Freitag, 07. Oktober 2022

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Die Kölner Oper - Vom hässlichen Entlein zum Kleinod

Lange Jahre ließ die Stadt Köln ihre Oper verkommen. Deshalb stand sogar ein Abriss zur Debatte. Nun wird das von Wilhelm Riphan entworfene Gebäude aus den 1950er Jahren grundlegend saniert. Wir haben uns die Kulturbaustelle am Offenbachplatz angesehen.

Von Barbara Schmidt-Mattern | 05.08.2013

    Eingehüllt in eine Staubwolke steht Reinhard Beuth mitten im ehemaligen Zuschauerraum, der jetzt an eine Mondlandschaft erinnert, und strahlt vor Stolz. Im Auftrag der Bühnen der Stadt Köln führt der 65-Jährige fast jeden Tag Besucher über die Baustelle. Jedes Detail kennt er hier, wie es war, was jetzt passiert, und wie das alles in zwei Jahren einmal aussehen soll, wenn die Oper neu eröffnet wird:

    "Es fehlen die Paneele aus kaukasischer Flügelnuss und der schwarz gebeizte Birnbaum an den Logen. Es fehlen die Lampen aus Murano-Glas. Und trotzdem, wenn Sie sich in diesem Raum umsehen, es kann überhaupt kein anderer Raum als die Kölner Oper sein. Das ist für mich ein schlagendes Beispiel für die architektonische Stärke dieses Baus hier von Riphan. Er hat so ein markantes Gesicht, eine so starke skulpturale Form, dass er absolut unverwechselbar und einmalig in der Welt ist."

    Und doch haben sich Politik, Kultur und Stadtbevölkerung bei allem Stolz erst mal wieder in die Haare gekriegt, bei der Frage, was denn nun werden soll mit diesem denkmalgeschützten Opernquartier, mit dem der Architekt Wilhelm Riphan in der Nachkriegszeit neuen architektonischen Glanz nach Köln brachte. Sanierung oder Neubau, darüber wurde in den letzten Jahren teils erbittert gestritten – doch Reinhard Beuth, der jetzt auf seinen sandwich-dicken Gummisohlen ins große Foyer hinüberstapft, ist froh, dass Riphans Erbe erhalten bleibt.

    "Diese markanten hohen Fenster zum Offenbachplatz - von Riphan natürlich gedacht: Die Leute, die ins Theater gehen, kapseln sicht nicht ab von der Gesellschaft draußen, sondern sie zeigen sich. Es ist ein Bürgerstolz in den 50ern, der daraus spricht. Der aber zugleich aber auch die Leute draußen auf der Straße neugierig machen soll, dazuzugehören. Es ist noch nicht die 1968er-Zeit, wo man davon redet, die Schwellen abzubauen. Die Schwellen sind hier durchaus noch da."

    1957 feierten Kölns Opernfreunde mit Carl Maria von Webers Oberon die Einweihung ihres neuen Hauses. Es war eine Zeit, in der Theaterneubauten im kriegszerstörten Deutschland wie Pilze aus dem Boden schossen. Entsprechend sind viele Bauten jetzt sanierungsbedürftig. Köln repariert neben dem Opern- direkt auch das benachbarte Schauspielhaus mit. Quer durch die ganze Stadt spielen und singen die Ensembles solange auf provisorischen Ausweich-Bühnen – und mancher Künstler mault über diese Zumutungen, erzählt Patrick Wasserbauer, geschäftsführender Direktor der Kölner Bühnen.

    "Es zieht, es ist zu kalt, es ist zu warm. Also mit diesen Sachen werden wir ständig konfrontiert. Deswegen müssen wir auch immer Techniker vorhalten."

    253 Millionen Euro soll die gesamte Sanierung kosten, und Wasserbauer gibt sich sehr zuversichtlich, dass es kein Cent mehr wird.

    "Ja, wir sind ja positiv und wir haben ja auch gewusst, worauf wir uns einlassen. Wir erweitern den Orchestergraben, sodass wir bei großen Besetzungen die beiden ersten Parkettreihen wegnehmen und dort Orchester setzen. Auch das wird dazu führen, dass das Orchester differenziert und luzider spielen kann. Und auch das wird den akustischen Eindruck noch verbessern, da die Musiker sich dann besser gegenseitig hören können."

    Wo früher die erste Sitzreihe war, steht jetzt Reinhard Beuth in seiner zitronengelben Signalweste wie am Rande eines Kraters. Die gesamte hintere Front der Oper ist weg, von der ersten Sitzreihe geht der Blick auf die Krebsgasse mit einem Fachgeschäft für Jagdbekleidung und einem Öko-Supermarkt. Angst vor Unfällen oder schlimmeren Unglücken habe er nicht, sagt Beuth. Aber:

    "In Köln ist sicherlich durch den Einsturz des Stadtarchivs eine ganz besondere Sensibilität gegenüber Großbaustellen entstanden, die in anderen Kommunen nicht so ausgeprägt ist."

    Die Archäologen vom Römisch-Germanischen Museum waren übrigens längst schon da und haben gleich wieder ein paar Fundstücke aus der Römerzeit gesichert. In gut zwei Jahren um diese Zeit soll wieder hübsch aussehen am Kölner Offenbachplatz, nur einen Fußweg vom Dom entfernt. Zum Abschied auf der Baustelle noch die Frage nach der Drehbühne – stimmt das denn nun, dass die neue Elektronik so gut wie nie funktioniert, wenn alles gerade neu eingebaut ist? Stimmt natürlich nicht, sagt Reinhard Beuth:

    "Na mit Knopfdruck ist sie ja immer gelaufen. Sie ist ja nicht von irgendwelchen Arbeitssklaven in Drehung versetzt worden, sondern von einem Elektromotor, der auch per Knopfdruck funktionierte. Und wir hoffen, dass dann auch alle Kinderkrankheiten sich beseitigen lassen, die es natürlich immer gibt."