in einer so entscheidenden Phase des Krieges? Eines steht fest: Im fünften Jahr des Krieges gegen Russland durchlebt die Ukraine eine schwere Führungskrise. Letztlich könnten sich die verfehlten Personalentscheidungen von Präsident Selenskyj, die möglichen Proteste und das drohende Chaos in Kiew als gefährlicher für die Ukraine erweisen als Wladimir Putins auf der Stelle tretende Armee", stellt RZECZPOSPOLITA aus Warschau fest.
Auch die estnische Zeitung POSTIMEES versteht die Entscheidung nicht: "Fedorow wechselte erst vor einem halben Jahr vom Posten des Digitalministers ins Verteidigungsministerium, wo er innerhalb von Rekordzeit Beschaffungsaufträge digitalisieren ließ, Drohnenprogramme ausbaute, die Entwicklung von Raketen beschleunigte und eine Rekrutierungs- und Personalrefom durchsetzte. Natürlich muss er dabei Leuten in die Quere gekommen sein. Präsident Selenskyj steht seit Jahren unter unmenschlichem Druck, und wir merken, dass er zunehmend erschöpft wirkt. Ein müder Mensch wird nervös und kann Fehler begehen. Aber gerade ein politischer Superstar wie Selenskyj sollte in der Lage sein, unerwartete Entscheidungen ausreichend zu begründen", verlangt POSTIMEES aus Tallinn.
Die schweizerische NEUE ZÜRCHER ZEITUNG führt aus: "Nach eigener Darstellung stieß Fedorow mit vielen Reformvorschlägen auf den Widerstand der Militärführung. Sein Konflikt mit dem Oberbefehlshaber Olexander Sirski eskalierte zuletzt derart, dass Fedorow den Präsidenten zur Entlassung des Generals aufrief. Fedorow hat den Bogen offensichtlich überspannt und zur Führungskrise beigetragen. Sicher ist, dass die Hauptverantwortung für die Misere beim Präsidenten liegt. Dieser hätte sicherstellen müssen, dass so unterschiedliche Persönlichkeiten wie ein militärischer Haudegen und ein Internet-affiner Turnschuh-Minister zusammenarbeiten können. Dass der Konflikt derart ausartete, kann nur eine Seite freuen – die russischen Aggressoren", ist die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG überzeugt.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO verweist auf die erfolgreichen Angriffe der ukrainischen Armee auf die russische Energieversorgung und auf Schiffe im Schwarzen Meer: "An Stelle des klassischen Stellungskrieges sind zunehmend asymmetrische Abnutzungsstrategien sowie psychologische Kriegsführung getreten. Der entscheidende Faktor zu diesem Erfolg ist es, dass es der Ukraine gelungen ist, ein innovatives System für die Entwicklung und Produktion von Drohnen aufzubauen. Dies bedeutet jedoch noch nicht, dass die Ukraine dadurch den Kriegsverlauf oder gar den Ausgang des Konflikts grundlegend wenden kann, auch wenn Russland zunächst einmal in die passive Rolle gedrängt worden ist. Es bleibt dabei, dass Russland angreift und die Ukraine sich verteidigt."