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StartseiteInterview"Wir leben in einer Zeit der Kompromisslosigkeit"25.12.2020

Die Kunst der Einigung"Wir leben in einer Zeit der Kompromisslosigkeit"

Weihnachtsgans oder veganes Essen? Gemeinsam oder alleine feiern? Die Vorstellungen von Weihnachten sind unterschiedlich - und das hat Konfliktpotenzial. "Wenn man es schafft, die gemeinsame Mitte zu finden, ist das ein Geschenk für alle", sagte der Philosoph Andreas Weber im Dlf.

Andreas Weber im Gespräch mit Stephanie Rohde

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Händeschütteln, Symbolbild  (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)
Kompromiss heißt: Jeder muss ein bisschen nachgeben (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)
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Die Menschen würden davon ausgehen, dass Kompromiss immer klein beigeben bedeute, so Andreas Weber. Das wolle natürlich keiner, denn niemand wolle sein Interessen aufgeben. Vielmehr bedeute Kompromiss aber, "dass beide Seiten ihre wirklichen Interessen auf den Tisch legen, sagen, das ist mir wirklich wichtig und dass sie dann gemeinsam suchen, was sie sozusagen beide wollen".

Verzicht auf Weihnachtsgans bringt Zufriedenheit

Der Autor des Buches "Warum Kompromisse schließen?" hat an diesem Weihnachtsfest selbst auf die Bio-Gans verzichtet, auf Geheiß seiner Kinder. Das habe beide gefreut und er könne etwas Neues beim Kochen ausprobieren. "Es ist ein Kompromiss, bei dem eine höhere Ebene der Zufriedenheit rauskommt", sagte Weber.

Der Autor Andreas Weber (Florian Büttner)Der Philosoph und Biologe Andreas Weber (Florian Büttner)

Weber vergleicht den Kompromiss "mit dem Vollzug einer echten Beziehung, wo beide Seiten ihren Platz haben und sich nicht nur einer durchsetzt". Das bedeutet nach Weber: Wenn ein Kompromiss gefunden wird, findet Beziehung statt. Das sei eine gute Erfahrung.

Der Mensch wolle und brauche Beziehungen. Gleichzeitig sei es aber auch so, dass wir gerne erst einmal unsere primären Interessen durchsetzen möchten. Stellen wir fest, dass es nicht so einfach sei, diese durchzusetzen, weil jemand anders, der einem wichtig sei, etwas anderes wolle, würden wir in Versuchung geraten, manipulativ oder mit Gewalt unser Ding durchzuziehen. Die gemeinsame Mitte zu finden sei dagegen ein Geschenk für alle.

Corona-Pandemie - perfekte Schule für Kompromisse?

Kompromisse seien auch derzeit in der Corona-Pandemie gefragt - darin sieht Weber eine Chance. Die Coronakrise könnte die perfekte Schule für Kompromisse sein, glaubt er - allerdings mit Einschränkungen.

Tatsächlich sei sie aber, "eher die Schule im irgendwie einigermaßen sich durchlavieren und möglichst viel trotzdem noch mitnehmen". Das sei schade, so Weber. "Im Grunde genommen habe wir das Virus überhaupt, weil wir als Menschen kompromisslos gegenüber den anderen Wesen sind und soweit in deren Lebensräume vordringen, dass daneben jetzt ein Virus von denen übergesprungen ist." Es gebe im Corona-Geschehen ein riesiges Ausrufezeichen, dass wir als Menschen ein gmeinsames Handeln miteinander und mit anderen Wesen finden sollten. 

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

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