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StartseiteHintergrundDie Märtyrer des 28. April14.08.2004

Die Märtyrer des 28. April

Vom Aufbegehren malaiischer Muslime im Süden Thailands

Im Süden Thailands, bewohnt zu 80 Prozent von muslimischen Malaien, entsteht zusehends die Atmosphäre eines Bürgerkriegs. Seit gut zwei Jahren verüben Mitglieder einer bis heute unbekannten Terrororganisation immer häufiger Anschläge auf Armee- und Polizeistützpunkte, brennen staatliche Schulen nieder, köpfen buddhistische Mönche. Inzwischen fordern der Terror und das harte Vorgehen der überall mit Checkpoints präsenten Sicherheitskräfte fast täglich Opfer.

Autor: Thomas Kruchem

Buddhismus ist in Thailand oft synonym mit Reichtum. während Musilime eher zur ärmeren Schicht gehören. (AP)
Buddhismus ist in Thailand oft synonym mit Reichtum. während Musilime eher zur ärmeren Schicht gehören. (AP)
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Über die Ursachen des Terrors wird derweil spekuliert: Einige Beobachter sehen Separatisten am Werk, die allerdings seit 20 Jahren kaum mehr in Erscheinung getreten sind; andere glauben, das Terrornetzwerk Al Kaida oder dessen südasiatisches Pendant "Jamah Islamiya" wollen einen muslimischen Aufstand inszenieren.

Pattani, eine verschlafene Provinzhauptstadt im äußersten Süden Thailands, an der Grenze zu Malaysia. - Imam Hadschi Niseng Nigle zeigt dem Besucher die Krue Se-Moschee - eine der ältesten Moscheen Südostasiens. Ein uraltes Ziegelgebäude, umgeben von schmiedeeisernem Zaun, vor dem an einem langen steinernen Becken Gläubige die so genannte "Urdu" vornehmen - die rituelle Waschung von Händen, Füßen und Gesicht vor dem Gebet. Kleinhändler verkaufen Nüsse, getrockneten Oktopus, Dörrobst.

Eine einlullend friedlich wirkende Atmosphäre - zu der das heftige Gestikulieren des Imams gar nicht passen will. Tränen steigen dem spitzbärtigen alten Mann in die Augen, fahrig deutet er auf Einschüsse in den Mauern, im schwarz-weiß melierten Marmor des Fußbodens; auf vor dem Zaun patrouillierende Polizisten - schwarz uniformiert, kugelsichere Westen, Maschinenpistole im Anschlag. Seit dem 28. April 2004 sind die Mauern der Krue Se-Moschee getränkt mit Blut.

Wir verrichteten gerade unser Frühgebet, als auf einmal 30 junge Männer in die Moschee hereinstürmten - bewaffnet mit Macheten, Messern und zwei, drei Gewehren. "Wir kämpfen einen Dschihad, einen heiligen Krieg, gegen die Regierung" brüllte der Anführer. - So schnell wir konnten, rannten wir aus der Moschee und suchten Deckung in umliegenden Häusern. Minuten später war die Moschee umstellt - von etwa hundert Polizisten und Soldaten. Über vier, fünf Stunden hörten wir vereinzelte Schusswechsel. Offiziere forderten die Besetzer der Moschee zur Kapitulation auf; die Besetzer antworteten mit Kampfparolen.

Um ein Uhr mittags schließlich feuerte ein Hubschrauber Granaten durch das Dach der Moschee, berichtet Hadschi Niseng. Kurz darauf wurden 32 Tote heraus getragen.

Der 28. April 2004, an dem Soldaten seine Moschee angriffen, ist für den Imam ein Datum wie der 11. September 2001 für Amerika. Mit Macheten bewaffnete junge Leute griffen an diesem Tag, dem bislang blutigsten des Terrors in Südthailand, elf Polizeiposten an; sie besetzten die Krue Se-Moschee; fast alle - insgesamt 108 - wurden von offensichtlich vorgewarnten Sicherheitskräften getötet. "Sie wurden ermordet", sagen der Imam und andere Muslime hinter vorgehaltener Hand, "sie sind Märtyrer."
"Das Aufbegehren malaiischer Muslime gegen Bangkok besitzt einen handfesten historischen Hintergrund", sagt Stefan Chrobot, der seit vielen Jahren im Lande lebende Vertreter der deutschen "Friedrich-Ebert-Stiftung". Das bei vielen Europäern verbreitete Klischee vom in Jahrtausenden homogen gewachsenen Thai-Staat treffe nicht zu.

Thailand ist eigentlich ein modernes Produkt. Also das Land hieß ja auch bis 1938 Siam, und es gab Siamesen, es gab andere Gruppen. Es ist eigentlich ein Gemisch an kulturellen Einflüssen immer gewesen.

Das einstige Sultanat Pattani zum Beispiel blickt auf eine stolze eigene Geschichte zurück. 1511, als das heute malaysische Malakka von Portugal angegriffen wurde, avancierte Pattani zum führenden Warenumschlagsplatz in Südostasien; in den folgenden Jahrhunderten nutzten zahllose europäische und arabische Händler den Hafen von Pattani.

1903 übereigneten die Briten das von ihnen besetzte Sultanat Pattani dem Königreich Siam, also Thailand - berichtet Mohammed Soljee Wanabdullah, einem Adoptivenkel des letzten Sultans von Pattani. Sein Großvater starb im malaysischen Exil.

Wanabdullah, ein hoch gewachsener früherer Lehrer, lebt heute hinter der verfallenen Ziegelmauer des einstigen Sultanspalastes. Inmitten von Ruinen und Baumstümpfen, die an einen prächtigen Park erinnern, betreibt er eine Singvogelzucht und räsoniert, Bitterkeit in der Stimme, über Thailands Politik der kulturellen Gleichschaltung. Noch vor wenigen Jahrzehnten, berichtet er, mussten sich Malaien im Süden Thailands wie Thais kleiden. Der rockähnliche Sarong war verboten, desgleichen Kopfbedeckungen wie Turban und Kupia.

Niemand durfte in den 50er Jahren Bücher über die Geschichte des Sultanats Pattani besitzen, aus Angst vor der Polizei verbrannten die Leute sogar die Bücher, die sie hatten - zum Beispiel das Standardwerk von Ibrahim Shukri, das heute kaum mehr zu finden ist. - In unseren Schulen wurde damals und wird bis heute eine von Bangkoker Bürokraten erfundene Geschichte Pattanis gelehrt. Danach gehörte Pattani schon immer zu Thailand. Ein selbständiges Sultanat hat es nie gegeben.

Jahrzehntelang wehrten sich muslimische Malaien gegen die radikal nationalistische Gleichschaltungspolitik Bangkoker Diktatoren - geführt von Organisationen wie PULO und BERSATU. Neben dem Kampf um politische Unabhängigkeit stand der um religiös-kulturelle Identität: Traditionelle Hierarchie mit dem Imam im Zentrum konkurrierte mit aufgepfropfter Bürokratie des autoritären Thai-Staats; importierte, individualistische Kultur des Buddhismus mit der eher am Wohlergehen der Gruppe orientierten des Islam.

Die malaiischen Muslime des Südens stemmen sich als wohl einzige ethnische Gruppe des Landes dem Assimilierungsdruck der Thais entgegen. Andere Gruppen - Chinesen, Inder, Khmer, die Bergvölker des Nordens - , all diese Volksgruppen sind inzwischen weitgehend assimiliert, und weder die Staatsführer in Bangkok noch die Thais auf der Straße verstehen, warum die Menschen im Süden so erbittert um ihre Identität kämpfen. "Warum sprechen diese Leute kein Thai?", fragt der Mann auf der Straße. "Warum sprechen sie immer noch dieses komische Yawee? Thai ist doch so schön, oder?

Tausende Malaien fielen bis in die 70er Jahre Massakern der Thai-Armee zum Opfer, berichtet Gothom Arya, Leiter der in Bangkok ansässigen Menschenrechtsorganisation "Forum Asia". "Mit in die Hände der Armee geratenen Führern des Widerstands wurde kurzer Prozess gemacht."

Man ließ sie verschwinden, indem man sie von Klippen herunter stieß oder sie bei lebendigem Leib in Ölfässern verbrannte. Es gibt auch zahlreiche Berichte, nach denen Oppositionelle aus Flugzeugen ins Meer geworfen wurden.

Erst in den 80er Jahren lockerte die Zentralregierung den Griff. Sie finanzierte, als Zeichen der Versöhnung, zum Beispiel die neue, großzügig angelegte Zentralmoschee von Pattani. - Zwar sind bis heute 80 Prozent aller Behördenmitarbeiter aus dem Norden zugewanderte Thais; seit 1997 aber dürfen private Radiosender in malaiischer Sprache senden; und Jugendliche können einen höheren Schulabschluss auch an so genannten "Pondoks" erwerben, an Islamschulen, die fast alle muslimischen Kinder besuchen.

Das Problem: In einer Thai sprechenden Industriegesellschaft bekommen "Pondok"-Absolventen, mangels relevanten Wissens, kaum einen Fuß auf den Boden.

Die meisten Absolventen der Pondoks hier haben erhebliche Defizite - in Naturwissenschaften und Technik, in Mathematik, Englisch und Thai. Die meisten Bewohner Südthailands sprechen ja zu Hause nur Malaiisch. An Highschool und Universität haben sie dann Probleme, sich den Anforderungen gemäß in Thai auszudrücken.

Perayot Nimahuddin ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Pattani - einer gut ausgestatteten Universität, die allerdings zu 85 Prozent von Studenten aus dem Norden besucht wird. - Das System der "Pondoks", meint Nimahuddin, ist einerseits Urgestein malaiisch-muslimischer Kultur; andererseits zementiert es die krasse Benachteiligung einheimischer Malaien in Bildung und Beruf sowie die daraus resultierende, überall sichtbare Armut:

Die meisten Unternehmen in Südthailand gehören Buddhisten aus dem Norden; in Fabriken sind meist nur die einfachen Arbeiter Malaien; die meisten Einheimischen fristen ein karges Dasein als Reisbauern, Kautschukzapfer und Fischer.

"Täglich sehen diese bitterarmen Malaien, die in bescheidensten Moscheen beten, im Fernsehen prächtige buddhistische Tempel", sagt Don Pathan, Redakteur der Bangkoker Zeitung "Nation". "Täglich sehen sie den Reichtum vieler Buddhisten - und das Elend von Muslimen weltweit."

In unserem Informationszeitalter brauchen die Menschen hier doch bloß den Fernseher einzuschalten; und sie sehen, wie Muslime in Palästina, Afghanistan und Irak behandelt werden. All das bestätigt sie in dem Gefühl: "Auch wir zählen zu den Opfern. Auch wir werden diskriminiert und unterdrückt.

Indizien dafür gibt es genug, meint auch Stefan Chrobot von der "Friedrich-Ebert-Stiftung": Thailand steht im Irak an der Seite der USA; innenpolitisch propagiert der populistisch agierende Premier Thaksin Shinawatra einen grobschlächtigen Thai-Nationalismus, der implizit auch thai-buddhistisch ist; er grenzt Muslime aus. Und...

Seit etwa letztem Jahr hat sich die Situation dann verschärft. Es ging eigentlich damit los, dass als Thaksin US-Präsident Bush im Juni letzten Jahres, also 2003, getroffen hat, wurden im Süden mehrere Muslime unter Terrorismusverdacht verhaftet. Ob die nun irgendwas vorbereitet haben oder nicht, das weiß also eigentlich niemand so zuverlässig. Aber Tatsache war: Dass der Tag des Besuchs Thaksins bei Bush zusammenfiel mit diesen Verhaftungen, wurde im Süden als ungerechter Akt gegen Muslime aufgefasst. Und damit wuchsen die Spannungen. Und dann, nachdem das weiter eskaliert ist und sich die Gegensätze verschärft haben, scheint es mir nun tatsächlich so zu sein, dass inzwischen der Boden bereitet ist, dass terroristische Organisationen im Süden Thailands junge Menschen tatsächlich rekrutieren könnten.

Menschen wie der Kautschukzapfer Sain Panawaa, der mit neun anderen am 28. April einen Polizeiposten außerhalb Yalas angriff. Sie alle wurden erschossen; und in seinem auf Stelzen stehenden Holzhaus im Dschungel ist Sains Vater Mohammed ebenso ratlos wie seine Frau Hisa, die der 42-Jährige mit acht Kindern allein ließ.

Mein Sohn Sain hat täglich Kautschuk gezapft und sich, wenn er frei hatte, um seine acht Kinder gekümmert. Er ist, soweit ich weiß, nie weggegangen zu irgendwelchen Versammlungen. - Na ja, was in seinem Kopf vorging, weiß ich natürlich nicht.
Ich weiß noch, dass mein Mann an diesem Morgen früher aufwachte als sonst. Er betete sehr lange, aß, packte die Machete ein und fuhr auf seinem Motorrad wie jeden Tag zur Arbeit. - Über Politik hat Sain mit mir nie gesprochen. - Jetzt muss ich Morgen für Morgen selbst Kautschuk zapfen, und die älteren Kinder müssen halt auf die jüngeren aufpassen.

Was ging im Kopf des Familienvaters Sain Panawaa, was in den Köpfen seiner Gesinnungsgenossen vor? Warum griffen sie, den fast sicheren Tod vor Augen, einen Polizeiposten mit Macheten an?

Südthailands Terroristen von heute sind überwiegend religiös motiviert, meint Stefan Chrobot von der Ebert-Stiftung. Irgendwie seien sie in den Bannkreis muslimischer Extremisten geraten und zu dem Gefühl gelangt:

"Das bietet mir also so viel, die Aussicht also, einer anderen Weltbewegung anzugehören und dadurch Teil der Geschichte zu sein, und vielleicht einen kurzen Augenblick mal eine ganz wichtige Rolle zu spielen; das ist es wert, dieses Risiko einzugehen, und das gibt mir auch diesen Kick, so was zu machen, dabei zu sein, trotz dieses erheblichen Risikos, dass ich mein Leben dabei verliere.

Auch Journalist Don Pathan sieht einen deutlichen Unterschied zum südthailändischen Separatismus vergangener Jahrzehnte, der vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Booms und nach Zugeständnissen der Regierung Ende der 80er Jahre austrocknete.

"Separatistische Ideologie verleitet nicht zu Selbstmordanschlägen", meint Pathan. "Die Terroristen von heute haben viel eher einen islamistischen Hintergrund." Es handle sich um Idealisten, die keine Chance sehen, im Thailand von heute muslimische Anliegen politisch durchzusetzen und deshalb zur Gewalt greifen.

Wenn Sie die Sprache der Separatisten in den 70er und 80er Jahren anschauen, dann finden Sie vor allem Parolen, in denen es um die Befreiung Pattanis von der Unterdrückung durch die Thais geht. Heute dagegen sprechen inhaftierte junge Aufständische weniger von Separatismus als vom Kampf für den Islam. Sie sprechen die Sprache des globalen Jihad.

Ob der neue Terror in Südthailand von Al Kaida oder Jamah Islamija nur inspiriert oder mit diesen Terrornetzwerken organisatorisch verknüpft ist, weiß bislang kein Außenstehender.

Dessen ungeachtet begegnet Premier Thaksin Shinawatra den Anschlägen mit äußerster Härte - eine Verbeugung vor seinen Thai-Wählern, die malaiischen Muslimen traditionell misstrauisch gegenüberstehen und im Oktober ein neues Parlament wählen. Thaksin hat die Sicherheitskräfte im Süden massiv aufgestockt; seit Januar gilt der Ausnahmezustand; Kampfhubschrauber kreisen über dem Dschungel.

Eine pure Einschüchterungsmaßnahme, meint der in Pattani lebende Politikwissenschaftler Samboon Bualuang.

Wenn Sie den Menschen zeigen wollen: "Ich habe Kampfhubschrauber, ich habe Macht" - dann praktizieren Sie, was wir auf Thai "Kumquan" nennen: Sie erzeugen Angst, Sie zeigen Ihre Hubschrauber ausschließlich, um einzuschüchtern. Genauso machen es die Thais. Tatsächlich geschossen haben deren Hubschrauber bei uns in vier Monaten ein einziges Mal. - Eine verrückte Situation: Schwere Waffen überall. Wo aber ist der Feind, den die Armee bekämpfen will? Und wer ist der Feind? - Kurz, es ist für jeden offensichtlich, dass klirrende Waffenarsenale im Südthailand von heute gar nichts bringen. Ein wie auch immer gestalteter Friedensdialog ist nötig - ein echter Dialog, den es zwischen Regierung und Volk hier im Süden noch nie gegeben hat.

Zwischen den Städten Pattani und Yala reihen sich auf 30 Kilometern vier Checkpoints aneinander, bewehrt mit Betonfässern und dunkelgrünen Sandsäcken; täglich nimmt die Armee willkürlich Passanten fest; Hunderte Muslime sind verschwunden - unter ihnen der Anwalt Somchai Neelaphaijit, der mehrere spektakuläre Bürgerrechtsprozesse gegen die Regierung geführt hatte. Somchai war ein enger Freund Professor Nimahuddins.

Er war der Mann, der den Armen juristisch beistand. Wer mit der Regierung Probleme bekam oder sogar verhaftet wurde, konnte auf Somchai rechnen - einfache Bürger ebenso wie religiöse und kommunale Führer. Bei der Regierung mag man sich angesichts dessen gesagt haben: "Solange Somchai lebt, ist es besonders schwer, in Südthailand aufzuräumen. Ist er dagegen tot, wird es kein anderer Anwalt mehr wagen, in Fragen, die die nationale Sicherheit betreffen, aktiv zu werden.

Perayot Nimahuddin, Professor für Politikwissenschaft, fühlt sich erinnert an die Militärdiktatur, gegen die er während der 70er Jahre auf den Straßen von Bangkok demonstrierte.

Es gibt keine Demokratie mehr hier im Süden. Die Menschenrechte werden von der Regierung mit Füßen getreten. Sogar uns Wissenschaftler versuchen sie davon abzuhalten, die Wahrheit auszusprechen. Ich zum Beispiel habe kürzlich einen anonymen Brief bekommen. "Schweigen Sie!", heißt es darin. "Veröffentlichen Sie nichts mehr zur politischen Situation in Südthailand." - Stellen Sie sich das vor! Ich, einer der Wissenschaftler, die am meisten von Fernsehen, Zeitungen und Radio interviewt werden, bekomme einen Brief, mit dem man mir den Mund stopfen will.

Thailands Premier Thaksin scheint derweil wenig zu hören auf Berater, die ihn warnen vor wütendem Dreinschlagen im Süden - vor einem Dreinschlagen, das mittelfristig radikale Kräfte und damit die Terroristen stärke. Thaksins Bekenntnisse zu mehr Entwicklung im armen Süden wirken wie Lippenbekenntnisse; er scheint fokussiert auf den Wahlsieg im Oktober, während vor der Krue Se-Moschee in Pattani fromme Muslime die so genannten Märtyrer vom 28. April betrauern. Unter den Trauernden: Imam Hadschi Niseng Nigle.

In den letzten Monaten wurden bei uns so viele Leute festgenommen und nach Bangkok gebracht - Väter und Söhne großer Familien. Verstehen Sie, dass da die Bevölkerung kocht vor Wut, auch wenn keiner ein Wort sagt? - Die Besetzer der Krue Se-Moschee seien Verbrecher gewesen, sagt die Regierung. Sie hätten den Tod verdient. Wer aber sind die wirklichen Verbrecher? - Jedes Stück Marmor, jeder Stein, der zum Bau dieser Moschee verwandt wurde, ist für mich ein Teil meines Körpers. Und indem die Armee diese Moschee beschoss, indem sie hier das Blut von Muslimen vergoss, hat sie mir das Herz zerschnitten. - Hätten sie auch einen buddhistischen Tempel angegriffen, wenn sich dort jemand versteckt hätte? Natürlich nicht. Aber die Gefühle von uns Muslimen sind ihnen völlig egal. Möge Allah ihnen gnädig sein.

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