Markerschütternde Rap-Musik schallt durch die Turnhalle von Rosengard, dem Einwandererviertel im Süden Malmös. Unter kalten Neonleuchten baumeln Sandsäcke von der Decke herab. In der Ecke lagern Hantelstangen, Medizinbälle, Autoreifen. Säuerlich-muffig riecht es nach Triumph und Verzweiflung.
Ein Dutzend junger Männer in den knappen Leibchen der Boxer plagt sich auf dem giftgrünen PVC-Boden. Keuchend stemmen sie sich aus ihren Liegestützen hoch, bis die von allerhand Tätowierungen verzierten Muskeln zittern. Wer nicht spurt, lern die verbale Knute des Trainers fürchten.
Diabaté Dialy Mory, den sie alle nur "Dallas" nennen, hat die Statur eines Bären. An diesem Abend trägt der Trainer Jeans und Turnschuhe, über den Bauchansatz spannt sich ein Caro-Hemd, um den kräftigen Nacken pendelt die Trillerpfeife, das graue Kraushaar ist von einer Schirmmütze bedeckt. "Dallas" führt ein strenges Regiment. In seinem Club boxen Bosnier, Somali, Iraker. Doch seine Kommandos bellt der Trainer grundsätzlich nur auf Schwedisch.
"Ich erwarte Disziplin. Ich verlange Respekt. Ich lehre sie Geduld und Toleranz. Wir verständigen uns auf Schwedisch. Das ist wichtig, denn wer hier lebt und vorankommen will, der muss auch die Sprache beherrschen.""Dallas", vor 65 Jahren im Senegal geboren, kam 1964 als Trommler einer afrikanischen Musiktruppe ins Land, tauchte eine Zeit lang unter und heiratete eine Schwedin. Als unerschütterlicher Lokalpatriot erlebte er den sozialen Abstieg des Viertels, die wachsende Isolation der Zugewanderten, ihre Frustration und Gewaltausbrüche. Viele seiner Schützlinge gerieten schon in Konflikt mit dem Gesetz, wurden ihrem Ruf als Räuber, Dealer und Schläger gerecht.
""Der Staat überlässt diese Menschen sich selbst. Die gehen hin, schlagen ihre Nachbarn nieder, belästigen Frauen - und niemand reagiert! Die Leute haben Angst vor ihnen. Aber die Jugendlichen sind nicht von Natur aus gefährlich. Es ist unsere Gleichgültigkeit, die sie zu dem macht, was sie sind."
Mit der Gewalt im Viertel will sich "Dallas" nicht abfinden. Er ist einer, der zuhört, und für viele der hoffnungslosen Jugendlichen aus zerrütteten Familien gar die einzige wirkliche Verbindung zur schwedischen Gesellschaft. Handgemalte Plakate, vergilbte Zeitungsartikel, Medaillen und Diplome an den Wänden rundum zeugen von den drei Jahrzehnten stolzer Vereinsgeschichte. Die Meisterboxer heißen Paolo Roberto, Mohammed Ali, Bashir Hassan, Abdi Nasser.
Omar ist seit sieben Jahren dabei und hofft, bis ganz nach oben in den Olymp der unsterblichen Sporthelden aufzusteigen. Ohne den Trainer, meint der kräftige Teenager mit reichlich Pomade im Haar, hätte er nie erfahren, was in ihm steckt.
"Er ist ein Engel für mich, ein zweiter Vater. Er packt uns hart an, aber so ist das beim Boxen. Es geht nicht nur darum, in den Ring zu gehen und zu kämpfen. Du musst auch deine Gedanken im Kopf ordnen. Eines Tages soll auch mein Foto hier an den Wänden kleben. Und er wird mir dabei helfen."
Der so Gepriesene ist ein gläubiger Muslim, der die Gebetsvorschriften streng befolgt. Doch dem toleranten Familienvater sind auch die Mädchen und jungen Frauen aus Rosengard willkommen. Geboxt wird mit Kopftuch oder ohne. "Ich habe tausend Kinder", lacht "Dallas". Zehn leibliche hat er großgezogen, vielen anderen Halt gegeben und Mut gemacht.
"Ich bin ein großer Egoist. Es bedeutet mir sehr viel, meine Zeit mit diesen Kindern zu verbringen. Sie sind offen mit ihren Ansichten und ehrlich in ihren Taten. Sie schenken mir soviel Freude. Ich kann ohne sie nicht sein."
Ein Dutzend junger Männer in den knappen Leibchen der Boxer plagt sich auf dem giftgrünen PVC-Boden. Keuchend stemmen sie sich aus ihren Liegestützen hoch, bis die von allerhand Tätowierungen verzierten Muskeln zittern. Wer nicht spurt, lern die verbale Knute des Trainers fürchten.
Diabaté Dialy Mory, den sie alle nur "Dallas" nennen, hat die Statur eines Bären. An diesem Abend trägt der Trainer Jeans und Turnschuhe, über den Bauchansatz spannt sich ein Caro-Hemd, um den kräftigen Nacken pendelt die Trillerpfeife, das graue Kraushaar ist von einer Schirmmütze bedeckt. "Dallas" führt ein strenges Regiment. In seinem Club boxen Bosnier, Somali, Iraker. Doch seine Kommandos bellt der Trainer grundsätzlich nur auf Schwedisch.
"Ich erwarte Disziplin. Ich verlange Respekt. Ich lehre sie Geduld und Toleranz. Wir verständigen uns auf Schwedisch. Das ist wichtig, denn wer hier lebt und vorankommen will, der muss auch die Sprache beherrschen.""Dallas", vor 65 Jahren im Senegal geboren, kam 1964 als Trommler einer afrikanischen Musiktruppe ins Land, tauchte eine Zeit lang unter und heiratete eine Schwedin. Als unerschütterlicher Lokalpatriot erlebte er den sozialen Abstieg des Viertels, die wachsende Isolation der Zugewanderten, ihre Frustration und Gewaltausbrüche. Viele seiner Schützlinge gerieten schon in Konflikt mit dem Gesetz, wurden ihrem Ruf als Räuber, Dealer und Schläger gerecht.
""Der Staat überlässt diese Menschen sich selbst. Die gehen hin, schlagen ihre Nachbarn nieder, belästigen Frauen - und niemand reagiert! Die Leute haben Angst vor ihnen. Aber die Jugendlichen sind nicht von Natur aus gefährlich. Es ist unsere Gleichgültigkeit, die sie zu dem macht, was sie sind."
Mit der Gewalt im Viertel will sich "Dallas" nicht abfinden. Er ist einer, der zuhört, und für viele der hoffnungslosen Jugendlichen aus zerrütteten Familien gar die einzige wirkliche Verbindung zur schwedischen Gesellschaft. Handgemalte Plakate, vergilbte Zeitungsartikel, Medaillen und Diplome an den Wänden rundum zeugen von den drei Jahrzehnten stolzer Vereinsgeschichte. Die Meisterboxer heißen Paolo Roberto, Mohammed Ali, Bashir Hassan, Abdi Nasser.
Omar ist seit sieben Jahren dabei und hofft, bis ganz nach oben in den Olymp der unsterblichen Sporthelden aufzusteigen. Ohne den Trainer, meint der kräftige Teenager mit reichlich Pomade im Haar, hätte er nie erfahren, was in ihm steckt.
"Er ist ein Engel für mich, ein zweiter Vater. Er packt uns hart an, aber so ist das beim Boxen. Es geht nicht nur darum, in den Ring zu gehen und zu kämpfen. Du musst auch deine Gedanken im Kopf ordnen. Eines Tages soll auch mein Foto hier an den Wänden kleben. Und er wird mir dabei helfen."
Der so Gepriesene ist ein gläubiger Muslim, der die Gebetsvorschriften streng befolgt. Doch dem toleranten Familienvater sind auch die Mädchen und jungen Frauen aus Rosengard willkommen. Geboxt wird mit Kopftuch oder ohne. "Ich habe tausend Kinder", lacht "Dallas". Zehn leibliche hat er großgezogen, vielen anderen Halt gegeben und Mut gemacht.
"Ich bin ein großer Egoist. Es bedeutet mir sehr viel, meine Zeit mit diesen Kindern zu verbringen. Sie sind offen mit ihren Ansichten und ehrlich in ihren Taten. Sie schenken mir soviel Freude. Ich kann ohne sie nicht sein."