
Zu den Hintergründen heißt es in der britischen Zeitung THE TELEGRAPH: "Verbündete des Irans hatten vom Irak aus die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien mit Drohnen angegriffen, über die Öl durch das Landesinnere vom Persischen Golf zum Roten Meer transportiert wird. Da der Iran die Straße von Hormus erneut blockiert, ist diese 750 Meilen lange Pipeline für Saudi-Arabien die einzige Möglichkeit, Teherans Würgegriff zu umgehen und täglich etwa 4,6 Millionen Barrel Öl über das Rote Meer zu exportieren. Der Iran setzt seine Milizen als Instrumente einer rücksichtslosen Strategie ein, um jede Alternative zur Straße von Hormus zu zerstören. Sollte dies gelingen, würden wir alle unter den Folgen explodierender Ölpreise leiden. Saudi-Arabien hat jedes Recht, auf einen gezielten iranischen Angriff gegen seine Ölindustrie zu reagieren, die nicht nur eine wichtige Einkommensquelle, sondern die Grundlage für das Überleben des Königreichs darstellt", findet der TELEGRAPH aus London.
Die österreichische Zeitung DER STANDARD analysiert: "Die Luftangriffe der USA und Saudi-Arabiens richteten sich gegen irakische, aber dem Mullah-Regime in Teheran loyal ergebene Milizen, die Schäden und Verluste scheinen hoch zu sein. Lange war es relativ ruhig um diese Gruppen. Das ändert sich gerade. Die neue irakische Regierung will – erstmals seit vielen Jahren – die Iran-freundlichen Milizen unter Staatskontrolle bringen. Die werden nun aggressiver und haben zuletzt in Saudi-Arabien US-Ziele, aber auch Ölinfrastruktur mit Drohnen attackiert. Dass die jemenitischen Huthis jetzt auch noch Flagge für den Iran zeigen, feuert sie zusätzlich an. Sie alle fühlen sich auf der Seite des iranischen Regimes, das den Krieg mit den USA und Israel überlebt hat, als Sieger. Danke, Mr. Trump!", bemerkt DER STANDARD aus Wien.
Zu Verbindungen zwischen den pro-iranischen Milizen im Irak und den Huthis im Jemen schreibt die panarabische Zeitung SHARQ AL-AWSAT: "Die Hinweise verdichten sich, dass die Huthis ihr Hauptquartier bei der Stadt Jurf Sakhar im Süden Bagdads eingerichtet haben. Die Stadt gilt als Hochburg der mit dem Iran verbundenen Volksmobilisierungskräfte und als deren politisches und militärisches Zentrum. Ihre ursprünglichen Bewohner wurden vertrieben, die Stadt selbst weitgehend zerstört. Die Präsenz der Huthis ist ein weiteres Indiz dafür, wie eng die iranischen Netzwerke mit den Islamischen Revolutionsgarden verflochten sind. Mit seinem Netz hat sich der Iran über die gesamte Region ausgebreitet und hält diese im Griff. Darum müssen die Golfstaaten ein regionales Bündnis schaffen, das den iranischen Einfluss eindämmt", meint die Zeitung SHARQ AL-AWSAT - sie erscheint in London.
"Wird der Irak zum neuen Schauplatz des Konflikts im Nahen Osten?" fragt die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO. "Zweifellos gelten die irakischen Volksmobilisierungseinheiten als wichtiger Bestandteil des regionalen iranischen Netzwerks. Ferner gehören rund zwei Drittel der irakischen Bevölkerung der schiitischen Glaubensrichtung an und es gibt enge historische, religiöse und politische Beziehungen zum Iran. Aus Sicht der USA ist es nur folgerichtig, nicht nur den Iran direkt zu schwächen, sondern auch sein regionales Netzwerk zu zerschlagen", argumentiert die Zeitung JIEFANG RIBAO aus Shanghai.
Der Iran-Krieg war auch Thema beim jüngsten Treffen von US-Präsident Trump und Israels Regierungschef Netanjahu in Washington. Die russische Zeitung KOMMERSANT konstatiert zu den Meinungsverschiedenheiten beider Politiker: "Trump betrachtet den Iran nach wie vor als Feind, doch der Krieg selbst gleicht immer weniger der versprochenen kurzen Operation und immer mehr einem weiteren, zeitlich unbegrenzten Engagement im Nahen Osten ohne absehbares Ende. Der Herr im Weißen Haus möchte die Angelegenheit rasch beilegen: entweder durch ein Abkommen, das als Kapitulation Teherans dargestellt werden kann, oder durch eine begrenzte Serie von Angriffen, gefolgt von der Erklärung eines totalen Sieges. Netanjahu plädiert für Geduld und Durchhaltevermögen und drängt darauf, den Krieg so lange fortzusetzen, bis das Ergebnis unumkehrbar ist. Das Problem ist jedoch, dass im Nahen Osten kein militärischer Sieg eine endgültige Lösung des Konflikts garantiert." Sie hörten einen Auszug aus dem in Moskau erscheinenden KOMMERSANT.
Die türkische Zeitung YENI SAFAK beobachtet eine zunehmende Distanz zwischen Trump und Netanjahu und kommt zu dem Schluss: "Netanjahu hat unter den gegebenen Umständen einen schweren Stand vor den israelischen Wahlen im Oktober. Offenbar will Trump nicht, dass Netanjahu, der ohnehin bereits an politischem Einfluss verliert, durch ihn an Legitimität gewinnt. Für Trump selbst ist die Wahrung der Distanz im Vorfeld der US-Zwischenwahlen im November zu einer Notwendigkeit geworden. Während die israelische Seite das Narrativ verbreitete, die Gespräche im Weißen Haus seien 'perfekt' verlaufen, legt der Ausschluss der Presse das genaue Gegenteil nahe", folgert YENI SAFAK aus Istanbul.
Damit zu unserem zweiten Thema - den WM-Plänen von FIFA-Präsident Infantino. Die norwegische Zeitung DAGSAVISEN kommentiert: "Gianni Infantino hat viele mit seiner aberwitzigen Idee überrascht, Teile der FIFA in eine eigene Gesellschaft auszulagern und die Fußball-WM an private Investoren zu verkaufen. Das Ziel ist, die Einnahmen der ohnehin schon reichsten und mächtigsten Sportart drastisch zu erhöhen. Der Plan stößt auf Widerstand. Der europäische Teil der Fußballfamilie, der in der UEFA organisiert ist, spricht davon, dass Infantino damit eine rote Linie überschreitet. Aber der internationale Fußball ist so organisiert, dass alle Länder das gleiche Stimmrecht haben, und viele nationale Verbände sind arm und von Überweisungen der FIFA abhängig. Ihnen verspricht Infantino höhere Zahlungen, was ihm die nötige Mehrheit verschaffen könnte", glaubt DAGSAVISEN aus Oslo.
"Die FIFA plant eine Privatisierung der Fußball-WM und damit des wichtigsten Wettbewerbs einer Sportart von gewaltiger globaler Popularität", bemerkt die spanische Zeitung LA VANGUARDIA aus Barcelona. "Mit ihren 211 Mitgliedsverbänden ist die FIFA mächtiger als die UEFA mit ihren 55 Mitgliedern. Aber aufgrund ihrer Geschichte hat die UEFA einiges Gewicht, und es wäre verfrüht, den Sieger in dieser Auseinandersetzung auszurufen."
Der portugiesische CORREIO DA MANHA ist überzeugt, dass der FIFA-Präsident eine enge Kooperation mit den USA im Auge hat: "Infantino will die Weltmeisterschaft verkaufen und bereitet sich darauf vor, sie in den Einflussbereich der US-amerikanischen Macht zu bringen. Diese Entwicklung hat sich Schritt für Schritt vollzogen. Der Friedenspreis im Dezember. Die Büros im Trump Tower. Die gemeinsame Übergabe des WM-Pokals. Der Trump-Clan wird weder Spielregeln noch Spielpläne respektieren. Er wird sie durchsetzen. So stirbt der größte Sport der Welt. Stück für Stück", befürchtet der CORREIO DA MANHA aus Lissabon.
Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN erläutert: "Infantino will die Gesellschaft 'Fifa Forward Enterprise' gründen, die die kommerziellen Rechte unter anderem an der WM hält. Laut Infantino kommen die zu erwartenden höheren Einnahmen den Mitgliedsverbänden zugute. Aber niemand mag ernsthaft glauben, dass die beteiligten privaten Investoren keinen Einfluss auf wichtige Entscheidungen nehmen werden. Geld vor Sport. Profitmaximierung ohne Rücksicht auf das Produkt. Wer zeigt Infantino die rote Karte?", fragt die Zeitung JYLLANDS-POSTEN aus Aarhus, und damit endet die internationale Presseschau.
