
In der dänischen Zeitung POLITIKEN aus Kopenhagen heißt es: "Trump sprach von Wahlbetrug an allen Fronten und chinesische Akteure hätten sich Millionen Wählerdaten verschafft. Beweise gab es keine. Trumps Problem ist, dass sich die Medien von ihm verabschieden. ABC, NBC und CNN übertrugen die Rede gar nicht, andere Sender zeigten nur Ausschnitte und ließen dann Analysen und Faktenchecks folgen. Selbst die Trump-begeisterten Fox News agierten vorsichtig. Das ist das Paradoxe an Trumps Wahlkampf: Er appelliert an die Furcht vor Wahlbetrug und warnt vor Einmischungen, aber dabei war er es, der seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus massiv bei der Behörde für Cybersicherheit gespart hat" betont POLITIKEN aus Kopenhagen.
Auch DER STANDARD aus Österreich blickt auf das geringe Medieninteresse in den USA an diesem Thema: "Trump erwartete, dass seine Rede auf allen TV-Kanälen live ausgestrahlt werden solle. NBC und ABC entschieden sich anders, CNN überprüfte die Rede auf ihren – geringen – Wahrheitsgehalt. Diesen Sendern wurde noch in der Rede gedroht: Ihnen sollten die Lizenzen entzogen werden. Die einzigen Wahlen, die tatsächlich einer besonders hohen Gefahr von Manipulation ausgesetzt sind, sind künftige Wahlen in den USA – solange Trump das Präsidentenamt missbraucht", hält DER STANDARD aus Wien fest.
Die SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong bewertet die erneuten Vorwürfe des US-Präsidenten gegen China folgendermaßen: "Es handelt sich um ein diplomatisches Muster, das sich seit Trumps Besuch in Peking und im Vorfeld einer für diesen Herbst geplanten Reise von Präsident Xi Jinping in die USA verstärkt hat. Die Auswirkungen von Trumps Äußerungen gehen jedoch über die Politik hinaus. Ein Grund zur Sorge ist die chinesische Minderheit in den USA – Menschen, die seit der Covid-19-Pandemie unter zunehmender Feindseligkeit leiden. Was die Beziehungen im weiteren Sinne betrifft, gibt es jedoch auch Anzeichen dafür, dass die Vereinigten Staaten und China Wege gefunden haben, Wettbewerb und Zusammenarbeit nebeneinander bestehen zu lassen. Sie müssen dies weiterhin klar trennen, wenn sie den Weltfrieden und die internationale Stabilität nicht gefährden wollen", empfiehlt die SOUTH CHINA MORNING POST.
Für die Zeitung LIECHTENSTEINER VATERLAND ging es Trump in seiner Rede gar nicht darum, ausländische Mächte an den Pranger zu stellen: "Trump ist besessen von der Überzeugung, die Wahl 2020 gewonnen zu haben. Also unkte er düster über angebliche Betrügereien und setzte den Kongress erneut unter Druck, die Wahlgesetze zu verschärfen – obwohl die entsprechende Vorlage im Senat chancenlos ist und die Einflusskampagnen ausländischer Mächte nicht stoppen könnte. Er wolle das Vertrauen in die amerikanische Demokratie wiederherstellen, behauptet der Präsident. Aber eigentlich beabsichtigt er das Gegenteil, dreieinhalb Monate vor dem nächsten Urnengang in den USA", konstatiert das in Vaduz erscheinende LIECHTENSTEINER VATERLAND.
Themenwechsel. In Großbritannien tritt der neugewählte Vorsitzende der Labour-Partei, Andy Burnham, am Montag das Amt des Premierministers an. Die chinesische XINJING BAO sieht den ehemaligen Bürgermeister von Manchester vor einer Reihe von Aufgaben: "Als erstes muss er den Fluch der Kurzlebigkeit über dem britischen Kabinett loswerden. Das hängt vor allem davon ab, ob der 56-Jährige es schafft, die zersplitterte Partei wieder zu einen. Darüber hinaus wird die neue Regierung mit einer Reihe wirtschaftlicher Probleme wie steigender Inflation und hoher Staatsverschuldung konfrontiert sein. Das Kräftemessen zwischen Neoliberalismus und Rechtspopulismus wird ebenfalls spannend zu beobachten sein. Auch außenpolitisch sind Veränderungen zu erwarten. Burnham ist bekannt für seine härtere Position gegenüber Israel und seine Sympathie für die Palästinenser. Für die Kooperation mit China zeigt er sich dagegen aktiv und offen", freut sich XINJING BAO aus Peking.
EL PAIS aus Madrid kommentiert mit Blick auf den künftigen Kurs des designierten britischen Premiers: "Auch wenn Burnham eine kompromisslose Labour-Partei verspricht, weiß er doch um die Notwendigkeit, Märkte und Unternehmen nicht mit radikalen Vorstößen zu verunsichern. Burnham kann auf dem Erbe Starmers aufbauen. Die Wirtschaft wächst, wenn auch zaghaft. Durch die Unterstützung der Ukraine hat Großbritannien wieder an internationaler Bedeutung gewonnen und nähert sich wieder der EU an. Gleichzeitig muss Burnham die Spaltung der britischen Sozialdemokratie überwinden, weil sie sonst in die Opposition zurückfällt - und nichts wäre schlimmer, als wenn als Nächstes ein ultrarechter Premier in Downing Street einzieht", ist die spanische EL PAIS überzeugt.
THE TELEGRAPH aus London nimmt einen anderen Aspekt in den Blick: "Für Burnham lassen sich die gegenwärtigen Missstände Großbritanniens auf eine einzige Frau zurückführen: Margaret Thatcher. Unter ihrer Führung sei das Vereinigte Königreich mehrfach 'falsch abgebogen', was er nun zu korrigieren verspricht. Doch während Thatchers Amtszeit hatte sich Großbritannien vom 'kranken Mann Europas' zur dynamischsten Volkswirtschaft des Kontinents entwickelt. Die Macht der Gewerkschaften, das Land lahmzulegen, wurde gebrochen. Die Steuern wurden gesenkt, die Wohneigentumsquote stieg, die Staatsverschuldung sank erheblich. Thatchers Reformen waren so erfolgreich, dass sie in der gesamten westlichen Welt übernommen wurden. Margaret Thatcher hat das Land von der sogenannten britischen Krankheit geheilt. Andy Burnham will uns erneut damit infizieren", warnt THE TELEGRAPH aus Großbritannien.
Zum nächsten Thema. In Japan ist das sogenannte Kaiserhaus-Gesetz geändert worden. Geblieben ist die Vorschrift, dass es nur männliche Thronfolger geben darf. Die ASAHI SHIMBUN aus Tokio meint dazu: "Das ist ein Anachronismus, der Gleichberechtigung dementiert und die Frauen vom Thron ausschließt. Es ist selbstverständlich, dass viele Menschen empört sind und dass ihr Misstrauen auf die Regierung wächst. Was man dabei nicht übersehen darf, sind die offenbar immer tiefer werdenden Beziehungen zwischen Premierministerin Takaichi und den ultrakonservativen, religiösen Organisationen wie dem Shintoismus-Verband. Nicht nur sie sondern auch andere Politiker fürchten wohl Stimmenverluste. Damit wird aber die Meinung des Großteils der Menschen hierzulande nicht berücksichtigt. Jetzt sollten neue Diskussionen geführt werden, auch für neue Wege wie eine weibliche Thronfolge", fordert die japanische ASAHI SHIMBUN.
Zum letzten Thema. Die Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich immer weiter aus, während gleichzeitig internationale Hilfen gekürzt werden. Die norwegische Zeitung DAGBLADET befürchtet Folgen weit über die Region hinaus: "Laut einem UNO-Bericht ist die internationale Entwicklungshilfe in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen, besonders durch milliardenschwere Kürzungen durch die Trump-Regierung. Mehrere westliche Länder sind dem Beispiel der USA gefolgt, um höhere Rüstungsausgaben zu finanzieren. Einsparungen bei der globalen Gesundheit können jedoch deutlich heftigere Auswirkungen haben als Haushaltsmittel freizugeben. Es geht nicht nur um Solidarität: Infektionskrankheiten kennen keine Landesgrenzen. Wenn sich die reichen Beitragszahler aus den armen Ländern zurückziehen, steigt das Risiko, dass lokale Krankheitsausbrüche zu internationalen Krisen werden. Für die Welt ist das eine traurige Lehre, die sich leider ständig wiederholt. Es sollte nicht ständig daran erinnert werden müssen, dass Entwicklungshilfe auch bei uns Leben rettet", findet das in Oslo erscheinende DAGBLADET.
